I Inhaltsverzeichnis I
I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis I
II Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmungen und Einordnungen 2
2.1 Destination 2
2.2 Sportgroßveranstaltung 2
2.2.1 Bezug zum Event-Tourismus 4
2.2.2 Bezug zum Sport-Tourismus 5
3. Erfassung Klassifizierung und Bewertung der Auswirkungen 7
3.1 Methoden zur Erfassung 7
3.2 Klassifizierung der Auswirkungen 9
3.2.1 Allgemeine Auswirkungen 10
3.2.2 Auswirkungen auf Destinationen 14
3.2.3 Zusammenfassung und Bewertung 19
4. Beispiele für Sportgroßveranstaltungen in Deutschland 21
4.1 Olympische Spiele München 1972 21
4.2 Nordische Ski-Weltmeisterschaften Oberstdorf 1987 und 2005 24
4.3 FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 I
5. Fazit und Ausblick 30
III Anhang III
IV Literaturverzeichnis XVIII
II. Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis
II. Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis
Abbildungen im Text:
Abb. 2.2/1 Vielfalt von Events
Abb. 2.2.2/1 Schnittmenge Sporttourismus
Abb. 2.2.2/2 Sport-Tourismus – eine Systematisierung
Abb. 3.2.1/1 Klassifizierung der Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen 11
Abb. 3.2.2/1 Ganzheitliches oder modulares Tourismusmodell 14
Abb. 3.2.3/1 Zusammenfassung der Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen 19
auf Destinationen
Abbildungen im Anhang: Abb. 4.1/1 Zusammenfassung der Auswirkungen der Olympischen Spiele III
1972 in München
Abb. 4.1/2 Gästezahlen- und Übernachtungsentwicklungen in München im VII
Vergleich zu Bayern Abb. 4.2/1 Zusammenfassung der Auswirkungen der Nordischen Ski-WM IX
Oberstdorf
Abb. 4.2/2 Gästezahlen- und Übernachtungsentwicklungen in Oberstdorf im XIII
Vergleich zu Bayern
Abb. 4.3/1 Zusammenfassung der Auswirkungen der FIFA Fußball-WM 2006 XIV
Abkürzungen
AIEST Association Internationale d’Experts Scientifique du Tourisme
ASDL Amt für Statistik und Datenanalyse der Landeshauptstadt
BLSD Bayrisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
CIES Centre Internationale d’Études de Sports
DZT Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.
EM Europameisterschaft
FIFA Fédération Interantional de Football Association
FIT Forschungsinstitut für Tourismus
IBC International Broadcasting-Center
IOC International Olympic Committee
Mio. Million
Mrd. Milliarde
pps prosport presse service
WM Weltmeisterschaft
WTO World Tourism Organisation
1. Einleitung
1. Einleitung
"Die Region kann mit der Ski-WM gewinnen" 1 , "Tor für Deutschland – Chancen für Deutschland, sich als Reiseland zu profilieren!" 2 oder "Die Welt blickt auf München" 3 . So
oder ähnlich titeln Artikel der regionalen oder Fachpresse häufig vor Sportveranstaltungen. Grund genug diese Schlagzeilen zu hinterfragen. Gemäss diesen Aussagen profitieren Re- gionen oder deren Tourismus von der Durchführung einer Sportveranstaltung und lassen eine durchweg optimistische Sichtweise erkennen. Aber sind die Auswirkungen einer sol- chen Veranstaltung tatsächlich nur positiv?
In dieser Arbeit wollen wir uns mit allen Effekten, egal ob positiv oder negativ, befassen. Ziel ist es über allgemeine Wirkungen zu den speziellen Auswirkungen von Sportgroßver- anstaltungen auf touristische Destinationen zu gelangen.
Als Grundlage dienen im Kapitel "Begriffsbestimmungen und Einordnungen" die Definiti- onen von Destination und Sportgroßveranstaltung. Letztere erfordert zudem eine Einord- nung im touristischen Markt. Im folgenden Kapitel beschäftigt sich unsere Arbeit zuerst mit den verschiedenen Erfassungsmethoden, zur Messung der Auswirkungen. Danach fin- det eine Klassifizierung der Auswirkungen statt, die sich einerseits auf die allgemeinen und andererseits speziell auf die touristischen Auswirkungen stützt. Mit einer Zusammen- fassung der touristischen Auswirkungen wird dieses theoretisch gehaltene Kapitel abge- rundet. Zur anschaulicheren und praxisorientierteren Darstellung der Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen auf Destinationen dienen uns im letzten Kapitel drei Beispiele. Sowohl diese als auch die vorhergehenden theoretischen Ausführungen beschränken sich auf Sportgroßveranstaltungen, die einmalig an einem Ort, über mehrere Tage hinweg statt- finden.
Durch diese Vorgehensweise soll der Leserin/ dem Leser ein kritischer Umgang im Hin- blick auf die einleitenden Schlagzeilen ermöglicht werden.
1 Bürzle, M., Die Region kann mit der Ski-WM gewinnen, in: Augsburger Allgemeine/ Allgäuer Anzeigen- blatt, Nr. 251, 29.10.2004, Augsburg/ Immenstadt, S. 1 2 Jacobs, H.M., Tor für Deutschland, in: FVW, Nr. 22/04, 17.09.2004, Hamburg, S. 77 3 Gesellschaft zur Förderung des Olympischen Gedankens in der DDR (Hrsg.), München `72 im Blick- punkt, Berlin, 1972, S. 56, zitiert nach: o.V., Die Welt blickt auf München, in: tz, 26.08.1972
2. Begriffsbestimmung und Einordnung
2. Begriffsbestimmungen und Einordnungen
2.1 Destination
Der Begriff "Destination" kommt aus dem angelsächsischen Sprachgebiet und wird im
deutschen Sprachgebrauch mit "Fremdenverkehrsort und - gebiet" oder allgemein mit
"Zielgebiet" bezeichnet. Diese Überbegriffe umfassen die geographischen, landschaftli-
chen, sozio-kulturellen, organisatorischen oder infrastrukturellen Einheiten, die der jewei-
lige Gast als Reiseziel auswählt und die der Leistungsträger vermarktet. Welche Raumdi-
mension ein Gast für "seine" Destination festlegt, bestimmen seine Bedürfnisse und seine
Wahrnehmung.
Destinationen sind Produzenten von Tourismusleistungen, deren touristisches Produkt das
ursprüngliche und abgeleitete touristische Angebot ist. Dises setzt sich aus der Gesamtheit
aller tourismusdienlichen Einrichtungen und Maßnahmen zu einem Leistungsbündel zu-
sammen. Somit stellt die Destination selbst das touristische Produkt dar und wird in der
Literatur u.a. als "touristische Wettbewerbseinheit" 4 , "kollektiver Produzent" 5 , "touristi-
sches Multiproduktionsunternehmen" 6 oder "Makro-Betrieb" 7 bezeichnet. 8
2.2 Sportgroßveranstaltung
Eine einheitliche Bestimmung, Abgrenzung und somit Definition des Begriffs "Sportgroß-
veranstaltung" ist mangels allgemein anerkannter Grenzwerte und Indikatoren bis heute
nicht möglich. In der Literatur existieren lediglich verschiedene Ansätze zur Definition,
Klassifikation und Typisierung von Veranstaltungstypen wie z.B. Sportgroßveranstaltun-
gen. 9 Die folgende Abbildung soll nun die begriffliche Einordnung von Sportgroßveran-
staltungen erleichtern.
4 Bieger, T., Management von Destinationen und Tourismusorganisationen, 4. Aufl., München/ Wien, 2000, S. 76 5 Kaspar, C., Die Fremdenverkehrslehre im Grundriss, 5. Aufl., Bern/ Stuttgart, 1996, S. 33 6 Freyer, W., Tourismus-Marketing: Marktorientiertes Management im Mikro- und Makrobereich der Tou- rismuswirtschaft, 2. Aufl., München/ Wien, 1999, S. 251 7 Freyer, W., Tourismus-Marketing, 1999, S. 251 8 Zu diesem Abschnitt vgl. Freyer, W., Tourismus - Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 7. Aufl., München/ Wien, 2001, S. 177; auch Marx, B., Skript für Reiseverkehrsgeographie, FH-Kempten, 2000, o.S.; sowie Bieger, T., Management von Destinationen, 2000, S. 73 ff.
9 Liebrich, A./ Mehr, R./ Laesser, C., Volkswirtschaftliche Bedeutung sportlicher Großanlässe, in: Dreyer, A. (Hrsg.), Tourismus und Sport – wirtschaftliche, soziologische und gesundheitliche Aspekte des Sport- Tourismus, 1. Aufl., Wiesbaden, 2002, S. 252 sowie Stettler, J., Ökonomische Auswirkungen von Sport- großanlässen, Literaturstudie, Luzern, 2000, S. 4
2. Begriffsbestimmung und Einordnung
Abb. 2.2/1, Vielfalt von E vents, eigene Darstellung, in Anlehnung an Freyer, W./ Groß, S., Events
im Sport und ihr Bezug zum Tourismus, in: Freyer, W./ Groß, S. (Hrsg.), Tourism us und Sport-
Events, Dres den, 2002, S. 3
Aufgrund der Tatsache, dass Sportgroßveranstaltungen eine spezielle Form von (touristi-
schen) Großveranstaltungen oder sog. Events darstellen, soll der Eventbegriff als Hilfe zur
Definition von Sportgroßveranstaltungen dienen.
Der Begriff "Event" entstammt dem Angelsächsischen und wird im deutschen Sprach-
gebrauch mit "Ereignis" bezeichnet und oft synonym mit dem Begriff "Veranstaltung"
verwendet. Zunächst lässt sich sagen, dass das Interesse potentieller Nachfrager durch E-
vents auf einen bestimmten Zweck an einem bestimmten Ort gerichtet werden soll. Des
weiteren liegen einem Event äußere Merkmale wie die zeitliche Befristung, Dauer, Regel-
mäßigkeit bzw. Häufigkeit und die Größe zugrunde. Aber auch Auswirkungen von Groß-
veranstaltungen, das Einzugsgebiet der Besucher, die Zuschauerzahl oder der Zweck, An-
lass bzw. Inhalt der Veranstaltung zählen zu den Differenzierungs- und Klassifizierungs-
merkmalen bei Großveranstaltungen. Des weitern ermöglichen sog. "eventspezifische Ei-
genschaften" wie z.B. das Medieninteresse eine erweiterte Begriffsbestimmung und Ein-
ordnung. 10
10 vgl. Scherhag, K., Events – Eine Chance für die Tourismuswirtschaft?, in: Freyer, W./ Meyer, D./ Scher-
hag, K. (Hrsg.), Events – Wachstumsmarkt im Tourismus?, Dresden, 1998, S. 85 f.; auch Freyer, W./
Groß, S. Events im Sport, 2002, S. 1; ebenso Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltun-
gen – ökonomische, ökologische und soziale Wirkungen, 1. Aufl., Schorndorf, 2003, S. 81 ff.
2. Begriffsbestimmung und Einordnung
Aus diesen eben genannten Merkmalen lassen sich drei wesentliche Eventtypen, die als Mega-, Medium- und Mini-Events bezeichnet werden, ableiten. 11 Mega-Events, also
Großveranstaltungen, auch "Hallmark-Events", oder "Special-Events" genannt, sind nach Ritchie "größere einmalige oder wiederkehrende Events begrenzter Dauer, die in erster Linie entwickelt werden, um Bewusstsein, Anziehungskraft und Rentabilitätsverhältnisse eines touristischen Zielgebietes kurz- oder langfristig zu erhöhen. Derartige Events bauen ihren Erfolg auf ihre Einzigartigkeit, ihren Rang oder ihre Aktualität, Interesse zu wecken und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen." 12
Verknüpft man nun die Merkmale einer Großveranstaltung mit dem Bereich Sport, so spricht man von einer "Sportgroßveranstaltung, wenn es sich um ein geplantes, zeitlich begrenztes Ereignis handelt, das einen Wettkampf in einer oder mehreren olympischen Sportarten zum Inhalt hat, und dieser Wettkampf eine herausragende Bedeutung innerhalb der jeweiligen Sportart besitzt." 13 Freyer gliedert Sportgroßveranstaltungen oder sog.
Sport-Events in Special Events (z.B. Olympische Spiele, Welt-, Europameisterschaften), Freizeit-Events (z.B. Volksläufe, Sportfeste) und Sport-Ligen (z.B. Kreis-, Regional-, Bundesliga). 14
2.2.1 Bezug zum Event-Tourismus
Events gewinnen im Tourismus immer mehr an Bedeutung. Man spricht auch vom Trend zum Event-Tourismus, der durch allgemeine Reisetrends wie z.B. dem Trend zu Kurzrei- sen, unterstützt wird.
Heute ist für ein Fünftel aller Bundesbürger der Besuch einer Veranstaltung das Hauptmo- tiv für eine private Reise. Das hängt auch damit zusammen, dass Konsumgüter im Gegen- satz zu Konsumerlebnissen immer bedeutungsloser werden. Die Folge sind "speziell in- szenierte oder herausgestellte Ereignisse oder Veranstaltungen von begrenzter Dauer mit touristischer Ausstrahlung, die den Eventbesucher zu einem vorübergehenden Ortswechsel veranlassen." 15 11 vgl. Freyer, W./ Groß, S., Events im Sport, 2002, S. 1 ff.
12 vgl. Ritchie, B./ Yangzhou, J., The Role and Impact of Mega-Events and Attractions on Regional and National Tourism: A Conceptual and Methodological Overview, in: Association Internationale d’Experts Scientifique du Tourisme (AIEST) (Hrsg.), Der Einfluss von Grossveranstaltungen auf die nationale und regionale Fremdenverkehrsentwicklung, St. Gallen, 1987, S. 24 (übersetzt von Stephan Fischer) 13 Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 83 14 Freyer, W., Großveranstaltungen: Rolle und Bedeutung für den Tourismus, Dresden, 2004, S. 9 15 Freyer, W./ Groß, S., Events im Sport, 2002, S. 1
2. Begriffsbestimmung und Einordnung
Gerade im Sport kann diese Entwicklung beobachtet werden. Es findet also eine "Eventi- sierung von Sportereignissen" 16 statt. Dies hat zur Folge, dass die Sportveranstaltung als
Ganzes das Spektakel darstellt und der Sport an sich als Erlebnis inszeniert wird. "Also: viel Show und Unterhaltung - und mittendrin ein wenig Sport" 17 .
Die meisten Events haben ursprünglich ihre Entstehung nicht-touristischen Anlässen zu verdanken. Es ist aber ein zunehmendes Interesse des Tourismus an Events zu beobachten, denn eine systematische Nutzung der Events führt zu einer touristischen Angebotserweite- rung und Attraktivitätssteigerung einer Destination und dient somit der Erreichung touris- tischer Zielsetzungen. Ihre touristische Relevanz ist vor allem dann hoch zu bewerten, wenn sie als Vermarktungsinstrument der Destination eingesetzt werden, wobei an dieser Stelle zwischen natürlichen und künstlichen (inszenierten) Mega-Events unterschieden werden muss. Erstere unterstreichen z.B. das Image einer Destination, letztere können zu- dem einen Imagewechsel bewirken ("image builder of modern tourism" 18 ). Bei der Positio- nierung von Destinationen z.B. über Sport-Events arbeitet das Eventmanagement eng mit dem Destinationsmanagement zusammen. 19 20
2.2.2 Bezug zum Sport-Tourismus
Bei der Betrachtung der bedeutendsten deutschen Freizeitphänomene spielen der Sport und der Tourismus eine zentrale Rolle. Zum einen kann Deutschland mit seinen ca. 40 Mio. aktiv Sporttreibenden als Sportnation betitelt werden. Zum anderen spricht man aufgrund der 50 Mio. deutschen Urlaubsreisenden vom "Volkssport Tourismus mit dem Reisewelt- meister Deutschland" 21 . In einer Verbindung dieser beiden Megabereiche Sport und Tou-
rismus resultiert der Sport-Tourismus. Er wird, in Anlehnung an die Grunddefinition des Tourismus, als "das vorübergehende Verlassen des gewöhnlichen Aufenthaltsortes sowie der Aufenthalt in der Fremde aus sportlichen Motiven" 22 definiert. Entgegen aller Erwar-
tungen entsteht in der Summe allerdings kein neuer Megamarkt. Die Schnittmenge Sport- tourismus ist im Verhältnis zu den beiden Ausgangs- und Mutterdisziplinen Sport und 16 Wopp, Ch., Zur Zukunft des Sports und Fragen an die Volkswirtschaft, in: Büch, M.-P./ Maennig, W./ Schulke, H.-J. (Hrsg.), Regional- und sportökonomische Aspekte von Sportgroßveranstaltungen, 1. Aufl., Köln, 2002, S. 24 17 Opaschowski, H.W., Events im Tourismus - Sport-, Kultur- und Städtereisen, Grundlagenstudie zur Tourismusforschung, Hamburg, 1997, S. 33 18 Hall, C.M., Hallmark tourist events: impacts, management and planning, London, 1992, S. 1 19 vgl. Scherhag, K., Events - Wachstumsmarkt, 1998, S. 85 ff.
20 zu 2.2.1 vgl. Opaschowski, H.W., Sport-, Kultur- und Städtereisen, 1997, S. 22 ff.
21 Freyer, W., Sport-Tourismus – Forschungsstand und Forschungslücken, in: Freyer, W./ Groß, S. (Hrsg.), Sport-Events, 2002, S. 10
2. Begriffsbestimmung und Einordnung
Tourismus, wie in Abbildung 2.2.2/1 ersichtlich, relativ klein und stellt somit nur ein klei-
nes Marktsegment dar. Außerdem stellt sich der Sport-Tourismus als inhomogener und
individueller Markt heraus.
ca. 40 Mio.
aktiv Sporttreibende
Abb. 2.2.2/1, Schnittmenge Sporttourismus, eigene Darstellung in Anlehnung an Freyer, W., Sport-
Tourismus, 2002, S. 12
Die Tourismuswissenschaft kann aus ihren Erkenntnissen über den Markt des Sport-
Tourismus folgende wesentliche Aussagen treffen: 60% aller Reisenden geben an, dass sie
im Urlaub Sport betrieben haben; bei ca. 5-10% aller Reisenden ist Sport das Hauptreise-
motiv und ungefähr 2% aller Reisenden sind Touristen zu Sportevents.
Bei Sportgroßveranstaltungen treten verschiedene Gruppen oder Segmente Sporttreibender
oder- nachfragender auf, die sich hinsichtlich ihres sport-touristischen Verhaltens unter-
scheiden. Diese Arten des Sport-Tourismus werden in Abb. 2.2.2/2 dargestellt 23 :
Abb. 2.2.2/2, Sport-Tourismus – eine Systematisierung, eigene Darstellung, in Anlehnung an Frey-
er, W./ Groß, S., Sport-Tourismus, 2002, S. 30
22 Freyer, W., Sport-Tourismus, 2002, S. 28
23 zu 2.2.2 vgl. Freyer, W., Sport-Tourismus, 2002, S. 7 ff.
3. Erfassung, Klassifizierung und Bewertung der Auswirkungen
3. Erfassung, Klassifizierung und Bewertung der Auswirkungen
3.1 Methoden zur Erfassung
Entscheidet sich heute eine Stadt, eine Region oder ein Land zur Durchführung einer Sportgroßveranstaltung, ist dies meist nur unter enormem Einsatz von öffentlichen Mitteln möglich. Die Entscheidung für eine Sportgroßveranstaltung bedeutet gleichzeitig eine Ent- scheidung gegen einen anderweitigen Einsatz dieser Ressourcen. Deshalb ist es wichtig, alle positiven und negativen Auswirkungen einer solchen Veranstaltung abschätzen zu können. Dies geschieht durch Bewertungsmethoden, die direkte und indirekte Wirkungen einbeziehen, die monetär bewertbar (tangibel) sind oder nicht (intangibel). 24 In verschiede-
nen Studien, welche die Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen untersucht haben, wurden unterschiedliche Methoden angewandt, wovon die wichtigsten im Folgenden kurz dargestellt werden.
• Kosten-Nutzen-Analyse:
Diese Methode ist sowohl vor einer Veranstaltung als Entscheidungshilfe, als auch danach zur Erfolgskontrolle anwendbar. Sie ist "per Definition ein makroökonomischer Ansatz" 25 .
Die grundsätzliche Fragestellung dieser Analyse versucht zu klären, welcher zusätzliche Nutzen der Gemeinschaft entsteht, wenn eine Maßnahme durchgeführt wird. Dazu werden alle direkten und indirekten Auswirkungen einer Veranstaltung möglichst monetär bewer- tet und den Kosten gegenübergestellt. Durch diese Analyse kann der absolute Vorteil einer Maßnahme in Geldeinheiten dargestellt werden. Sie hat allerdings auch Nachteile. Zum einen können nicht monetär messbare Effekte nur als Ergänzung beschrieben werden. Zum anderen stellt diese Methode eine rein quantitative, nicht aber qualitative Betrachtungswei- se dar. 26
• Kosten-Wirksamkeits-Analyse: Dieser makroökonomische Ansatz beurteilt eine Ver-
anstaltung „an der Erreichung von konkreten projektspezifischen, der allgemeinen Wohl- fahrt untergeordneten Zielen“ 27 . Dazu werden alle Kosten monetär und alle Nutzenelemen- 24 Zu diesem Abschnitt vgl. Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 107 25 Liebrich, A./ Mehr, R./ Laesser, C., Bedeutung sportlicher Großanlässe, 2002, S. 248 26 zu diesem Abschnitt vgl. Stettler, J., Auswirkungen von Sportgrossanlässen, 2000, S. 8; auch Hickel, R., Thesen zur Konzipierung einer Sportökonomie, in: Büch, M.-P./ Maennig, W./ Schulke, H.-J. (Hrsg.), Aspekte von Sportgroßveranstaltungen, 2002, S. 14; auch Liebrich, A./ Mehr, R./ Laesser, C., Bedeutung sportlicher Großanlässe, 2002, S. 248; sowie Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 118 27 Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 108
3. Erfassung, Klassifizierung und Bewertung der Auswirkungen
te als physische Größen einbezogen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass auch monetär schwierig bewertbare Effekte einbezogen werden und so alle Wirkungen gleichrangig verglichen werden können. Nachteilig ist, dass die Kosten-Wirksamkeits- Analyse nur eine „Rangordnung der Alternativen nach ihrer relativen Vorteilhaftigkeit liefern“ 28 kann. Außerdem können persönliche Präferenzen der ausführenden Personen zu großen Einfluss nehmen. 29
• Nutzwert-Analyse:
Sie stellt eine Weiterentwicklung der Kosten-Wirksamkeits-Analyse dar. Deshalb hat sie dieselben Vor- bzw. Nachteile dieser Methode. Als zusätzlichen Vorteil bietet sie die Mög- lichkeit, den Gesamtnutzen einer Maßnahme zu bewerten. 30
• Wertschöpfungsstudien:
Die Wertschöpfung „wird i.d.R. als Differenz zwischen den Bruttoproduktionswerten und den Vorleistungen der einzelnen Wirtschaftsbereiche bestimmt [...] und mißt insofern das Nettoergebnis der Produktionstätigkeit“ 31 . Im Zusammenhang mit Sportgroßveranstaltun-
gen können durch eine angepasste Methode auch deren Wirkungen auf Orte und Regionen gemessen werden. So ergeben sich oft aus vorhandenem Datenmaterial Ergebnisse. Auch diese Methode ist eine rein quantitative Betrachtung ökonomischer Auswirkungen. 32
• Input-Output-Analyse:
Auch hier geht es um die Messung makroökonomischer und monetär bewertbarer Auswir- kungen. Diese Methode kann nur für vergangene, abgeschlossene Zeiträume angewandt werden. Ihre Eignung ist beschränkt. Eine Kombination mit anderen Methoden, z.B. der Kosten-Nutzen-Analyse, ist allerdings möglich. 33
• Inzidenzanlayse: Diese, in den USA entwickelte, Methode kann in Zusammenhang mit
Großveranstaltungen zur Erfassung von Verteilungswirkungen von Infrastruktur- Einrichtungen genutzt werden. Ihr Einsatz ist sowohl vor als auch nach einer Veranstal- tung möglich. Sie stellt eine einfach zu handhabende, flexible Methode dar. Da auch sie 28 Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 118 29 zu diesem Abschnitt vgl. Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 108 ff. 30 zu diesem Abschnitt vgl. Gans, P./ Horn, M./ Zemann, C., Sportgroßveranstaltungen, 2003, S. 108 ff. 31 o.V., Gabler Wirtschaftslexikon, 13. Aufl., Wiesbaden, 1993, S. 3756 32 zu diesem Abschnitt vgl. Stettler, J., Auswirkungen von Sportgrossanlässen, 2000, S. 8; auch Liebrich, A./ Mehr, R./ Laesser, C., Bedeutung sportlicher Großanlässe, 2002, S. 247 33 zu diesem Abschnitt vgl. Stettler, J., Auswirkungen von Sportgrossanlässen, 2000, S. 8; auch Liebrich, A./ Mehr, R./ Laesser, C., Bedeutung sportlicher Großanlässe, 2002, S. 247 f.
Quote paper:
Stephan Fischer, Karin Höß, 2004, Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen auf Destinationen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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