- 3 - 1.Einleitung
Wenn man an einen in Tagebuchform geschriebenen Roman über eine allein stehende, männerbesessene Mittdreißigerin aus London gerät, denkt man nicht wirklich als Erstes an Jane Austen. Vermutlich gehen die ersten Gedanken, die sich mit der Frage beschäftigen, wo man so etwas Ähnliches vielleicht schon einmal gehört hat, eher in die Richtung Ally McBeal oder Sex and the City. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass diese Londoner Mittdreißigerin, diese Bridget Jones, tatsächlich Züge von Austen'schen Heldinnen hat. Und wenn man dann auch noch nach einiger Recherche herausfindet, dass die Autorin des Romans, Helen Fielding, in einem Internet-Cha t ganz offen zugibt, den Plot ihrer Geschichte dem Austen'schen Meisterwerk Pride and Prejudice nachempfunden zu haben (s. Internet-Quelle), werden sich auch altmodische Austen-Anhänger an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Bridget Jones eine moderne Version von Elizabeth Bennet ist.
In dieser Hausarbeit möchte ich untersuchen, was genau die Ähnlichkeit, aber auch die Unterschiede zwischen den beiden Romanen Pride and Prejudice und Bridget Jones's Diary ausmacht, und wie die beiden Protagonistinnen in Licht e ihrer jeweiligen Zeit zu sehen sind.
Beginnen werde ich mit einem allgemeinen Überblick über die Ähnlichkeiten der Romane. Danach werde ich anhand einer genaueren Untersuchung der beiden Titelfiguren ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Schließlich folgt ein Abschnitt über die Protagonistinnen und ihre Zeit, und zum Schluss mein Fazit.
2. Parallelen zwischen "Bridget Jones's Diary" und "Pride and Prejudice"
Der erste Hinweis auf eine Ähnlichkeit der beiden Romane ist zweifelsohne die Namensgleichheit des "love interest" von Bridget und Elizabeth: Darcy. Nun heißt der eine Mark und der andere Fitzwilliam mit Vornamen, aber das ändert nichts daran, dass man sich als Leser sofort an den jeweils anderen Roman erinnert fühlt.
Bridget lernt Mark Darcy beim alljährlichen "New Year's Day Turkey Curry Buffet" im Haus der Alconburys, langjährigen Freunden ihrer Eltern, kennen. Elizabeth wird ihrerseits bei einer Tanzgesellschaft im nahe gelegenen Dorf Meryton mit Fitzwilliam Darcy bekannt gemacht. Sowohl Mark, als auch Fitzwilliam Darcy, ist vermögend und dies wird auch in beiden Romanen bei der Einführung seiner Person von Anwesenden hervorgehoben: "[…] and the report which was in general circulation within five
- 4 -minutes after his entrance, of his having ten thousand a year." (Austen 1996: 12); "'Do you remember Mark, darling? He's one of those top- notch barristers. Masses of money' " (Fielding 1996: 9). Beiden Protagonistinnen gemeinsam ist der sofortige negative Eindruck vom jeweiligen Mr. Darcy - der eine ist zu arrogant und stolz: "[…] for he was discovered to be proud, to be above his company, and above being pleased […]" (Austen 1996: 12), und der andere zu altbacken: "[…] revealing […] a V -neck diamond-pattern in shades of yellow and blue - as favoured by the more elderly of the nation's sport reporters" (Fielding 1996: 13). Elizabeth mokiert sich darüber, dass Mr. Darcy sich weigert mit ihr zu tanzen und sie gar als " 'tolerable; but not handsome enough'" (Austen 1996: 13) bezeichnet, während Brid get enttäuscht ist, dass Mark Darcy sie scheinbar nicht attraktiv genug findet, um sich ihre Telefonnummer geben zu lassen: "It's not that I wanted him to take my phone number or anything, but I didn't want him to make it perfectly obvious to everyone that he didn't want to" (Fielding 1996: 16).
Bridgets Mutter, Mrs. Jones, ist sehr darum bemüht, für ihre Tochter einen Ehemann zu finden und versucht ständig, Bridget mit ihr bekannten jungen Männern zu "verkuppeln", vorzugsweise mit Mark Darcy: "I don't know why she didn't just come out with it and say, 'Darling, do shag Mark Darcy over the turkey curry, won't you? He's very rich'" (Fielding 1996: 12). Auch Mrs. Bennets einziger Wunsch ist es, all ihre fünf Töchter möglichst gut zu verheiraten: "The business of her life was to get her daughters married […]" (Austen 1996: 7).
Sowohl in Bridget Jones's Diary, als auch in Pride and Prejudice gibt es eine Figur, die von der Protagonistin anfänglich bewundert, beziehungsweise abgöttisch verehrt, und vom jeweiligen Mr. Darcy verabscheut wird. Bridget ist vernarrt in ihren Chef Daniel Cleaver, und Elizabeth findet Gefallen an dem jungen Soldaten George Wickham, der mit seinem Regiment in Meryton den Winter verbringt.
Eine weitere Ähnlichkeit der beiden Plots ist, dass beide Mr. Darcys die Familie der Protagonistin vor Unheil bewahren. In Pride and Prejudice sorgt Mr. Darcy dafür, dass Wickham, der mit Elizabeths jüngster Schwester Lydia durchgebrannt ist, diese heiratet und verhindert so einen gesellschaftlichen Skandal. Der Anwalt Mark Darcy in Bridget Jones's Diary hilft Mrs. Jones aus einem Konflikt mit dem Gesetz, als sie wegen Betrugs verhaftet wird.
- 5 -Auf den ersten Blick scheinen sich die beiden Romane sehr zu ähneln, jedoch möchte ich nun mit Hilfe einer genaue ren Betrachtung der beiden Protagonistinnen einige deutliche Unterschiede aufzeigen.
3. Vergleich: Bridget Jones vs. Elizabeth Bennet
Zunächst möchte ich damit beginnen, die beiden Hauptthemen von Jane Austens Roman - Stolz und Vorurteil - als Maßstab für den Charakter der beiden Protagonistinnen Bridget und Elizabeth anzuwenden.
Als Elizabeth Mr. Darcy bei der Tanzgesellschaft in Meryton kennen lernt, ist es das erste Mal, dass sie von ihm hört. Anfänglich wird Mr. Darcy noch von allen Anwesenden positiv wahrgenommen, was nicht zuletzt an der Höhe seines Vermögens liegt. Jedoch, als sein Verhalten seinen Charakter offenbart, wendet sich die Bewunderung der Tanzgäste, einschließlich Elizabeths, schnell in Ablehnung und Verachtung:
"[…] Mr. Darcy soon drew the attention of the room by his fine, tall person, handsome features, noble mein; and the report which was in general circulation within five minutes after his entrance, of his having ten thousand a year. The gentlemen pronounced him to be a fine figure of a man, the ladies declared he was much handsomer than Mr. Bingley, and he was looked at with great admiration for about half the evening, till his manners gave a disgust which turned the tide of his popularity […]" (Austen 1996: 12)
Bridget hingegen kennt Mark Darcy schon seit Kindertagen - ihre Mutter erinnert sie regelmäßig daran, dass sie als Kind mit Mark im "' […] paddling pool'" (Fielding 1996: 12) gespielt hat. Durch die wiederholten, unwillkommenen Versuche ihrer Mutter, Bridget und Mark zusammen zu bringen, ist Bridget schon von vornherein nicht gut auf Mark zu sprechen, und als er zum Turkey Curry Buffet auch noch - ihrer Meinung nach - furchtbar gekleidet erscheint und auch nicht an ihrer Telefonnummer interessiert ist, wird ihr negativer Eindruck weiter bestärkt. Sein Desinteresse an ihrer Person verletzt Bridgets Stolz und ihre Vorurteile gegenüber Mark mehren sich. Jane Austens Mr. Darcy zieht den ersten Eindruck, den Elizabeth von ihm hat, weiter ins Negative, indem er sie als " 'tolerable; but not handsome enough to tempt me'" (Austen 1996: 13) bezeichnet und damit ihren Stolz verletzt: " '[…] I could easily forgive his pride, if he had not mortified mine'" (Austen 1996: 21). Elizabeth wird also durch Darcys unhöfliches Verhalten und seine überhebliche Art dazu verleitet, schnell alles zu glauben, was man Negatives über ihn erzählt, was später auch dazu führt, dass
- 6 -sie keinerlei Zweifel hat, dass Darcy Wickham so übel mitgespielt hat, wie dieser ihr gegenüber vorgibt:
"'I had not thought Mr. Darcy so bad as this - though I have never liked him, I had not thought so very ill of him - I had supposed him to be despising his fellow-creatures in general, but did not suspect him of descending to such malicious revenge, such injustice, such inhumanity as this! […] His disposition must be dreadful'" (Austen 1996: 79).
Später, als Elizabeth erfährt, dass Mr. Darcy seine Finger im Spiel hatte und an Bingleys Weggang von Netherfield nicht unschuldig war, konstatiert sie wütend, dass er Schuld an Janes Liebeskummer hat:
"[…] he was the cause, his pride and caprice were the cause of all that Jane had suffered, and still continued to suffer. He had ruined for a while every hope of happiness for the most affectionate, generous heart in the world" (Austen 1996: 182)
Auch Bridget ist durch ihre Vorurteile gegenüber Mark Darcy in ihrem Urteilsvermögen geschwächt und glaubt ihm daher nicht, als Mark versucht, ihr und den Freunden ihrer Eltern klarzumachen, dass Daniel Cleaver nicht gut für sie ist: " 'I suppose you think it's all right to slag people's boyfriends off their parents' friends behind their back when they're not even there for no reason just because you're jealous'" (Austen 1996: 171) Noch am selben Tag findet Bridget jedoch heraus, dass Cleaver sie betrügt und ihre Mauer aus Vorurteilen und Stolz beginnt zu bröckeln. Nachdem Mark Bridget eines Tages bittet, mit ihm auszugehen, und ihr erzählt, dass seine Verachtung für Daniel Cleaver daher stammt, dass dieser ein Verhältnis mit seiner - Darcys - Ex-Ehefrau hatte, fängt Bridget an, Darcy in einem anderen Licht zu sehen und nimmt sogar eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen an.
Elizabeth Bennet kommt erst dahinter, wie Mr. Darcys Gefühle wirklich aussehen, als er ihr einen Heiratsantrag macht, der jedoch alles andere als romantisch ist und mehr ihre Nachteile als ihre Vorzüge hervorhebt, und den sie schließlich vehement ablehnt: "'I might as well enquire,' replied she, 'why with so evident a design of offending and insulting me, you chose to tell me that you liked me against your will, against your reason, and even against your character? […] Had not my own feelings decided against you, had they been indifferent, or had they even been favourable, do you think that any consideration would tempt me to accept the man, who has been the means of ruining, perhaps for ever, the happiness of a most beloved sister?'" (Austen 1996: 186)
Doch nach dieser Auseinandersetzung, in der Elizabeth Darcy vorwirft, das Glück ihrer Schwester Jane ruiniert zu haben, schreibt D arcy ihr einen Brief, den Elizabeth am
Arbeit zitieren:
Julia Korthus, 2005, Bridget Jones's Diary als Echo von Pride and Prejudice, München, GRIN Verlag GmbH
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