Inhaltsverzeichnis
1 Heranführung an das Thema 02
1.1 Einleitung 02
1.2 Aufbau der Arbeit 03
1.3 Forschungskontext 05
2 Theoretische Grundlagen 07
2.1 Begriffliche Klärungen und Definitionen 08
2.1.1 Kommunikation und Medien 08
2.1.2 Medien und Minderheiten 10
2.1.3 Tourismus 15
2.1.4 Die Kanaren als Mischgebiet 16
2.2 Funktionen deutschsprachiger Medien im
fremdsprachigen Ausland 19
3 Methoden und Material 20
3.1 Leitfadeninterviews 21
3.2 Online-Befragung 22
4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige
Medien auf den Kanarischen Inseln 23
4.1 Überblick 23
4.2 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes 25
5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
29
5.1 Tourismus und Zuwanderung als Grund,
Umgebungsrahmen und Funktionsgeber für
deutsche Medien auf den Kanaren 30
5.1.1 Tourismus auf den Kanaren und Gran Canaria 30
5.1.2 Zuwanderung auf die Kanaren und nach Gran
Canaria 33
5.1.3 Fazit 37
5.2 Der technische Fortschritt als Funktionsgeber
und -begrenzer für deutsche Medien auf den
Kanaren 38
5.2.1 Medienpräsenz aus Deutschland und ihre
Auswirkungen als Funktionsbegrenzer 38
5.2.2 Die Rolle des Internet als Funktionsgeber und
-begrenzer 40
5.2.3 Fazit 43
5.3 Aktuelle Situation deutscher Medien auf den
Kanaren 43
5.3.1 Auflage, Zielgruppe, Leserschaft 43
5.3.1.1 Auflage 43
5.3.1.2 Zielgruppe & Leserschaft 45
5.3.2 Wirtschaftliche Situation und Konkurrenz 48
5.3.2.1 Wirtschaftliche Situation 48
5.3.2.2 Konkurrenz 52
5.4 Nutzung und Bedeutung der Online-Ausgabe 54
5.4.1 Basisdaten 54
5.4.2 Vergleich Print- und Online-Ausgabe 55
5.4.3 Fazit 56
5.5 Entwicklungstendenzen für die Zukunft 56
6 Funktion deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln 59
6.1 Integrationsfunktion 60
6.2 Brückenfunktion und Erhalt deutschen Kulturgutes 61
6.3 Zusammenhalt der deutschen Gemeinde 64
6.4 Sprachrohr der Deutschen gegenüber dem Gastland 66
7 Fazit 68
8 Journalistisches Produkt: Beitrag für den „Globus“ 70
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1 Heranführung an das Thema
1.1 Einleitung
Die Kanarischen Inseln stellen seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Mischform als genauso beliebtes Urlaubsziel wie Zuwanderungsgebiet von Deutschen dar. Deshalb hat sich auf den
Kanaren in den vergangenen Jahrzehnten eine ebenso bunte wie unüberschaubare deutschsprachige Medien-Landschaft gebildet. Die Wissenschaft hat sich mit diesen Medien, die sich an 1 deutschsprachige Zuwanderer (Residenten ) und Urlauber
gleichermaßen richten, wenn überhaupt, dann nur am Rande beschäftigt.
Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Entwicklung und die Funktion der wichtigsten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln aufzuzeigen und so eine bestehende Lücke in der Medienforschung wenn nicht zu füllen, so doch anzugehen und thematisch zu besetzen. Die Arbeit kann andere an diesem Themenbereich Interessierte anreizen, sich den deutschsprachigen Medien in anderen 2 Mischgebieten aus Urlaubsziel und Lebensraum anzunähern und diese zu untersuchen. Die Informationen dieser Arbeit wurden vornehmlich in Leitfadeninterviews mit den Herausgebern, Gründern oder
Chefredakteuren der wichtigsten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln zu Entwicklung und Funktion der jeweiligen Zeitschrift erhoben. Darüber hinaus fließen eigene Erfahrungen aus einer knapp vierjährigen Lebens- und Arbeitsphase auf den Kanarischen Inseln in die Arbeit ein. Die Befragung von Nutzern eines
1 Der Begriff Residenten ist dem Spanischen entlehnt. Er kennzeichnet zugewanderte Ausländer, die sich mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis auf den Kanarischen Inseln aufhalten. Eine Pflicht zur Meldung besteht zwar vor allem für Rentner, aber auch für Langzeit-Touristen und Überwinterer nicht mehr. Dennoch hat sich der Begriff durchgesetzt und soll in dieser Arbeit parrallel und als Synonym für den Begriff „Zuwanderer aus dem deutschen Sprachraum, insbesondere Deutschland“ verwendet werden.
2 Definition des Begriffs „Mischgebiet“ im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Definitionen“
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Online-Abonnements soll zudem eine Entwicklungstendenz für die hier untersuchten Medien aufzeigen.
Zur Herleitung wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im
fremdsprachigen Ausland wurde die Literatur zu traditionellen, schon wesentlich länger bestehenden derartigen Medien herangezogen. Eine besondere Rolle kommt dabei der Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik zu, die sich untereinander in Teilbereichen durchaus annähern und in einzelnen Funktionen und Eigenschaften sogar überschneiden. Grundsätzlich sind sie jedoch als nebeneinander stehende Gattungen der Massenmedien in deutscher Sprache im fremdsprachigen Ausland zu verstehen. Die Publizistik in jüngeren, von Tourismus wie Zuwanderung gleichermassen geprägten Gebieten unterscheidet sich ebenfalls von allen drei genannten Gattungen. Mögliche Gegenüberstellungen können sowohl für die Medienmacher im Ausland als auch für Wissenschaft oder Wirtschaft (hier insbesondere in der Marketing-, PR- und Werbebranche) von Interesse sein.
1.2 Aufbau der Arbeit
Im theoretischen Teil sollen zunächst Begriffe und Definitionen aus den betroffenen Wissenschaftsdisziplinen geklärt werden, die für diese Arbeit von immenser Bedeutung sind. Dabei können schon die ersten Unterscheidungen zu den bisher von der Wissenschaft untersuchten Gruppen und Medien getroffen werden, die zum Teil offensichtlich sind. Grundlage dafür sind sowohl die allgemeinen
kommunikationswissenschaftlichen Modelle als auch die Erklärung der Begriffe Minderheiten und Minderheitenmedien mit ihren unterschiedlichen Untergruppen wie Exil-, Emigranten-und Enklavenpublizistik. Die so herauskristallisierten und
verallgemeinerten Aufgaben und Funktionen traditioneller, also schon seit mehr als einem halben Jahrhundert existierender
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deutschsprachiger Medien im Ausland dienen dann dazu, im methodisch-praktischen Teil dieser Arbeit anhand von
Leitfadeninterviews mit Chefredakteuren und Herausgebern deutscher Medien auf den Kanaren im Allgemeinen wie der Haupt-Insel Gran
Canaria im Besonderen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erarbeiten. Am Anfang steht hier ein Überblick über die deutschsprachige Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln insgesamt sowie die Beschreibung des notwendigerweise
eingeschränkten Untersuchungsgegenstandes. Ein weiterer Aspekt sind die Rahmen- und Randbedingungen, die überhaupt dazu geführt haben, dass sich auf den Kanarischen Inseln eine deutschsprachige Medienlandschaft bilden konnte. Dazu zählen sowohl die Herausbildung und Entwicklung des Tourismus auf den Inseln als auch die Entwicklung deutscher Residentschaft am Kanarischen Archipel. Dieser Themenkomplex unterstützt letztendlich die getroffenen Unterscheidungen zu Machern und Rezipienten der bisher wissenschaftlich untersuchten deutschsprachigen Medien im fremdsdprachigen Ausland.
Zu einer Beschreibung der Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanaren bis heute gehört natürlich auch ein Ausblick in die Zukunft. Ein kurzer Abriss über veränderte technische Rahmen- und Randbedingungen wird in diesem Zusammenhang genauso gegeben wie der Versuch einer Prognose durch eine Online-Befragung von Nutzern des Internetangebots der größten deutschsprachigen Zeitschrift auf den Kanarischen Inseln gewagt werden soll. Schliesslich soll dem Leser mit dieser Arbeit die Möglichkeit gegeben werden, die Funktionen deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln in Gegenüberstellung zu wichtigen Aufgaben und Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland allgemein zu sehen. Vielfach wird dies eher eine Beschreibung dessen sein, was deutsche Medien auf den Kanaren eben NICHT sind und NICHT leisten, doch reicht dies zur Unterscheidung und Abgrenzung
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durchaus aus. Mit der Zusammenfassung ist gleichzeitig eine Grundlage für die Beurteilung ähnlich gelagerter Medien und deren Rezipienten in anderen Mischgebieten aus Urlaubsziel und Lebensraum für Auswanderer aus dem deutschen Sprachraum gegeben.
Das journalistische Produkt soll letztendlich ein Artikel sein, der sich mit seinem Thema sowohl an interessierte Journalisten und Medienfachleute als auch an die Wirtschaft richtet. Der Artikel soll den Journalisten und Medienfachleuten Informationen zu einer bisher unterschätzten Form der deutschsprachigen Presse im Ausland geben. Der Wirtschaft - insbesondere der Werbewirtschaft - kann aufgezeigt werden, dass die hier untersuchten deutschen Medien im fremdsprachigen Ausland einerseits durchaus ernstzunehmen sind und andererseits eine Werbeplattform in einem Umfeld bieten, das so im deutschen Alltag der Bundesrepublik nicht zu finden ist.
1.3 Forschungskontext
Deutschsprachige Medien im fremdsprachigen Ausland haben heutzutage zumindest eines gemein: sie werden in Deutschland so gut wie nicht wahrgenommen. Das betrifft sowohl elektronische als auch Printmedien - gleich welchen Inhalts und welcher Ausrichtung; gleich wo auf dieser Welt sie erscheinen. Von der Wirtschaft werden sie als Werbeträger ebensowenig wahr- wie ernst genommen, von der Wissenschaft bestenfalls am Rande und auch nur dann beachtet, wenn sie ein Konfliktpotenzial in sich bergen oder bereits über eine 3 sehr lange Zeit bestehen .
So beschäftigen sich zwar diverse Diplom- und Abschlussarbeiten mit speziellen Gebieten deutschsprachiger Publizistik im fremdsprachigen
3 telefonische Informationen von Björn Akstinat, Internationale Medienhilfe (IMH) in Köln, sowie von Dr. Harro Hess, ehemaliges Vorstandsmitglied der inzwischen aufgelösten Internationalen Assoziation deutscher Medien (IADM) e.V., Dezember 2003/Januar 2004
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4 Ausland . Sie decken jedoch einen Bereich NICHT ab: Den Bereich derjenigen deutschsprachigen Publikationen, die sich in einem Feld bewegen, dass sich eben nicht eindeutig als im weitesten Sinne der Emigranten-, Exil- oder der Enklavenpublizistik zurechnen lässt. Sabine REINER mit ihrem Buch „Enklavenpublizistik - Insulare 5 Kommunikation ethnischer Minderheiten“ und Brigitte BUSCH mit
ihrem Werk „Der virtuelle Dorfplatz - Minderheitenmedien, 6 Globalisierung und kulturelle Identität“ befassen sich intensiv mit
Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik. Reiner bietet vor allem im theoretischen Teil hervorragende Möglichkeiten zur Abgrenzung an, wenn sie über Publikationen schreibt, die sich an bestimmte Gruppen, bestimmte deutschsprachige Minderheiten im nichtdeutschen 7 Sprachraum richten. Im praktischen Teil bezieht sie sich dabei auf das „Argentinische Tageblatt“ in Buenos Aires. Busch hingegen bringt in ihrem Buch über die slowenischen Minderheitenmedien in Kärnten eher plakative Beispiele für Entwicklung und Funktionen von Medien in Minderheitensprachen bei.
Beide - die eine mit Deutschen in Argentinien, die andere mit Ex-Jugoslawen in Österreich - beschäftigen sich jedoch letztendlich mit schon lange im Gastland existierenden ethnischen Minderheiten - eine Zuordnung, die für die auf den Kanarischen Inseln lebenden 8 deutschsprachigen Residenten so nicht getroffen werden kann . Erst
recht nicht in diese Kategorie fallen deutschsprachige Touristen als wichtige Lesergruppe deutschsprachiger Medien in Urlaubsgebieten wie den Kanarischen Inseln.
4 Derartige Arbeiten erschienen zum Beispiel zur Situation deutschsprachiger Medien in Brasilien, Namibia oder New York; zur deutschsprachigen Presse Osteuropas allgemein oder auch zu deutschsprachigen Medien in Kanada und Belgien im Vergleich.
5 Reiner, Sabine: Enklavenpublizistik: Insulare Kommunikation ethnischer Minderheiten. Eine systemtheoretische Analyse mit einer Untersuchung des Argentinischen Tageblatts, Münster: Agenda-Verlag, 1995
6 Busch, Brigitte: Der virtuelle Dorfplatz: Minderheitenmedien, Globalisierung und kulturelle Identität. Klagenfurt: Drava, 1999
7 Einzelheiten im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Defintionen“ 8 Weitergehende Ausführungen dazu sind im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Definition“ zu finden, außerdem im praktischen Teil dieser Arbeit
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Marion KAUFMANN deckt in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Zwischen Assimilation und Isolation - Leserschaft, Funktion und Perspektive deutschsprachiger Presse im Ausland am Beispiel des 9 Echo in Kanada und des Grenz-Echo in Belgien“ einen weiteren
allgemeinen Teil an Aufgaben und Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland ab. Allerdings beklagt auch sie im Grundtenor mit Reiner und Busch ein mangelndes Interesse der Wissenschaft an der deutschsprachigen Auslandspresse: „In der heutigen Forschung wird der ‚deutschsprachigen Presse im Ausland’ kaum Raum gegeben. In Standard-Werken wie dem Fischer-Lexikon Publizistik Massenkommunikation findet sich kein Eintrag zu diesem
10 Thema.“
Mit der vorliegenden Arbeit, die Entwicklung und Funktion der deutschsprachigen Presse auf Gran Canaria als wichtigster Insel am kanarischen Archipel beschreiben soll, wird also weitgehend Neuland betreten. Sie kann im Fazit eine Zusammenfassung zur Entwicklung und den Funktionen einer von Exil-, Emigranten-oder
Enklavenpublizistik abweichenden Form der Minderheitenpublizistik am Beispiel deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln anbieten.
2 Theoretische Grundlagen
Der theoretische Teil dieser Arbeit wird sich in zwei große Gruppen teilen. Als erstes sollen natürlich die verschiedenen in dieser Arbeit verwendeten Begriffe vor allem aus Kommunikations- und sozialwissenschaftlicher Sicht geklärt werden. Nicht zu vermeiden sind
9 Kaufmann, Marion: Zwischen Assimilation und Isolation: Leserschaft, Funktion und Perspektive deutschsprachiger Presse im Ausland am Beispiel des Echo in Kanada und des Grenz-Echo in Belgien. Diplomarbeit im Studiengang Germanistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, vorgelegt 2003
10 Kaufmann 2003, S. 20
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auch Begriffe aus dem touristischen Bereich sowie Eigenschöpfungen, deren Sinn ebenfalls im ersten Teil erläutert werden soll. Der zweite Teil der theoretischen Grundlagen widmet sich hingegen der Erarbeitung wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland anhand der vorliegenden Literatur. Die in diesem Teil hergeleiteten Funktionen werden schließlich in den Leitfadeninterviews mit den Chefredakteuren, Herausgebern oder Gründern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln verwendet, um vorhandene - oder eben nicht vorhandene -Funktionen der untersuchten Medien zu evaluieren.
2.1 Begriffliche Klärungen und Definitionen 2.1.1 Kommunikation & Medien
Ist in dieser Arbeit von Medien die Rede, so soll der Begriff im Sinne von Massenmedien verstanden werden. Für eine Zuordnung zu dieser Gattung sind folgende Voraussetzungen wichtig: Massenmedien sprechen auf indirektem Wege ein uneinheitliches Publikumsfeld an und sind beabsichtigterweise öffentlich zugänglich. Sie weisen keine einheitliche Herstellungs- und Verbreitungsweise auf, können also sowohl als Druckerzeugnis als auch als elektronisches Medium 11 daherkommen .
In dieser Arbeit werde ich mich ausschließlich mit den im Abschnitt „Untersuchungsgegenstand“ näher bezeichneten Print-Medien
beschäftigen. Die Publikationen bezeichnen sich zum Teil selbst als Zeitung oder Magazin. Der Definition nach sind sie jedoch eher dem breiten Feld der Zeitschriften zuzurechnen, da sie nicht die Kriterien der allgemein gültigen Zeitungsdefintion aufweisen. Jürgen WILKE schreibt der Zeitung vier Merkmale zu:
11 vgl. Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Wien, Köln, Weimar 1995, S 162 ff.
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„1. Publizität, also Öffentlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit; 2. Aktualität, also auf die Gegenwart bezogen, die gegenwärtige Existenz betreffend, sie beeinflussend, neu und gegenwärtig wichtig; 3. Universalität - kein Thema ist ausgenommen; 4. Periodizität, und zwar nicht begrenzte, sondern unbegrenzte Periodizität, d.h. in regelmäßigen Abständen immer
12 wiederkehrend, angelegt auf fortlaufende Erscheinungsweise.“ Nimmt man die einfachste Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Zeitung und Zeitschrift, so verfügt letztere zwar auch über Publizität und Periodizität als Wesensmerkmale. Anders sieht es bei den beiden anderen Merkmalen Universalität und Aktualität aus. Eines oder beide Merkmale können weniger stark ausgeprägt sein oder im Fall der 13 Universalität sogar ganz fehlen.
Bei den untersuchten deutschsprachigen Medien auf den Kanaren handelt es sich durchweg um periodisch erscheinende Druckwerke mit einer unbegrenzten Öffentlichkeit. Sie zielen jedoch nicht auf unbegrenzte Universalität in der Berichterstattung ab, sondern setzen eindeutige Themenschwerpunkte auf lokaler (gemeinde- bzw. inselbezogene Informationen), regionaler (inselübergreifende bzw. die Gesamtheit oder Mehrheit der kanarischen Inseln betreffende Informationen) und nationaler (spanienbezogene Informationen) 14 Ebene. Wird in dieser Arbeit dennoch auch der Begriff Zeitung oder Magazin verwendet, so sind sie den Bezeichnungen der Medien selbst entlehnt und im eben beschriebenen Sinne als Zeitschrift zu verstehen.
12 Wilke 1999, in: Noelle-Neumann, Schulz, Wilke [Hg.] 2003, Seite 460
13 vgl. Günther Kieslich: „Zur Definition einer Zeitschrift“, in: Publizistik 10/1965, Seite 314 ff., auch Wilke 1999, in: Noelle-Neumann, Schulz, Wilke [Hg] 2003, Seite 469
14 Einzelheiten und nähere Ausführungen dazu sind im Abschnitt „Funktion deutschsprachiger Medien auf den Kanaren“ zu finden.
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2.1.2 Medien & Minderheiten
Die hier untersuchten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln gehören zu der großen Gruppe der deutschsprachigen Massenmedien im fremdsprachigen Ausland. Die Internationale Medienhilfe Hennef stellt dazu fest, daß es derzeit fast 4.000 derartige Angebote weltweit gibt, die sowohl als Printmedien als auch als elektronische Medien verbreitet werden und denen weit reichende Funktionen zugeschrieben werden:
„Sie fungieren als Brücken zwischen verschiedenen Kulturräumen, fördern durch einzigartige Wirtschaftsinformationen den Außenhandel, ziehen Touristen und Investoren in die deutschsprachigen Staaten, dienen deutschsprachigen Urlaubern im Ausland als Wegweiser, helfen Schülern rund um den Globus beim Erlernen der deutschen Sprache und stellen
15 Bindeglieder zwischen den Angehörigen deutscher Minderheiten dar.“
Im Normalfall richten sich vor allem die schon seit vielen Jahrzehnten bestehenden derartigen Medien an Mitglieder einer deutschen Minderheit im fremdsprachigen Ausland. Die Rede ist dann von Minderheitenmedien, speziell von Exil- oder Emigrantenpublizistik oder nach Sabine Reiner auch von Enklavenpublizistik.
In der Wissenschaft gibt es mehrere Ansätze, den Begriff Minderheit zu definieren. So ist die Rede von objektiven und subjektiven Kriterien, die eine Gruppe von Individuen gegenüber einer Mehrheit zur Minderheit machen. Marion KAUFMANN hat als weitgehend beste Möglichkeit der Definition des Wortes Minderheit eine Mischform aus zwei objektiven und einem subjektiven Merkmal nach HOFMAN gefunden. Er beschreibt eine Minderheit durch:
„Zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber der ‚Mehrheit’ und nichtdominante Position; Unterscheidbarkeit gegenüber der ‚Mehrheit’ aufgrund ethnischer
15 Webseite der Internationalen Medienhilfe, Download (http://www.imh- deutschland.de/page/index.php?rubrik=0003, sieheAnhang)
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bzw. nationaler, kultureller, religiöser und sprachlicher Merkmale und das vom gemeinsamen Willen getragene Bestreben, die eigenständige Identität zu
16 wahren.“
Auch Sabine REINER bezieht sich bei der Minderheitendefinition auf eine nicht rein quantitativ existierende Minorität, sondern verweist auf qualitative - kognitive - Minderheiten und deren
„...qualitative, sozial-strukturelle Zuweisungen (...), die in kultureller Identität, Wahrnehmung von ‚Fremdsein’ im Gegensatz zu ‚Vertrautsein’ und ‚Status’
17 usw. wurzeln...“
Eine wichtige Rolle für die Bezeichnung einer Minderheit im Allgemeinen, somit auch einer deutschen Minderheit im
fremdsprachigen Ausland, wird dem „Kulturellen Gedächtnis“ zugeschrieben, über das sich die Minorität gegenüber der Majorität abgrenzen und definieren kann; das somit als Motor zur Herstellung der kollektiven Identität einer Gruppe dient: „Unter dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses fassen wir den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten zusammen, in deren ‚Pflege’ sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr
18 Bewußtsein von Einheit und Eigenart stützt.“
In dieser Arbeit muss jedoch genau unterschieden werden: Geht man nach den eben aufgeführten Definitionen des Minderheitenbegriffs, so würden die deutschsprachigen Touristen und Residenten NICHT als Minderheit durchgehen. Rein zahlenmäßig sind sie zwar der Mehrheit unterlegen - dies aber nur aufgrund der Sprache. Schon bei den Nationalitäten, erst recht aber bei dem einer Minderheit übereinstimmend zugeschriebenen kulturellen Gedächtnis hören die Gemeinsamkeiten auf. Gerade den deutschsprachigen Residenten geht darüber hinaus scheinbar jeder Wille ab, eine eigenständige
16 Hofmann 2002, Seite 556. Zitiert nach: Kaufmann 2003, Seite 12 17 Reiner 1995, Seite 17
18 Assmann 1988, Seite 16f., Zitiert nach Reiner 1995, Seite 17
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(Gruppen-)Identität zu wahren und zu beschützen. Eine deutsche Gemeinde, eine deutsche Gemeinschaft, eine Solidargruppe von Deutschen auf den Kanarischen Inseln kann nicht ausgemacht 19 werden! Dass dadurch Funktionen, die die deutschen
Minderheitenmedien überall auf der Welt wahrnehmen, auf den Kanarischen Inseln nicht wahrgenommen werden und auch nicht wahrgenommen werden müssen liegt auf der Hand und wird später noch genauer beschrieben.
Dabei bleibt im Allgemeinen festzuhalten, dass von einer „deutschen Gemeinde“ oder „deutschsprachigen Gemeinschaft“ um so eher zu reden ist, je weiter das Gastland von Deutschland entfernt ist und je länger die gemeinsame Migration einer bestimmten Gruppe 20 zurückliegt . Das Vermitteln von Werten und Wissen; das Bewahren von Brauchtümern und Traditionen durch die Minderheitenmedien im Sinne des ‚kulturellen Gedächtnisses’ wird um so wichtiger, je länger die Auswanderung ins Ausland zurückliegt und diese außerdem unter einem bestimmten, meist religiösen oder politischen Druck erfolgt ist, der einen Zusammenhalt untereinander erfordert und die Bildung eines 21 wie auch immer gearteten ideellen Werteverbundes begründet hat .
So schreibt auch die Internationale Medienhilfe in ihrer Broschüre
19 vgl. dazu die Interviews mit den Herausgebern und Chefredakteuren deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln. Nach übereinstimmender Aussage kann die Gesamtheit der auf den Inseln lebenden Deutschen NUR und AUSSCHLIESSLICH über die Sprache als Gruppe und Minderheit definiert werden - ansonsten gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen den auf den Inseln lebenden Deutschen, Österreichern und Schweizern. So kann hier auch nur aufgrund der deutschen Sprache von einer deutschen (insofern deutschsprachigen) Minderheit gesprochen werden.
20 Im Gegensatz zu den Kanaren kann man von deutschen Gemeinden im Ausland beispielsweise im Falle von Argentinien, Chile, Brasilien oder auch Rumänien reden. Vgl. dazu auch das Interview mit dem Konsul der Bundesrepublik Deutschland auf den Kanarischen Inseln, Arnulf Braun, sowie die Aussagen in den Interviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln.
21 Gemeint sind hier Auswanderungswellen beispielsweise der Mennoniten nach Kanada aufgrund eines religiösen Drucks oder im Zuge der beiden Weltkriege aufgrund eines politischen Drucks, vgl. auch die Interviews mit dem Konsul der Bundesrepublik Deutschland auf den Kanarischen Inseln, Arnulf Braun, sowie Interviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln.
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„Zukunftsfähiges Zeitungsmanagement bei im fremdsprachigen Ausland erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen“: „Im fremdsprachigen Ausland leben derzeit rund 80 Millionen Deutschstämmige. Etwa 10 Prozent davon beherrschen noch die deutsche Sprache. Von diesem Anteil wiederum nutzen längst nicht alle Menschen die in ihrem Staat existierenden deutschsprachigen Medien. Zur Zeit besteht die Leserschaft der Minderheitenpresse größtenteils aus älteren Personen, die ein
22 besonders großes Interesse an Traditions- und Sprachpflege haben.“ Daß dieser Einschätzung ebenfalls eine Begutachtung der ’traditionellen’ deutschsprachigen Medien im fremdsprachigen Ausland, also der Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik sowie ihrer Rezipienten zugrunde liegt - und nicht etwa eine Bewertung der Situation deutschsprachiger Medien in den „neuen“ bzw. „jungen“ Mischgebieten (Urlaubs- und Zuzugsregionen wie den Kanarischen 23 Inseln) - soll ebenfalls später näher beleuchtet werden .
Exil- und Emigrantenpresse nach herkömmlicher Deutung stellen, wenn auch nicht identische, so doch nahe beieinander liegende, sich umgebende und einander gegenseitig beeinflussende Arten der Minderheitenpublizistik dar. Sabine REINER wagt in ihrem Buch den Versuch, die beiden häufig unklar benutzten Begriffe klarer zu unterscheiden. Nach ihrem Modell verfügt die Publizistik der Emigranten - also der Auswanderer - eher auch über einen Integrations- und Assimilierungscharakter. Die Exil-Publizistik beschränkt sich hingegen auf die Informationsfunktion der Medien über Geschehnisse im Heimat- wie auch im Gastland, da nach ihrem Verständnis ein Exil ein zeitlich begrenzter Aufenthalt in einem Gastland darstellt, was Assimilierung und Integration nicht erforderlich macht. Assimilierung und Integration kennzeichnen also eher die Bestrebungen der Auswanderer und ihrer Medien, da der Aufenthalt
22 Akstinat 1997, Seite 10 (Internationale Medienhilfe: „Zukunftsfähiges Zeitungsmanagement bei im fremdsprachigen Ausland erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen“, IMH Hennef 1997)
23 siehe Abschnitt zur Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
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der Emigranten im Gastland zeitlich weniger begrenzt zu sehen ist. In Fortführung dieses Gedankenganges schreibt REINER der Exil-Presse 24 nur die Primär-Funktion als Kontakt zur Heimat zu .
Reiner entwickelt ihr eigenes Modell der Enklavenpublizistik als neben 25 Exil-, Emmigranten- und auch Alternativpublizistik stehende Gattung
von deutschsprachigen Publikationen im fremdsprachigen Ausland, die sich am ehesten an die Gruppe der schon über Generationen im Gastland lebenden Angehörigen der deutschen Kultur und Sprache richtet und die sich unter anderem durch die Art der Berichterstattung sowie ihre Funktion auszeichnet:
„Bevorzugte Beiträge (der Enklavenpublizistik - D.K.) sind Informationen über die Aufrechterhaltung von spezifischen Kulturwerten und Kontakten zum Herkunftsland, aber auch über die Aufrechterhaltung der Enklave innerhalb des Aufnahmelandes. (...) Die Funktion (der Enklavenpublizistik - D.K.) ist
26 primär der Erhalt und die Selbstbeobachtung der Enklave.“ Damit hat die Enklavenpublizistik - zu finden übrigens auch in Deutschland im Falle der größten dort lebenden ethnischen Minderheit und ihren Medien, den Sorben - genauso Gemeinsamkeiten wie Unterschiede aufzuweisen, was ihr Verhältnis zu Exil- als auch Emigrantenpublizistik betrifft. Am wichtigsten scheinen mir auch bei Reiners Modell die gleichwertigen Eigenschaften „sprachlich“ und „kulturell“ bei der näheren Beschreibung des Wortes „Minderheit“ zu sein. Die deutschsprachige Minderheit auf den Kanarischen Inseln kann jedoch wie schon beschrieben nicht als kulturelle, sondern nur als sprachliche Minderheit beschrieben werden.
Aber Reiners Modell weist auch Gemeinsamkeiten zu der hier vorkommenden Publizistik in Mischgebieten aus Urlaubs- und Zuwanderungsziel auf. Sie richtet sich beispielsweise ebenso wie
24 vgl. Reiner 1997, Seite 27 ff.
25 Auf die Alternativpublizistik als Form der Protest-Publizistik soll in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden, weil sie sich zu weit vom Kernpunkt der deutschsprachigen Presse im Ausland mit ihren Eigenschaften und Funktionen entfernt und somit nicht der Klarheit und dem Verständnis dienen würde.
26 Reiner 1997, Seite 28 f.
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Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik an einen begrenzten Rezipientenkreis (hier die Gruppe aller Deutschsprachigen). Andererseits hat sie aufgrund des fehlenden kulturellen
Zusammenhaltes so gut wie keinen „Heimatbezug“. Die Funktion der deutschsprachigen Presse auf den Kanarischen Inseln besteht nach dem Selbstverständnis der Chefredakteure und Herausgeber eben NICHT darin, eine Brückenfunktion zur Heimat darzustellen, sondern vielmehr darin, Informationen regionaler, lokaler und nationaler - in diesem Fall Spanien betreffender - Art an ein Publikum zu vermitteln, das der spanischen Sprache überhaupt nicht oder nur ungenügend 27 mächtig ist .
2.1.3 Tourismus
Oft wird in dieser Arbeit auch der Tourismus benannt. Dabei ist der Begriff Tourismus als Bezeichnung für den Massen- und Pauschaltourismus zu verstehen, der sich seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit dem bundesdeutschen „Wirtschaftswunder“, den Verbesserungen in der Verkehrsinfrastruktur (insbesondere dem Flugwesen) sowie mit dem Entstehen und der Entwicklung einer zunehmend touristisch geprägten Infrastruktur auf den Kanarischen 28 Inseln gebildet hat.
Im Unterschied zu den Pauschal- oder Massentouristen, die im Regelfall zwischen einer und drei Wochen Urlaub im jeweiligen Zielgebiet verbringen, wird der Begriff der Langzeit-Toruisten und der Überwinterer benutzt. Langzeit-Touristen verbleiben vier bis acht
27 Darauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher einzugehen sein, wenn die Funktionen und die Entwicklung der deutschsprachigen Presse auf den Kanarischen Inseln näher beleuchtet wird. Insbesondere wird begründet, warum Informationen aus und über Deutschland weder beabsichtigt noch notwendig sind.
28 Unbestritten bleibt, dass es auch vorher schon Reisende, Urlauber und Touristen gegeben hat. Erst mit dem Massentourismus und einer touristischen Infrastruktur in den Urlaubsgebieten bildeten sich jedoch Strukturen heraus, die auch deutschsprachige Medien notwendig machten. Näher eingegangen wird darauf im Abschnitt zur Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln und den Rahmenbedingungen.
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Wochen, manchmal sogar noch länger, im Zielgebiet. Die Überwinterer hingegen bleiben mehrere Monate und verfügen zu einem nicht geringen Teil über Wohneigentum vor Ort. Andernfalls mieten sie sich meist privat eine Unterkunft. Sie werden deshalb von der Tourismus-Statistik im Regelfall nicht erfasst. Bei den Überwinterern handelt es sich zudem meist um Rentner, während sowohl bei den Langzeit-Touristen als auch bei den Pauschal- oder Massentouristen fast alle 29 Altersschichten vertreten sind.
2.1.4 Die Kanaren als „Mischgebiet“
An dieser Stelle soll auf den schon mehrfach genannten Begriff eines „Mischgebiets aus Urlaubsort und Zuwanderungsziel“ näher eingegangen werden. Derartige Mischgebiete unterscheiden sich von üblichen Exil- und Emigrationszielen genauso wie von Reiners Enklaven durch mehrere Kriterien. Diese wiederum haben einen immensen Einfluss auf das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von Funktionen der vor Ort vorhandenen deutschsprachigen Medien.
Die von mir als Mischgebiete bezeichneten Gegenden zeichnen sich durch mehrere Faktoren aus:
• sie entstanden erst mit dem Massen- und Pauschaltourismus;
• sie sind darum geprägt von einem sich gegenseitig befruchtenden Potential an Touristen und Residenten;
• die Zuwanderung hierher fand in größerem Rahmen erst durch den Massentourismus statt bzw. wurde durch ihn möglich
29 Mit diesen Angaben berufe ich mich auf eigene Erfahrungen, die ich im Bereich des Tourismus auf den Kanarischen Inseln zwischen 1996 und 2000 sammeln konnte. Eine Bestätigung meiner Beobachtungen lieferte mir der Chef der Agentur „Viajes Canarias Europa“, German BRAUNS. Seine Agentur ist neben „Viajes Paukner“, die ihre Existenz inzwischen einstellen musste, die älteste Agentur zur Betreuung von Pauschalreisenden aus Deutschland auf den Kanarischen Inseln. Viajes Paukner und Viajes Canarias Europa betreuten in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Reisenden von namhaften Reiseveranstaltern in Deutschland. Erst durch die Konzentration auf dem Tourismus-Markt mit eindeutiger Tendenz zur TUI einerseits und zur Neckermann-Gruppe andererseits verloren beide Agenturen an Bedeutung.
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Erstens mag die Art der Auswahl eine Rolle spielen. Mischgebiete, so meine These, werden vordergründig dann als Zuwanderungsziel ausgewählt, wenn sie eine qualitative Verbesserung des
Lebensumfeldes und der Lebensumstände versprechen. Damit sind vor allem immatierielle Dinge wie das Klima, die Lebensqualität oder die subjektiv als abweichend vom Heimatland empfundene Lebensart der Einheimischen gemeint. Materielle, religiöse oder politische 30 Zwänge spielen wenn, dann nur eine marginale Rolle . Sie
unterstützen zwar den persönlichen Drang zur Ausreise aus dem deutschen Sprachraum, haben jedoch wenig Einfluss auf den Zielort.
Zweitens bilden sich Mischgebiete nur dort, wo sowohl Touristen als auch Zuwanderer (hier Residenten) aufeinander treffen. Sie befruchten sich gegenseitig auf wirtschaftlicher Basis und bilden einen durch die gemeinsame Sprache verbundenen Leser-und 31 Rezipientenkreis.
Insofern ist auch der zeitliche Aspekt zu berücksichtigen, können sich doch derartige Mischgebiete erst mit der Durchsetzung des Pauschal-und Massentourismus seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts bilden. Wichtige Gründe für ein politisches Exil oder für eine Emigration aus religiösen Gründen wie beispielsweise die beiden Weltkriege fallen damit weg und konnten per se keinen Einfluss auf
Zuwanderungsströme in Mischgebiete wie die Kanarischen Inseln haben. Noch weiter zurückliegende Phasen im 18. und 19.
30 Hier soll nur der Standpunkt der deutschen bzw. deutschsprachigen Zuwanderer analysiert werden. Dass die Kanarischen Inseln ebenso das Ziel illegaler Einwanderer vom afrikanischen Kontinent sind ist unbestritten, spielt jedoch in einer Arbeit über deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln keine Rolle.
31 siehe auch „Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln“ später in dieser Arbeit
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Jahrhundert, in denen Deutsche gezielt in andere Länder abgeworben wurden (Argentinien, Brasilien, Kanada), sind erst recht bedeutungslos für das Mischgebiet Kanarische Inseln.
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Was das für die Funktionen der Medien vor Ort bedeutet, soll im folgenden Abschnitt des theoretischen Abschnitts beleuchtet werden.
2.2 Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland
Unter den eben genannten Aspekten und Kennzeichen von Mischgebieten sind die Notwendigkeiten zu betrachten, die sich in traditionellen Exil- und Emigrationsgebieten ergeben haben, in den hier skizzierten Gebieten jedoch nicht bestehen. So ist ein derartiges Merkmal der technische Fortschritt, der es heute vor allem auch in Mischgebieten möglich macht, deutsche Zeitungen am
Erscheinungstag oder einem der Folgetage im Gastland zu erwerben. Satelliten-TV, deutsches Radio und natürlich das Internet nehmen weiterhin den Druck, in einem Periodikum im Gastland Informationen 32 aus der deutschsprachigen Heimat veröffentlich zu müssen . Darüber
hinaus stellen moderne Transportmittel auch eine schnelle und inzwischen immer billiger werdende Verbindung nach Deutschland dar.
Auch die Touristen und der Tourismus an sich spielen eine wichtige Rolle für die Funktion und Entwicklung von deutschsprachigen Medien in Mischgebieten. Ihr Vorhandensein sichert den Verlagen per se eine große Abnehmerschar, ein gewisses Werbeaufkommen und somit auch das Überleben. Wie später anhand der Leitfadeninterviews genauer beschrieben wird, sind die deutschsprachigen Medien deshalb ausnahmslos auch touristisch ausgerichtet - selbst wenn die 33 eigentliche Zielgruppe eher die deutschsprachigen Residenten sind .
32 Das Phänomen, daß Informationen aus Deutschland für die deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln und ihre Rezipienten NIE eine Rolle gespielt haben, wird später genauer beleuchtet.
33 vgl. Leitfadeninternviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln
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3 Methoden und Material
Im wesentlichen wird in dieser Arbeit auf folgende Methoden und Informationsquellen zurückgegriffen:
• Leitfadeninterviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern 34 wichtiger deutscher Printmedien auf den Kanarischen Inseln .
• Online-Befragung von Nutzern des Online-Abonnements einer deutschsprachigen Publikation auf den Kanarischen Inseln.
•
Eigene Erfahrungen aus vierjähriger Tätigkeit für die Zeitschrift „KAKTUS - Das Kanarenmagazin“ sowie aus einjähriger
Lanzarote.
• Basis-Informationen über deutschsprachige Medien im Ausland
• Basis-Informationen zur Entwicklung von Tourismus und
3.1 Leitfadeninterviews
Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf den Kanaren lassen sich am besten über das Standardinstrument der Befragung herausfinden. Befragt wurden diejenigen, die diese Medien gegründet
34 auf die notwendige Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes wird später in dieser Arbeit ausführlich einzugehen sein.
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haben, sie als Verleger herausgeben oder als Chefredakteur ihre inhaltliche Linie bestimmen. Da es sich bei den Interviews um explorative Interviews handelt, die Antworten also nicht als schlichte „ja-nein-weiß-nicht“-Reaktionen oder einfache Bewertungen
einherkommen, wurde bewußt auf das strukturierte Einzelinterview als 35 „hauptsächliche Erhebungsform in der empirischen Sozialforschung“ verzichtet. Vielmehr wurde aufgrund der theoretischen Grundlagen und wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im Ausland im allgemeinen ein thematischer Interview-Leitfaden erarbeitet, mit dem die Befragten in wenig bis teilstrukturierten Einzelinterviews konfrontiert wurden. Das ist insofern legitim, als bei der Absicht der Befragungen eben die Informationsgewinnung im Vordergrund steht. Den Befragten sollte dabei durchaus die Möglichkeit von Eigeninterpretationen der Fragestellung gegeben werden, die in einem voll strukturierten Interview - erst recht mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten - im Sinne einer Messbarkeit der Antworten nachgerade ausgeschlossen werden:
„Ziel und Vorteil von Leitfaden-Gesprächen werden im Allgemeinen darin gesehen, dass durch die offene Gesprächsführung und die Erweiterung von Antwortspielräumen der Bezugsrahmen des Befragten bei der
Fragenbeantwortung miterfaßt werden kann, um so einen Einblick in die Relevanzstrukturen und die Erfahrungshintergründe des Befragten zu
36 erlangen.“
Die Gespräche mit den Befragten wurden ausnahmslos auf Tonband aufgezeichnet. Die Transskriptionen der Interviews sind im Anhang zu finden.
3.2 Online-Befragung
Um Aussagen über das Nutzungsverhalten und die Bewertung des Internetangebotes einer Publikation und daraus resultierende mögliche
35 vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 301 36 vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 355
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Tendenzen im Verhältnis der Printausgabe gegenüber der Onlineausgabe zu erhalten, wurden ausschließlich die Nutzer der Internet-Ausgabe mit einem Online-Fragebogen konfrontiert. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die übergroße Mehrheit der potenziell in diese Zielgruppe gehörenden Rezipienten auch die Print-Ausgaben als Parrallel-Angebot nutzt oder vor dem Online-Abo genutzt hat und somit über Vergleichsmöglichkeiten zwischen beiden Publikationsarten verfügt. Die Methode der Online-Befragung ist am ehesten mit einem stark strukturierten Einzelinterview zu vergleichen, 37 dass als schriftliche Befragung durchgeführt wird. Die Notwendigkeit bzw. die Vorteile einer derartigen
Befragungsmehtode liegen auf der Hand: Nur durch eine schriftliche Befragung über das Online-Angebot selbst konnte ausschließlich die beabsichtigte Nutzergruppe angesprochen werden. Die schriftliche Befragung weist jedoch auch Nachteile auf. So schreiben Schnell, Hill und Esser der schriftlichen Befragung eine höhere Ausfallquote als beim persönlichen Interview und erhebliche Stichprobenverzerrungen 38 als wesentlichste Nachteile dieser Art der Datenerhebung zu. Weitere Probleme sowie die wichtigsten Ergebnisse der Befragung werden im praktischen Teil abgehandelt.
37 vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 301 & 335 38 vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 336
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4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln
4.1 Überblick
Geht man von der weitesten Definition des Begriffs „Medien“ als öffentlich zugängliche Informationsübermittler aus, so ist die Anzahl der auf den Kanarischen Inseln erscheinenden deutschsprachigen Medien schlicht nicht zu benennen. Die Gründe dafür sind folgende:
• ständige Bewegung auf dem Medienmarkt der Kanarischen
• unzählige rein touristische Publikationen der Reiseveranstalter,
• gänzlich unübersichtlicher Markt an kostenlosen
Anzeigenblättern für Residenten (bspw. „info-tip“ auf Gran
•
ein unüberschaubares Vorkommen an reinen Werbeheften, die kostenlos an alle Touristen oder eine bestimmte Klientel verteilt
39 Eigene Beobachtungen aus einem vierjährigen Aufenthalt auf Lanzarote und Fuerteventura. Im Jahr 1998 kam beispielsweise auf Lanzarote die deutschsprachige Zeitschrift „Magma“ auf den Markt, musste aber ihr Erscheinen bereits im Folgejahr wieder einstellen. Eine deutsche Wochenzeitung mit dem Titel „Deutsche Inselzeitung“ brachte nur drei Ausgaben auf den Markt und wurde dann wieder eingestellt. Aktuelle Beispiele stellen auch „Teneriffa Magazin“ und „Canaria Magazin“ dar. Die Wochenzeitungen für Gran Canaria und Teneriffa erscheinen bereits seit vier Jahren, mussten inzwischen jedoch ihren Redaktionsstab verkleinern und im Jahr 2004 für zwei Monate das Erscheinen einstellen.
40 Als Beispiel dafür mag eine Landkarte herhalten, die von dem Einkaufszentrum FARO 2 in Maspalomas kostenlos verteilt wird. Darauf sind zwar alle Hotels im Ort verzeichnet, jedoch
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• ständig wechselnde Angebote elektronischer Medien auf den
An einem Überblick über die deutsche Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln haben sich sowohl das deutsche Konsulat auf Gran Canaria als auch die Macher der Internetseite http://www.pressguide.com versucht. Während das Konsulat 11 Publikationen unterschiedlicher Natur sowie 9 Radiosender und Fernsehprogramme 42 zählt , werden auf der Internetseite http://www.press- 43 guide.com/spain2.htm allein 13 Publikationen erwähnt . Auf der Internetseite http://www.press-guide.com/radio.htm erscheinen
zahlreiche Angebote aus Hörfunk und Fernsehen, die auf den Kanarischen Inseln produziert und abgestrahlt werden. Durch eigene
keine anderen Einkaufszentren oder Geschäfte. Ein anderes Beispiel ist der kostenlose Pocket-Guide „canarias gay-way“ oder das Heft „GAYumbo“, die sich nur an Homosexuelle wenden und ausschließlich für einschlägige Lokale im Einkaufszentrum YUMBO in Playa del Ingles werben.
41 Aktuelles Beispiel: Die deutschsprachige Fernsehsendung „Haben Sie ein Problem?“, die einmal wöchentlich auf TV Canarias abgestrahlt wird. Sie existiert seit Februar 2004 und zeichnet sich technisch wie inhaltlich durch Dilletantismus und Unprofessionalität aus. Allen Prognosen zufolge wird diese Sendereihe noch vor Bewertung dieser Arbeit eingestellt sein. Eine andere Sendung mit dem Titel „boulevard canarias“ stellte den Sendebetrieb nach nur zwei Ausgaben ebenfalls im Februar 2004 ein und soll nun per DVD bzw. VHS vertrieben werden. Hier hatten sich nach Angaben der Macher weder die technischen Möglichkeiten zur professionellen Umsetzung noch die erwünschten Werbeeinnahmen manifestiert (siehe IC 671, S. 23 oder www.boulevard-canarias.com)
42 O.V.: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln, Stand Juni 2003, Konsulat der Bundesrepublik Deutschland, Las Palmas de Gran Canaria, (siehe Anhang)
43 http://www.press-guide.com/spain2.htm, Download am 02. Februar 2004, (siehe Anhang)
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Recherchen vor Ort können noch weitere Angebote deutschsprachiger elektronischer und Printmedien genannt werden, die weder im Konsulatsbericht noch auf den genannten Internetseiten verzeichnet 44 sind .
4.2 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes
Aufgrund des unübersichtlichen Marktes und um eine vernünftige Grundlage für eine vergleichende Untersuchung zu erhalten, beschränkt sich diese Arbeit auf Presseerzeugnisse, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit gewisse Ansprüche und Gemeinsamkeiten aufweisen - alle anderen bleiben schlicht aussen vor.
So konzentriert sich diese Untersuchung auf Presseerzeugnisse, die folgende Eigenschaften aufweisen:
• Sie werden von Deutschen herausgegeben und produziert.
• Sie sind in deutscher Sprache verfasst und richten sich vornehmlich an eine deutsche Leserschaft.
• Sie haben ihre Redaktion, ihren Verlagssitz und ihren Erscheinungsort auf den Kanarischen Inseln.
• Sie sind auf der Hauptinsel Gran Canaria erhältlich.
• Sie erscheinen periodisch.
• Sie werden nicht kostenlos als reine Anzeigenblätter verteilt.
• Sie sind abonnierbar.
• Sie entsprechen der Definition einer Zeitung oder Zeitschrift.
Legt man die eben genannten Kriterien zugrunde, so zählen folgende Presseerzeugnisse zum Untersuchungsgegenstand:
44 http://www.press-guide.com/radio.htm, Download am 02. Februar 2004, (siehe Anhang)
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1.
„info Canarias“
Sprache: deutsch
Erscheinungsweise: Herausgeber: Hartmut Reinhard (D) Verlags- und Redaktionssitz: 35109 El Tablero / Gran Canaria (ES) Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln (ES)
Kategorie: Preis: 2 € 2.
„KAKTUS - das Kanarenmagazin“
Sprache: deutsch
Erscheinungsweise: Herausgeber: Burkhard Lehde (D) Verlags- und Redaktionssitz: 35572 Tias / Lanzarote (ES) Verbreitungsgebiet: Lanzarote, Gran Canaria, Fuerteventura
Kategorie: Preis: 2 € 3.
„Wochenspiegel - die kanarische Inselzeitung“
Sprache: deutsch
Erscheinungsweise: Herausgeber: Hannelore Lindner (D) Verlags- und Redaktionssitz: 38400 Pto. de la Cruz / Teneriffa (ES) Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln
Kategorie: Preis: 1 € 4.
„Canaria Magazin“& „Teneriffa Magazin“
Sprache: deutsch
Erscheinungsweise: Herausgeber: Ulrich H. Wilbert (D) Verlags- und Redaktionssitz: 38370 La Mantanza / Teneriffa (ES) Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln
Kategorie: Preis: 1 € Seite 26 von 157
Von den eben genannten vier Medien können jedoch nur die drei Zeitschriften „InfoCanarias“, „Wochenspiegel“ und „KAKTUS“
berücksichtigt werden. Der Herausgeber und Chefredakteur des „Canaria Magazin“ und „Teneriffa Magazin“, Ulrich H. Wilbert, war an einer Zusammenarbeit für diese Abschlussarbeit nicht interessiert. Auf Anfrage liess er durch eine Sekretärin ausrichten, er „bedanke sich für das Interesse, sei aber zu beschäftigt und habe deshalb für ein wie auch immer geartetes Interview keine Zeit - egal ob es im direkten Gespräch, am Telefon oder schriftlich geführt werde“. Die Hintergründe für diese ablehnende Haltung können nur vermutet werden. Erstens scheint das „Canaria Magazin / Teneriffa Magazin“ in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu stecken. Noch während der Recherchen vor Ort schloß der Herausgeber seine Dependance auf Gran Canaria und gibt jetzt statt wie bisher zwei Ausgaben unter den getrennten Titeln „Canaria Magazin“ und „Teneriffa Magazin“ nur noch eine gemeinsame Ausgabe heraus, die beide Titel im Kopf trägt. Zweitens kann das Verhältnis zwischen den Herausgebern und Chefredakteuren der anderen Medien und dem des „Canaria Magazin / Teneriffa Magazin“ selbst bei freundlichster Deutung nur als äußerst gespannt bezeichnet werden. So werden die Herausgeber des Canaria Magazin als unfair bezeichnet und des unlauteren Wettbewerbs bei der Werbeakquise bezichtigt. Darüber hinaus wird die Qualität des 45 Blattes unisono als unterdurchschnittlich bis schlecht eingeschätzt. So scheut sich das Canaria-Magazin im gegenseitigen
Konkurrenzkampf auch nicht, andere Herausgeber im Blatt offen auf persönlicher Ebene anzugreifen und in Schmutzkampagnen zu 46 verwickeln.
45 Diese Bemerkungen haben die von mir befragten Chefredakteure und Herausgeber deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln ausserhalb der Leitfadeninterviews getätigt. In den Leitfadeninterviews selbst tauchen wenn, dann nur indirekte Bemerkungen ohne Namensnennung des „Canaria Magazin - Teneriffa Magazin“ auf.
46 So titelt die Zeitschrift in ihrer Ausgabe 4. Jahrgang, Nr. 66 vom 28. Februar bis 05. März 2004 auf Seite 1 in Bezug auf den Herausgeber einer anderen deutschsprachigen
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Folgende Presseerzeugnisse erscheinen ebenfalls auf den Kanarischen Inseln, zählen jedoch nicht zum Untersuchungsgegenstand:
1. „Correo de Valle“
Die Publikation erscheint als lokales Anzeigenblatt zwar periodisch und in deutscher Sprache, ist jedoch ausschließlich auf La Palma erhältlich und beschränkt sich auch im Themenrahmen auf diese Insel.
2. „La Palma 14“
Mit einem 14-tägigen Erscheinungsrhytmus in deutscher Sprache beschäftigt sich die Publikation fast ausschließlich mit dem lokalen Geschehen in La Palma und ist auch nur dort erhältlich.
3. „Fuerte Fan Magazin“
Das Blatt erscheint halbjährlich in deutscher Sprache, beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit dem touristischen Geschehen auf Fuerteventura. Es richtet sich als Werbe- und Anzeigenblatt vornehmlich an Touristen auf Fuerteventura und wird auch nur dort vertrieben.
4.
„info tip“ / „info sur tour“
In wöchentlichem Wechsel erscheinen die beiden Publikationen im gleichen Verlag. Sie sind jedoch reine Anzeigenblätter, die sich entweder an Residenten (info tip) oder an Touristen (info sur tour) richten und kostenlos verteilt werden. Thematisch inhaltslos.
5.
„Der Valle Bote - die Gomera Zeitschrift“ Erscheint nach Lust und Laune der Herausgeber in deutscher Sprache, und ist thematisch unberechenbar ebenfalls nach Lust und Laune der Macher gestaltet. Reines Spass-Produkt.
Zeitschrift: „Frauenschützer oder Vergewaltiger?“. Im weiteren wird der Verleger aufgrund einer mehr als zwielichtigen Anzeige detailliert als Vergewaltiger und Schläger bezeichnet. Nach deutschem wie spanischen Medienrecht ist dies nicht erlaubt; der Verfasser des Artikels und der Herausgeber sind inzwischen mit entsprechenden Anzeigen wegen Verleumdung und Rufschädigung belegt worden und befinden sich nur noch gegen Kaution in sechsstelliger Höhe auf freiem Fuß.
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6. „Hallo Gran Canaria“
Das Blatt erscheint zwar periodisch auf deutsch und ist auf Gran Canaria erhältlich. Es ist allerdings auch zur Kategorie der kostenlosen Anzeigenblätter zu zählen, die sich fast ausschließlich monothematisch mit dem Tourismus beschäftigen.
7. „GC-news“
Das „deutschsprachige Monatsmagazin“ erscheint seit Januar 2004 und ist nur auf Gran Canaria erhältlich. Von den Informationen her ist es monothematisch auf den Tourismus zugeschnitten, darüber hinaus wird es kostenlos als Anzeigenblatt verteilt.
Weitere Publikationen wie „Teneriffa heute“ oder „Kanarische 47 Rundschau“ haben ihr Erscheinen inzwischen eingestellt . Ebenfalls
aussen vor bleiben die elektronischen Medien; eine Einbeziehung in diese Untersuchung würde aufgrund der unterschiedlichen
Herstellungs- und Verbreitungsweise schlicht den Rahmen der Arbeit sprengen.
5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
Die Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln bis heute hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hauptsächlich beeinflusst wurden Entstehen und Entwicklung einer deutschen Medienlandschaft wie in Abschnitt 3 beschrieben durch die Entwicklung des Tourismus und die Zuwanderung deutsch sprechender Residenten in das Mischgebiet Kanarische Inseln. Erst durch das Vorhandensein einer Leserschaft konnten Ideen zur Gründung von deutschen Zeitschriften reifen und verwirklicht werden. In den folgenden Abschnitten sollen sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Gründungsintentionen und die Entwicklung der zu
47 Quellen für die Einordnung der jeweiligen Publikationen: www.press-guide.com -Deutschsprachige Zeitschriften in Spanien, Kanaren; eigene Recherchen; Interviews mit den Herausgebern bzw. Chefredakteuren; Angaben im Impressum der diversen Publikationen, Liste des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Las Palmas de Gran Canaria vom Juni 2003
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untersuchenden deutschen Zeitschriften bis heute näher beleuchtet werden.
5.1 Tourismus und Zuwanderung als Grund, Umgebungsrahmen und Funktionsgeber für deutsche Medien auf den Kanaren
5.1.1 Tourismus auf den Kanaren und Gran Canaria
Die Kanarischen Inseln in ihrer Gesamtheit waren bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt. Zwar diente beispielsweise die Inselhauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas, auch vorher schon als Urlaubsort vorrangig für Schiffsreisende, doch bereitete erst der Massentourismus nach dem zweiten Weltkrieg den Boden für das Entstehen einer deutschsprachigen Medienlandschaft.
Vor allem das durch die Nähe zum afrikanischen Kontinent bedingte mediterrane Klima machte die Inseln für sonnenhungrige Badeurlauber interessant - nicht umsonst werden die Kanaren auch die „Inseln des ewigen Frühlings“ genannt. Die Temperaturen sinken im Normalfall selbst im Winter nicht unter 10 Grad Nachttemperatur und 19 Grad tagsüber; Regentage gibt es auf den kanarischen Inseln um die 20 im Jahr. Hinzu kommen die landschaftlichen Besonderheiten der einzelnen Inseln: Teneriffa und La Palma präsentieren sich als die grünsten Inseln am Archipel, Lanzarote prahlt mit der
Vulkanlandschaft und ihrer durch den Künstler Cesar Manrique erhaltenen Ursprünglichkeit, Fuerteventura lockt mit den
kilometerlangen weissen Sandstränden und besten Windverhältnissen für Surfer, El Hierro und La Gomera setzen auf Individualtourismus, Aktivurlaub und die Kleinheit ihrer Inseln - und Gran Canaria schließlich zeigt sich als Miniaturkontinent mit den Dünen von Maspalomas einerseits und einer klimatisch wie geografisch begründeten Mischung aus kargen Bergen, Stauseen, grünen Wäldern und Palmenhainen andererseits.
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Die Regierung der kanarischen Inseln und Unternehmer entdeckten um das Jahr 1960 den Tourismus als zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig für sich. Der Ausbau des Südteils der Insel Gran Canaria begann beispielsweise im Jahr 1961 mit der Ausschreibung eines Bebauungsplans für die „Costa Canaria - Maspalomas“ - vorher dienten die Strände von Maspalomas nur den Einheimischen als Camping- und Erholungsgebiet. Das erste Hotel als Grundlage für den Massentourismus öffnete im Jahr 1964 seine Pforten. Seitdem hat sich der Süden Gran Canarias von San Agustin über Playa del Ingles, Campo Internacional bis nach Maspalomas zum größten zusammenhängenden Urlaubsort auf den kanarischen Inseln entwickelt. Andere Orte auf Gran Canaria wie Puerto de Mogan, Puerto Rico oder Arguinegin zogen nach und entwickelten ihre eigene Art des Tourismus, der je nach Lage mehr auf Aktiv-Urlaub, Wellness, höhere Standards oder Timesharing ausgerichtet ist.
War Gran Canaria als erste Insel am Archipel, die auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor setzte, in einer Vorreiter-Rolle, so zogen die anderen Inseln schnell nach - einzig Teneriffa mag sich in etwa parrallel zu Gran Canaria entwickelt haben. Alle Inseln gaben schließlich bis dahin landwirtschaftlich oder überhaupt nicht genutzte Flächen für die Bebauung durch Hotels und ähnliche Anlagen frei und verbesserten rasant ihre touristische und verkehrsmäßige Infrastruktur.
Schon seit Beginn des Pauschal- und Massentourismus auf Gran Canaria stellten Touristen aus Deutschland und dem deutschen 48 Sprachraum neben den englischsprachigen Urlaubern die
48 gemeint sind hier Deutschland, Österreich und die Schweiz. Holland wurde hier nicht berücksichtigt, obwohl deutsche Sprachkenntnisse bei vielen Holländern vorausgesetzt werden können.
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Daniel Körber, 2004, Konzeption, Analyse und Erstellung eines journalistischen Produkts zum Thema 'Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf Gran Canaria', München, GRIN Verlag GmbH
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