Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
I
INHALTSVERZEICHNIS
S e i t e
I Inhaltsverzeichnis
I I Abkürzungsverzeichnis
1 1 . E i n l e i t u n g
4 2 . B a s e l I I i m Ü b e r b l i c k
2.1 Historie der Baseler Eigenkapitalvereinbarung 5
2.2 Zielsetzung von Basel II 7
2.3 Die drei Säulen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung 7
2.3.1 Säule I: Mindestkapitalanforderungen 8
2.3.2 Säule II: Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren 8
2.3.3 Säule III: Förderung der Marktdisziplin 9
10
3. Der deutsche Mittelstand
3.1 Begriffsbestimmung und Bedeutung des Mittelstands in Deutschland 10
3.2 Finanzierungs- und Eigenkapitalsituation 12
16
4. Alternative Finanzierungsformen für den deutschen Mittelstand
4.1 Stärkung des Eigenkapitals 17
4.2 Beteiligungsfinanzierung 19
4.2.1 Venture Capital und Private Equity 19
4.2.2 Business Angels und Inkubaturen 22
4.3 Öffentliche Fördermittel 24
4.4 Mezzanine-Kapital 27
4.4.1 Privatplatzierte Mezzanine-Instrumente 29
4.4.2 Kapitalmarktorientierte Mezzanine-Instrumente 30
4.5 Leasing 33
4.6 Factoring bzw. Forfaitierung 35
4.7 Asset-Backed-Securities 37
39
5. Abschließende Betrachtung
4 3
Anhang
5 7
Alexander Schwaier -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
II
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abb. = Abbildung
ABS = Asset-Backed-Securities
AG = Aktiengesellschaft
BdB = Bundesverband deutscher Banken
BGB = Bürgerliches Gesetzbuch
BMU = Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
BMWA = Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
drgl. = dergleichen
DtA = Deutsche Ausgleichsbank
d.h. = das heißt
EDV = Elektronische Datenverarbeitung
EIB = Europäische Investitionsbank
EK = Eigenkapital
ERP = European Recovery Program
EU = Europäische Union
EUR = Euro
evtl. = eventuell
GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung
IfM = Institut für Mittelstandsforschung Bonn
inkl. = inklusive
i.d.R. = in der Regel
i.S.d. = im Sinne des
KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau
KG = Kommanditgesellschaft
KGaA = Kommanditgesellschaft auf Aktien
KMU = Kleine und mittlere Unternehmen
KWG = Kreditwesengesetz
Alexander Schwaier
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Mio. = Millionen
OHG = Offene Handelsgesellschaft
sog. = sogenannte
SPV = Special Purpose Vehicle
USA = Vereinigte Staaten von Amerika
u.U. = unter Umständen
vgl. = vergleiche
Alexander Schwaier
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
1. Einleitung
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat durch seine Vorschläge zur Überarbeitung von Basel I, der Eigenkapitalvereinbarung von 1988, in Deutschland eine breit angelegte öffentliche Diskussion über die künftigen Perspektiven der Mittelstandsfinanzierung ausgelöst 1 .
Diese durch Basel II eingeleitete Diskussion sollte sich aber nicht nur einseitig auf die in Deutschland weit verbreitete Fremdkapital-geprägte Finanzierungskultur des Mittelstands 2 beschränken, vielmehr scheint eine akribische Analyse des gesamten
Spektrums aller Finanzierungsalternativen angebracht, wie sie international bereits vielfach angewandt wird 3 . Die dabei in Deutschland vorherrschenden Finanzierungsstrukturen des Mittelstands 4 werden auf einen harten Prüfstand gestellt,
aber durch die veränderten Rahmenbedingungen im Zuge von Basel II können sich nicht nur neue Anforderungen, sondern durchaus auch neue Möglichkeiten in der Mittelstandsfinanzierung ergeben.
Betrachtet man die weit vorangeschrittene Internationalisierung des Kapitalmarkts, welche durch die Einführung des Euros in Europa noch an Fahrt gewonnen hat 5 , so lässt
sich auf der einen Seite feststellen, dass sich der Wettbewerb im Finanzsektor in den vergangenen Jahren sehr stark intensiviert hat. Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften ringen um die Gunst der Anleger, und die Unternehmen finanzieren sich zunehmend direkt am Kapitalmarkt, Ländergrenzen spielen hierbei zunehmend eine untergeordnete Rolle.
Der einheitliche internationale und hochliquide Kapitalmarkt ermöglicht aber auf der anderen Seite neue Perspektiven in der Unternehmensfinanzierung. Nicht nur 1 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (BdB); Mittelstandsfinanzierung vor neuen Herausforderungen – Daten, Fakten, Argumente; Berlin; Januar 2003; S. 5 2 Vgl. Anhang: Abb. 1 und Abb. 2 3 Vgl. GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2004; Wolfratshausen; 5. Jahrgang 2004; S. 3 4 Vgl. Anhang: Abb. 3 5
Vgl. IKB Deutsche Industriebank AG; Geschäftsbericht 2001/2002; Düsseldorf; 21.05.2002; S. 23 Alexander Schwaier Seite - 1 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Großunternehmen und weltweit agierenden Konzernen stehen ganz neue Zugangsmöglichkeiten offen, sondern auch große mittelständische Unternehmen können teils beispielsweise über das Instrument der Kreditverbriefung einen indirekten Marktzugang 6 erreichen.
Diese zunehmende Bedeutung des Markts wird mittelfristig zu einer konsequenten, bonitätsabhängigen Preisdifferenzierung führen, wie sie implizit durch die neuen Vorschläge des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht gefordert wird. Die bislang übliche Subventionierung bonitätsmäßig schlechter Risiken durch gute Risiken wird durch die risikoorientierte Differenzierung beendet werden und zu einer faireren Preisgestaltung bei der Unternehmensfinanzierung führen 7 .
Basel II greift diese am Markt zu beobachtenden Tendenzen mit der Forderung einer bonitätsabhängigen Eigenmittelunterlegung der Kreditinstitute aus bankaufsichtsrechtlicher Sicht an, und trägt so zur Stabilität der Finanzmärkte bei.
Oft ist aber im Zuge von Basel II die Rede von „Credit Crunch“ 8 oder
„Finanzierungskrise des Mittelstands“. Entgegen diesen Aussagen wird aber die Finanzierung von Vorhaben, welche eine angemessene Rendite erwirtschaften, wohl auch weiterhin gesichert sein 9 , wenn auch evtl. zu anderen Kreditkonditionen und mit
höheren Transparenzanforderungen als bislang.
Jedoch scheint Basel II das in Deutschland häufig vorzufindendes Merkmal der Eigenkapitalschwäche des Mittelstands aufzudecken. Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in den vergangenen Jahren 10 zeigt, dass die
Eigenmittelausstattung vieler deutscher Mittelständler in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld unzureichend ist. 6 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (BdB); Mittelstandsfinanzierung vor neuen Herausforderungen – Daten, Fakten, Argumente; Berlin; Januar 2003; S. 5 sowie GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2004; Wolfratshausen; 5. Jahrgang 2004; S. 5 und S. 26 7 Vgl. Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH; Baytrag zum Beteiligungsgeschehen; Ausgabe 3 September 2003; München; 2003; S. 2 8 Einschränkung und Verknappung von Krediten 9 Vgl. Stein, Dr. Stefan / Paul, Prof. Dr. Stephan; Rating, Basel II und die Unternehmensfinanzierung; Köln; 1.Ausgabe 2002; S. 5 10
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Betrachtet man die Eigenkapitalquoten von ausländischen Unternehmen, so lässt sich erkennen, dass diese i.d.R. über eine höhere Eigenmittelausstattung verfügen als deutsche Unternehmen 11 , und dass deren besseren finanziellen Rücklagen im momentan
schwierigen Umfeld einen deutlichen Vorteil darstellen.
Die deutschen Mittelständler sollten also bestrebt sein ihre Eigenmittelausstattung zu erhöhen, und ihre Finanzierungsstrukturen kritisch, anstatt nur unter steuerrechtlichen Aspekten, zu überprüfen. Durch Basel II sollte sich daher die Flexibilität im Hinblick auf neue Finanzierungsalternativen erhöhen 12 .
Da die Innenfinanzierung, also die Selbstfinanzierung aus Gewinnen, Abschreibungen und Rückstellungen, nach wie vor das Finanzierungsrückgrat deutscher Unternehmen bildet 13 , könnte die Bundesregierung durch eine konsequente Fortführung der durch die
Unternehmenssteuerreform 2000 eingeleitete Steuerpolitik in Form einer rechtsformunabhängigen, angemessenen Besteuerung, wie sie international verbreitet ist, zur Stärkung der Eigenmittelausstattung beitragen.
Um jedoch zeitnah an das international übliche Eigenkapitalniveau heranzukommen, wird zusätzlich haftendes Kapital von außen zugeführt werden müssen 14 . Dies geschah in den vergangen Jahren vielfach durch Beteiligungskapital 15 oder auch durch die Emission von Aktien 16 .
Eine Optimierung der deutschen mittelständischen Finanzierungsstrukturen endet aber nicht bei einer gestärkten Eigenkapitalbasis, sondern erfordert auch eine Intensivierung der Nutzung alternativer Finanzierungsformen 17 .
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen auf deutsche mittelständische Unternehmen und deren 11 Vgl. Anhang: Abb. 5 12 Vgl. GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2004; Wolfratshausen; 5. Jahrgang 2004; S. 13 13 Vgl. Anhang: Abb. 6 14 Vgl. GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2004; Wolfratshausen; 5. Jahrgang 2004; S. 4 15 Vgl. Anhang: Abb. 7 16 Vgl. Anhang: Abb. 8 17
Vgl. GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2003; Wolfratshausen; 4. Jahrgang 2003; S. 3 Alexander Schwaier Seite - 3 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Finanzierung zu untersuchen. Hierbei sollen alternative Finanzierungsformen zur traditionellen Kreditfinanzierung vorgestellt und kritisch beurteilt werden, sowie deren Einsatzmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen betrachtet werden.
Nachfolgend wird der Aufbau dieser Arbeit kurz erläutert. Zunächst werden im zweiten Kapitel die Neuerungen beleuchtet, wie sie durch Basel II gefordert werden. Dabei liegt der Fokus auf einer historischen Betrachtung sowie einer Betrachtung der Zielsetzung von Basel II.
Im dritten Kapitel wird dann die vergangene und aktuelle Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands untersucht. Dabei werden sowohl das aktuelle Finanzierungsverhalten der Mittelständler, als auch aktuelle Entwicklungen in der Kreditpolitik der Banken betrachtet, um so sich ergebende Konsequenzen für die Unternehmensfinanzierung durch Basel II aufzudecken.
Hierauf aufbauend werden im vierten Kapitel in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für mittelständische Unternehmen in der Praxis alternative Finanzierungsformen deskriptiv vorgestellt, anschließend kritisch beurteilt und abschließend eine Bewertung für deren Einsatz in deutschen mittelständischen Unternehmen erstellt.
Im abschließenden fünften Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
2. Basel II im Überblick
Um zu verstehen weshalb Basel II gravierende Änderungen in der Finanzierungssituation deutscher Unternehmen hervorrufen wird und somit verstärkt alternative Finanzierungsformen in den Fokus rücken werden, wird im zweiten Kapitel ein Überblick über die Vorschläge des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht gegeben. Dieser Überblick umfasst zuerst die historische Entwicklung, anschließend werden die drei Eckpfeiler der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung vorgestellt. Abschließend wird die Zielsetzung von Basel II näher untersucht. Alexander Schwaier Seite - 4 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
2.1 Historie der Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Die Baseler Eigenkapitalvereinbarung wurde und wird von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht mit Sitz im schweizerischen Basel ausgearbeitet, der 1974 gemeinsam von den Zentralbanken der G10-Staaten ins Leben gerufen wurde. Die Zielsetzung dieses Ausschusses ist es international anerkannte und anwendbare, einheitliche Richtlinien zur Bankenaufsicht zu erarbeiten, die dann auf nationaler Ebene durch die Legislative umgesetzt werden. Dabei können die einzelnen Staaten eigenverantwortlich festlegen in welchem Umfang diese Empfehlungen umgesetzt werden 18 .
Durch die zunehmende Internationalisierung und die einhergehende Entwicklung von freien Güter- und Kapitalmärkten wurden unterschiedliche Aufsichtnormen in verschiedenen Ländern verstärkt dazu genutzt, um Geschäfte dort abzuwickeln, wo die Kontrollvorschriften am schwächsten ausgeprägt waren 19 . Dieses Phänomen machte
eine gemeinsame Regelung unumgänglich, was zur Verabschiedung der 1. Baseler Eigenkapitalvereinbarung, Basel I, im Jahre 1988 führte 20 . Das deklarierte Ziel war es,
die aus dem Aktivgeschäft der Kreditinstitute resultierenden Risiken durch Unterlegung von Eigenmitteln einzugrenzen. Dies sollte geschehen durch Begrenzung des Kreditvolumens der Banken auf das 12,5-fache des Eigenkapitals 21 .
In Deutschland wurde dieser Vorschlag 1993 durch die vierte KWG-Novelle in nationales Recht umgesetzt 22 .
Durch einen Zusatz zu Basel I kam im Januar 1996 durch das Baseler Marktrisikopapier die Verpflichtung zur Eigenmittelunterlegung von Marktpreisrisiken hinzu, welche sich beispielsweise aus dem Handel mit Aktien, Währungen, Anleihen oder Rohstoffen ergeben können 23
. 18 Vgl. Basel Commitee on Banking Supervision; The Basel Commitee on Banking Supervision; Online im Internet unter: http://bis.org/bcbs/aboutbcbs.htm
; Abfrage vom 03.04.2004 19 Vgl. Kolbeck, Christoph / Wimmer, Rudolf; Finanzierung für den Mittelstand; 1. Auflage; Wiesbaden; 2002; S. 50 20 Vgl. Deutsche Bundesbank; Basel II – Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung; Online im Internet unter: http://www.bundesbank.de/bank/bank_basel.php
;Abfrage vom 03.04.2004 21 Vgl. Hofmann, Gerhard; Auf dem Weg zu Basel II: Konzepte, Modelle, Meinungen; 1. Auflage; Frankfurt am Main; 2001S. 7 22 Vgl. Kolbeck, Christoph / Wimmer, Rudolf; Finanzierung für den Mittelstand; 1. Auflage; Wiesbaden; 2002; S. 50 23
Vgl. Deutsche Bundesbank; Monatsbericht April 2001; Frankfurt am Main; 2001; S. 16 Alexander Schwaier Seite - 5 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Somit kann festgehalten werden, dass der erste Baseler Akkord eine adäquate Eigenmittelausstattung der Kreditinstitute zum Ziel hatte, welche sich positiv auf die Stabilität des internationalen Bankensystems auswirken sollte.
Jedoch stieß der erste Baseler Akkord von 1988 in den letzten Jahren durch die Entwicklungen an den Finanz- und Kapitalmärkten an seine Grenzen, da beispielsweise die Anwendung von neuen Risikomodellen oder innovative Finanzinstrumente, wie verbriefte Aktiva oder Kreditderivate, keine Berücksichtigung fanden.
Abhilfe schaffen sollte das im Juni 1999 vorgelegte erste Konsultationspapier zum zweiten Baseler Akkord, welches nach heftigem Widerstand im Januar 2001 durch das zweites Konsultationspapier nachgebessert wurde 24 . Dieses Papier beinhaltete die
Gleichstellung von internen, bankerstellten Ratings und externen, beispielsweise durch eine große Ratingagentur, wie Standard & Poors, erstellten Ratings, wie sie vor allem aus Deutschland gefordert wurde 25 .
Im April 2003 wurde das dritte Konsultationspapier zu Basel II veröffentlicht und angekündigt, die neue Eigenkapitalvereinbarung im vierten Quartal 2003 zu verabschieden. Da jedoch bis Oktober 2003 mehr als 200 Verbesserungsvorschläge und Kommentare sowohl von einzelnen Unternehmen, als auch von Wirtschaftsverbänden beim Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht eingingen, wurde der Zeitpunkt der Veröffentlichung der endgültigen Fassung auf die Jahresmitte 2004 verlagert.
Die Umsetzung von Basel II in nationales Recht soll bis Jahresanfang 2007 erfolgen, was in Europa durch inhaltsgleiche EU-Richtlinien erreicht werden soll, welche für alle nationalen Gesetzgeber verpflichtend gelten sollen. Somit muss eine Erneuerung des KWG spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgen 26
. 24 Vgl. Deutsche Bundesbank; Basel II – Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung; Online im Internet unter: http://www.bundesbank.de/bank/bank_basel.php
; Abfrage vom 03.04.2004 25 Vg. Stein, Dr. Stefan / Paul, Prof. Dr. Stephan; Rating, Basel II und die Unternehmensfinanzierung; Köln; 1.Ausgabe 2002; S. 34 26
Vgl. GoingPublic Media AG; VentureCapital Magazin – Sonderausgabe Mittelstandsfinanzierung 2004; Wolfratshausen; 5. Jahrgang 2004; S. 64 Alexander Schwaier Seite - 6 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
2.2 Zielsetzung von Basel II
Als vorrangiges Ziel der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung ist die Erhöhung der Stabilität des internationalen Bankensystems zu nennen. Dies soll durch eine Verbesserung der Erfassung von Risiken im Kreditgeschäft und, damit verbunden, eine risikoadäquate Eigenmittelunterlegung von Kreditengagements erreicht werden 27 .
Hierbei soll nun eine Betrachtung des individuellen Kreditnehmers und dessen Bonität stattfinden. Die Höhe der Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute erfolgt somit künftig nicht mehr pauschal, sondern wird bei jedem Kreditengagement nach der Bonität des Kreditnehmers stattfinden. Daher müssen die Kreditinstitute in Zukunft für risikoarme Kredite, sprich Kreditnehmer mit einer guten Bonitätseinschätzung, weniger Eigenkapital aufwenden als für riskantere Kredite 28 .
Insgesamt soll die Eigenmittelausstattung der Kreditinstitute dabei mindestens auf dem bisherigen Niveau bleiben, und sich im Idealfall deutlich erhöhen.
2.3 Die drei Säulen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Um die zuvor in Kapitel 2.2 genannten Ziele zu erreichen, wurde Basel II auf folgende drei sich gegenseitig ergänzende Säulen gestellt:
N Mindestkapitalanforderungen (Minimal Capital Requirement) N Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren (Supervisory Review Process) N Förderung der Marktdisziplin ( Market Discipline) 29
Diese Säulen werden nachfolgend näher erläutert. 27 Vgl. Paul, Stephan (Hrsg.); Basel II, Mittelstand und Kreditpreise; Frankfurt am Main; 1.Auflage 2003; S. 38 28 Vgl. PriceWaterhouseCoopers; Fit für Rating? Wie gut ist der deutsche Mittelstand auf das Rating vorbereitet?; Stuttgart; Februar 2004; PDF-Dokumentation; Online im Internet unter:
http://www.uni- stuttgart.de/mittelstandsforum/Archiv/Praesentation_PwC_Wintermantel_2004-02-12.pdf ; Abfrage vom 05.04.2004 29
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
2.3.1 Säule I: Mindestkapitalanforderungen
Im wesentlichen basieren die Empfehlungen des Baseler Ausschusses für die Mindestkapitalanforderungen auf den mit Basel I geschaffenen Grundlagen. Sowohl die Definition des aufsichtsrechtlich vorgeschriebenen Eigenkapitals, als auch die Mindesteigenkapitalquote im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva eines Kreditinstituts bleiben unverändert bestehen 30 .
In Zukunft sollen sowohl externe, als auch interne Ratingverfahren zur Bestimmung der Höhe des zu hinterlegenden Eigenkapitals herangezogen werden. Dabei löst die Betrachtung der individuelle Bonität des einzelnen Kreditnehmers zur Bestimmung der Höhe des zu unterlegenden Eigenkapitals die bislang praktizierte pauschale Unterlegung mit 8% Eigenkapital ab.
Somit wird die bisher häufig vorzufindende Subvention von bonitätsmäßig schlechten Kunden durch bonitätsmäßig gute Kunden in Form von zu niedrigen Kreditzinssätzen für die schlechten Kunden abnehmen bzw. verschwinden 31 , da mit der risikoadäquaten
Eigenkapitalunterlegung die risikoreicheren, schlechten Kunden mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen.
Die bestehende Mindesteigenkapitalquote von 8% der risikogewichteten Aktiva eines Kreditinstituts bleibt auch weiterhin gültig.
2.3.2 Säule II: Aufsichtsrechtliches Überprüfungsverfahren
Die zweite Säule von Basel II stellt eine erhebliche Neuerung dar, die bislang in dieser Form nicht in der Baseler Eigenkapitalvereinbarung verankert war. Hierbei werden laufende Prüfungen vor Ort im Rahmen einer qualitativen Bankenaufsicht vorgeschlagen 32
. 30 Vgl. Kolbeck, Cristoph / Wimmer, Rudolf; Finanzierung für den Mittelstand; 1. Auflage; Wiesbaden; 2002; S. 51 31 Vgl. Paul, Stephan (Hrsg.); Basel II, Mittelstand und Kreditpreise; Frankfurt am Main; 1.Auflage 2003; S. 73 32
Vgl. Tietmeyer, Hans / Rolfes, Bernd (Hrsg.); Basel II: Das neue Aufsichtsrecht und sein Folgen – Beiträge des Duisburger Banken-Symposiums; Wiesbaden; 1. Auflage 2002; S. 16 Alexander Schwaier Seite - 8 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
Ziel ist die Sicherstellung der jederzeitigen Bestimmbarkeit der notwendigen Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute durch geeignete Methoden und Verfahren, welche laufend von den Prüfungsinstanzen auf deren Eignung überprüft und beurteilt werden. Unter diese Prüfungsaufgaben fällt aber explizit nicht eine Überprüfung oder sogar eine Beurteilung der Risikostrategie der Kreditinstitute 33 .
Des weiteren soll das aufsichtsrechtliche Überprüfungsverfahren dabei helfen externe, bislang unberücksichtigte Risiken, wie beispielsweise konjunkturelle Einflüsse, abzudecken. Hierzu können die Instanzen alle entsprechenden Maßnahmen nach eigenem Ermessen einleiten 34 .
Im Mittelpunkt dieses Überprüfungsverfahrens stehen dabei die jeweiligen bankinternen Risikomanagement-Systeme. Daher ist es notwendig einen kooperativeren, engeren Dialog zwischen den beteiligten Parteien herzustellen als dies bislang der Fall war.
Diese zweite tragende Säule von Basel II soll außerdem im Rahmen der zunehmenden Globalisierung international einheitliche und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für alle Kreditinstitute schaffen, indem einheitliche Überprüfungspraktiken eingeführt werden.
2.3.3 Säule III: Förderung der Marktdisziplin
Die dritte Säule des neuen Baseler Akkords soll durch deutlich erweiterte Publizitätspflichten für alle Kreditinstitute zu einer Erhöhung der Markttransparenz führen 35 . Die neuen Empfehlungen und Vorschriften zur Offenlegung der Risiko- und Eigenkapitallage der Kreditinstitute lassen sich grob in folgende vier Bereiche einteilen:
N Anwendung der Eigenkapitalvorschriften
N
Eigenkapitalstruktur 33 Vgl. Hofmann, Gerhard; Auf dem Weg zu Basel II: Konzepte, Modelle, Meinungen; 1. Auflage; Frankfurt am Main; 2001; S. 170 34 Vgl. Deutsche Bundesbank; Monatsbericht April 2001; Frankfurt am Main; 2001; S.30 35
Vgl. Brockhaus, Miriam; Basel II – Was das neue Credit Rating für mittelständische Unternehmen bedeutet; 1. Auflage; Düsseldorf; 2001; S. 65 Alexander Schwaier Seite - 9 -
Diplomarbeit Berufsakademie Heidenheim
N Eigenmittelausstattung
N eingegangene Risiken 36
Durch diese erweiterten Offenlegungspflichten und –empfehlungen soll es für alle Marktteilnehmer möglich sein die Risikostruktur sowie die Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute zu beurteilen.
Diese Transparenzerhöhung soll zur Erhöhung der Marktdisziplin beitragen, da gut informierte Marktteilnehmer bei ihren Anlageentscheidungen auch das Risikomanagement der Banken beurteilen können, und somit zu risikoreiche Strategien evtl. von den Marktteilnehmern abgestraft werden. Hierdurch ergibt sich für die Kreditinstitute ein starker Anreiz die eigene Risikostrategie zu überprüfen und die eingegangenen Risiken zu kontrollieren 37 .
3. Der deutsche Mittelstand
3.1 Begriffsbestimmung und Bedeutung des Mittelstands in Deutschland
Unter dem Begriff „Mittelstand“ werden kleine und mittlere Unternehmen, zusammengefasst. Hierzu gehören beispielsweise Handwerksbetriebe, traditionelle Familienunternehmen, Freiberufler, Existenzgründer und die Freien Berufe. Diese KMU haben besonders in Deutschland eine tragende Rolle für das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung 38 .
Angesichts uneinheitlicher Größenstrukturen in den Wirtschaftsbranchen Dienstleistungen, Handel, Handwerk, Industrie und Freie Berufe ist es kaum verwunderlich, dass ein feststehender, einheitlicher Mittelstandsbegriff nicht existiert. Vielmehr gibt es unterschiedliche qualitative und quantitative 36 Vgl. Deutsche Bundesbank; Basel II – Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung; Online im Internet unter: http://www.bundesbank.de/bank/bank_basel.php
; Abfrage vom 03.04.2004 37 Vgl. Deutsche Bundesbank; Monatsbericht April 2001; Frankfurt am Main; 2001; S. 31 38
Vgl. Nolte, Bernd; Basel II konkret – Auswege aus der Kreditklemme; Weinheim; 1.Auflage 2003; S. 6 Alexander Schwaier Seite - 10 -
Quote paper:
Alexander Schwaier, 2004, Finanzierungsalternativen für deutsche mittelständische Unternehmen im Hinblick auf Basel II, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Basel II - Chancen und Risiken in der Finanzierung klein und mittelstä...
Business economics - Investment and Finance
Diploma Thesis, 76 Pages
Mittelstandsfinanzierung in Deutschland - Finanzierungsmöglichkeiten f...
Business economics - Investment and Finance
Diploma Thesis, 60 Pages
Alternative Finanzierungsformen für klein- und mittelständische Untern...
Business economics - Investment and Finance
Diploma Thesis, 55 Pages
Strategic management: Porter’s model of generic competitive strategies...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Multinational and Horizontal Foreign Direct Investment
Economics - International Economic Relations
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Finanzierungsmodelle am Beispiel der Fußball Bundesliga
Sport - Sport Economics, Sport Management
Diploma Thesis, 46 Pages
Die räumliche Struktur der Ansiedlung internationaler Unternehmen in d...
Geography / Earth Science - Economic Geography
Diploma Thesis, 118 Pages
Unternehmenskauf: Management Buy Out
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Finanzierung mittelständischer Unternehmen im Wandel durch "Basel...
Business economics - Miscellaneous
Master's Thesis, 54 Pages
Die zentrale Vermarktung der Übertragungsrechte der Fußball - Bundesli...
Diploma Thesis, 131 Pages
DU bist Deutschland - Armut im Zusammenhang mit Erwerbsarbeitslosigkei...
Scholarly Research Paper, 12 Pages
Beteiligungskapital als Finanzierungsalternative für mittelständische ...
Business economics - Investment and Finance
Diploma Thesis, 87 Pages
Swap and other structured products: Critical review of recent developm...
Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Unternehmensbewertung für kleine und mittlere Unternehmen
Business economics - Controlling
Diploma Thesis, 72 Pages
Ethisch-ökologische Kreditinstitute
Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Diploma Thesis, 178 Pages
Alexander Schwaier's text Finanzierungsalternativen für deutsche mittelständische Unternehmen im Hinblick auf Basel II is now available as a printed book
Alexander Schwaier has published the text Finanzierungsalternativen für deutsche mittelständische Unternehmen im Hinblick auf Basel II
Alexander Schwaier has uploaded a new text
Finanzierung mittelständischer Unternehmen nach Basel III
Selbstrating, Risikocontrollin...
Stefan Müller, Kai Brackschulze, Matija Denise Mayer-Friedrich
Beteiligungscontrolling für mittelständische Unternehmen
Gestaltung und Einführung eine...
Sylke Vogler
Externe Berichterstattung mittelständischer Unternehmen
Konzeptionsvorschlag zur Herle...
Björn-Eric Förster
Open source-Software für mittelständische Unternehmen
Eine betriebswirtschaftliche A...
Stephan Henning
Profitables After-Sales-Business für kleine und mittelständische Unter...
Kunden binden und lukrative Na...
Hans Fischer
Supply Chain Management in kleinen und mittleren Unternehmen
Können KMU erfolgreich ein SCM...
Guntram Wette
Positionierung - das erfolgreichste Marketing auf unserem Planeten
Das Praxisbuch für ungewöhnlic...
Peter Sawtschenko
0 comments