Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
3.1 Systematisierung von Krisenursachen 2
3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen 4
3.3.1 Primäre Krisenursachen 8
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Phasen einer Unternehmenskrise……………………………….…...… 2
Abbildung 2: Systematisierung von Krisenursachen………………………..…...… 3
Abbildung 3: Ursachen des Missmanagements…………………………….………... 4
1. Problemstellung
Das Wissen über mögliche Fehler und Krisenursachen bietet die Möglichkeit, potentielle Krisen rechtzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und somit eine die Existenz des Unternehmens gefährdende Situation zu vermeiden. Das Wissen über mögliche Krisenursachen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Nur wer seine Schwächen kennt, kann diese mindern oder beseitigen und so Erfolgspotentiale für die Zukunft schaffen.
Die vorliegende Ausarbeitung gibt einen Überblick über den Stand der empirischen Forschung zur Identifikation von Krisenursachen. Im Sinne einer Bestandsaufnahme wird hier versucht, sowohl den aktuellen Forschungsstand, als auch Ergebnisse früherer Forschungen zu vermitteln. Neben den den Analysen zugrunde liegenden Methoden wird der Gegenstand der Krise als auch dessen Systematisierung in verschiedenen Studienergebnissen vorgestellt.
2. Gegenstand der Krise
Der Begriff der „Krise“ lässt sich in der Literatur konsensfähig bestimmen. Witte (1981) kennzeichnet z. B. das Vorliegen einer Krise anhand dreier Merkmale:
Liegt eine Krise vor, so muss von ihr eine Existenzbedrohung des Unternehmens ausgehen.
Eine Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass die Entscheidungszeit, in der Maßnahmen zu ihrer Bewältigung ergriffen werden können, begrenzt ist.
Ist der Ausgang der Gefährdung undeterminiert, so wird von einer Unternehmenskrise gesprochen.
Die vorhandene Entscheidungszeit, die die Möglichkeit zur Krisenbewältigung begrenzt, greift Hauschildt (2002) zur Bestimmung unterschiedlicher Phasen einer Krise auf. Er unterscheidet dabei zwischen latenter und manifester Krise (s. Abb. 1). Die manifeste Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass sie dem Unternehmensumfeld bereits bekannt ist und durch die Reaktionen der Geschäftspartner auf diese Krise sehr schnell zur Insolvenz führen kann. Die vorhergehende latente Krise ist hingegen dem Unternehmensumfeld und vielfach selbst dem Unternehmen unbekannt. Aus diesem Grund bietet lediglich die latente Krise die Möglichkeit zum „going concern“, da in dieser noch ausreichend Zeit zur Schwachstellenanalyse und zur Umsetzung von Krisen bewältigenden Strategien gegeben ist.
Abbildung 1: Phasen einer Unternehmenskrise (nach Hauschildt, 2002, S. 1004)
3. Identifikation von Krisenursachen
3.1 Systematisierung von Krisenursachen
Das Wesen der den Unternehmenskrisen zugrunde liegenden Ursachen ist weitaus komplexer als es ihre Veröffentlichung in nicht weiter differenzierenden Listen wie z. B. den periodisch veröffentlichten Listen von Krisenindikatoren (vgl. Schimmelpfeng, 1977a; Creditreform, 1983; Brehmer, 1982) suggerieren mag. Dem Bedürfnis nach Ordnungsprinzipien ist Fleege- Althoff (1930, S. 84) bereits frühzeitig nachgekommen. Er unterscheidet dabei je nach Art der Krisenursachen:
„1. Je nachdem, ob die Faktoren innerhalb der Unternehmung liegen oder von außen auf die Unternehmung einwirken, lassen sich die Krankheitsursachen einteilen in endogene und exogene.
2. Nach der Dauer der Wirksamkeit würde man zwischen periodischen und
fortlaufenden, akuten und chronischen Krankheitsursachen unterscheiden können.
3. Nach den Merkmalen lassen sich offene und schleichende unterscheiden.
4. Nach der Art des Auftretens sind regelmäßige und unregelmäßige feststellbar.
5. Nach dem Grade der Erkennbarkeit kommen starke und schwache vor.
6. Nach der Zahl kommen einzelne und mehrere und bei letzteren wieder nebeneinander
und nacheinander geschaltete in Frage.
7. Je nachdem, ob die ganze Unternehmung betroffen wird oder ob nur einzelne Betriebe
oder gar Abteilungen in Mitleidenschaft gezogen werden, lassen totale und partiale unterscheiden.“ Diese Einteilungsgesichtspunkte finden in der Literatur fast alle Verwendung oder werden gelegentlich abgewandelt und noch ergänzt (vgl. Ahuis, 1934).
Weitere deduktive Abhandlungen unterscheiden zwischen speziellen und generellen Störungsfaktoren (vgl. Hertlein, 1956; Leist, 1905), zwischen akuten Erkrankungen und chronischen Leiden sowie Konstitutionsgebrechen und Funktionsleiden (vgl. Le Coutre, 1926), zwischen Gründen für temporäre und dauernde Unrentabilität (vgl. Fleischer, 1928)
und zwischen Gruppierungen, bei denen eine Gesundung ausgeschlossen bzw. nicht ausgeschlossen ist (vgl. Moral, 1924).
Bei empirischen Abhandlungen findet vorwiegend die Unterteilung der Ursachen in exogene und endogene Verwendung (vgl. Hahn, 1958; Rinklin, 1960). Diese Einteilung ist in betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu begrüssen, sie bedarf jedoch einer weiteren Differenzierung hinsichtlich der Kausalität von einander vor- bzw. nach gelagerten Krisenursachen.
Eine weitergehende Differenzierung führt dagegen Kliege (1962) durch. Er geht dabei von Kausalketten von Ursachen, sog. Bündeln, aus, die er nacheinander als Primärursachen, Sekundärursachen und Tertiärursachen deduktiv darstellt. Diesem Grundprinzip der Systematisierung, der Kausalität, fügt Keiser (1965) die Annahme der Interdependenz von nebengeordneten Ursachen bzw. Ursachenkomplexen und die Annahme der Multikausalität hinzu. Ursachen bedingen sich also auch gegenseitig auf einer Ebene und können darüber hinaus auch mehrere „Ursachen“ auf einer nach gelagerten Ebene beeinflussen. Diese Überlegungen können vereinfacht in einem Modell der Krisenursachen wie folgt dargestellt werden:
Zu den Primärursachen zählt Keiser u. a. mangelnde unternehmerische Veranlagung (endogen), mangelndes Leistungsvermögen der Mitarbeiter (endogen) und hoheitliche Gewalt (exogen). Die Sekundärursachen umfassen u.a. fehlerhafte Kalkulation und Strukturmängel im Bereich der Leitungs- und Verwaltungsprozesse und z.B. schlechte Beschaffungskonditionen und fehlerhafte Lagerung im Bereich der Umsatzprozesse. In zu
hohen Kosten und zu hohem Aufwand, in zu niedrigen Erlösen und einer schlechten Bilanzstruktur identifiziert Keiser tertiäre Ursachen. Die Tertiärursachen stellen den letzten Komplex im Kausalverlauf dar. Sie sind gleichzeitig die ersten Insolvenzgründe, die sich bei einer Bilanzanalyse ermitteln lassen. „Außerdem kommt den Tertiärursachen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur eine relativ untergeordnete Bedeutung zu, da sie als letzte Stufe vor dem Unternehmenszusammenbruch schon weitgehend nur noch Symptomcharakter tragen“ (Keiser, 1965, S.102).
Hauschildt (1983, 2002), der sich in seinen Studien zur Krisenforschung auf endogene Ursachen, differenziert zwischen strukturellen, die im Sinne Keisers den Primärursachen zuzurechnen sind, operativen und strategischen Misserfolgsursachen, die im Sinne Keisers den Sekundärursachen zuzuordnen sind. Diesen Misserfolgssegmenten fügt Hauschildt das Segment der verschärfenden Ursachen hinzu (vgl. Hauschildt, 1998), die dem Verständnis Keisers folgend den Tertiärursachen entsprechen. Die Differenzierung nach Misserfolgssegmenten lässt sich vereinfacht in folgender Abbildung (Abb. 3) darstellen:
Die grundlegenden Gedanken Keisers zur Systematisierung von Krisenursachen und die weiterführende Differenzierung Hauschildts nach Misserfolgssegmenten, scheinen das bislang sinnvollste und verständlichste Schema der Darstellung der empirischen Ergebnisse zu sein und sollen somit die Grundlage für die weiteren Ausführungen bilden. Es muss jedoch kritisch angemerkt werden, dass die Einteilung der identifizierten Krisenursachen aufgrund der Heterogenität des Datenmaterials trotzdem nicht immer eindeutig ist.
3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen
Datengrundlage der Bestandsaufnahme der empirisch identifizierten Krisenursachen bilden 11 Studien, bei deren Auswahl bestimmte Kriterien zugrunde gelegt wurden. Dieses sind unter anderem der Erhebungszeitraum, die Vielfältigkeit der Ergebnisse, Berücksichtigung nationaler und internationaler Verfasser sowie Angaben über Gegenstand der Erhebung und angewandte Methodik. Die dargestellten Ergebnisse sind nicht auf diese Studien beschränkt. Im Folgenden werden diese in chronologischer Reihenfolge kurz beschrieben, um Einblick in die den empirischen Ergebnissen zugrunde liegenden Studien zu gewähren. Diese sind im einzelnen:
1. Keiser (1965) Keiser analysierte aufgrund von Gerichtsakten, Befragungen der gescheiterten Unternehmer und Befragungen der zuliefernden Grosshändler 182 mittelständische Einzelhandlungen, die in den Jahren 1955 bis 1963 in gerichtlich festgestellte Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Bei einigen der 182 untersuchten Betriebe konnte er allerdings, infolge des zum Teil unvollständigen und primär auf juristische Bedürfnisse zugeschnittenen Datenmaterials, manche betriebswirtschaftlichen Probleme nur ungenügend oder überhaupt nicht klären. Anhand der Häufigkeit der Nennung einer Krisenursache identifizierte Keiser Hauptursachen auf primärer und sekundärer Ebene. Anhand von Zweierkombinationen von Ursachen aus primärer und sekundärer Ebene und der Häufigkeit ihrer Nennung leitete Keiser kausale Zusammenhänge zwischen Ursachen beider Ebenen ab. Er scheitert jedoch, Ursachenkombination aus mehr als zwei Ursachen zu identifizieren.
2. Weibel (1973) In seiner 1973 in der Schweiz veröffentlichten Dissertation „Die Aussagefähigkeit von Kriterien zur Bonitätsbeurteilung im Kreditgeschäft der Banken“ untersucht Weibel in zwei empirischen Studien die Möglichkeit des Einsatzes von Punktbewertungssystemen sowie von „allfälligen Schichtungskriterien“ (vgl. Weibel, 1973, S.27) bei der Kreditvergabe von Banken. Schichtungskriterien sollen dem Kreditsachbearbeiter dazu dienen, die Insolvenzwahrscheinlichkeit von Kreditkunden zu beurteilen. Weibel vermutet Zusammenhänge zwischen Konjunktur, Branchenzugehörigkeit, Kantonszugehörigkeit, Rechtsform sowie Alter des betreffenden Unternehmens und einer möglichen Insolvenz. Um diese Vermutung empirisch zu überprüfen, dienten Weibel die zwischen 1949 und 1969 aus
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Robert Doelling, 2003, Turnaround bei schweren Unternehmenskrisen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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