Proseminar : Erzählprosa des Realismus Kirsten Jäger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Jeremias GOTTHELF 3
2.1 Der Mensch 3
2.2 Sein Werk 4
3. Die schwarze Spinne 7
3.1 Inhalt. 7
3.2 Quellen. 9
4. Struktur der Erzählung. 12
4.1 Charaktere. 12
4.2 Aufbau der Erzählung. 15
4.3 Motive 16
5. Literarische Einordnung 19
5.1 Rezeption 19
6. Persönliches Fazit 20
7. Literaturnachweis 22
Proseminar: Erzählprosa des Realismus Kirsten Jäger
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit sollen das Leben und Schaffen von Jeremias GOTTHELF, die zeitgeschichtlichen Hintergründe und sein Werk „Die schwarze“ Spinne erläutert werden. Ziel ist es, sich durch die festgehaltenen Fakten und kritischen Überlegungen ein umfassendes Bild von GOTTHELF und seiner Erzählung zu machen.
2. Jeremias GOTTHELF
2.1 Der Mensch
Jeremias GOTTHELF wurde am 4. Oktober 1797 mit dem bürgerlichen Namen Albert Bitzius in Murten im Kanton Fribourg geboren. Seine Jugend war zum einen geprägt durch die Wirren der Revolution, zum anderen durch die religiöse Familie, in welcher er aufwuchs. Sein Vater war von Beruf Pfarrer und lehrte an der Schule in Utzensdorf, welche auch von Jeremias in den ersten 8 Schuljahren besucht wurde. Sein Onkel, bei welchem er zu seiner Studienzeit wohnte, war Theologieprofessor. GOTTHELF war von Geburt an umgeben von Geistlichen und Predigern der christlichen Ideale, welche zum Lebensinhalt die Verkündigung und das rechte christliche Leben hatten.
So trat GOTTHELF selbst, als erstgeborener Sohn, in die Fußstapfen seines Vaters und begann 1814 sein Theologiestudium in Bern.
Er studierte neben Theologie auch Mathematik, Physik, Geschichte und Philosophie. Als aktiver, politisch interessierter Mensch setzte er sich mit Leib und Seele für Gerechtigkeit und die christlichen Traditionen ein. Er war Gegner des Materialismus und versuchte ab 1836 durch seine Schriften Einfluß auf die Moral der Menschen zu nehmen, sie auf den rechten christlichen Weg zu führen und zugleich, im Sinne der Aufklärung, den Menschen ihre Rechte zu verdeutlichen.
„Sicherlich war er kein Ästhet im heutigen Sinne, sondern ein kämpferischer Christ, der überraschende politische Prophezeihungen aussprach, die sich in unserem
Jahrhundert bewahrheiteten. [...] ... sondern führte den Sieg, z.B. des Materialismus, auf den Zerfall der christlichen Lebensordnung zurück.“ 1 Wie auch in „schwarzen Spinne“ deutlich wird, kann man von einem kämpferischen Christen sprechen. GOTTHELF übte massive Kritik an den damaligen politischen und sozialen Verhältnissen und an der verloren gegangenen Christlichkeit, wenngleich auch aus einem konservativen Blickwinkel. Nur durch den Glauben an Gott und durch ein christliches Leben kann der Mensch sein Seelenheil erlangen, dass sollen die Menschen wieder begreifen.
„Das rechte weltliche Glück und das himmlische werden akurat auf dem gleichen Weg gefunden.“ 2
Der Kritik an der unchristlichen Lebensweise und dem Aufruf, sich auf den Weg Gottes zu begeben, gibt er in seinen Werken literarische Gestalt.
2.2 Sein Werk
Jeremias GOTTHELF trat 1836 unerwartet das erste mal als Schriftsteller auf. Sein Vorhaben läßt sich allerdings bereits 5 Jahre zuvor in einem Brief an einen Freund erahnen.
„ Nun bin ich aber von den Politikern und der Politik selbst verlassen worden und sehe auf einmal verblüfft mich fast vereinzelt stehn mit offenem Maul, Nachdem die Vernunft, begleitet von der Mäßigkeit, den Sieg errungen, benutzen ihn die Unvernunft und die Unmäßigkeit. [...] Nun möchte ich den Kopf mit etwas anderem beschäftigen [...] Ich schwanke zwischen dem Erlernen einer Sprache, der kritischen Erklärung der Bibel, dem Studium der neuen Philosophie oder gar dem Schreiben eines Büchleins...“ 3
1 Egon Eckert: Erläuterungen zu J. Gotthelf: Die schwarze Spinne. Hollfeld. 1991.
2 Jeremias Gotthelf zitiert nach Egon Eckert: Erläuterungen zu J. Gotthelf: Die schwarze Spinne. Königs
Erläuterungen und Materialien. Hollfeld. 1991.
3 Zitiert nach: Friedrich Seebaß, Jeremias Gotthelf, Gießen und Basel 1954, S.44/45.
Nicht nur eine Andeutung seines Vorhabens, sondern auch seine politische Einstellung treten im ersten Satz dieses Zitats hervor. Nachdem die Revolution nun in manchen Bereichen eine Schneise geschlagen hatte, nachdem die Aufklärung durch Kant und andere immer weiter voran getrieben worden war, waren die Menschen nach GOTTHELF Auffassung immer noch nicht in der Lage, einen rechten und christlichen Weg zu finden und ihre gerade gefundene Vernunft vernünftig einzusetzen. Unterdrückung und Unchristlichkeit hatten ihren Platz genau wie zuvor. Diese Thematik greift GOTTHELF in seinen Romanen und Erzählungen immer wieder auf. In seinem Schreiben sah er eine Form der Verkündigung, einen Ausspruch gegen die Mißstände in der damaligen Gesellschaft.
In den 17 Jahren bis zu seinem Tod 1854 veröffentlichte er ein beachtliches Werk, dass in der Gesamtausgabe 42 Bände umfasst. 4
Diese schriftstellerische Schaffensphase von 17 Jahren wurde in drei unterschiedliche Perioden eingeteilt, da sich bei GOTTHELF im fortschreiten der Zeit verschiedenen Schwerpunkte erkennen ließen.
In der ersten Perioden von 1 837-1840 standen die sozialkritischen und pädagogischen Tendenzen im Vordergrund.
Von 1840 bis 1845 beschäftigte GOTTHELF sich mit der These, dass Sünde und Bosheit nur da seien, um die Überwindungskräfte des Christentums hervor zu locken. In dieser zweiten Periode entstand auch „die schwarze Spinne“. Im Kampf gegen die Sünde opfern zweimal glaubensstarke Menschen ihr Leben und retten die Bevölkerung vor weiterer Seuche und Befall der teuflischen Spinne. Die dritte Schaffensperiode war am stärksten von der damaligen politischen Situation geprägt. GOTTHELF war mit den Gedanken der Diesseitigkeit beschäftigt und befasste sich intensiv mit dem politischen Radikalismus, speziell mit den Linkshegelianern.
4 Ullrich Knellwolf: Gleichnis und allgemeines Priestertum. Zürich 1990, S. 13
GOTTHELFS Beweggründe und Intentionen
Schon der Umfang des in 17 Jahren verfassten Werkes zeigt, dass GOTTHELF es nicht als bloße Lieberei verstanden hatte, seine Erzählungen und Romane niederzuschreiben. Vielmehr ging es GOTTHELF darum, seine Überzeugungen und Ideale, das christliche Gedankengut zu verkünden, Einfluß auf die Menschen zu nehmen, sowohl in reformatorischer aufklärender Weise, als auch in urchristlichen Sinne, sie auf den rechten Weg zu bringen.
„Der ursprüngliche Anstoss zu Gotthelfs Romanen ist das klare Aufzeigen der Spannungen, Verlockungen und Bedrohungen, denen die im bäuerlichen Dasein verkörperte religiöse Ordnung durch den Wandel der Zeit und den Gang der Dinge dieser Welt ausgesetzt ist.“ 5
In einer theologischen Auseinandersetzung KNELLWOLFs über das Verhältnis von Beruf und Schriftstellerei, des innehabenden Predigtamtes und des erzählenden Werkes bei GOTTHELF wird der Antrieb zur Schriftstellerei wie folgt begründet: GOTTHELF habe für sich zwei theologische Grundentscheide gefällt: Für das Gleichnis und das dreifache Amt jedes Christen. 6
Das Gleichnis ist für GOTTHELF die Verkündigung des christlichen Glaubens. Hierbei ist es nicht wichtig, dass dies von der Kanzel herunter geschehe. Er war immer um die Predigt bemüht, doch in der damaligen Zeit der Predigtkrise, suchte sich GOTTHELF durch seine Erzählungen und Romane einen Ausweg um zu Verkündigen. Das dreifache Amt jedes Christen, nämlich das königliche, das prophetische und das hohepriesterliche war für GOTTHELF die zweite theologische Grundentscheidung, wobei bei dieser besonders das prophetische für sein schriftstellerisches Dasein wichtig war. Diese beiden Grundentscheide bedingen sich bei GOTTHELF. „Zum Stand jedes Priesters aber gehört auch das prophetische Amt - Verkündigung geschieht also nicht oder nicht in erster Linie in der Kanzelpredigt des Pfarrers,
5 Cimaz, Pierre: Jeremias GOTTHELF (1797-1854). Verlag. Tübingen 1998, S. 555
6 vgl.:Ulrich Knellwolf: Gleichnis und Allgemeines Pristeramt, S. 13 ff
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Kirsten Schmelzer, 2000, Zu: Jeremias Gotthelf - "Die schwarze Spinne", München, GRIN Verlag GmbH
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