Proseminar: *DLXV-XOLXV&DHVDU (Dr. B. Kremer) Stephan Geier Semester: SS 2001
Fächerkombination:
Physik-Diplom (7.Semester) Klassische Archäologie Ur- und Frühgeschichte Alte Geschichte, M.A. (6. Semester)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Caesars literarisches Gesamtwerk
3. Aufbau und Inhalt der Commentarii
4. Entstehung und Datierung
5. Stil als Mittel zum Zweck
6. Publikum
7. Glaubwürdigkeit Caesars
8. Genus des Werkes
9. Zusammenfassung
10. Quellen und Literatur
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Mit dieser kühnen und doch leidenschaftlich begründeten Aussage lässt Theodor Mommsen seine Römische Geschichte ausklingen. Jenes Standardwerk, das das Caesarbild der Moderne noch lange prägen und auf die Probe stellen sollte. In der Tat kann auch der kritischere Forscher nach der Beschäftigung mit der Person Caesars nicht umhin, seine umfassende Begabung zu würdigen, seine unumstrittene Genialität auf dem Schlachtfeld, seine rhetorischen Fähigkeiten und nicht zuletzt sein politisches Engagement. Daß seine Taten die Zeiten überdauern sollten war sicher eine seiner größten Ambitionen, wie bei vielen berühmten Römern dieser Zeit. Doch in welcher Art und Weise sich noch zwei Jahrtausende später die meisten Menschen mit seinem Werk in Berührung kommen, das hätte er sich sicher nicht träumen lassen. Nach wie vor ist seine Schrift de bello Gallico erste Wahl an Quellenliteratur im Lateinunterricht für Anfänger auf der ganzen Welt. Allein diese Tatsache macht Caesar zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller aller Zeiten, gemessen an der Auflagenstärke seines Werkes.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Facette von Caesars Persönlichkeit und versucht einen Einblick zu geben in sein schriftstellerisches Werk. Dies soll anhand seiner Commentarii de bello Gallico geschehen, nicht nur, weil es seine berühmteste und umfangreichste Schrift ist, sondern auch, weil sie als einzige vollständig überliefert ist. Der Umfang gestattet es nicht, eine vollständige Bearbeitung dieses Komplexes zu liefern. Vielmehr soll ein Eindruck von Caesars literarischer Begabung vermittelt, ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung gegeben und eine Deutung seiner Motive versucht werden. Denn so vielseitig sich Caesars Betätigungsfelder auch darstellen, so waren sie doch niemals isoliert. Caesars Kriege hatten stets auch einen politischen Hintergrund, seine Redekunst brachte ihm seine Stellung bis hin zum Triumvirat, seine Pakte hielten ihm den Rücken frei für seine Eroberungen. So führte in Caesars Leben immer das Eine zum Anderen. So war auch seine literarische Tätigkeit mit Sicherheit nicht frei von Hintergedanken. Ob und inwieweit sich das auf seine Glaubwürdigkeit und die Authentizität seiner Berichte auswirkt, soll ebenfalls untersucht werden.
1 T. Mommsen, Römische Geschichte, Berlin 1968, 582
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Erschwert wird diese Aufgabe durch die ungünstige Quellenlage in dieser Zeit. Obgleich Caesars bedeutendste Schriften fast ganz erhalten sind, mangelt es an verlässlichem Vergleichsmaterial. Die Caesarbiographen Sueton 1 und Plutarch 2 beziehen sich bei ihrer Schilderung des Gallischen Krieges zumeist auf Caesar selbst. Aulus Hirtius 3 , der Verfasser des achten Buches von De Bello Gallico muß als Verehrer Caesars sehr kritisch betrachtet werden, während einer der wenigen Kritiker dieser Zeit, Asinius Pollio 4 nur durch Zitate überliefert ist. Der Historiograph Cassius Dio 5 schrieb erst im dritten Jahrhundert nach Christus. Die spärlichen Verweise bei Cicero 6 helfen für der Rekonstruktion des Geschehens kaum weiter. Gleiches gilt für einige Anspielungen beim Dichter Catull. Deshalb ist Caesar für die Erforschung seines Werkes über weite Strecken selbst der einzige Gewährsmann. Es folgt zunächst eine kleine Einführung in Caesars literarisches Gesamtwerk, da er sich durchaus nicht nur mit seinen Commentarii befasst hat. Der Aufbau und Inhalt ebendieser wird im nächsten Abschnitt kurz umrissen. Da die genaue Datierung der Schrift nach wie vor in der Forschung umstritten ist, wird anschließend auf den Entstehungszeitraum und das Datum der Veröffentlichung näher eingegangen. Caesars markantem Stil ist der folgende Teil gewidmet, wobei aus oben genannten Gründen immer auch auf Caesars Motive Bezug genommen werden muß. In diesem Sinne muß dann auch die Frage nach dem speziellen Leserkreis gestellt werden, für den das Werk ursprünglich konzipiert war bzw. ob es einen solchen überhaupt gegeben hat. Die Glaubwürdigkeit Caesars ist nach wie vor ungeklärt und gehört wohl zu den reizvollsten Fragen, die seine Person als Schriftsteller betreffen. Forschungsansätze und Schwierigkeiten bezüglich dieses Themas werden im achten Abschnitt aufgezeigt. Nach dem Versuch einer Einordnung der Commentarii in die antike Literatur, der Festlegung auf ein bestimmtes Genus also, endet die Arbeit mit einer Zusammenfassung, die von Caesars Werk zurück auf seine Person führen soll. Ein Literaturverzeichnis zur Erleichterung der intensiveren Beschäftigung mit dem Thema findet sich selbstverständlich am Ende des Aufsatzes.
1 C. Suetonius Tranquillus, Die Kaiserviten
2 Plutarch, Doppelbiographien
3 Hirtius b. G. VIII
4 z.B. bei Suet. 56,4
5 Cassius Dio, Römische Geschichte, 38-40
6 z.B. in Cicero, Brutus - - 5
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Gemeint sind hier Caesars berühmteste Schriften, zum einen die genannten &RPPHQWDULL GH %HOOR *DOOLFR, zum anderen die &RPPHQWDULL GH %HOOR &LYLOH, wie uns Sueton hier wissen lässt. Genau genommen stammen nur die ersten sieben Bücher des Gallischen Krieges aus der Feder Caesars. Der Bürgerkrieg ist nicht vollständig überliefert. Über den Inhalt der Bücher ist der Information Suetons vorerst nichts hinzuzufügen. Im Zuge dieser beiden Werke tauchen immer wieder das Bellum Africum, das Bellum Alexandrinum und das Bellum Hispaniense auf. Sie sind jedoch, genau wie das achte Buch des Bellum Gallicum, das seinem Gefolgsmann Aulus Hirtius zugeschrieben wird, nicht von Caesar 2 , sondern von bewundernden Nachahmern geschrieben worden. Im Inhalt beziehen sie sich wie zu erwarten auf die kriegerischen Taten Caesars, die in seinen eigenen Schriften fehlen, namentlich die Auseinandersetzungen mit den Anhängern des Pompeius in Spanien und Nordafrika. Die Schriften werden hier nur um der Klarheit willen genannt, da sie gerne mit Caesars Büchern zum sog. Corpus Caesarianum 3 zusammengefasst werden, was durchaus missverstanden werden kann.
Doch damit ist Caesars literarisches Wirken noch lange nicht erschöpft, auch wenn von den folgenden Schriften und einigen kleineren Jugendwerken leider keine mehr erhalten sind. Mit GH $QDORJLD verfasste er eine philosophisch-rhetorische Schrift über den Gebrauch der Analogie in der Rede, die unter anderem von Cicero, dem damals wohl fähigsten Autor dieses Genres, hoch gelobt wurde. 4
Ganz im Gegensatz dazu fand seine Schmähschrift $QWLFDWR anlässlich des Todes seines unangenehmen politischen Gegners Cato im intellektuellen Rom nur wenig Gegenliebe. 5 Dies ist nur ein Beispiel dafür, daß Caesar durchaus in Rage geraten konnte, wenn etwas nicht nach seinem Plan verlief, und dann zuweilen auch seinen viel gerühmten kühlen Kopf verlieren konnte.
1 Suet. 56, 1
2 Suet. 56, 1; Hirtius B. G. VIII;
Eine alternative Argumentation liefert neuerdings L. Canfora, der das achte Buch Caesar selbst zuschreibt und die Verfasserschaft von Hirtius in Abrede stellt. L. Canfora, Caesar, München 2001, 346f.
3 F. E. Adcock, Caesar als Schriftsteller, Göttingen 1959, 70-74
4 Suet. 56,5; M.Gelzer, Caesar. Der Politiker und Staatsmann, Wiesbaden 1960, 126f.
5 Suet. 56,5; Gelzer 280f. - - 6
Arbeit zitieren:
Stephan Geier, 2001, Caesar als Schriftsteller - Die Schrift de Bello Gallico, München, GRIN Verlag GmbH
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