Inhaltsverzeichnis
1. E i n l e i t u n g 3
2. B i o g r a p h i s c h e r A b r i s s 4
3. Die Auswertung der Quellen 6
3.1. Inhaltliche Zusammenfassung 6
3.2. Lage und Baulichkeiten 6
3.3. Die Vergünstigungen 8
4. Die weitere Geschichte des Hofes 10
5. S c h l u s s 1 2
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 13
7. Abbildungen 15
8. Abbildungsnachweis 16
2
1. Einleitung
Neben vielen berühmten Persönlichkeiten des Mittelalters, deren Leben bis in alle Details durch reiches Quellenmaterial beleuchtet wird, entdecken Historiker von Zeit zu Zeit Personen, deren Bedeutung für die Geschichte erst bei genauerem Hinsehen erkannt wird. Erstaunlich ist es dann, wenn man durch Quellenarbeit deren tatsächlichen Einfluss erfährt und es sich zeigt, in wessen Schatten sie agierten und wozu ihr Engagement führte. Eine dieser vordergründig unscheinbaren Personen des spätmittelalterlichen Lebens ist Rudolf Losse, Bürger der Stadt Eisenach.
Dieser Rudolf Losse hat es verstanden, sich- wie er selbst sagt-„…per immensos labores…“ 1 , große Reichtümer in Form von Pfründen zu erwerben und war in Diensten vieler großer Männer seiner Zeit.
Diese Untersuchung beschäftigt sich jedoch nicht mit seinem Pfründenerwerb, sondern mit seinem allodialen Hof in Eisenach und der von ihm gestiftete Peter- und Paul- Kapelle. Dankenswerter Weise hat Helmbold 2 eine Arbeit zu Losse verfasst, in der er auch ausführlich die Geschichte, die Lage, die Baulichkeiten und die Vermächtnisse Losses auf der Basis der von Stengel veröffentlichten Nova Alamanniae 3 eingeht. Wenig erfährt man jedoch darüber, wie Losse Vergünstigungen und Privilegien bei seinen Gönnern und Dienstherren erwirkte. Dieser Frage wird im Wesentlichen nachzugehen sein. Dazu werden einige Quellen aus den Nova Alamanniae untersucht.
Diese Untersuchung wird durch verschiedene Literatur unterstützt, wobei zu bemerken ist, dass sich wenige Autoren mit Rudolf Losse und seinem Wirken beschäftigten. Neben Burgard, Stengel und Langer- der im 2. Teil seiner Arbeit eine ausführliche Biographie Losses lieferte-, die sich intensiv mit Losse befasst haben, liegt noch eine bemerkenswerte Untersuchung von Schmitt vor. 4 Von grossem Wert für diese Arbeit ist die schon genannte Untersuchung Helmbolds, die sich ausführlich der Familie Losse, deren Besitzungen, dem
1 Langer. H.-G.: Urkundensprache und Urkundeformel in Kurtrier um die Mitte des 14. Jahrhunderts, Ein
Beitrag zur Geschichte der deutschsprachigen Urkunde in der kurtrierischen Kanzlei während der Tätigkeit
Rudolf Losses und seines Kreises, 1. Teil ADipl. 16, 1970, 2. Teil, ADipl. 17, 1971, S. 393.
2 Helmbold, H.: Ein Eisenacher Rittergeschlecht und sein Hof, Mitteilungen des Eisenacher Geschichtsvereins 5,
1933, S. 3-34.
3 Stengel, E. E. (Hrsg.): Nova Alamanniae: Urkunden, Briefe und andere Quellen besonders zur deutschen
Geschichte des 14. Jahrhunderts vornehmlich aus den Sammlungen des Trierer Notars und Officials, Domdekans
von Mainz Rudolf Losse aus Eisenach in der Ständischen Landesbibliothek zu Kassel und im Staatsarchiv zu
Darmstadt, Bd. 1 Berlin 1921, Bd. 2/I, Berlin 1930, Bd. 2/II, Hannover, 1976, im Folgenden als NA abgekürzt.
4 Burgard, F.: Rudolf Losse (um 1310-1364), Rheinische Lebensbilder 14, Köln 1994, S. 47-70; Stengel, (wie
Anmerk. 3) und Langer, (wie Anmerk 1); Schmitt, L. E.: Untersuchungen zu Entstehung und Struktur der
„Neuhochdeutschen Schriftsprache“, 1. Band: Sprachgeschichte des Thüringisch- Obersächsischen im
Spätmittelalter. Die Geschäftssprache von 1300 bis 1500, Mitteldt. Forsch. 36/I 1966.
3
Lossenhof und der dazugehörigen Kapelle gewidmete. Dazu gesellt sich Literatur zur Geschichte Eisenachs und einige kunsthistorische Arbeiten, in denen der Lossenhof Erwähnung findet. 5
Zuvor soll aber ein biographischer Abriss Rudolf Losse vorstellen, jenen Mann, der auf so „unscheinbare“ Weise an der Reichsgeschichte mitgewirkt hat.
Nach einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung der Quellentexte, werden dann im weiteren Verlauf der Arbeit alle fassbaren Informationen zum Hof und der Kapelle dargestellt. Desweiteren soll gezeigt werden, wie sich die Tätigkeiten Losses auf die Ausstattung der Kapelle auszuwirken vermochten.
Schliesslich wird ein Ausblick auf die weitere Geschichte des Lossenhofes gegeben, der den Schluss der Arbeit bilden wird.
2. Biographischer Abriss
Geboren wurde Rudolf Losse 1307 6 bei Eisenach, vermutlich im elterlichen Hof in Groß-Lupnitz. Er entstammte einem westthüringischen Ministerialengeschlecht, das in und um Eisenach begütert war und dort das Bürgerrecht, sowie einen alten Freihof, den so genannten Lossenhof, besass. 7
Frühzeitig verlor er seine Eltern, wodurch er und sein Bruder Hermann vom Onkel Johann 8 aufgezogen wurden. Gegen diesen prozessierte er alsbald um das väterliche Erbe. 9 Die Jahre 1328 (vermutlich schon 1327, zum offiziellen Studienbeginn) bis 1330 studierte er mit seinem Bruder in Montpellier. Sein Studium brachte ihn schon bald mit dem Papst in Avignon in Kontakt, der ihm seine erste Pfründe in Ohrdruf verschaffte. Nach Abschluss seines Studiums begann er seine Tätigkeit in der Kanzlei Erzbischof Balduins von Trier. Sicher ist Losse hier ab 1332 nachzuweisen, wobei sein Eintritt wahrscheinlich bereits 1331 erfolgt war. In die Dienste des Erzbischofs brachten ihn
5 z.B. Schumacher, C. W.: Merkwürdigkeiten der Stadt Eisenach und ihres Bezirkes in alphabetischer Ordnung,
Eisenach 1777, Neudruck in: Beitr. zur Gesch. Eisenachs XXI, Eisenach 1912, S. 61f; Funkhänel, C.F.:
Eisenacher Erinnerungen, ZVThürGA 5, 1863, S. 229-233; Puttrich, L.: Mittelalterliche Bauwerke im
Grossherzogthum Sachsen- Weimar- Eisenach, Leipzig 1847, S. 16 und Tafeln 4, 6 u.7, 12.
6 Burgard, F.: Der thüringische Bildungskreis am Hofe des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg (1307-
1354), ZVThürG 49, 1995, S. 151, andere Angaben lauten um 1310.
7 Schmitt, (wie Anmerk 4), S. 83.
8 Helmbold, (wie Anmerk. 2), S. 4f.
9 Schuler, P.- J. Losse, Rudolf, NDB, Bd. 15, München 1987, S. 199 u. Langer, (wie Anmerk. 1), 2. Teil, S. 372f.
zum Prozess gegen den Onkel.
4
möglicherweise der Göttinger Arzt Johannes Hake und der seit 1328 für Balduin von Trier arbeitende Verwandte Rudolfs Dietmar Maul. 10
1334 wird er Hausgenosse des böhmischen Königs Johann. Dieser ersten Ehrenbezeugung folgen zahlreiche weitere im Verlauf seiner Karriere. 11
Im selben Jahr wird er in die Bruderschaft der Augustinereremiten und 1339 bei den Prämonstratensern aufgenommen. 12
1338 beteiligt sich Rudolf am Kurverein von Rhens, als dessen Mitverfasser er gilt. 13 1340 wird er Kurtrierer Notar, 1342 Protonotar, wobei er maßgeblichen Anteil an der Ausbildung des Trierer Kanzleistils hatte.
1340 endlich wird er zum Subdiakon, wenig später im selben Jahr zum Diakon geweiht 14 , nachdem er ohne Weihe zahlreiche Pfründen erworben hatte.
1340 wurde ihm die geistliche Strafgerichtsbarkeit im Archidiakonat Longuyon übertragen. Von 1344 bis zum Tode Balduins 1354 ist er erzbischöflicher Offizialat in Trier und wurde nach der Wahl Karl IV. zum deutschen König dessen wichtigstem Unterhändler am Papsthof in Avignon.
Seit dem Jahr 1353 war er zudem als „examinator clericorum pauperum in Alamannia“ für die Prüfung von Provisions- und Exspektanzanwärtern verantwortlich. 15 Nach dem Tode Erzbischof Balduins 1354 trat er seine Stelle als Mainzer Domdekan an, die er bereits 1346 erhalten hatte.
Alles in allem verschaffte sich Rudolf Losse im Laufe seines Lebens grossen politischen Einfluss und dadurch zahlreiche Pfründen.
Daneben besass er ein großes literarisches Interesse und eine Sammelleidenschaft. Ihm ist die Überlieferung einiger mittellateinischer und mittelhochdeutscher Gedichte und Lieder zu verdanken. 16
Seine privaten Angelegenheiten, z. Bsp. seinen Hof mit Kapelle in Eisenach, versuchte er durch mehrere Testamente 17 rechtzeitig zu ordnen.
Dennoch starb er am 4. Januar 1364 im Kirchenbann, in welchen er ausgerechnet durch einen anderen Kleriker, aufgrund einer Trierer Domherrenpfründe gekommen war. 18
10 Burgard, (wie Anmerk. 6), S. 155 und 159; zu Losses Tätigkeit bei Balduin von Luxemburg, vgl. ders.:
Familia Archiepiscopi, Studien zu geistlichen Funktionsträgern Erzbischof Balduins von Luxemburg (1307-
1354), Trierer Hist. Forsch. 19, Trier 1991.
11 ders., (wie Anmerk. 4), S. 54 und 58, sowie Schuler, (wie Anmerk. 8), Sp. 199.
12 Burgard, (wie Anmerk. 4), S. 55.
13 Schuler, (wie Anmerk. 8), S. 199.
14 Pauly, F.: Das Erzbistum Trier 3, Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, GS NF. 19, Berlin 1986, S. 359.
15 Schuler, (wie Anmerk. 8), Sp. 199, Burgard, (wie Anmerk. 4), S. 68, Langer, (wie Anmerk. 4), 1. Teil , S. 354
und 2. Teil, S. 408f.; vgl. auch NA 915.
16 Holtorf, A.: Losse, Rudolf, 2 VL, Bd. 5, Berlin 1985, Sp. 914f.
17 NA 972, 986 u. 989.
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Arbeit zitieren:
Pierre Fütterer, 2005, Die "curia Lossonum" und die von Rudolf Losse gestiftete Peter- und Paulskapelle, München, GRIN Verlag GmbH
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