Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Kosmos und Taxis
2.1 Der Begriff der Ordnung 3
2.2 Spontane Ordnung und Organisation 3
2.3 Die Regeln der spontanen Ordnung und der Organisation 6
2.4 Die „Große Gesellschaft“ 8
2.5 Die Frage der Koexistenz und der Kombinierbarkeit der Ordnungen 9
2.6 Anmerkung über die historische Entwicklung der
beiden Ordnungsbegriffe 9
3. Die Zerstörung der spontanen Ordnung
3.1 Einleitung 11
3.2 Liberalismus und Handlungsfreiheit 11
3.3 Sozialismus und die Bedrohung der Freiheit 13
3.4 Die Anmaßung von Wissen und die Zwillingsidee
der spontanen Ordnung und der kulturelle Evolution 15
3.5 Probleme der sozialistischen Realität 17
3.6 Regelordnung und Handelnsordnung 19
3.7 Politik als Ordnungspolitik 21
4. Schlussbemerkung 21
5. Literaturverzeichnis 22
1
1. Einleitung
Wie kommt ein gesellschaftliches Zusammenleben zustande, welches den Menschen bestmögliche Aussichten bietet, ihre Interessen wahrzunehmen und ihre Ziele erfolgreich zu verfolgen? Friedrich August von Hayek 1 beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit einer Erklärung für dieses gesellschaftliche Phänomen. Seine Überlegungen wurden entscheidend geprägt durch die liberalen angelsächsischen Theorien des 18. Jahrhunderts. Zum einen findet die freiheitliche Ordnung unserer Gesellschaft große Beachtung, deren Begründung nach liberaler Auffassung in der Entstehung vo n Regeln und Institutionen zu finden ist. Darüber hinaus trägt Hayek der allgemeinen skeptischen Auffassung David Humes Rechung, welcher die Grenzen der menschlicher Vernunft und des Wissens erkennt.
Der erste Teil dieser Seminararbeit gibt einen Überblick über das Kapitel zwei des Werkes „Recht, Gesetz und Freiheit“, mit dem Titel „Kosmos und Taxis“. Thematik ist die Entstehung der Strukturen unserer Gesellschaft und die Frage wie eine solche Ordnung beschaffen sein muss, damit ein Zusammenleben möglich i st. Hat sich unsere Gesellschaft über einen evolutorischen Prozess herausgebildet oder ist sie das Resultat überlegener menschlicher Intelligenz? Welche Regeln liegen dieser Ordnung zugrunde, die eine funktionierende Gesamtordnung ermöglichen? Die Probleme von Eingriffen in die gesellschaftliche Ordnung, die Anmaßung von Wissen durch zentrale Planung und die daraus resultierende Bedrohung der Freiheit, stehen im zweiten Teil im Vordergrund. Es soll der Gegensatz zwischen einer freiheitlichen, liberalen Ordnung auf der Grundlage von Regeln gerechten Verhaltens und einem sozialistischen System, welches entscheidend durch Zielvorgaben und Zwänge geprägt wird, aufgezeigt werden. Es erfolgt eine Darstellung der Wissensproblematik anhand der Unzulänglichkeiten s ozialistischer
1 „Hayek, Friedrich August von, 1899 - 1992; aus Österreich stammender Nationalökonom und Sozialphilosoph, der in Österreich, England, USA und Deutschlandzuletzt in Freiburg - gelehrt hat; Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften 1974 (...). Hayek gehört zu den einflussreichsten Sozialphilosophen seit Smith. Er hat für das Verständnis der wesentlichen Elemente des Wirtschaftens, z.B. die ... Marktwirtschaft, ein neues Fundament geschaffen“. Vgl. Gabler, 2000a, Seite 1430 .
2
Planung. Ich möchte in dieser Seminararbeit, anhand der Zwillingsidee, sowie dem ordnungsökonomischen Zusammenspiel zwischen der Regelordnung und der Handelnsordnung, mögliche Lösungsmechanismen aufzeigen.
2. Kosmos und Taxis
2.1 Der Begriff der Ordnung
Als Ordnung bezeichnet Hayek einen „Zustand .. , in dem verschiedenartige Elemente in großer Anzahl so aufeinander bezogen sind, dass die Kenntnisse eines räumlichen oder zeitlichen Teiles des Ganzen uns erlaubt, richtige Erwartungen hinsichtlich des Übrigen zu bilden oder zumindest Erwartungen, die sich mit erheblicher Wahrscheinlichkeit als richtig herausstellen“. 2 Es ist leicht ersichtlich, dass in unserer Gesellschaft eine derart beschriebene Ordnung vorhanden sein muss, da jedes Mitglied der Gesellschaft zu seiner größtmöglichen Bedürfnisbefriedigung beitragen will. Es findet eine wechselseitige Anpassung der Absichten und Erwartungen an die jeweiligen Umstände von Ort und Zeit statt. Dieser Anpassungsprozess beschreibt das soziale Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Wie wird eine solche Ordnung zustande gebracht?
2.2 Spontane Ordnung und Organisation
Hayek unterscheidet zwei Arten der Ordnung: Die spontane Ordnung und die Organisation. Die Organisation ist eine erzeugte Ordnung, eine Ordnung die exogen, d.h. durch äußere Kräfte geschaffen wird. Hinter dieser Art von Ordnung verbirgt sich die Denkweise der bewussten Planung einer Konstruktion mit hierarchischem Charakter. Die spontane Ordnung dagegen ist eine endogen gewachsene, eine sich selbstgenerierende Ordnung. „ ... (Sie ist) das Ergebnis menschlichen Handelns .. , nicht die Durchführung irgend eines menschlichen Planes“. 3 Da es im Altgriechischen eigene Worte für die beiden Arten von Ordnungen gibt, verwendet Hayek
2 Hayek, 2003a, Seite 38
3 Ferguson, 1767, Seite 171; schottischer Moralphilosoph (1773 - 1790)
3
diese als Synonyme. Das Wort kosmos bezeichnet die gewachsene Ordnung, das Wort taxis die erzeugte Ordnung.
In einigen Bereichen, wie z.B. Sprache und Moral wird heute allgemein anerkannt, dass diese durch einen evolutorischen Entwicklungsprozess entstanden sind. Diese Entwicklung dauert weiterhin an. Keine planende Instanz hätte das Ergebnis in solch einer Art und Weise zustande bringen können. Dagegen ist wiederum in anderen Bereichen, wie z.B. der marktlichen Ordnung, bis heute wenig Vertrauen in die Kräfte der spontanen Ordnung zu beobachten. Adam Smith 4 prägte das „Prinzip der unsichtbaren Hand“. Er beschreibt wie sich die Menschen gegenseitig von Nutzen sind, obwohl dies nicht in ihrer Absicht lag. Wie eine „unsichtbare Hand“ lenkt die Marktwirtschaft das Handeln der Individuen. „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen-, sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil“ 5 . Jedes Mitglied der Gesellschaft verfolgt seine eigenen Interessen und dient dadurch, egal ob aus egoistischen Gründen oder reiner Gutmütigkeit, der gesamten Gesellschaft. Dies bezeichnet Hayek als die Stärke der Großen Gesellschaft 6 .
Woher kommt das Misstrauen gegenüber der spontanen Ordnung? Ein Hauptgrund für dieses Misstrauen begründet sich aus der Tatsache, dass der Charakter der spontanen Ordnung nicht intuitiv erfasst werden kann. Es kann lediglich der Versuch unternommen werden die Strukturen dieser abstrakten Ordnung zu rekonstruieren. Da jeder Grad an Komplexität denkbar ist, kann keine einfache Struktur erkannt werden. Um den Charakter der spontanen Ordnung besser verstehen zu können führt Hayek zwei Beispiele aus der Welt der Physik. Am Beispiel eines Kristalls zeigt er auf, dass es für uns nie möglich sein wird, die genaue Struktur und die exakte Anordnung der einzelnen Elemente ex ante 7 zu bestimmen. Wir können lediglich versuchen die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter
4 Adam Smith (1723-1790), Hauptvertreter schottischer Moralphilosophie
5 Smith, 1996, Seite 17
6 Vgl. Hayek, 2003a, Seite 261
7 Ex ante: (lateinisch) im voraus oder aus früherer Sicht
4
welchen die Bildung eines Kristalls möglich ist. Noch anschaulicher ist ein Experiment, bei welchem Eisenspäne auf ein Blatt Papier gestreut werden, unter dem ein Magnet liegt. Die Eisenspäne ordnen sich nun spontan entlang der Kraftlinien des Magnetfeldes an. Die genaue Position der einzelnen Späne ist nicht vorhersehbar. Diese ist abhängig von der besonderen äußeren Umständen, wie z.B. Oberfläche des Papiers oder Gewicht der Späne. Es kommt zu einer wechselseitigen Anpassung der Kräfte des Magneten und der Umwelteinflüsse. Bei jedem Versuch ergibt sich ein einzigartiges Resultat. Es ist nur der allgemeine Charakter, niemals das exakte Ergebnis vorhersehbar. Diese Beispiele lassen sich auf die komplexeren Phänomene und Strukturen unserer Gesellschaft übertragen. Unser Zusammenleben ist durch einen Anpassungsprozess an eine große Zahl von Einzeltatsachen gekennzeichnet, die keiner Einzelperson in ihrer Gesamtheit bekannt sein können. 8 Die spontane Ordnung kann keinem übergeordneten Zweck dienen, in dem Sinne, dass ein planender Geist ein Ziel vorgegeben hat. Die Mitglieder der Gesellschaft verfolgen ihre eigenen individuellen Ziele und dienen verschiedenen Zwecken, die dem Einzelnen bessere Chancen versprechen. Somit ist das Ausmaß möglicher Kontrolle über die Einzelheiten einer spontanen Ordnung sehr gering oder bisweilen überhaupt nicht vorhanden. An anderer Stelle wird später gezeigt, wie der Versuch die spontanen Kräfte zu kontrollieren und die spontane Ordnung zu lenken, das inhärente Prinzip dieser Ordnung zerstören kann.
Die Organisation dagegen ist eine konkrete Ordnung. Der Charakter der taxis kann durch bloßes Hinsehen intuitiv wahrgenommen werden. Es ist eine klare Struktur zu erkennen, die sich dadurch begründet, dass die Organisation Resultat menschlichen Planens ist. Da der planende Geist jede Einzelheit der Organisation überdacht haben muss, kann die taxis nur einen geringen Komplexitätsgrad aufweisen. Jede Einzelheit kann von einem Verstand kontrolliert werden. Die Planausführer dienen einem bestimmten vorgegebenen Ziel und Zweck.
8 Vgl. Hayek, 2003a, Seite 42
5
Quote paper:
Nina Halaczinsky, 2004, Zu: Friedrich August von Hayeks "Kosmos und Taxis" und "Die Zerstörung der spontanen Ordnung", Munich, GRIN Publishing GmbH
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