Gliederung
1. Einleitung 3
2. Neuerungen 4
2.1 Der Artikel 4
2.2 Entlehnung 4
2.3 Bedeutungswandel 5
2.4 Vereinfachung des Wortschatzes 6
2.5 Intensivbildungen 6
3. Variationen des Vulgärlatein 7
3.1 Chronologische Faktoren 7
3.2 Regionale Faktoren 7
3.3 Soziokulturelle Faktoren 8
4. Appendix Probi 9
5. Fazit 10
6. Literaturverzeichnis 11
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1. Einleitung
Die lateinische Sprache kann sich auf eine jahrtausendelange Tradition be- rufen. Kaum eine andere historische Sprache zeigt eine vergleichbare Kontinuität in ihrer Entwicklung und hat sich derart prägend auf die heuti- gen Sprachen ausgewirkt. Das Latein hat dabei – bedingt durch politische und kulturelle Einflüsse - die unterschiedlichsten lexikalischen Entwick- lungsphasen durchlaufen. Darüber hinaus muss zwischen zwei Ausprä- gungen, dem klassischen und dem Vulgärlatein, unterschieden werden. Das klassische Latein, wie es heutzutage in den Schulen unterrichtet wird, wurde vor allen Dingen in der Schriftsprache verwendet und war damit hauptsächlich die Sprache der Philosophen, Dichter und Politiker, also der gebildeten Oberschicht. Im Gegensatz zu diesem geschriebenen, literari- schen Latein steht die gesprochene Form, das Vulgärlatein. Dieses wurde im Alltag gebraucht und von allen Bevölkerungsschichten gesprochen. Der Begriff ‚Vulgärlatein’ kann von den klassisch-lateinischen Wörtern ‚vulgare’ bzw. ‚vulgaris’ abgeleitet werden, die beide mit der deutschen Bedeutung „gemein, öffentlich, gewöhnlich alltäglich“ übersetzt werden können. Das Vulgärlatein war also die Sprache der Mehrheit des Volkes, die Umgangssprache.
Vor diesem Hintergrund wird klar, dass sich langfristig die häufiger ver- wendete Form, das Sprechlatein, durchsetzte. Auch die heutigen romani- schen Sprachen lassen sich deshalb auf das Vulgärlatein und nicht auf das klassische Latein zurückführen.
Ich möchte im Folgenden sowohl auf die äußeren Einflüsse näher einge- hen, die zu einem Wandel im Vulgärlatein führten, als auch auf lexikali- sche Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Der Rest der Arbeit gliedert sich daher wie folgt: im zweiten Kapitel werde ich zunächst die lexikalischen Veränderungen in einzelne Abschnitte geglie- dert behandeln, um mich anschließend mit räumlichen, zeitlichen und kul- turellen Aspekten, die eine Rolle gespielt haben, zu befassen
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2. Neuerungen Das Vulgärlatein hat sich im Laufe einer langen Entwicklungsphase stark
gewandelt. Die prägnantesten Neuerungen werde ich im Folgenden kurz
darstellen.
2.1 Der Artikel
Als wichtigste Neuerung des Vulgärlateins kann der Artikel bezeichnet
werden. Er bildet eine neue Wortart, die im klassischen Latein nicht zu fin-
den ist, die sich aber trotzdem in fast allen romanischen Sprachen durchge-
setzt hat. Der Artikel ist ein eindeutiges Indiz für die Entwicklung der ro-
manischen Sprachen aus dem Vulgärlatein.
Es muss an dieser Stelle aber hinzugefügt werden, dass diese ihre Artikel,
ähnlich den heutigen, erst im Mittelalter entwickelten. Es ist also ein Jahr-
hunderte andauernder Wandel zu beobachten. Einige lateinische Texte zei-
gen nach RENZI (1980), dass lateinisch ille in der Funktion, etwas Bekanntes
zu bezeichnen, verwendet wurde. So schreibt er: „Man versteht deshalb,
dass das lat. ille für die meisten romanischen Sprachen die materielle Basis
für den Artikel geliefert hat.“ (Renzi, 1980, S. 77) Es führten jedoch nicht
alle romanischen Sprachen als Vorstufe des heutigen Artikels ille weiter.
Das Sardische und Katalanische orientierten sich an lat. ipse, das an die
Stelle von idem getreten war und „das bereits Genannte“ (Renzi, 1980,
S.77) bezeichnete.
2.2 Entlehnung 1
Vor allen Dingen das Griechische hatte einen großen Einfluss auf die La-
teinische Sprache. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Griechen be-
reits vor der Existenz des Imperium Romanum eine Hochkultur entwickelt
hatten und ab dem achten Jahrhundert v. Chr. Kolonien im Nordosten Si-
ziliens, dem Süden Kalabriens und Apuliens besetzt hielten. Dabei wurden
Griechische Lehnwörter, sogenannte Gräzismen, aus dem Bereich der Ge-
genstandsbezeichnungen übernommen. Als Beispiel möchte ich die No-
men ‚camera’ und ‚lanterna’ anführen. Beide sind noch heute im Italieni-
schen (‚camera’) und Französischen (‚chambre’, ‚lanterne’) zu finden.
1 Entlehnung als Oberbegriff für Lehnwörter, Lehnbildungen und Lehnbedeutungen
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Arbeit zitieren:
Susann Karstädt, 2003, Vulgärlatein, München, GRIN Verlag GmbH
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