Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Zur Person: Charles de Gaulle Seite 4
2.1. Vita Seite 4
2.2. Führungsstil Seite 6
3. Europapolitik von Charles de Gaulle Seite 8
3.1. Erste Gedanken über ein geeintes Europa Seite 8
3.2. Geeintes Europa: Ja, aber Seite 9
3.2.1. Fouchet-Pläne Seite 11
3.3. Deutschland: Ja bitte Seite 13
3.4. England: Nein danke Seite 15
3.5. Politik des leeren Stuhls Seite 16
3.6. „Europa vom Atlantik bis zum Ural“ Seite 18
4. Fazit Seite 20
5. Quellenverzeichnis
Literatur Seite 22
Zeitung Internet Seite 23
2
1. Einleitung
Wir fahren mit dem Auto nach Österreich und an der Grenze wartet kein Zöllner mehr. In der Pizzeria am Gardasee bezahlen wir unsere Spaghetti in Euro. Das Wechseln von D-Mark in Lire ist längst Vergangenheit. Überall in Europa - sei es im jeweiligen Landesparlament oder unter den Bewohnern - wird über eine Verfassung für alle Mitgliedsstaaten der Union abgestimmt, die grundlegende Ziele wie Frieden und Wohlergehen für alle festschreibt.
Das vereinigte Europa ohne Grenzen, ohne Geldwechsel ist für uns längst Alltag geworden. Und bald gehören wahrscheinlich auch gemeinsame Grundgesetze dazu. Doch der Weg bis dorthin war weit. Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen große Teile Europas in Schutt und Asche, an Vereinigung war noch lange nicht zu denken. Ein paar der wichtigsten Schritte zu unserem heutigen Europa wurden mit Sicherheit in den 60er Jahren gemacht, als Charles de Gaulle Präsident in Frankreich war. Seine europäischen Gedanken, seine Ziele für und mit Europa sollen in dieser Arbeit analysiert werden.
Der erste Abschnitt handelt von der Person de Gaulle, seiner Herkunft, seinem Werdegang, seinen Einstellungen und schließlich auch von seinem Führungsstil. Der zweite Abschnitt beleuchtet die verschiedenen Kapitel der Europapolitik von de Gaulle, von ihren Anfängen in den 40er Jahren bis zur gescheiterten Entspannungspolitik in Osteuropa. Am Ende findet sich noch eine persönliche Einschätzung de Gaullescher Europapolitik.
3
2. Zur Person: Charles de Gaulle
Um zu verstehen, warum und wie Charles de Gaulle (europapolitisch) gehandelt hat, müssen wir uns erst einmal ein Bild von seiner Person machen: Wie ist er, der heute noch überall „General“ genannt wird, aufgewachsen? Wie ist er in Frankreich zu jener Figur des Widerstands geworden und wie zum Retter der Nation? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der erste Teil dieses Kapitels. Der zweite Abschnitt befasst sich mit dem Führungsstil Charles de Gaulles, der schon in seiner Zeit beim Militär keinen Widerspruch duldete und seiner Dickköpfigkeit, die manchen Kompromiss auf europäischer Bühne verhinderte.
2.1. Vita
Charles de Gaulle wächst nach seiner Geburt 1890 in Lille in einem gebildeten, katholischen, moralisch konservativen, aber sozial fortschrittlichen Elternhaus auf 1 . Sein Vater ist Philosophielehrer, in der Familie seiner Mutter gibt es mehrere Universitätsdozenten 2 . Die Familie distanziert sich während der Dreyfus-Affäre von konservativen, nationalistischen Kreisen und sympathisiert mit Alfred Dreyfus, der aus antisemitischen Gründen verurteilt wurde. Charles de Gaulle entscheidet sich für eine Karriere beim Militär, wird 1913 Leutnant und kämpft im 1. Weltkrieg in Deutschland, wo er in Gefangenschaft gerät. Er versucht fünfmal aus seinem Gefängnis in Ingolstadt zu fliehen und scheitert jedes Mal 3 . Nach dem Krieg heiratet er und arbeitet als Lehrer an einer Offiziersschule. In den 20er und 30er Jahren klettert er die Karriereleiter rasch empor, zeichnet sich bei Auslandseinsätzen in Polen und Deutschland aus, wird Generalsekretär des Nationalen Verteidigungsrates, Kommandeur einer Panzerdivision und 1940
1 Vgl.: Wikipedia-Lexikon in: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Gaulle#Herkunft_und_Bildung (2005)
2 Vgl.: Weisenfeld (1966), Seite 159
3 Vgl.: Murcier (1965), Seite 141
4
schließlich zum jüngsten General der französischen Armee 4 . In der Anfangsphase des Zweiten Weltkrieges hält er sich in London auf, um mit Winston Churchill zu verhandeln. Die französische Regierung hat sich derweil entschlossen, den Waffenstillstand zu verlangen und arbeitet bald auch mit dem Deutschen Reich zusammen 5 . De Gaulle bleibt in London und fordert die Franzosen über den englischen Radiosender BBC auf, an der Seite der Alliierten weiterzukämpfen: „Was auch immer geschehen mag, die Flamme des französischen Widerstands darf und wird nicht verlöschen.“ 6 Deswegen wird er in Abwesenheit in seiner Heimat zum Tode verurteilt.
De Gaulle wartet in sicherer Entfernung auf seine Chance, bildet eine Gegenregierung mit Sympathisanten und macht sich bereits Gedanken über die Zukunft Europas, die im dritten Kapitel näher betrachtet wird. 1943 erkennt ihn die Widerstandsbewegung in Frankreich als „Chef aller kämpfenden Gruppen“ 7 an, 1944 kehrt er in seine Heimat zurück, übernimmt die Staatsgewalt und wird Ende 1945 zum Ministerpräsidenten gewählt. Er hadert aber mit der Verfassung, die ihm das Regieren erschwert und hält „die Stellung des Präsidenten für zu schwach“ 8 . Nur zwei Monate nach seiner Wahl tritt er Anfang 1946 zurück, handelt nur noch als politischer Einzelgänger und „Mahner der Nation“ 9 , indem er vor allem die Außenpolitik der IV. Republik verurteilt.
Zwölf Jahre dauert es, ehe Frankreich wieder nach de Gaulle ruft. Die Probleme im französischen Kolonialstaat Algerien wachsen der Regierung über den Kopf. Die
4 Vgl.: Deutsches Historisches Museum Berlin in: http://www. dhm.de/lemo/html/biografien/GaulleCharlesDe/
(2205)
5 Vgl.: Weisenfeld (1966), Seite 160
6 Rogge (2005)
7 Weisenfeld (1966), Seite 160
8 Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung (Neuss) in:
http://www.nrw2000.de/koepfe/degaulle.htm (2005)
9 Weisenfeld (1966), Seite 161
5
dortige Armee verweigert Paris den Gehorsam 10 . „Die Hoffnung der Algerienfranzosen ruhte auf General de Gaulle, von dem man wusste, dass er mit den führenden Militärs in Algerien und in Frankreich in Verbindung stand und ihr Vertrauen genoss.“ 11 De Gaulle ist bereit zu helfen, verlangt aber weit reichende Vollmachten, die es ihm ermöglichen Präsident René Coty abzusetzen und die Regierung wieder zu übernehmen. De Gaulle ruft die V. Republik aus, die die Rechte des Parlaments erheblich beschneidet, dafür seine Position stärkt 12 . In den folgenden elf Jahren seiner Amtszeit (1965 wird er wiedergewählt) steht die Europapolitik ganz oben auf der Agenda de Gaulles. Die Maiunruhen im Jahre 1968 - angezettelt von Studenten - leiten schließlich den Abgang von de Gaulle ein 13 . Er verliert mehr und mehr an Autorität und tritt im Anschluss an eine eigentlich unwichtige Abstimmung, die er mit der Vertrauensfrage verbindet und verliert, im April 1969 zurück 14 . Im folgenden Jahr stirbt Charles de Gaulle auf seinem Landsitz in Lothringen. In seinem letzten Willen hat er festgelegt, dass an seiner Beerdigung weder Minister noch Politiker teilnehmen dürfen. 15
2.2. Führungsstil
De Gaulle ist ein geschickter Taktiker. Er versucht ständig präsent zu sein: „Kein gegenwärtiger Staatsmann spricht so viel wie er, keinen hört man häufiger, keinem applaudiert man mehr als ihm.“ 16 Wie nützlich dabei die Medien sind, hat de Gaulle früh erkannt. „Vor allem erlaubt ihm das phantastische Mittel des Fernsehens den
10 Vgl.: Weisenfeld (1966), Seite 161
11 Kraus (1970), Seite 7
12 Vgl.: Deutsches Historisches Museum Berlin in: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GaulleCharlesDe/
(2205)
13 Vgl.: Woyke (1987), Seite 51
14 Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung (Neuss) in:
http://www.nrw2000.de/koepfe/degaulle.htm (2005)
15 Wikipedia-Lexikon in: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Gaulle
16 Murcier (1965), Seite 8
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Arbeit zitieren:
Christian Schreiber, 2005, Charles de Gaulles Einfluss auf die europäische Integration, München, GRIN Verlag GmbH
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