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Neuere deutsche Literatur
Grundkurs A/B Literaturwissenschaft
SS 1999
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1. Einleitung S 3
1.1. Aufgabenstellung
1.2. Kurze Inhaltsangabe
2. Beziehung zur Mutter S 4
3. Marias Aufstieg in der Nachkriegszeit S 4-6
4. Marias beruflicher Erfolg S 7-8
5. Der Umschwung S 8-9
6. Beziehung zu Hermann S 9-11
7. Marias Sturz S 11-12
8. Geschichtsbild S 12-13
9. Fazit S 14
10. Literaturverzeichnis S 15
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‘Die Ehe der Maria Braun’ lässt, je öfter man Fassbinders Film anschaut, immer mehr Interpretationsansätze zu. Fassbinder hat sich über seine Filme allgemein folgend geäußert: „Der Zuschauer soll Beobachter nicht Betrachter sein.“ Für einen Laien ist es erstaunlich zu beobachten, wie viel Aufmerksamkeit jeder noch so kleinen, unbedeutend wirkenden Kameraeinstellung beigemessen werden muss. Maria Braun wird von diversen filmischen Mitteln geprägt, eine Charakterisierung ihrer Person scheint daher unkompliziert. Doch die Quantität der Informationen ist umfangreich, daher ist es schwierig zu differenzieren, welche Informationen von großer Bedeutung sind, und welche, in einer Filmanalyse verarbeitet, überflüssig wären.
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Folgend werde ich versuchen, Marias Aufstieg bis zu ihrem Scheitern in der jeweiligen Gesellschaftsgruppe zu analysieren. Dabei wird die Analyse in neun verschiedene Kapitel (inklusive Einleitung und Fazit) unterteilt.
Der Schwerpunkt wird auf dem Vergleich zwischen zwei verschiedenen Medien liegen: Zum einen Fassbinders Film und zum anderen Gerhard Zwerenz` literarische Erzählung. Gerhard Zwerenz hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Roman ‘nach’ dem Film zu schreiben, dementsprechend muss die in dem Film erzählte Geschichte rekonstruiert werden. Verglichen werden Filmsegmente mit Textpassagen aus Zwerenz` Roman. Es sollen die Differenzen der beiden Medien herausgestellt werden, außerdem versuche ich die Frage zu klären, was Film und Buch jeweils vermitteln möchten. Gibt es Gemeinsamkeiten, oder muss Zwerenz` Roman unabhängig von Fassbinders Film betrachtet werden?
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Maria Braun ist eine junge, ehrgeizige und emanzipierte Frau, die in der deutschen Nachkriegszeit nach ihrem sozialen Aufstieg strebt. Von ihrem Ehemann Hermann Braun getrennt, beginnt sie mit Skrupellosigkeit und Gefühlskälte Karriere zu machen, dabei nutzt sie einige Männer ihrer Positionen wegen aus. Letztendlich verliert sie ihre Liebe an das Streben nach Reichtum und Macht.
Folgend wird die Beziehung Marias zu ihrer Mutter beschrieben. Im Film nicht besonders erläutert, findet diese Beziehung bei Gerhard Zwerenz große Beachtung.
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Als Tochter einer jähzornigen und dominanten Mutter, entwickelt Maria sich zu einer starken und berechnenden Persönlichkeit. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist von Machtkämpfen geprägt. Während Fassbinder den Charakter der Mutter als zierlich [AM1] und unterwürfig, eventuell ein wenig verlogen, darstellt, bezeichnet Zwerenz die Mutter als „umfänglich und wuchtig“, „die Wächterin und Aufpasserin“ 1 Marias. Ihre Stärke wird hier besonders hervorgehoben, in Fassbinders Film aber nicht zur Geltung gebracht, hier ist Maria die Stärkere: Maria erscheint zum Geburtstag der Mutter in deren Wohnung, stößt dort auf den Liebhaber der Mutter. Mit einem prüfenden, herausfordernden, beinahe siegessicheren Blick beobachtet Maria den Zusammenstoß der Mutter mit ihrem in der Tür stehenden Liebhaber. Dieses Segment ist für den Kontext sehr wichtig, die Verlogenheit der Mutter, sowie auch Marias Überlegenheit ist deutlich, Zwerenz legt darauf allerdings keinen Wert. Er lässt Maria der Szene gedankenlos beiwohnen, die Dominanz der Mutter tritt auch hier wieder in den Vordergrund: „!,FKKDE¶GLUJOHLFKJHUDWHQLQGLH.FKH]XJHKHQ, sagte die Mutter, (...)“ 2 , wie auch bei Willis Kriegsheimkehr: „Die Mutter fuhr Betti zornig an: !:DVKHXOVWGX 3 , Fassbinder dagegen lässt in diesem
GHQQGXGXPPH*DQV'HU GHLQHLVWMDQLFKWWRW“ Segment die Mutter unsicher hin und her laufen, weinend, aber ohne Spur von Zorn, sondern voller Mitgefühl und Freude, aber auch Trauer über Hermanns angeblichen Tod. Aus Panik versteckt sie sich bei Marias Rückkehr hinter einem dünnen Holzpfeiler. Fassbinder scheint an einer genauen Charakterisierung der Mutter nicht interessiert zu sein, Zwerenz versucht durch die genaue Darstellung Marias sozialen Umfeldes, einschließlich vergangener Anekdoten, die Bildung ihres starken Charakters herzuleiten.
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Maria Braun ist einen Tag und eine Nacht verheiratet, als ihr Ehemann eingezogen wird. Von nun an beginnt Maria sich ihr eigenes Leben aufzubauen, dabei ist sie sicher, dass ihr Ehemann Hermann bald zurückkehren wird. Für das gemeinsame Leben mit Hermann entschließt sich Maria Karriere zu machen. Das Streben nach Reichtum und Erfolg ist besonders stark in der Zeit des Wirtschaftswunders. Hier beginnt auch Maria Brauns Karriere. Der Weg aus der nachkriegszeitlichen Armut, über ihren Aufstieg als erfolgreiche Geschäftsfrau, bis zu ihrem Abstieg soll nun folgend analysiert werden, insbesondere der Vergleich zwischen Film und Literatur wird unter diesem Aspekt betrachtet. Fassbinders Maria heiratet im Bombenhagel ihren Hermann Braun. Die Trauung wird von Detonationen und Schüssen begleitet, die Mauern des Standesamtes drohen einzustürzen. Die
[AM1] Ihre Statur ist nicht zierlich, allerdings wirkt sie durch ihre teilweise gebückte Haltung sehr klein und zerbrechlich.
1 aus: Zwerenz, Gerhard: „Die Ehe der Maria Braun. Nach dem gleichnamigen Film von Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle.“ Goldmann-Verlag, München, 1979 2 ebenda, S. 202 3 ebenda, S. 60
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M. A. Alexandra Mohr, 1999, Die Ehe der Maria Braun - Ein analytischer Vergleich von Rainer Werner Fassbinders Film mit Gerhard Zwerenz` gleichnamigen Roman, Munich, GRIN Publishing GmbH
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