M. Kiefer: „Deutschland - Exportweltmeister oder Basarökonomie?“ Seite 2/6
Die Bundesregierung wiederum nahm eine ambivalente Haltung ein: Kanzler und Wirtschaftsminister bekräftigten ihr Vertrauen in die leistungsstarke Industrie und beschworen die Exportstärke der Volkswirtschaft, während Mitglieder der linken Parteiflügel ihre Forderungen nach stärkeren Regulierungen der Weltwirtschaft erneuerten. So meldete sich der ehemalige Finanzminister Lafontaine erneut zu Wort und bekräftigte die Unterstützung für die Forderungen von ATTAC nach mehr Regulierung Die aggregierte Diskussion
Auch zahlreiche wissenschaftliche Institute und Gremien griffen in die Diskussion ein. So widersprachen Horn und Behncke für das DIW Berlin deutlich den Ausführungen von ifo-Chef Sinn. In einem Punkt stimmen sie Prof. Sinn zu: allein die starke absolute Exportentwicklung der letzten Jahre taugt nicht als Nachweis der
Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Wenn die Wertschöpfung der Produkte von anderen Völkern geliehen wäre, dann könnte sich die Diagnose sogar ins Gegenteil verkehren. Zu betrachten wäre selbst im einfachsten Fall die Entwicklung des Außenbeitrages (vgl. Abb. 1)
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Wie zu sehen ist, stieg der Außenbeitrag über den gesamten betrachteten Zeitraum hinweg an. In der postulierten Deutlichkeit ist die Sinnsche These daher nicht haltbar. Die dynamische Exportentwicklung geht zumindest nicht vollständig auf das Konto von Vorleistungsimporten. Auch die inländische Wertschöpfung und damit die deutsche Volkswirtschaft profitierten von dieser Entwicklung. Die Input-Output-Betrachtung
In dieser aggregierten Darstellung ist allerdings nicht ersichtlich, welcher Art die Importe waren. Deshalb untersuchte das Statistische Bundesamt die These Sinns durch eine Input-Output-Analyse. Dadurch lässt sich genauer ermitteln, welchen Anteil nun die deutsche Wertschöpfung am Exportwachstum hat. Folgt man der mehrheitlichen Darstellung in der Wissenschaft, findet der überwiegende Teil der weltweiten Güteraustauschbeziehungen zwischen Ländern desselben ökonomischen Entwicklungsstandes statt. Besonders groß ist zudem die Bedeutung des intraindustriellen Handels. Das lässt sich auch empirisch beobachten: Sowohl Deutschland liefert Autos nach Frankreich, als auch ist Renault Importeur No. 1 in Deutschland. Bezog sich der rasante Exportboom vor allem auf solcherlei Güteraustausch, würde Deutschland darunter kaum leiden. Es muss also, um die Frage seriös beantworten zu können, untersucht werden, welcher Teil der Importe auf Vorleistungen für Exportprodukte oder direkte Weiterverkäufe entfällt. Hierzu dient eine Input-Output-Analyse, die genau ermittelt, woher die Inputs stammen und wohin die Produkte verkauft werden. Dabei entstehen vielfältige Abgrenzungsschwierigkeiten:
Ein Teil der Importprodukte wird direkt weiter exportiert. Hier fällt die Zuordnung am leichtesten, weil keinerlei Verarbeitung stattfindet. Mithin macht dieser Bereich den Teil aus, der originär unter Basar-Ökonomie verstanden werden muss.
Schwieriger ist die Abgrenzung bei Importprodukten, die in inländische Produktionsprozesse einfließen. Hier muss genau abgegrenzt werden, welcher Anteil an der Gesamtwertschöpfung des Produktes auf die Vorleistungen entfällt. Dieser Anteil geht wiederum nur zum Teil in den Export, zum anderen Teil werden die Produkte auch in Deutschland abgesetzt.
Arbeit zitieren:
Martin Kiefer, 2004, Deutschland - Exportweltmeister oder Basarökonomie, München, GRIN Verlag GmbH
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