Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Historische Dimension 3
3. Aspekt der Diglossie 5
4. Voraussetzung für die Verwendung des Kreolischen im Schulbereich 6
4.1. Standardisierung 7
4.2. Neubewertung der Sprache innerhalb der Gesellschaft 8
5. Umsetzung 10
5.1. Allgemeine Situation in den Schulen 10
5.2. Beispiel Guadeloupe 12
5.2.1. Perspektiven 13
5.3. Beispiel Haiti 15
6. Ausblick 16
7. Zusammenfassung 17
8. Bibliographie 18
2
1. Einleitung
Kreolisch ist die Sprache, die in den ehemaligen Kolonien neben der französischen Sprache vor allem in der Kultur und im Privatbereich der einheimischen Bevölkerung Verwendung findet. Jedoch erfährt sie weit weniger Anerkennung als die europäische Sprache und besitzt in vielen Gebieten keinen offiziellen Status, ein Umstand, der sich vor allem auch in der Bildung und speziell im Schulbereich deutlich macht. Bis heute ist in der überwiegenden Mehrzahl der betroffenen Regionen ein Gebrauch der Kreolsprachen als Unterrichtssprache nicht erlaubt oder nur sehr eingeschränkt möglich. Welche Ursachen dafür zu benennen sind und welche Voraussetzungen beziehungsweise Umsetzungsmöglichkeiten es gibt, Kreolisch in der Schule anzuwenden, soll in der folgenden Arbeit näher beleuchtet werden.
2. Historische Dimension
Die Entwicklung eines lokalen Schulwesens wurde in den kreolsprachigen Gebieten fortwährend unter die kolonialwirtschaftlichen und-politischen Interessen gestellt. Bis Mitte des 18.Jahrhundert - im speziellen in der Blütezeit der Plantagenkultur - wirkten Plantagenbesitzer als auch die Kolonialbehörden gegen eine Entwicklung eines Schulwesen in den betroffenen Gebieten. Für die Eliten bestand die einzige Möglichkeit der Ausbildung im Mutterland selbst, was mit der Loslösung aus der jeweiligen Region verbunden war. Zum anderen wurde in einer Einrichtung eines örtlichen Schulwesens die Gefahr gesehen, einen Aufstiegskanal für die zahlenmäßig überlegene farbige Bevölkerung zu schaffen. Die vorhandene Hierarchie und die Unterordnung der Sklaven unter die weiße Bevölkerung sollte nicht durch die Einrichtung lokaler Schulen zu Veränderungen geführt werden.
Verbunden mit den Veränderungen im Mutterland Frankreich wurde schließlich Mitte des 18.Jahrhunderts das Schulwesen eingeführt. Jedoch waren es zunächst eine geringe Anzahl von Schulen, die nicht Sklavenkindern offen stand, sondern der Ausbildung der privilegierten Schichten vorbehalten war.
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„Il convient d’ordonner que l’on tienne la main plus exactement à ce que les habitants ne fassent apprendre à leurs esclaves à lire ni à écrire ni à aucun métier“ 1 .
Das eingeführte Schulwesen wurde in den folgenden Jahrzehnten ausgedehnt und im neunzehnten Jahrhundert deren Bedeutung für die französischen Hegemonialinteressen speziell im karibischen Raum erkannt. Es konnte als zweideutiges Instrument verwendet werden. Als Sozialisierungsinstanz nach innen diente es als Mittel der nationalen Integration, der Homogenisierung und der sozialen Organisierung der multikulturellen Bevölkerung in den betroffenen Gebieten. Zum anderen diente es als Sozialisierungsinstanz nach außen, indem die Loyalität der Eliten zu ihren ehemaligen Mutterländern gesichert wurde. Die Sprache in den eingerichteten Schulen war dabei ausschließlich Französisch, einer Verwendung der Kreolsprachen wurde untersagt und deren Gebrauch als unsozial betrachtet. Die Folge dessen war eine weitergeführte Isolierung des Volkes, der kreolsprachigen Mehrheit der Bevölkerung. Die sozialen Unterschiede zwischen Elite und Volk wurden festgeschrieben und verstärkt. Eine Weiterentwicklung und Verbesserung zum Vorteil der unterpriveligierten Einwohner wurden bis zum heutigen Zeitpunkt nicht oder nur in geringem Umfang vorgenommen. Bestehende kulturelle und sprachliche Unterschiede bleiben weiterhin akzentuiert und das bestehende Ausbildungssystem ist wenig geeignet, um die Gesellschaft in ihrer vorhandenen Form durchlässiger zu machen. Die wichtigste Rolle des Schulwesens besteht weiterhin in der Reglementierung des Zugangs für einzelne Schichten der Gesellschaft. Die Interessen der Oberschicht an ihrer eigenen Reproduktion soll gewahrt werden. “Auslese ist daher das wichtigste Ziel des Schulwesens; die Kriterien, nach denen sich diese richtet, orientieren sich nicht so sehr an den wirklichen Bedürfnissen der Gesellschaft, sondern am Selbstverständnis der Eliten,...“ 2
Die Selektivität des Schulsystems in den einzelnen kreolsprachigen Gebieten ist dabei quantitativ beziehungsweise qualitativ. Ersteres ist zum Beispiel in Haiti vorzufinden mit einer Verschulungsquote von 25 Prozent aller Schulpflichtigen im Land. Importierte Lehrkonzepte aus dem französischen Mutterland, eine geringe realitätsbezogene Planung und veraltete Lehrmethoden führen zu einer erheblichen Benachteiligung der
Kinder der einheimischen Bevölkerung. Besonders im Landschulwesen ist eine hohe Ausfallquote zu verzeichnen, die durch die schlechten Ausgangsbedingungen hervorgerufen werden. Die Kinder sind zu Beginn der Ausbildung nur des Kreolischen mächtig und werden beispielsweise durch Unterernährung und lange Schulwege zusätzlich belastet. Sie müssen meistens einzelne Schuljahre mehrfach besuchen und verlassen schließlich aufgrund der Überbelastung die Schule und bleiben in den meisten Fällen Analphabeten. In Martinique und St.Lucia ist die Verschulungsquote hingegen an die der industriellen Gesellschaft angenähert. Hier ist eine Privilegierung einzelner Gesellschaftsschichten durch qualitative Unterschiede innerhalb des Schulwesens zu erkennen. Kinder werden entsprechend ihres Alters in Klassen zuammengefasst, wodurch kreolischsprachige Kinder benachteiligt werden und eine stärkere Belastung erfahren, was schließlich zur Aufgabe einer Mehrheit derer führt. Durch frühzeitige Entfremdung ihrer kreolischen Sprache und Kultur wird bei den Kindern in Martinique auch eine qualitative Auslese vollzogen. Durch Sonderschulen und Vorschulerziehung soll Sprache und Kultur des Mutterlandes frühzeitig eingeführt werden, was zur Folge hat, dass Kinder unterbemittelter Gesellschaftsschichten Klassen wiederholen müssen, was zu einer Überalterung und schließlich oft zu deren Aufgabe führt.
3. Aspekt der Diglossie
Die Sprachsituation in den kreolsprachigen Gebieten wird allgemein mit dem Prinzip der Diglossie beschrieben. Die von Ferguson erarbeitete Konzeption bezieht sich dabei auf eine vorzufindende Zweisprachigkeit, die sich nicht auf zwei unterschiedliche Sprachen erstreckt sondern sich auf zwei Varietäten derselben Sprache bezieht. Beide Varietäten - Französisch und Kreolisch - weisen dabei deutlich strukturelle und funktionale Unterschiede auf. In den kreolsprachigen Gebieten wird das Kreolische dabei als ‘low variety‘ bezeichnet, ein Umstand der die niedere Stellung der Sprache gegenüber der ‘high variety‘ Französisch zum Ausdruck bringt. Die französisch Sprache ist hochkodifiziert und von offiziellem Charakter, dem gegenüber die Varitetät des Kreolischen fast ausschließlich einen nicht offiziellen Status innerhalb der Sprachgemeinschaft einnimmt. Beide
Arbeit zitieren:
Ulrike Häßler, 2003, Kreolisch und Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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