Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Lehr- und Forschungsgebiet Textlinguistik
Proseminar „Topos, Gemeinplatz, Stereotyp...“
Das Stereotypen-Repertoire bei Goebbels
von: Emily Nestler
Inhalt
1. Einstimmende Worte durch die Autorin 3
2. Topos, Klischee und Stereotyp – eine enge Verwandtschaft 5
2.1 Topos 5
2.2 Klischee 7
2.3 Stereotyp 8
3. Das Stereotyp bei Goebbels 10
3.1 Beispiele für Stereotypen 10
3.1.1 Die Juden 10
3.1.2 Die Deutschen 12
3.2 Wieso Stereotyp und nicht Topos oder Klischee? 15
4. Abschließende Worte – in a nutshell 18
5. Bibliographie 20
1. Einstimmende Worte durch die Autorin
Vielleicht wird dereinst [...] von Joseph Goebbels nicht mehr im Bewusstsein der Nachwelt bleiben als sein zur Denunziations-Stereotype gewordener Name, mit dem in Zusammenhang gebracht [...] heute der politische Gegner gern, obschon gewöhnlich nicht gerade übermäßig passend und geistreich, diffamiert zu werden pflegt.
(Heiber 1972: 11)
Das Stereotyp. Woher kommt es? Was beschreibt es? Wo wird es verwendet? Was hat Goebbels damit zu tun? Mit diesen und ähnlichen Fragen wird sich meine Arbeit befassen.
Doch bevor ich zum Herzstück der Abhandlung schreite, sei die Gliederung und die Wahl meiner Inhalte kurz erläutert:
Zunächst werde ich mit einem theoretischen Teil beginnen, um die notwendigsten Grundlagen zu schaffen. Hier gilt es herauszuarbeiten, was sich hinter den Begriffen Topos, Klischee und Stereotyp verbirgt.
Der Topos spielt insofern eine wichtige Rolle im Kontext des Stereotyps, da er der Urvater von Stereotyp, Klischee, Gemeinplatz, locus (communis), commonplace und vieler Anderer ist. Er soll Antwort liefern auf die Frage Woher kommt das Stereotyp? .
Das Klischee hingegen habe ich aus dem Grunde gewählt, da es dem Stereotyp sehr ähnlich ist und gleiche Entwicklungsstufen durchlaufen hat. Angesichts der Parallelitäten von Klischee und Stereotyp muss man sich fragen, was die beiden unterscheidet und wie man sie auseinanderhalten kann. Um hierauf an späterer Stelle eine Antwort geben zu können, soll zunächst der Begriff des Klischees gesondert betrachtet werden. Dies wird also das zweite Kapitel beinhalten: Es befasst sich mit dem Topos, dem Klischee und dem Stereotyp – und probiert sie möglichst unabhängig voneinander zu charakterisieren.
Im Folgenden werde ich dann das Analysematerial verwenden, um anhand von Beispielen zu veranschaulichen, wie Stereotypen in der Praxis benutzt werden.
Als Analysekorpus habe ich Joseph Goebbels Reden sowie Schriften gewählt, da sie repräsentativ für nationalsozialistische Propaganda sind und der Nationalsozialismus geradezu überquillt vor Generalisierungen, Verschönigungen, Herabsetzungen – Stereotypen.
Dem Leser bleibt es währenddessen selbst überlassen, über die ungeheuere Macht dieser Stilmittel und Goebbels Beweggründe nachzudenken. Ich werde mich jedenfalls auf die sprachwissenschaftliche Analyse der rhetorischen Mittel konzentrieren und allenfalls kurze Abstecher in die Psychologie und Sozialwissenschaft machen.
Sind alle Stereotypen ausführlich erläutert, kommt es zur zentralen Frage meiner Abhandlung:
Wieso spricht man in diesem Kontext von Stereotypen?
Wieso wäre die Bezeichnung als Topoi oder Klischees hier unangebracht?
Diese Fragen zielen darauf ab, die drei Begriffe voneinander abzugrenzen. Am Ende der Arbeit soll klar sein, was den Topos vom Stereotyp unterscheidet und wo der Unterschied zwischen dem Klischee und dem Stereotyp liegt. Dem Leser soll es hiernach möglich sein, jederzeit einen Topos, einen Stereotyp oder ein Klischee zu erkennen und klar differenzieren zu können, mit welchem Phänomen er es jeweils zu tun hat.
Hierbei werde ich mich immer wieder auf den theoretischen Teil am Anfang der Arbeit beziehen und ihn mit Beispielen aus dem Analysematerial und theoretischen Ergänzungen verknüpfen.
Das letzte Kapitel wird die Arbeit abrunden, indem es noch einmal auf die zentrale Fragestellung zurückkommt und Ergebnisse formuliert.
2. Topos, Klischee und Stereotyp – eine enge Verwandtschaft
Man könnte sagen, sie sind nahe Verwandte. Der Topos, das Klischee und das Stereotyp. Zumindest haben sie einen gemeinsamen Ursprung und der liegt in der antiken Argumentationslehre von Aristoteles, der den Topos in seiner ursprünglichen Bedeutung etablierte. Erst viele Jahre später entwickelten sich daraus die modernen Begriffe Klischee und Stereotype. Ich betrachte nun im Folgenden jeden Begriff für sich, während ich im zweiten Teil der Arbeit auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu sprechen komme.
2.1 Topos
[...]
Quote paper:
M.A. Emily Nestler, 2002, Das Stereotypen-Repertoire bei Goebbels, Munich, GRIN Publishing GmbH
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