Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Germanistische Linguistik
Proseminar „Schrift und Gedächtnis“
Internet und Gedächtnis
von: Emily Nestler
Inhalt
1. Vorwort 3
2. Glossar 5
2.1 Das Gedächtnis 5
2.2 Oralität und Literalität 7
3. Gedächtniskulturen im Internetzeitalter 10
3.1 Das Internet - ein Speicher? 10
3.2 Neue Oralität oder erweiterte Literalität? 13
4. Schlusswort 17
5. Bibliographie 19
1. Vorwort
Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs. Mit der Erfindung der Computertechnologien und der globalen Vernetzung ändert sich unsere Lebenssituation drastisch. Das betrifft vor Allem unsere Bildung sowie Stabilisierung kulturellen Gedächtnisses und unsere Formen der Kommunikation.
Beginnen werde ich damit, grundlegende Begriffe, die für weitere Analysen essentiell sind, zu erläutern. Sie bilden das Glossar für den zweiten Teil.
Das Glossar wird an erster Stelle den Begriff des kulturellen Gedächtnisses beinhalten. Dieses ist eine Form kollektiven Gedächtnisses und erklärt die Notwendigkeit von Wissensspeicherung, um die es im Anwendungsteil gehen soll. Die Frage der Speicherung führt unmittelbar zu den Begriffen des Funktions- sowie Speichergedächtnisses. Wir werden sehen, dass das Funktionsgedächtnis das ist, was eine Gesellschaft ausmacht, wovon sie lebt und dass das Speichergedächtnis eine unbedingte Voraussetzung für das Funktionsgedächtnis ist. Beide zusammen bedingen das kulturelle Gedächtnis unserer Zeit.
Außerdem im Glossar mit aufgeführt sind die Begriffe der Oralität und Literalität. Bisher waren Sprache und Schrift unsere primären Medien zur Informationsübermittlung. Sie haben das kulturelle Gedächtnis geprägt und beeinflusst. Um zu untersuchen, inwieweit sich das neue Medium Internet in die Reihe konventioneller Medien einreihen lässt, ist es wichtig, gründlich auf die Phänomene Schrift und Sprache zu sprechen zu kommen. Ich werde daher die Charakteristika oraler Kulturen inklusive ihrer Vor- und Nachteile aufzeigen um dann analog zu literalen Gesellschaften überzugehen. Hierbei werden Schriftkritiker wie Platon im Mittelpunkt stehen und Defizite der Literalität veranschaulichen.
Soweit die theoretische Vorarbeit. Was nun folgt ist die Anwendung auf den Bereich Internet.
Es stellt sich diesbezüglich zunächst die Frage, ob das Internet dazu in der Lage ist, dauerhaft Wissen zu speichern und sinnvoll abrufbar zu machen. Eignet es sich als Speicher kulturellen Gedächtnisses oder fehlen ihm wichtige Eigenschaften eines Speichergedächtnisses? Wenn es keine Speicherfunktion hat, welche Auswirkungen hat dies dann auf unser kollektives Gedächtnis? Und letzten Endes: Wenn das Internet tatsächlich das Buch verdrängen und herkömmliche Archive aussterben lässt – ist es in der Lage dazu, die Gesellschaft zu stabilisieren, ihre Identität zu sichern, ihr Dasein zu legitimieren?
Der letzte Abschnitt dieses Kapitels wird dann noch einmal auf die Frage der Oralität und Literalität zurückkommen. Wir werden die neuen Kommunikationsformen E-Mail, ‚Chat’ sowie Hypertext unter die Lupe nehmen und versuchen, sie in die Kategorien Schriftlichkeit/Mündlichkeit einzuordnen.
Das Ziel dabei wird sein, unterm Strich sagen zu können, ob mit dem Internetzeitalter eine orale oder literale Welle der Kommunikation auf uns zukommt. Welche Seite überwiegt? Ist es vielleicht sogar an der Zeit, einen vollkommen neuen Begriff einzuführen, der das Phänomen Internet besser beschreiben kann? Ein Begriff, der ausdrückt, dass es kein Schwarz-Weiß (Oralität-Literalität) mehr gibt, sondern dass wir es im Jahre 2003 mit einer Mischform bisheriger Kommunikationsmedien zu tun haben? Wie könnte er lauten?
Zuletzt wird das Schlusswort stehen. Hier werde ich Ergebnisse zusammentragen und einen umfassenden Rückblick auf die Arbeit werfen. Die Zusammenhänge der einzelnen Kapitel und Abschnitte sollen noch einmal verdeutlicht dargestellt und zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Abschließend werde ich ein paar Schlussüberlegungen anstellen, die einen Blick in unsere Zukunft werfen sollen:
In welche Richtung werden wir uns weiterentwickeln? Welche Möglichkeiten haben wir? Was können wir uns für unsere Gesellschaft, unsere Art zu kommunizieren und unsere Kultur wünschen?
2. Glossar
Der Frage, wie sich kulturelle Strukturen und Formen der Kommunikation im Internetzeitalter verändern, geht einige Theorie voraus. Es muss geklärt werden, was ein kulturelles Gedächtnis ist und welche Funktion es in der Gesellschaft einnimmt. Dabei wird man unweigerlich auf die Begriffe des Speicher- sowie Funktionsgedächtnisses stoßen. All diese Formen von Gedächtnis werden beeinflusst durch die Medien der Gesellschaft, der sie innewohnen. Damit erklärt sich die Notwendigkeit, auf die Frage der Oralität bzw. Literalität zu sprechen zu kommen und die Medien Schrift sowie Sprache zu charakterisieren.
2.1 Das Gedächtnis
Kulturelles Gedächtnis
[...]
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M.A. Emily Nestler, 2003, Internet und Gedächtnis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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