Das Gesundheitskonzept von A Antonovsky. Zur Bedeutung
der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft
von: Robert Althier
Inhaltsverzeichnis
1 Neues Denken: von der Pathogenese zur Salutogenese S. 3
2 Grundlagen und Hauptelemente aus dem Konzept der Salutogenese S. 3
2.1 Grundlagen S. 3
2.2 Gesundheits – Krankheits – Kontinuum S. 4
2.3 Gesundheit als Resultat aus belastenden und schützenden Faktoren S. 5 2.3.1 Stressoren S. 5
2.3.2 Widerstandsressourcen S. 6
2.4 Kohärenzgefühl S. 8
2.4.1 Verstehbarkeit S. 9
2.4.2 Handhabbarkeit S. 9
2.4.3 Bedeutsamkeit / Sinnhaftigkeit S. 9
3 Überblick über das Gesamtmodell S.10
4 Bewertung des Modells aus Sicht der Literatur S.11
4.1 Stärken S.11
4.2 Schwächen S.12
4.3 Bedeutung des Modells für die Gesundheitswissenschaft S.13
5 Fazit und Ausblick S.14
Literaturverzeichnis S.15
1. Neues Denken: von der Pathogenese zur Salutogenese
Das Thema Gesundheit war lange Zeit eine Domäne der Medizin. Dabei fungierte diese im wesentlichen als Krankheitswissenschaft und legte ihren Fokus darauf, wie Krankheit vermieden und kuriert werden konnte. Gesundheitsversorgung stellt unter der pathogenetischen Betrachtungsweise Symptome und Beschwerden des Patienten, sowie deren Behandlung oder Vermeidung in den Mittelpunkt.
Seit Mitte der 80er Jahre ist es zu einer gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Neuorientierung gekommen. Die Grenzen der kurativ orientierten Medizin waren erkennbar, die Vernachlässigung der Person, somit die Vernachlässigung der Ganzheitlichkeit wurde inzwischen beklagt. Entsprechend bringt der alte Spruch: „natura sanat medicus curat“ auf den Punkt, daß es der Arzt ist, der behandelt,
die Heilung allerdings der Natur vorbehalten bleibt. Entgegen der pathogenetisch orientierten Frage nach den Ursachen für Krankheiten ging daher der Soziologe Aaron Antonovsky anderen Fragestellungen nach und entwickelte sein Gesundheitskonzept, das Konzept der Salutogenese, das er in seinen beiden Hauptwerken von 1979 und 1987 vorstellt. Sein Interesse bestand in der Fragestellung, wie es Menschen gelingt, gesund zu bleiben, trotz der vielfach auf sie einwirkenden gesundheits-gefährdenden Einflüsse. Dieses, in der Öffentlichkeit noch weithin unbekannte Konzept, soll im folgenden
zunächst anhand seiner Hauptkomponenten und schließlich zusammenfassend dargestellt werden. Im Anschluß daran erfolgt die Darlegung der Stärken und Schwächen des Modells, sowie Ausführungen zu dessen Bedeutung für die Gesundheitswissenschaft.
2. Grundlagen und Hauptelemente aus dem Konzept der Salutogenese
2.1 Grundlagen
Der in den USA geborene Aaron Antonovsky geht bei seinen Überlegungen zur Entstehung von Gesundheit davon aus, daß Gesundheit kein fester, normaler und passiver Zustand ist. Nach der, systhemtheoretisch beeinflussten, Auffassung Antonovskys ist Gesundheit ein labiler Zustand, der aktiv erhalten werden muß, ein sich dynamisch regulierendes System. Dies steht im Gegensatz zum pathologischen Postulat, daß sich ein Gesunder in einer Art Normzustand, der geordneten Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird (vgl. Lamprecht / Sack 1997, 24). Salutogenetische Orientierung rührt nach Antonovsky aus dem fundamentalen Postulat, daß Heterostase, Altern und fortschreitende Entropie die Kerncharakteristika aller lebenden Organismen sind (vgl. Antonovsky, 1997, 29). Heterostase bezeichnet dabei das Gegenteil von Homöostase, also Ungleichgewicht, fehlende Stabilität (vgl. Noack 1997, 95).
Der Begriff der Entropie entstammt der Thermodynamik und meint, damit die Tendenz aller Elementarteilchen, sich auf einen Zustand immer größerer Unordnung hinzubewegen und ist hier Ausdruck für die allgegenwärtige Tendenz menschlicher Organismen, ihre organisierten Strukturen zu verlieren, sie aber auch wieder aufbauen zu können. Negative Entropie bedeutet die Fähigkeit eines Systems, sich entgegen der Entropie zu organisieren (vgl. Bengel u.a. 2001, 25). Übertragen auf den Gesundheitszustand eines Individuums, bedeutet das, daß der Verlust von Gesundheit ein natürlicher und allgegenwärtiger Vorgang ist und daher Gesundheit fortwährend aufgebaut werden muß (negative Entropie). Gleichzetig wird deutlich, dass unter dieser Argumentation ,der permanenten Entropie, Gesundheit nie zu einhundert Prozent erreicht werden kann.
2.2 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
Bei der Betrachtung der Begriffe Krankheit und Gesundheit wird im Regelfalle davon ausgegangen, dass jeweils nur einer der beiden Zustände vorliegt, was den jeweils anderen implizit ausschließt. Dieser Dichotomie setzt Antonovsky ein Kontinuum mit den beiden Polen Gesundheit und Krankheit entgegen. Damit entfällt die starre Einteilung, ob jemand krank oder gesund ist, vielmehr ist die Frage, wo ist jemand auf diesem Kontinuum anzusiedeln, bzw wie nahe/entfernt ist dieses Individuum von den beiden Eckpunkten. Die beiden Pole völlige Gesundheit und völlige Krankheit sind dabei für lebende Organismen nicht zu erreichen (vgl. Bengel u.a. 2001, 32). Das bedeutet, dass wir Menschen nie als vollkommen gesund erachten können, „…ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch von Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund.“ (Antonovsky 1997, 23) Konsequenterweise ist in Antonovsky`s Werken nirgends eine eigenformulierte Gesundheits- oder Krankheitsdefinition zu finden (vgl. Franke 1997, 182).
2.3 Gesundheit als Resultat aus belastenden und schützenden Faktoren
Die Frage, wo auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum eine Person anzusiedeln ist, ist das Ergebnis eines interaktiven Prozesses zwischen belastenden Faktoren (Stressoren) und schützenden Faktoren (Widerstandsressourcen) vor dem Kontext der Lebenserfahrungen dieser Person (vgl. Waller 2000, 22).
2.3.1 Stressoren
Antonovsky sieht davon ab, fixe und kategorisiert Gesundheitseinzelrisiken aufzuzählen. Er postuliert, daß Stressoren (Reiz, Stimuli) auf den Organismus einwirken und in diesem zunächst nur einen physiologischen Spannungszustand erzeugen, der daher rührt, daß Individuen zunächst nicht wissen, wie sie reagieren sollen (vgl. Bengel 2001 u.a., 32). Interessant ist an dieser Stelle, daß Antonovsky Stressoren nicht von vorneherein als negativ definiert, sie lösen „nur“ einen Spannungszustand aus. Entscheidend ist nunmehr, wie der Organismus mit diesem Spannungszustand umgeht, das heißt, wie gut die Spannungsbewältigung gelingt, oder auch nicht. Ist das Spannungsmanagement erfolgreich, so tritt eine gesundheitsförderliche Wirkung zu Tage, mißlingt die Spannungsbewältigung, ist Streß die Folge (siehe dazu Abb. 1), dieser kann, muß aber nicht zu einer Verschiebung auf dem Kontinuum Richtung Krankheitspol beitragen.
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Robert Althier, 2005, Das Gesundheitskonzept von A Antonovsky. Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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