Universität Rostock, Historisches Institut
Hauptseminar: Europäischer Absolutismus
6. Semester
Absolutismus in Dänemark
von: Carl Christian Wahrmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die dänische Großmacht bis zum Frieden von Roskilde 1658 2
3. Theoretische Grundlagen – Jean Bodin und Thomas Hobbes 6
4. Die Erb- und Alleinherrschaftsakte von 1661 9
5. Die Lex Regia von 1665 11
6. Ergebnis und Ausblick 14
7. Quellen und Literatur 16
1. Einleitung
Vielen Menschen erscheint noch immer Frankreich als das klassische Land des Absolutismus, Ludwig XIV. als der Prototyp des absoluten Herrschers, der, unabhängig von menschlichen Gesetzen, alle Macht im Staate in seinen Händen vereint. Dass die Regierungsfreiheit dieses Königs in vielen Fällen durch ständische Elemente eingeschränkt war, wird dabei häufig übersehen. 1 Ihre „absolute“ Stellung im Land mussten sich alle europäischen Monarchen über längere Zeiträume hinweg erkämpfen und nicht immer hatte der Anspruch legibus solutus eine reale Grundlage. Eine Ausnahme bildet Dänemark. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war Dänemark der politisch bedeutsamste Staat im Ostseeraum. Die Regierung teilte sich der König mit einem Reichsrat, der aus Mitgliedern der einflussreichsten Familien bestand.2 Durch die Kontrolle des Sundes und die damit verbundenen Zölle standen der Krone umfangreiche Finanzquellen zur Verfügung. Auch territorial war Dänemark ein bedeutender Machtfaktor. Das Königreich Norwegen war mit Dänemark verbunden, Gotland und Ösel gehörten ebenso zum Reich wie die wirtschaftlich bedeutenden Heringsmärkte im heutigen Südschweden. Durch außenpolitische Niederlagen wurde das Reich schwer erschüttert. Die Me hrheit der sich 1660 in Kopenhagen einfindenden Ständevertreter war der Ansicht, dass eine dauerhafte Konsolidierung des Staates nur durch eine entscheidende Machtverschiebung zugunsten des Königs zu erreichen sei. Mit dem Königsgesetz (Lex Regia) wurde König Friedrich III. alle Gewalt im Staate übertragen und der Absolutismus, einmalig in der historischen Entwicklung, offiziell eingeführt.3
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie Dänemark nach einer Zeit des außenpolitischen Machtverfalls den Weg von einem Wahlreich, in dem sich der König die Macht mit den Ständen teilte, zu einer Erbmonarchie fand, in der alle Herrschaft dem König zufiel. Welche Gründe sprachen für oder gegen die Übertragung der Staatsgewalten auf den Monarchen, wie setzte sich der Absolutismus im Land durch und wie war es möglich, dass das Staatsgrundgesetz der Lex Regia fast 300 Jahre Gültigkeit besaß?
2. Die dänische Großmacht bis zum Frieden von Rosklide 1658
Während im Mittelalter Dänemark die beherrschende Rolle im Osteseeraum zufiel, gelang es Schweden gerade seit dem 17. Jahrhundert, diese Position auf Kosten Dänemarks einzunehmen. Das Zusammenwirken von wirtschaftlichen und politischen Erscheinungen ermöglichte Veränderungen im dänischen Staatswesen, die 1660/61 zur Umgestaltung des Landes und zur Entmachtung der bis dahin dominierenden Gruppe des Adels führte.4 Wie kam es zu dieser Entwicklung? Dänemark hatte sich unter König Christian IV. (1577-1648) am Dreißigjährigen Krieg beteiligt. Als Herzog des zum Verband des Heiligen Römischen Reiches gehörenden Holstein war Christian IV. Oberst des niedersächsischen Reichskreises. In dieser Eigenschaft griff er 1625, trotz Protesten des dänischen Reichsrates, in die Kämpfe gegen die kaiserlichen Truppen ein und sah sich als Verteidiger des Protestantismus.
Erfolgreich war dieses Eingreifen jedoch nicht. Das durch Subsidien aus England und den Niederlanden finanzierte Heer Christians wurde von Wallensteins Truppen geschlagen, in der Folge wurde sogar Jütland von kaiserlichen Truppen besetzt. 5 An dieser Stelle zeigt sich die politische Schwäche des Landes, das auch in den kommenden Auseinandersetzungen nicht in der Lage war, sich wirkungsvoll zu verteidigen. Im Frieden von Lübeck 1629, der vergleichsweise günstig für Dänemark ausfiel, musste Christian IV. auf weitere Einmischung im Dreißigjährigen Krieg verzichten und behielt dafür sein Land ohne territoriale Verluste. Die Rolle eines Beschützers der Protestanten ging auf Schweden und seinen König Gustav II. Adolf über.
Den zweiten großen Rückschlag erlebte Dänemark durch die Torstenson-Fehde (1643-45). Ohne Kriegserklärung fielen schwedische Truppen in Jütland ein und besetzten weite Teile des Landes. Die dänische Flotte wurde vor Fehmarn vernichtet. Durch den günstigen Kriegsverlauf ermuntert, wurden in Schweden Stimmen laut, die eine sogar Annexion Dänemarks forderten. 6
[...]
1 Krüger, Kersten: Absolutismus in Däne mark – ein Modell für Begriffsbildung und Typologie. In: Hinrichs, Ernst (Hrsg.): Absolutismus. Frankfurt a.M. 1986, S. 68; Hinrichs, Ernst: Fürsten und Mächte. Zum Problem des europäischen Absolutismus. Göttingen 2000, S. 13.
2 Kunisch, Johannes: Absolutismus. Europäische Geschichte vom Westfälischen Frieden bis zur Krise des Ancien Regime. Göttingen 1999, S. 115. Kunisch gibt die Anzahl der tonangebenden Familien mit rund 150 an.
3 Gerhard, Dietrich: Probleme des dänischen Frühabsolutismus. In: Dauer und Wandel der Geschichte. Festgabe für Kurt von Raumer. Münster 1966, S. 270. Wegen der Plötzlichkeit des Umschwunges und der entschiedenen Durchsetzungen der Krongewalt gegenüber der Adelsherrschaft ist Dänemark für Gerhard das „klassische Land des Absolutis mus“.
4 Brandt, Peter: Von der Adelsmonarchie zur königlichen „Eingewalt“. Der Umbau der Ständegesellschaft in der Vorbereitungs- und frühphase des dänischen Absolutismus. In: Historische Zeitschrift 250 (1990), S. 36; Kunisch 1999, S.115.
5 Klose, Olaf: Dänemark (Handbuch der historischen Stätten 327). Stuttgart 1982, S. XXII.
6 Barudio, Günter: Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung 1648- 1779 (Fischer Weltgeschichte 25). Frankfurt a.M. 1981, S. 165; Bonney, Richard: The European Dynastic States 1494-1660. Oxford 1991, S. 251.
Arbeit zitieren:
M.A. Carl Christian Wahrmann, 2004, Absolutismus in Dänemark, München, GRIN Verlag GmbH
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