Technische Universität Dresden
Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften, Institut für Slawistik
HS: Slawisch-deutsche Lehnwortkunde
Die lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in der
polnischen Studentensprache anhand der Sammlung von
Kaczmarek, Leon/ Skubalanka, Teresa/ Grabias, Stanislaw:
Slownik gwary studenckiej
von: Justyna Wieczorek-Hecker
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
Kapitel 1.
GRUNDLAGEN DER LEHNWORTKUNDE
Wesen und Ursachen für die Übernahme der fremdsprachlichen Elemente 4
Typologie der lexikalischen Entlehnungen 5
Assimilation des sprachlichen Lehngutes 7
Kapitel 2.
DIE DEUTSCH-POLNISCHEN LEHNBEZIEHUNGEN 8
Kapitel3.
CHARAKTERISTIKA DER STUDENTENSPRACHE 10
Kapitel 4.
DEUTSCHE LEHNWÖRTER IN DER POLNISCHEN STUDENTENSPRACHE UNTERSUCHT ANHAND SLOWNIK GWARY STUDENCKIEJ VON KACZMAREK, L./ SKUBALANKA, T./ GRABIAS, S.
Entstehung und Aufbau des Wörterbuches 12
Empirische Darstellung des deutschen Lehngutes in der polnischen Studentensprache 14
ZUSAMMENFASSUNG 19
LITERATURVERZEICHNIS 21
EINLEITUNG
Die vorliegende Arbeit hat die Aufgabe, sich mit der Problematik der deutschen Lehnwörter in der polnischen Studentensprache kritisch auseinander zu setzen. Das angesprochene grammatisch-stilistische Phänomen wird anhand des Wörterbuches: Slownik gwary studenckiej von Leon Kaczmarek, Teresa Skubalanka und Stanislaw Grabias ausgearbeitet, wobei zur Darstellung des Themas auch andere Publikationen hinzugezogen wurden. Die Abhandlung wurde in einzelne Kapitel gegliedert, die für das Verständnis des Themas relevante Fragepunkte darstellen. Kapitel 1 schildert die Grundlagen der Lehnwortkunde - im wesentlichen wurden die Gründe für die Übernahme des fremdsprachlichen Wortschatzes sowie die Prinzipien der Assimilation und Typologie der Entlehnungen erörtert. Im nachstehendem wurde die Geschichte der polnisch-deutschen Lehnbeziehungen (Kapitel 2) und anschließend das Charakteristikum der Studentensprache (Kapitel 3) im kurzem Abriss dargestellt.
Den grundlegenden Teil der Arbeit bildet die empirische Darstellung des deutschen Lehngutes in der polnischen Studentensprache (Kapitel 4). Das methodische Vorgehen bestand im Aussortieren vermutlich deutscher Lexik und im Nachweisen der deutschen Herkunft. Die Basisliteratur für die etymologischen Angaben bildeten vor allem Slownik etymologiczny jezyka polskiego von Alexander Brückner und gleichnamiges Lexikon von Franciszek Slawski. Die einzelnen Stichwörter wurden mit ihrer Bedeutung in der Studentensprache versehen, danach wird das deutsche Quellwort und die Bedeutungsveränderungen des Zielwortes angeführt, anschließend folgen verschiedene Beispiele des Gebrauchs von entnommenen Wörtern sowie zusätzliche Angaben über ihre Regionalität oder Umgangsprachlichengebrauch. Der Untersuchungsgegenstand der Arbeit begrenzte sich nur auf eine einseitige sprachliche Analyse des Lehnwortschatzes, d.h. die semantische Analyse. Die phonologischen und morphologischen Faktoren wurden nur in wenigen Fällen einbegriffen.
Kapitel 1.
GRUNDLAGEN DER LEHNWORTKUNDE
Wesen und Ursachen für die Übernahme der fremdsprachlichen Elemente In jeder Sprache gibt es einige Wörter aus anderen Sprachen. Die Zahl der entlehnten Elemente sowie Intensität und Zeit des Lehnprozesses sind von Sprache zu Sprache verschieden. Die Gründe dafür können außersprachlicher und innersprachlicher Natur sein. Zu der ersten Gruppe gehört z. B. der Kontaktaustausch zwischen den Sprachen und Sprachbenutzern (auf der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Ebene) oder der Entwicklungsstand des betreffenden Volkes in verschiedenen Zeitabschnitten seiner Geschichte im Vergleich zu anderen Völkern. Wird ein Land u. a. unter sozialökonomischem und kulturellem Aspekt international hoch angesehen, werden generell stärkere Lehnprozesse aus der Sprache des Landes in andere Sprachen eintreten. Kultureller und wirtschaftlicher Verkehr brachten mit neuen Sachen neue Bezeichnungen. Wurden diese Sachen bekannter, so wurden auch die Wörter sprachlich eingegliedert, also zu Lehnwörter. Die innersprachlichen Gründe von Lehnvorgängen sind vor allem: Bedarf nach Präzisierung bzw. Abgrenzung bestimmter Begriffe, expressiv-emotionelle Wirkung in der Werbesprache, das Bestreben nach Bildung strukturell ähnlicher Wörter in der aufnehmenden Sprache, etc. (vgl. Frohne 1978, 135-136)
In der Literatur wird der Aspekt der Entlehnung weitgehend diskutiert. Man beschreibt meist Entlehnung als den Vorgang „... des Überwechselns von Elementen verschiedener Art aus einer Sprache in eine bzw. mehrere andere Sprachen.“ (ebd.) Der häufigste Fall der sprachlichen Lehnvorgänge ist die lexikalische Entlehnung. Ihre Besonderheit besteht darin, dass „... das betreffende Wort nicht als völlig grammatisch ‚verarbeitetes’ Wort übernommen wird, sondern nur als ein mehr oder weniger formloses Stück lexikalischen Materials, das erst im System und mit den Mitteln der aufnehmenden Sprache eine neue ‚Verarbeitung’ erfährt.“ (ebd.) Dementsprechend wird jedes entlehnte Wort bestimmten Assimilationsprozessen an dem Sprachsystem der aufnehmenden Sprache unterworfen.
In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird oft diskutiert, wie die Quellsprache für ein Lehnwort zu bestimmen ist. Im Beitrag von Eggers und Hentschel (1987, 217 – 223) wurden zwei Kriterien für die Bestimmung der deutschen Lehnwörter im Polnischen betrachtet: aus der etymologischen Sicht und im Bezug auf direkten Sprachkontakt. Ein deutsches Lehnwort par excellence ist ein Element, „... welches selbst im Deutschen nicht den Status eines Lehnwortes hat und ohne die Vermittlung einer dritten Sprache ins Polnische überging.“ (ebd., 218) In dieser Definition sind beide Kriterien erfüllt: Etymologie und der unmittelbare Sprachkontakt. In der Praxis jedoch lassen sich die entnommenen Wörter nicht immer so exakt bestimmen. Nach der etymologischen Definition des Lehnwortes werden bestimmte Wörter des Polnischen als deutsche Entlehnungen bestimmt. Nach der unmittelbaren Übertragung werden einige als deutsche andere als tschechische Lehnwörter des Polnischen eingestuft.1 Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung, dass eine explizite Beschreibung von Lehnwörtern in einem gegebenen Wortschatz nur eine Lehnwortdefinition ermöglicht, die auf der Basis des unmittelbaren, direkten Sprachkontaktes beruht (vgl. ebd., 223). Diese Auffassung wird auch von anderen Sprachwissenschaftlern geteilt, die sich mit Problematik der Lehnwortkunde, besonders mit den deutschen Lehnwörtern im Polnischen, beschäftigen.2 Sie begründen es damit, dass ein entnommenes und weitergeleitetes Wort im Ausdruck als auch im Inhalt von der Vermittlungs- wie auch Zielsprache verändert werden kann.
[...]
1 Vgl. die Analyse von herb, plac, kacerz, blach, plech, plach ( Eggers/ Hentschel 1987, S. 219-220)
2 Vgl. de Vincenz (1985): Probeheft zum Wörterbuch der deutschen Lehnwörter im Polnischen. 3-4.
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Magister Justyna Wieczorek-Hecker, 2002, Die lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in der polnischen Studentensprache, Munich, GRIN Publishing GmbH
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