Die Möglichkeit zu haben, eine eigene Untersuchung zum geschichtlichen Vorwissen von Schülerinnen und Schülern durchführen zu können, weckte bei mir sofort Interesse.
Als Lehrer für Geschichte ist es von besonderer Bedeutung und im Grunde unerlässlich, sich mit der Frage zu beschäftigen, in welchem Verhältnis Schülerinnen und Schüler überhaupt zur Geschichte stehen und wie ihr Zugang zu diesem Fach ist.
Ich sehe, was die kognitiven Anforderungen betrifft, im Besonderen das Fach Geschichte als ein vielschichtiges und komplexes an. Schülerinnen und Schüler müssen je nach Anspruch des Unterrichtes über gewisses „Geschichtsbewusstsein“ verfügen, welches sich aus mehreren unterschiedlichen Dimensionen kognitiven Vermögens zusammensetzt (auf diese Dimensionen des Geschichtsbewusstseins wird im Folgenden der Arbeit entsprechend noch intensiver eingegangen werden). Nur aufgrund von Kenntnis des jeweiligen Geschichtsbewusstseins einer Klasse lässt sich angemessener Geschichtsunterricht vorbereiten und durchführen.
Meine Befragung soll diesbezüglich Aufschluss über das Geschichtsbewusstsein von heutigen Viertklässlern geben. Natürlich muss man sich im klaren darüber sein, dass meine Befragung und dessen Ergebnisse nicht für alle vierten Klassen bis ins kleinste Detail repräsentativ sein können. Trotzdem zeigen sie allgemeingültige Grundtendenzen auf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die Klasse
2 Das „Geschichtsbewusstsein“ als Untersuchungsgegenstand
2.1 Die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel
2.1.1 Temporalbewusstsein
2.1.2 Wirklichkeitsbewusstsein
2.1.3 Historizitätsbewusstsein
2.1.4 Politisches Bewusstsein
2.1.5 Identitätsbewusstsein
2.1.6 Ökonomisch-soziales Bewusstsein
2.1.7 Moralisches Bewusstsein
2.2 Ergänzende Aspekte
2.2.1 Fähigkeit zum Perspektivenwechsel/Vorstellungen zur Geschichte
2.2.2 Geschichte als Konstrukt
2.2.3 Interesse an Geschichte
3 Vorbereitungen und Planungen
3.1 Erstellung der Fragen
3.2 Methodik des Interviewens
3.3 Materialien, technische Hilfsmittel, weitere Vorbereitungen
4 Durchführung der Befragung
5 Auswertung der Antworten
5.1 Bezogen auf das Temporalbewusstsein
5.2 Bezogen auf das Wirklichkeitsbewusstsein
5.3 Bezogen auf das Historizitätsbewusstsein
5.4 Bezogen auf das politisch-ökonomisch-soziale Bewusstsein
5.5 Bezogen auf das Identitätsbewusstsein
5.6 Bezogen auf das moralische Bewusstsein
5.7 Bezogen auf die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel/Vorstellungen zur Geschichte
5.8 Bezogen auf die Geschichte als Konstrukt
5.9 Bezogen auf das Interesse an Geschichte
Schluss
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die empirische Erforschung des geschichtlichen Vorwissens von Schülerinnen und Schülern einer vierten Klasse, um daraus Erkenntnisse für eine effektivere Gestaltung des Geschichtsunterrichts zu gewinnen. Im Zentrum steht dabei die Frage, über welches Geschichtsbewusstsein die Kinder verfügen und wie sie ihr Fachwissen und historische Zusammenhänge kognitiv einordnen.
- Anwendung des theoretischen Konzepts des Geschichtsbewusstseins nach Hans-Jürgen Pandel
- Methodische Durchführung von qualitativen Leitfaden-Interviews mit Grundschulkindern
- Untersuchung von Schülervorstellungen und Perspektivenwechsel-Fähigkeiten im historischen Kontext
- Analyse des Interesses und der Motivation gegenüber historischen Themen
- Evaluation des Einflusses von Vorwissen auf die Bewertung gesellschaftlicher Machtstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Fähigkeit zum Perspektivenwechsel/Vorstellungen zur Geschichte
Unter diesem Aspekt möchte ich in Erfahrung bringen, inwieweit die Schülerinnen und Schüler fähig sind, aus der Zeit heraus sich in Personen, Alltagssituationen, Ereignissen, Arbeit etc. hineindenken zu können, ohne dabei Regeln, Werte und Aspekte der Gegenwart (Gegenwartsbezug) als Maßstab undifferenziert zu berücksichtigen. Transportieren die Schülerinnen und Schüler also heutige Vorstellungen in die Geschichte oder haben sie das Gefühl für die Zeit und können sich in die Zeit hineinversetzen? Bei Pandel wird dieser Punkt zwar unter „Moralisches Bewusstsein“ angesprochen, aber eben nur unter moralischen Gesichtspunkten. Meiner Meinung nach ist der Perspektivenwechsel ein eigener Aspekt, was den Umgang mit Geschichte angeht, da ja nicht nur unter moralischen Gesichtspunkten die eigene Perspektive gewechselt werden muss, um Geschichte richtig einordnen und wirklich verstehen zu können.
Interessant wird sein zu erfahren, wie sich die Schülerinnen und Schüler Ereignisse und Zustände der Geschichte vorstellen (=innere Bilder). Durch dieses Wissen wird die Lehrperson in der Lage sein, korrektes Wissen zu bestätigen, aber auch falsche Vorstellungen zu berichtigen.
Perspektivenwechsel und Vorstellungen habe ich unter einem Untersuchungsaspekt zusammengefasst, da ich der Meinung bin, dass diese beiden Gesichtspunkte eng miteinander verbunden sind. Je besser jemand in der Lage ist, seine Perspektive zu wechseln, desto realitätsnaher können seine Vorstellungen von Geschichte sein. Je weniger jemand seine Perspektive zu wechseln vermag, desto mehr bezieht dieser sich auf die Gegenwart- also die Vergangenheit als Gegenwart in einer anderen Epoche.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung begründet die Motivation für die Untersuchung und erläutert die Bedeutung des Geschichtsbewusstseins für einen angehenden Geschichtslehrer.
1 Die Klasse: Dieses Kapitel beschreibt den sozialen Hintergrund, das Leistungsniveau und die bisherigen Unterrichtserfahrungen der untersuchten vierten Klasse in Papenburg.
2 Das „Geschichtsbewusstsein“ als Untersuchungsgegenstand: Hier werden die theoretischen Grundlagen nach Hans-Jürgen Pandel dargelegt und durch ergänzende Aspekte für das Grundschulalter erweitert.
3 Vorbereitungen und Planungen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Erstellung des Fragebogens sowie die gewählte Interviewform und die materielle Vorbereitung der Untersuchung.
4 Durchführung der Befragung: Der Ablauf des Befragungstages und die Rahmenbedingungen der Datenerhebung in der Schule werden hier geschildert.
5 Auswertung der Antworten: Die Antworten der Kinder werden systematisch anhand der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins analysiert und interpretiert.
Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige methodische Anpassungen für den zukünftigen Geschichtsunterricht.
Schlüsselwörter
Geschichtsbewusstsein, Hans-Jürgen Pandel, Grundschule, Zeitbewusstsein, Historizitätsbewusstsein, Identitätsbewusstsein, Perspektivenwechsel, Schülervorstellungen, Empirische Untersuchung, Geschichtsdidaktik, Mittelalter, Ritter, Qualitative Forschung, Sachkundeunterricht, Wissensvermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das historische Vorwissen und das Geschichtsbewusstsein von Schülerinnen und Schülern einer vierten Klasse in Papenburg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins wie das Zeit-, Wirklichkeits-, Historizitäts-, politische, Identitäts-, ökonomisch-soziale und moralische Bewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Zugang der Kinder zum Fach Geschichte zu verstehen, um darauf aufbauend einen angemessenen und effektiven Geschichtsunterricht planen und durchführen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine qualitative Methode in Form von Leitfaden-Interviews, ergänzt durch kleine Aufgaben wie Malen und Legen von Bildplättchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Planung, die praktische Durchführung der Befragung und die detaillierte Auswertung der Antworten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Geschichtsbewusstsein, Schülerperspektive, kognitive Entwicklung und didaktische Herausforderungen in der Grundschule.
Warum spielt die Ritter-Thematik in der Befragung eine besondere Rolle?
Der Autor hat den Schwerpunkt auf das Mittelalter und die Ritter gelegt, da dieses Thema erfahrungsgemäß ein hohes Interesse bei Grundschulkindern weckt und den Gesprächsfluss fördert.
Welches zentrale Ergebnis zeigt sich beim Gegenwartsbezug?
Die Untersuchung macht deutlich, dass Viertklässler dazu neigen, die Vergangenheit undifferenziert als eine bloße Kopie der Gegenwart in einer anderen Zeit wahrzunehmen.
Haben die Kinder Schwierigkeiten bei der zeitlichen Einordnung?
Ja, konkrete historische Zeitangaben überforderten die Kinder, wobei häufig sehr hohe, unrealistische Zahlen genannt wurden.
- Citar trabajo
- Gunnar Norda (Autor), 2004, Historisches Vorwissen bei Schülerinnen und Schülern einer 4. Klasse. Eine Untersuchung., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39540