Einleitung:
Das Thema meiner Arbeit ist der Film A Clockwork Orange von dem amerikanischen Regisseur Stanley Kubrick. Bei diesem vielkritisierten Filmemacher erscheint es wichtig, seine Filme im Hinblick auf sein Gesamtwerk zu betrachten. Er ist mehr als ein Künstler zu betrachten denn lediglich als ein Regisseur. Seine Filme weisen sowohl inhaltliche als auch künstlerische Besonderheiten auf, die zu untersuchen wären. Ich werde deshalb zuerst auf das Leben Kubricks eingehen und den Film A Clockwork Orange in sein Gesamtwerk einzuordnen versuchen. Dann schildere ich den Handlungsverlauf des Films. Darauf folgt die Nennung seiner wichtigsten künstlerischen wie inhaltlichen Motive. Eine zentrale Thematik in Kubricks Filmen ist die Darstellung von Gewalt. Deshalb gehe ich hierzu auf die von vielen Seiten kritisierte Ästhetisierung der Gewalt in seinen Filmen ein. Zum Schluss nenne ich noch die wichtigsten filmübergreifenden Motive und Gemeinsamkeiten der einzelnen Filme Kubricks und versuche, sie in Beziehung zueinander zu setzen.
Der Regisseur:
Stanley Kubrick wird am 26. Juli 1928 in New York geboren. Sein Vater, Jacques Kubrick, ist Medizinstudent, seine Mutter, Gertrude Perveler, stammt aus einer österreichisch- jüdischen Familie. Sie heiraten 1927 in der Bronx und bekommen ein Jahr später ihren gemeinsamen Sohn Stanley. Er wächst in einem mittelständischen Umfeld auf. Noch während seiner Highschoolzeit veröffentlicht das Magazin Look ein von ihm geschossenes Foto eines Zeitungsverkäufers, der von der Nachricht von Präsident Roosevelts Tod überwältigt ist. Kubrick verlässt die Schule, um eine Ausbildung als Fotograf bei Look zu machen. Bereits mit 18 Jahren verdient er sein Geld als freier Bildreporter für das Magazin und bereist die
USA und Europa. Kubrick wird drei Ehen schließen. Die erste beginnt 1948. Er heiratet seine
Klassenkame radin Toba Metz. Die Fotoserie über den Boxchampion Walter Cartier entsteht auch in diesen Jahren und gehört wohl zu seinen berühmtesten Fotos. Hierauf erblüht Kubricks Liebe zu Kurzfilmen mit niedrigem finanziellen Aufwand, die er teils aus eigener Tasche finanziert, wie den 16-minütige Kurzfilm Day of the Fight(1950) über Walter Cartier. Im Jahr darauf beschließt er, sich ganz dem Medium Film zuzuwenden und verlässt Look. Kubrick ist vollkommener Autodidakt. Für seinen ersten Spielfilm Fear and Desire (1953) lässt er sich vor dem Dreh noch kurz den Gebrauch der Mitchell-Kamera erklären und dreht dann selbst drauf los. Er überredet seine Familie, den 9000 Dollar-Film zu finanzieren, der in einigen kleineren New Yorker Kinos gezeigt wird. Produzenten werden auf den jungen Künstler aufmerksam, sodass er kurz darauf für ein geringes Budget das Boxer-Drama Der
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Tiger von New York- Killer’s Kiss (1955) drehen kann. Nach seiner Scheidung heiratet Kubrick im selben Jahr eine Tänzerin des New York City Ballet, Ruth Sobotka. Die Ehe soll, wie auch die vorige, nicht von langer Dauer sein. Mit seinem wachsenden Können wächst auch die Anforderung an seine Frauen. Er ist ein schwieriger Perfektionist, der voll in seiner Arbeit aufzugehen scheint und seinen passenden Deckel erst später finden wird.
Seinen frühen Werken steht der Perfektionist Kubrick jedoch sehr kritisch gegenüber und betrachtet sie lediglich als unvollkommene Übungen, die er später aus dem Verkehr ziehen lässt. Doch die Pfade des Ruhms sind ab dieser Zeit für ihn geebnet. Durch seine nur sehr kleinen bisherigen Kinoerfolge werden unabhängige Produzenten wie James B. Harris auf den jungen Filmemacher aufmerksam. Harris wird in den nächsten sechs Jahren für 3 von Kubricks folgenden Werken als Geldgeber fungieren. Es folgen weitere Filme wie The Killing (1956) und eine erneute Scheidung. Am Set zu seinem Antikriegsdrama Paths of Glory lernt er die deutsche Malerin und Schauspielerin Christiane Harlan kennen, die er 1958 heiratet und nun endlich eine Ehe schließt, die bis an sein Ende halten wird. 1960 dreht Kubrick seinen einzigen Hollywood-Kino-Kassen-Knüller mit Starbesetzung. Spartacus fällt jedoch bei der Betrachtung seines Gesamtwerks vollkommen aus der Diskussion heraus, da er kein typisches Werk Kubricks symbolisiert. Für Kubrick ist die Arbeit künstlerisch unbefriedigend, weil er keine letzte Kontrolle über das Werk hat. Zum ersten Mal ist nicht er der Chef am Set, aus dessen Feder alles entspringt, sondern verkörpert nur ein Rädchen im Schaffen des Ganzen. Er wird jedoch gut bezahlt und kann nun seine unabhängige Karriere fortsetzen. Im selben Jahr nach Abschluss der Dreharbeiten emigriert er nach Großbritannien, um dort Lolita (1962) zu drehen. Europa ist für Kubrick der passendere Schaffensort. Seine Arbeitsweise ähnelt viel eher dem europäischen Autorenkino, als den amerikanischen Hollywood-Produktionen, bei denen die Aufgaben klar verteilt werden. Kubrick hat gerne das Sagen in allen Fragen des Drehs. Er schreibt die Drehbücher selbst, führt die Handkamera, beim Einsatz einer solchen, und schneidet viele seiner Filme selbst vor. Er ist ein Perfektionist, der Szenen auch 80 mal wiederholen lässt, wenn er sie so authentischer dargestellt findet. Wie beispielsweise viel später beim Dreh zu Shining (1979), bei dem Jack Nicolson in der Rolle eines langsam durchdrehenden Schriftstellers erst im 83-ten Take so wirklich irre rüberkommt, dass es dem Zuschauer eiskalt den Rücken runterläuft. Vor dieser Stephen King-Verfilmung liegen jedoch noch 3 große Werke Kubricks. Zum einen die Weltraumoper 2001-Odyssee im Weltraum (1968), für den er 1964 zusammen mit dem SF-Autor Arthur C. Clarke das Drehbuch entwickelt und der heute als Meisterwerk der SF-Filmkunst gesehen wird. Was den Film so einzigartig für diese frühe Ze it macht, ist, dass er filmisch hochkünstlerisch gemacht ist. In allen seinen Werken geht es Kubrick weniger um das Was vielmehr um das Wie der Darstellung. In 2001 ist dies wohl am deutlichsten zu sehen. Kubrick legt keinen Wert auf
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ausgefeilte Dialoge. Erst nach ca. 20 Minuten wird im Film das erste Wort gesprochen. Ihm sind die kunstvollen Bilder wichtig, das Schweigen der Bilder. Er untermalt sie mit klassischer Musik von beispielsweise Richard Strauss, was bei dem Zuschauer mehr Eindruck hinterlässt, als die Handlung selbst. Kubrick bekommt für diesen Film seinen ersten Oscar. Diesen erhält er jedoch nicht für die Regie, sondern für die Spezialeffekte.
Hierauf folgt 1971 nach dem gleichnamigen 1962 erschienenen Roman von Anthony Burgess, Kubricks dritter Science Fiction Film A Clockwork Orange (1972), der Gegenstand meiner Arbeit sein soll und auf den ich später noch genauer eingehen werde. Für die gnadenlos pessimistische Abrechnung mit dem Thema Gewalt erhält Kubrick vier Oscar- Nominierungen. Er ist bis heute heiß-umstritten und Kubrick muss ihn zeitweise sogar wegen Nachahmungstätern nach zwei Jahren in Großbritannien aus dem Programm nehmen lassen. Das nächste Werk Kubricks ist das aufwendige Sittengemälde Barry Lyndon (1976) nach dem Roman von William Thackeray Barry Lyndon (The Luck of Barry Lyndon) von 1844. Die Vorbereitungen für den Film sind immens. Kubrick studiert die Geschichte des 18. Jahrhunderts, die Kleidung der damaligen Zeit, lässt ein Kameraverfahren entwickeln, mit dem er unzählige Szenen bei Kerzenlicht dreht und wendet die erste qualitativ gute Steady- Cam an. Die Dreharbeiten dauern 300 Tage. Der perfektionistische Regisseur verwendet einige weitere Monate auf den Schnitt. Vier Oscars erhält er als Belohnung für seine Mühen. Der Erfolg an der Kinokasse bleibt jedoch aus. Nach Shining folgt Kubricks dritter Antikriegsfilm Full Metal Jacket (1987). Zehn Jahre später beginnen die Dreharbeiten zu Eyes wide shut (1999) , der Kubrick`schen Verfilmung der Traumnovelle (1926) von Arthur Schnitzler. Mit dem Schauspielehepaar Cruise und Kidman in den Hauptrollen wird der Dreh in Rekordzeit abgehandelt. 15 Monate, bis der Film in die Kinos kommt. Kurz darauf, am 7. März 1999, stirbt Kubrick in England im Schlaf an Herzversagen.
Der Inhalt:
`Star` des Films ist Alex, ein Londoner Teenager. Zum Zeitpunkt des Drehs liegt die Zeit, in der Alex` Geschichte spielt, 1983 in naher Zukunft. Alex geht nicht zur Schule. Statt dessen hängt er mit seinen Droogs, Slang für Kumpels, die meiste Zeit in der Korova Milchbar rum. Dort bringen sie sich mit Milch Plus in Fahrt, um später gemeinsam loszuziehen und ihrer Lust an Diebstahl, Vergewaltigung und Mord zu fröhnen. Jedes ethische Gefühl ist ihm fremd. Sein zweites Hobby neben der Gewalt ist die Musik Ludwig van Beethovens, die für ihn das einzig heilige zu sein scheint. In seinem Leben gibt es keine soziale Komponente. Seine Eltern finden keinen Zugang zu ihm, Frauen benötigt er nur zur Triebbefriedigung und seine Kumpels sind lediglich Gleichgesinnte, jedoch keine Freunde. Sie ziehen zusammen los
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Kirsten Hauk, 2004, Stanley Kubricks 'A clockwork orange', Munich, GRIN Publishing GmbH
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