Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Vorkenntnisse 2
2.1. Was wissen wir über den Autor Gottfried von Straßburg ? 2
2.2. Der Prolog des Mittelalters 3
3. Formbildende Aspekte des inneren Aufbaus 4
3.1. Vers und Reimschema 4
3.2. Das Akrostichon 5
3.3. Sprachlich-rhetorische Gestaltung 6
4. Thematischer und inhaltlicher Aufbau 8
4.1. Das Gute und die Kunst 8
4.2. Die „edelen herzen“ - der Autor, der Stoff und sein Publikum 10
4.3. Gottfrieds Quellenbericht 13
5. Schlussbemerkung 15
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Der „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg kann wohl als eine der bekanntesten Liebesdichtungen des Mittelalters bezeichnet werden. Die Tristansage ist seit dem 12. Jahrhundert in Frankreich verschriftlicht und in vielen europäischen Sprachen in einer Zeit bearbeitet worden, in der die Theorie der Minne wie kein anderes Thema in Philosophie, Theologie, Kunst und Literatur erörtert wurde. Gottfried, dessen Werk wie keine andere deutschsprachige Dichtung des Mittelalters die Bildung der Zeit widerspiegelt, hat in seinem „Tristan“ den Mythos einer außerehelichen Liebe, verbunden mit der Tat des Ehebruchs, auf komplizierte Weise dargestellt. Er bezieht in seinem Werk neben Figuren und Denkmustern der Antike auch solche aus der lateinischen und volkssprachlichen weltlichen Literatur und theologische Modelle der Mystik ein. Bereits im Prolog, mit dem sich diese Arbeit ausschließlich beschäftigen wird, wird deutlich, dass Gottfried mit seiner Arbeit ein faszinierendes Konzept einer extremen leidenschaftlichen und emanzipatorischen Liebe als die eigentliche Wahrheit des „Tristan“-Stoffs herausarbeitet. Genau diese Konzeption stellt Gottfried bereits in seinem Prolog in komprimierter Form dar und bietet somit eine Vorwegnahme der Geschichte in gekürzter Form.
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit einem Überblick über den Autor Gottfried von Straßburg und den Prolog des Mittelalters im Allgemeinen, um einen guten Einstieg in das Thema zu geben.
Der zweite Teil wird sich dann mit dem formalen Aufbau des Prologs beschäftigen, wobei im Besonderen auf Reimschema und Versmaß, auf das Akrostichon und die Wortwiederholung eingegangen wird.
Weiterhin wird im dritten Abschnitt der Arbeit der thematisch-inhaltliche Aufbau des Prologs umrissen, dabei insbesondere die drei Themen: das „Gute“, die „edelen herzen“ und die Auseinandersetzung Gottfrieds mit früheren Arbeiten zum „Tristan“-Stoff und deren Richtigkeit bzw. Wahrheit vor allem in Bezug auf Thomas von Bretagne. Auf Grund der Kürze der Arbeit kann hier verständlicher Weise nur ein sehr kompakter Umriss des Prologs geliefert werden, der nicht in Bezug zu anderen Textstellen gebracht wird, obwohl dies möglich wäre. Denn nicht nur der Prolog, sondern auch eine Reihe von Exkursen legen ein spekulatives Denkgebäude in die Handlung. Die Auseinandersetzung Gottfrieds mit anderen Autoren des „Tristan“-Stoffes wird hier ebenfalls auf Grund der Kürze der Arbeit allein auf die mit Thomas
1
von Bretagne beschränkt. Dennoch versucht die Arbeit einen zwar kompakten, aber auch aufschlussreichen Ein- und Überblick in den „Tristan“-Prolog Gottfrieds von Straßburg zu geben.
2. Vorkenntnisse
Bevor ich mich mit dem allgemeinen Überblick über Gottfried von Straßburgs „Tristan-Prolog“ beschäftige, möchte ich sowohl einige Vorkenntnisse über den Autor selbst als auch über den Prolog im Mittelalter im Allgemeinen voranstellen, die ich für die Interpretation und den Einstieg in den „Tristan-Prolog“ für wichtig und sinnvoll erachte.
2.1. Was wissen wir über den Autor Gottfried von Straßburg?
Diese Frage ist knapp zu beantworten: nicht viel. Zumindest wenig, das wirklich gesichert wäre. Alles was heute über die Person Gottfried bekannt ist, ist lediglich das, was sich aus seinem Werk selbst und seiner Rezeption erschließen lässt. Angenommen wird allerdings eine nichtadlige Herkunft und ein hoher Grad an umfassender Bildung. Dabei ist das einzig sichere erhaltene Werk Gottfrieds der knapp 20 000 Verse umfassende Tristanroman. 1 Es ist anzunehmen, dass es sich bei Gottfrieds Auftraggeber um einen gewissen DIETERICH handelt, wie das Akrostichon des Prologs nahe legt.
In der Forschung wurde der Versuch unternommen, Gottfrieds Biographie von der Geschichte Straßburgs her zu beleuchten und sowohl Gottfried als auch seinen Auftraggeber sieht man am ehesten aus intellektuellen Patrizierkreisen stammen. 2 Für den Publikumserfolg seines „Tristan“ spricht wohl die verhältnismäßig reiche Überlieferung in 11 vollständigen Handschriften und 16 Fragmenten. Es wird darauf hingewiesen, dass Gottfried in der deutschen Literatur des 13. Jahrhunderts ein „bewundertes Stilvorbild und immer wieder auch thematischer Bezugspunkt“ 3 war. Dennoch ist es schwierig, seine Ausführungen zu verstehen und es bleibt fraglich, ob man ihn jemals wirklich verstehen konnte und wollte.
1 Huber, Christoph: Gottfried von Straßburg: Tristan, 2., verbesserte Auflage, Berlin 2001 (=Klassiker Lektüren; Bd. 3), S. 27.
2 Huber, S. 28.
3 Huber, S. 30.
2
2.2. Der Prolog im Mittelalter
Der Prolog des Mittelalters entstammt, wie die meisten geisteswissenschaftlichen Normen dieser Zeit, antiker Tradition. Etymologisch geht das Wort prolog aus dem Griechischen hervor, wurde später ins Lateinische übernommen und fand auf diesem Weg die Aufnahme in die Welt mittelalterlicher Gelehrsamkeit. Die wortwörtliche Bedeutung blieb bis dahin erhalten und meint soviel wie „voraus verkünden“, „Eingangsrede“ oder „Vorspruch“. 4
Die Absichten des mittelalterlichen Prologs waren in der Regel die gleichen wie bei der gerichtlichen Vorrede, d.h. die klassisch-lateinische Rhetorik übernahm deren Konzept und modifizierte bzw. erweiterte diese. Die Vorrede war also der textlichen Natur der Prosa und ihren stilistischen und ästhetischen Regeln anzupassen, aber durch die Empfehlung, die Dichtung mit einem Sprichwort (generalis sententia) oder einem lehrreichen Beispiel (exemplum) einsetzen zu lassen, erweitert worden. 5 Der ritterliche Prolog wird außerdem in zwei Teile unterteilt, in einen prologus praeter rem, der die „Auseinandersetzung des Autors mit seinen Lesern, die Herstellung der Gesprächssituation“ 6 einleitet und „der noch nicht ausdrücklich auf den Inhalt der Dichtung eingeht“ 7 und in den prologus ante rem, der den literarischen Stoff selbst betrachtet. Als Teil des prologus praeter rem ist das proverbium zu bezeichnen, das an den Anfang gestellt eine Ansammlung allgemeiner Lebensweisheiten undwahrheiten bzw. Sentenzen, wie oben bereits erwähnt, darstellt. Die Eröffnung eines Werkes durch eben solch ein proverbium wurde offensichtlich im Mittelalter selbst entwickelt und angewandt, um dem Leser und Hörer einer Dichtung einen bekannten Bezug zu bieten. 8 Auf Grund des allgemeinen Charakters wird also der Einstieg in das Werk erleichtert und ein Gegenstand, der Hörer bzw. Leser und Autor gleichermaßen angeht, in den Raum gestellt.
Genau wie für den Beginn wird auch für das Ende des Prologs ein proverbium empfohlen, das dabei dann die Funktion hat, zum eigentlichen Werk überzuleiten. 9
4 Vgl. Stadler, Edmund: Prolog. Reallexikon der Deutschen Literaturgeschichte, Bd. 3, Berlin 1966, S. 262-283.
5 Krohn, Rüdiger (Hrsg): Gottfried von Straßburg. Tristan, Bd. 3, 5. Auflage, Stuttgart 1998 (=Reclam), S. 15.
6 Brinkmann, Henning: Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung. Bau und Aussage, Düsseldorf 1966 ( = Studien zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur; Bd. 2), S. 94.
7 Ebenda.
8 Vgl. Brinkmann, S. 86.
9 Schöne, Albrecht: Zu Gottfrieds ’Tristan’-Prolog. In: Wolf, Alois (Hrsg.): Gottfried von Strassburg, Darmstadt 1973 (=Wege der Forschung; Bd. 320), S. 154.
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Arbeit zitieren:
Katrin Gehmlich, 2005, Gottfried von Straßburgs Tristan-Prolog. Ein allgemeiner Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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