1 Einleitung 2
1 Einleitung. 4
2 Background - Wissen ist Macht 7
2.1 Definitionen. 7
2.1.1 Kampfkunst (KK) 8
2.1.2 Kampfsport (KS) 8
2.1.3 Gewaltprävention (GP) 9
2.2 Geschichtliche Hintergründe. 10
2.2.1 Geschichte der Kampfkünste. 10
2.2.2 Geschichte der Gewaltprävention. 12
2.3 Der Ernstfall - eine Spielwiese? 13
2.3.1 Brisante Situationen. 13
2.3.2 Deeskalationstraining. 15
2.3.3 Komplexität des Ernstfalls. 16
2.3.4 Kampfkunst in der Realität 17
3 Vorurteile - ein Vorurteil? 20
3.1 Was sind Vorurteile? 20
3.2 Die gängigsten Vorurteile. 21
3.2.1 Wer eine Kampfkunst betreibt, ist unbesiegbar. 22
3.2.2 Als Kampfkünstler muss man „warnen“ 23
3.2.3 Kampfkunst auf der Straße 23
3.2.4 Frauen werden häufiger Opfer von Gewalttaten. 24
4 Die Menschen hinter der Kampfkunst. 25
4.1 Zielgruppen. 25
4.1.1 Kampfkunst-Interessierte. 25
4.1.2 Opfer. 26
4.1.3 Täter. 27
4.1.4 Sonstige Zielgruppen. 28
4.2 Anbieter und deren Angebote. 29
4.2.1 Vereine. 29
4.2.2 Volkshochschulen. 29
4.2.3 Schulen. 29
4.2.4 Polizei. 30
4.3 Anforderungen an die Trainer 31
4.3.1 Die Problemlage 31
4.3.2 Anforderungsprofil an Leiter von Projekten 32
1 Einleitung 3
5 Das Finale. 35
6 Literatur. 40
7 Rechtsquellen 42
1 Einleitung 4
1 Einleitung
Fast wie Rezepte aus Kochbüchern klingen die Ratschläge und Anweisungen vieler Experten: eine Prise an besserer Körperhaltung, ein Stück mehr Stimme, etwas mehr von dieser oder jener Kampfkunst und eine gute Mischung aus Durchsetzungsvermögen, Empathie und Zurückhaltung bilden jene psychologischen Voraussetzungen, die eine Veränderung von einer „typischen“ Opferrolle zu einer selbstbewussten Persönlichkeit initiieren soll. Das Zauberwort hinter diesen Rezepten heißt „Gewaltprävention“. Sie assoziiert die adäquate, friedfertige Antwort auf die vermeintlich vorherrschende und allgegenwärtig böse Welt.
Kampfkunst - ein Wort mit hoher Widersprüchlichkeit: wie kann man k ämpfen und zugleich künstlerisch tätig sein? Ist die Kampfkunst eine geheimnisvolle Ideologie der Friedfertigkeit, die faszinierende Begegnung mit physikalischen Gesetzen, das uralte Wissen über die inneren, geistigen Kräfte oder das Bedürfnis, asiatische Philosophie erleben zu wollen? Verniedlicht bzw. verharmlost das Wort „Kunst“ nicht den Kampf um Sieg oder Niederlage, Gesundheit oder körperlichen Schädigungen (evtl. Behinderungen), Leben oder Tod? Ist es letztlich die Kunst des Überlebens eines Kampfes, die das Wort „Kampfkunst“ prägt?
Was ist die Realität der Gewaltprävention: muss sie zwangsläufig ein symbiotisches Verhältnis zur Kampfkunst eingehen, um ihrer Absicht nach einer friedfertigen Lösung den nötigen Respekt zu verle ihen?
Die Realität der Kampfkunst: wie wird sie in Deutschland praktiziert? Besteht das Training wirklich in der Erziehung eines edlen und mutigen Kriegers, dem die Anwendung von Handlungen durch einen Bösewicht aufgezwungen wird und der Techniken im Ernstfall sogar (wie heilende Substanzen) dosieren kann? Wird man als Kampfkünstler reifer, edler, friedfertiger, unfehlbar und unbesiegbar? Und letztlich: ist die Anwendung der Kampfkunst wirklich nur das Ende einer Kette präventiver Fehlversuche, um mit ruhigerem Gewissen die konsequente Weiterführung einer Auseinandersetzung mit an- deren Mitteln zu rechtfertigen?
1 Einleitung 5
Abschließend die Frage an uns selbst: fühlen wir uns informiert genug, um uns eine Meinung über Gewaltprävention und Kampfkunst bilden zu können? Wie groß ist unser Wissen, wie groß unser Unwissen? Sind wir ehrlich zu uns und suchen wir nach Ehrlichkeit und Wahrheit oder ist unsere Sehnsucht nach einer heilen und vollkommenen Welt mit ihrer Realitätsfremde größer? Welche Rolle spielen die Medien in diesem Verflechtungs-Dschungel von vergangener und gegenwärtiger Geschichte?
Dieses Referat befasst sich hauptsächlich mit der Kampfkunst und setzt diese in einen bewusst kritischen Kontext zu gewaltpräventiven Maßnahmen. Auf die Gewaltprävention selbst wird nur vereinzelt eingegangen, da sich ihre Existenz längst als adäquate Ant-wort auf die in der Gesellschaft vorherrschende Frage nach Schutz und Sicherheit auf verschiedenen Ebenen etabliert hat.
Das Referat wird sich an den oben gestellten Fragen orientieren und den Leser an ein igen evtl. auch neueren Gedanken beteiligen. Dabei soll eine kritische, vor allem aber sachliche Auseinandersetzung mit dem vielleicht neu gewonnen Informationen und i hren Zusammenhängen geboten werden. Der „rote Faden“ des Referates orientiert sich an der Abarbeitung folgender Punkte:
• Eine Definition der wichtigsten Begriffe, um eine einheitliche Basis zu schaffen.
• Geschichtliche Hintergründe der Kampfkunst und der Gewaltprävention werden u. a. klären, wo die Wiege der Kampfkünste zu finden ist.
• Opfer und Täter haben ihn bereits durchlebt, viele möchten den Kontakt mit ihm vermeiden: der Ernstfall.
• Vorurteile haben großen Einfluss auf unsere Entscheidungsfähigkeit. Daher etwas Informatives über Vorurteile mit repräsentativen Beispielen aus der Kampfkunst.
• Wer nimmt an gewaltpräventiven Projekten, bei denen Kampfkunst eine zentrale Rolle spielt, eigentlich teil? Hier wird es erklärt.
• Es wird geklärt, welche Anbieter gewaltpräventive Maßnahmen im Zusammen- hang mit Kampfkunst durchführen und was alles angeboten wird.
1 Einleitung 6
• Hier geht es um die Qualifikation der Trainer von Projekten und der Frage: ist ein schwarzer Gürtel zum Leiten solcher Projekte ausreichend?
• Zum Abschluss des Referates das übliche Resümee.
Bei der Erstellung des Referates kam erschwerend hinzu, dass sich Literatur im Bereich der Kampfkunst überwiegend mit den asiatischen - vor allem japanischen - Formen beschäftigt. Diese besitzen jedoch keinesfalls repräsentativen Charakter. Ähnliches gilt für die Literatur über Gewaltprävention, die sich hauptsächlich mit Gewalt an Schulen und mit präventiven Möglichkeiten der Jugendarbeit befasst.
Das Referat beschränkt sich daher auf nur wenige Bücher und Veröffentlichungen verschiedener Autoren im Internet und in Fachjournalen, die im Hinblick auf das Thema dieses Referates den Bezug zu der in Deutschland vorherrschenden Realität herstellen.
2 Background - Wissen ist Macht! 7
2 Background - Wissen ist Macht!
2.1 Definitionen
Angesichts der Fülle von Angeboten und deren Repräsentanten existieren entsprechend viele, unterschiedliche Sichtweisen über die Definition von „Kampfkunst“ und „Kampfsport“. Die Einen sehen in jeder solcher Sportarten eine Kunst und deklarieren somit z.B. auch Judo und Karate zur Kampfkunst, andere Gelehrte möchten gerne zwischen dem sportlichen und dem realistischen Aspekt des Kampfes unterscheiden und sehen Kampfkunst als Kunst des Überlebens. Meister Shoshin Nagamini (9. Dan Shurinryu Karate), unterstreicht die Widersprüchlichkeit deutlich: „Karate ist die einzige Kampfkunst, die nicht ‚Sente’ praktiziert, das heißt ‚ni cht angreift’, bevor der Gegner angreift. Oft relativieren manche Lehrer diese Forderung, i ndem sie zwar angreifen, diesen Angriff aber einen ‚Gegenangriff’ nennen. Aber eigentlich ist das (im Karate) unentschuldbar.“ 1
Ebenso geht es dem Begriff der „Gewal tprävention“, der sich allzu oft an der Deklaration von Gewalt aufhängt. Häufig wird die Gewaltprävention als Bestandsaufnahme von Verhaltensregeln für den Ernstfall angesehen oder ihr eine therapeutisch notwendige Form der Selbsterkenntnis für Täter zugeordnet
Von daher ist es sinnvoll, die in diesem Referat benutzten Begriffe einer Deklaration zuzuführen, die eine sinnvolle Basis für einen einheitlichen Wissensstand in Bezug auf das Thema dieses Referates schaffen soll.
1 Nagamini zitiert in Kernspecht (1992), S. 50.
2 Background - Wissen ist Macht! 8
2.1.1 Kampfkunst (KK)
„Im deutschsprachigen Raum wird unter Kampfkunst ein wettkampffreier Stil verstanden, der sich mit dem Unterricht von Selbstverteidigung, polizeilichen Eingriffstechniken und/oder militärischem Nahkampf beschäftigt.“ 2
Da sich diese Definition explizit auf die hier in Deutschland existierenden Umstände bezieht, beinhaltet sie sowohl polizeiliche Eingriffstechniken, wie z.B. Techniken aus dem 1969 in Deutschland entstandenen Ju-Jutsu, welches als Ausbildungsprogramm der Polizei und des BGS übernommen wurde, als auch den Gedanken des militärischen Nahkampfes - hier vor allem die Ausbildung von Spezialeinheiten durch das chinesische Wing-Tsun, das philippinische „Kali“ oder das amerikanische „Progressive Fighting System“.
Unter dem Begriff KK sammeln sich zumeist weniger bekannte Vertreter, wie Escrima, Jun-Fan Kung-Fu, Anti-Terrorkampf, Hap-Ki-Do, Ju-Jutsu, Jiu-Jitsu und Pencak-Silat.
2.1.2 Kampfsport (KS)
Dieser Begriff lässt sich leicht über die Trennung beider Wörter definieren:
„(…) Zum Kampfsport gehören alle Kämpfe, die nach Regeln geführt werden und bei denen die Einhaltung der Regeln von einem unbeteiligten Dritten überwacht wird. ‚Kampfsport’ bezeichnet damit alle Formen des Kampfes, die sich zum sportlichen Wettkampf und Vergleich eignen.“ 3
Demnach sind z.B. Judo, Karate, Taekwon-Do und Kickboxen als KS zu definieren, da sie grundsätzlich den Kampf unter sportlichen Aspekten bevorzugen - abgesehen von der Tatsache, dass sämtliche der aufgeführten KS auch einen Selbstverteidigungscharakter für sich beanspruchen.
Äußerliches Merkmal der KS ist das Tragen von - zumeist - weißen, speziellen Anzügen mit farbigen (Schüler) bzw. schwarzen (Meister) Gürtelgraden. Ebenfalls ist dass Training ohne Schuhwerk (Barfuss) charakteristisch.
2 Wikipedia (2005), unter http://de.wikipedia.org/wiki/Kampfkunst.
3 Pfeifer (2001), S. 29 ff.
Arbeit zitieren:
Andreas Liebsch, 2005, Gewaltprävention und Kampfkunst - Wie friedlich ist die Kampfkunst wirklich, München, GRIN Verlag GmbH
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