Universite Marc Bloch / Strasbourg
Annee universitaire 1998-99
Memoire de maitrise
Ingeborg Bachmann
Malina
oder eine " Philosophie über die Krankheit"
Presente par:
Britta Kerger
Sigle :
Der Roman Malina, Bachmann, Ingeborg, Suhrkamp- Verlag, Frankfurt a. Main, 1972, wird im Folgenden mit M.A. und entsprechender Seitenangabe zitiert.
Die übrigen Zitate werden in den Fußnoten ausführlich angegeben, es sei denn, dies ist in der Fußnote anders angegeben. ( Kap. : 8.1.)
Inhalt:
1. Einleitung
2. Malina ein Ein- und Überblick
3. Der Roman als eine ′Philosophie über die Krankheit′ betrachtet.
3.1. Zum Begriff ′ Krankheit′
3.2. Die Darstellung von ′ Krankheit′ in Malina
4. Malina im Lichte Lacans
4.1. Das ′ Ich′ des Romans
4.2. Ich- Problematik und Rezeption der Werke von I. Bachmann und Sylvia Plath
5. Ist Liebe in akzeptierender Weise findbar und lebbar ?
6. Feuer
6.1. Dying is an art
7. Die filmische Adaptation des Romans durch Werner Schroeter.
7.1. Das Drehbuch von Elfriede Jelinek
7.2 Die filmische Umsetzung
7.3. Kritik und Rezeption
8. Negation
8.1. Parallelen im Werk von E.M. Cioran und Ingeborg Bachmann.
8.2. Was heißt hier ′ weibliches Schreiben′ ?
Schlußbemerkungen
Bibliographie:
1. Biographisches zu Ingeborg Bachmann
2. ′ The Munich Mannequins′ / ′ Lady Lazarus ′ / ′ Edge ′
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit wurde unter der Leitung von Frau Prof. Dr.. Maryse Staiber erstellt, in deren Seminar: ′ Poésie et engagement au 20ème siécle′ ich die Anregung erhielt, mich näher mit dem Werk von Ingeborg Bachmann auseinanderzusetzen.
Mein Schwerpunkt wird sich aber mit der Auseinandersetzung Ingeborg Bachmanns und einem ′ In- Frage - Stellen′ der gesellschaftlichen - insbesondere, der abendländisch-patriarchalischen-, in jedem Fall der Inhärenz einer symbolischen Ordnung beschäftigen, sowie den Auswirkungen der Gesellschaft auf das Individuum.
Aus diesem Grunde habe ich mich dazu entschieden den Roman Malina zum Gegenstand meiner Untersuchung zu wählen.
Wie ich hoffe im weiteren Verlauf der Arbeit zeigen zu können, ist gerade Malina exemplarisch für die Auseinandersetzung und die Übergriffe der Gesellschaft auf ein Individuum.
Schon der Begriff ′ Konstruktion′ und Malina ist eine Konstruktion, sowohl als auch jeder Roman Fiktion / Konstruktion ist, deutet auf eine kritische Hinterfragung der bestehenden Gesellschaft hin. Allein schon durch die Tatsache eine bestehende, als ontologisch dargestellte gesellschaftliche Ordnung auf ihre natürliche Begründbarkeit hin zu hinterfragen, stellt Malina in die Nähe zu post-feministischen Fragestellungen, die sich mit eben diesem Punkt, einem philosophischen Hinterfragen der als ontologisch-dargestellten gesellschaftlichen Bedingungen und selbstverständlich insbesondere der Problematik der darin lebenden, differenten Geschlechter auseinandersetzt.
Da Malina zwar kein autobiographischer Roman ′ in dem Sinne′ einer mit realen Lebensdaten gespickten Biographie ist, jedoch von I.B. selbst als ′ geistige Biographie′ 1 betitelt , sowie ein ′ Ich′ der Erzähler und Hauptfigur ( teil) ist, ist es klar, daß insbesondere die Einwirkung der ′symbolischen Ordnung′ auf ein weibliches Gesellschaftsmitglied verdeutlicht wird.
Trotz und auch wegen dieser Affinität von I.B. zu post-feministischen Fragestellungen, soll sich der erste und weitgehend durchgehende Schwerpunkt meiner Arbeit mit dem Themenkomplex ′Krankheit′ beschäftigen. Durchaus kulturwissenschaftliche Aspekte werden in Malina thematisiert.
Was gilt als " Gesund" / " Krank " ? Was ist die Moral von Gesund und Krank ? Die Aus- und Einwirkungen der Gesellschaft auf ein Individuum, die in Krankheit , Blessuren bis hin zu Tod, Mord oder Selbstmord reichen, werden in Malina in allen Variationen geschildert und nicht umsonst gehört Malina zum "Todesartenprojekt ", als dessen erster, einziger und vollständiger Roman.
Bedeutsam ist auch die Namensgebung des Romans, da sie auf die Zwiespältigkeit ( oder auch Triplizität) des Buches und der darin enthalten Themen verweist.
Malina -
russisch / polnisch : Himbeere 2
Lateinisch : malin ( schlecht)
Englisch : male (männlich)
Interessanterweise 3 Bedeutungen, die auch auf die 3-er Beziehung- Ivan- Ich - Malina hindeuten könnte. Die Zahl 3 ist zudem für weibliche Schreibweise bedeutsam.3
Zudem kann man, wie insbesondere an der Verfilmung Malinas sichtbar wird, barocke Elemente in Bachmanns Roman erkennen. Barock 4 deshalb, da Negation und Pracht / Glück so überschwenglich geschildert werden. Ein weiteres kulturwissenschaftlich bedeutsames Element, wenn man bedenkt, daß unser momentanes Zeitalter, aus der kulturellen Perspektive heraus, oft mit dem Barock verglichen wird.
2. Malina ein ′Ein- und Überblick′
" Das Buch einer Beschwörung, eines Bekenntnisses, einer Leidenschaft: Der Roman handelt von nichts anderem als von Liebe und ist wohl die denkbar ungewöhnlichste Dreiecksgeschichte." 5
Soweit die Ankündigung des Romans durch den Verlag.
Meine eigene Meinung 6 ist, daß man das Buch lesen muß, um sich einen Eindruck über Inhalt und Stil zu verschaffen. Was natürlich für viele Bücher ein gültiger Ratschlag ist, jedoch insbesondere Malina betrifft. Sicher ist jedoch auch, daß es keine rein narrative Erzählung ist, sondern das immer wieder Brüche, ′ Splits′, eine durchgängig formulierbare Inhaltsangabe stören.
Aufgrund der schwierigen Formulierbarkeit und - meinem Vorbehalt, daß Malina gelesen werden sollte, um einen Einblick in seinen Inhalt zu bekommen, habe ich mir dennoch 2 Varianten den Inhalt des Romans zu vermitteln , angeeignet. Diese Varianten erschienen mir am geeignetsten, einen Eindruck des Romans zu vermitteln. Man sollte aber vielleicht auch nicht außer acht lassen, daß I.B. selbst, eine Inhaltsangabe nicht gewünscht oder erstrebenswert gefunden hätte...
" Malina wird von einer weiblichen Ich- Figur erzählt. Die Ich- Figur, von Beruf Schriftstellerin, bestimmt einleitend die Einheit von Zeit und Ort der Handlung als ′ Heute′ und ′ Wien′.
[....]
1 Grimkowski, Sabine : Das zerstörte Ich, Verlag Königshausen & Neumann, Wurzburg, 1992, S.71 " Ausdrücklich eine Autobiographie, aber nicht im herkömmlichen Sinn. Eine geistige, imaginäre Autobiographie." Selbst wenn man mit der Verbindung von Biographie und Autorschaft vorsichtig sein sollte, finde ich die ′ wirklichen′ Parallelen von Ingeborg Bachmanns Schreiben und ihrem Leben immerhin bemerkenswert. Ich zitiere hierzu einen Brief von Toni Kienlechner, 12.01.1988, aus: Kohn-Waechter, Gudrun: Das Verschwinden in der Wand, Metzler Verlag, Stuttgart, 1992:"Ihre Freundin Toni Kienlechner schrieb mir: ich bin sicher, dass ingeborg bachmann nach malina nicht mehr wesentlich an den todesarten weitergearbeitet hat. (...) aus diesen unterhaltungen kann ich mit sicherheit behaupten, dass malina ihr den neuen anstoss gegeben hat , das konzipierte und in grösseren Stucken bereits fertiggeschriebene weiterzudenken, dass sie nach malina noch tatsachlich weitergeschrieben hatte das bezweifle ich. wir haben uns oft gesehen, täglich telefoniert, ich weiss, dass sie vor allem beschäftigt war mit der konzeption, nicht aber in der überarbeitung beeinflusst worden sind. (...)die tragik ist, dass Ingeborg Bachmann nicht mehr arbeiten konnte." ( Orthographie des Zitats )
2 Stoll, Andrea ( Hg.): Ingeborg Bachmanns ′ Malina′, Suhrkamp- Verlag, Frankfurt a. Main, 1992, S.225/226: " Der Name ′ Malina′ wirkt wie ein verschwiegenes Geheimzeichen. er ist slawisch, das polnische und russische Wort für die Himbeere oder den Himbeerstrauch. Im Griechischen zeigt das Grundwort noch deutlich den Zusammenhang : der Dornbusch, der Rote gibt. Im Russischen ist das Wort ähnlich dem Wort ′ klein, gering, unbedeutend′ ( auch Malik: Junge, Bursche, Knabe). Die Himbeere ′ Rubus idaeus′ weist als Gattungsnamen ′ die Rote, die Rose′ auf und als Artnamen die Herkunft vom Gebirge Ida, dem Reich der Bergmutter Kybele. (...) Das germanische Kompositum weist auf das Weibliche hin, die Beere, die die Hinde, die Hirschkuh gern frißt, ein sehr altes Wort. die Kybele-Verehrung, war sehr ausgebreitet, bis nach Inner- Asien und Sud- Rußland hinein, und als Fruchtbarkeitsgedanke von fast monotheistischer Synthetik, wie es im Titel ′ Mater Deum Magna′ überliefert ist."
3 Meyer, Eva: Zahlen und Erzahlen, Semiotik des Weiblichen, Frankfurt a. Main, o.Jg.
4 Barock : barocco: portugiesisch: ziselierte Perlen ; weitere Def. des Barock, vgl. Calloway,Stephen: Baroque, baroque, la culture de l′exces , Phaidon Verlag, London, 1994
5 Bachmann, Ingeborg ; Malina, Rückseite / Buchdeckel des Romans, Suhrkamp - Verlag, Frankfurt
a. Main, 1971, für diese Ausgabe, 1997
Arbeit zitieren:
Britta Kerger, 1999, MALINA oder eine Philosophie über Krankheit, München, GRIN Verlag GmbH
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