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INHALTSVERZEICHNIS:
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1 Einleitung 3
2 Einordnung und Wesen von Systemtheorie und Postmoderne 6
2.1 Systemtheorie 6
2.1.1 Entwicklungsgeschichte der Systemtheorie 6
2.1.2 Typik der Systemtheorie 8
2.1.3 Kritiker der Systemtheorie 8
2.2 Postmoderne 10
2.2.1 Entwicklungsgeschichte der Postmoderne 10
2.2.2 Typik der Postmoderne 10
2.2.3 Kritiker der Postmoderne 12
3 Grundlegende Begrifflichkeiten und Modelle 14
3.1 Systemtheoretische Grundtermini 14
3.1.1 Systemtypen 14
3.1.2 Differenz von System und Umwelt 15
3.1.3 Autopoiesis 18
3.1.4 Beobachtung 19
3.2 Soziologische Theorien der postmodernen Gesellschaft 21
3.2.1 Becks Risikogesellschaft 21
3.2.2 Schulzes Erlebnisgesellschaft 22
3.2.3 Gross Multioptionsgesellschaft 23
3.3 Funks Psychoanalyse der postmodernen Persönlichkeit 25
4 Systemtheoretische Sicht der postmodernen Gesellschaft 27
4.1 Gesellschaft Weltgesellschaft 27
4.2 Moderne Postmoderne 27
4.3 Differenzierung Komplexität 28
4.4 Risiko 29
4.5 Steuerung Intervention 30
3
4.6 Probleme der Weltgesellschaft 31
5 Fazit Persönliches zur Postmoderne 33
Literaturverzeichnis 36
Internetquellenverzeichnis 37
Abbildungsverzeichnis 38
4
1. Einleitung
Die Gesellschaft unterliegt stetigem Wandel. Das zeigt sich in allen Lebensbereichen. Derzeit erscheint dieser Wandel allerdings in außergewöhnlichem Maße beschleunigt und dezentralisiert. Bei einer Beschreibung des Individuums und der Gesellschaft hat man das Gefühl, nicht hinterher zu kommen. Zu facettenreich und ungeheuer pluralisiert erscheint die Gesellschaft, als dass man sie in einer einzigen Arbeit beschreiben könnte. Das wäre vor einigen hundert Jahren noch ohne weiteres möglich gewesen. Sicher ist man nicht im Stande, jede einzelne Entwicklung nachzuzeichnen, jedoch lassen sich klare ideengeschichtliche Trends erkennen und das Leben in den verschiedenen Schichten und Milieus in hohem Maße allgemeingültig beschreiben. War eine verallgemeinernde Beschreibung der Gesellschaft nicht sogar vor fünfzig Jahren noch möglich? Dieser Arbeit liegt eine These zu Grunde, die auch diese Frage bejaht: Die These, dass wir in einer postmodernen Gesellschaft leben.
Die Postmoderne lässt sich vor allem am Wandel der Lebensauffassung und der Pluralisierung aller Lebensbereiche festmachen: Eine zunehmende Individualisierung erscheint als Gegenpol zum Globalisierungs-Trend, wobei der Einzelne mit seinem Bemühen um biografische Kontinuität und Krisenbewältigung zunehmend auf sich allein gestellt ist. Der Trend zur Single-Gesellschaft, im Verbund mit der Unfähigkeit zu festen Bindungen, sowohl im privaten, als auch im beruflichen Bereich, scheint das Bild des Individuums in der aufgeklärten westlichen Zivilisation zu sein. Man möchte sich, angesichts einer Vielzahl von Möglichkeiten, möglichst alle Handlungsalternativen offen halten und empfindet bei Festlegung auf einen Sachverhalt nicht selten Ärger über das Nicht-Nutzen anderer Optionen. Das Unverständnis älterer Generationen gegenüber neumodischen Verhaltensweisen und Arten des Auftretens ist dabei zwar nichts neues, allerdings gehen derzeit in besonderem Maße überlieferte Werte und Traditionen verloren.
Wie stellt sich nun die Gesellschaft unter diesen gravierenden Veränderungen dar? Führt der sozial entpflichtete Individualismus zum Tode der freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft?
5
Diese Arbeit soll die systemtheoretische Sichtweise der postmodernen Gesellschaft darstellen. Die grundlegende Frage, der dabei nachgegangen wird, ist die nach der Möglichkeit der Einbettung der Phänomene der Postmoderne in die soziologische Systemtheorie. Außerdem sollen die sich ergebenden Problemen der Gesellschaft aus systemischer Sicht erörtert werden. Dazu gilt es zunächst zu klären, was man unter der systemischen Sichtweise versteht und in welchem Rahmen der Systemtheorie sich diese Arbeit bewegt. Da sich die Systemtheorie als hochkomplexes Wissenschaftsmodell darstellt, soll hier nach einem Überblick über das Wesen der Theorie der Fokus auf einige ausgewählte Begrifflichkeiten gelegt werden. Daran anschließend muss geklärt werden, was genau man unter der Bezeichnung »postmoderne Gesellschaft« versteht. Hierfür werden eine Reihe von soziologischen Theorien vorgestellt, aus denen schnell ersichtlich werden soll, dass keine Einigkeit über die sichtbaren Auswirkungen bzw. über das eigentliche Existieren einer Postmoderne besteht. Gegen Ende der Arbeit werden die bis dahin dargestellten Stränge zusammengeführt, und somit die systemische Sicht der Postmoderne verständlich gemacht.
6
2 Einordnung und Wesen von Systemtheorie und Postmoderne In diesem Kapitel werden Systemtheorie und Postmoderne zunächst unabhängig voneinander vorgestellt, um das Verständnis der Überlegungen in den Folgekapiteln zu erleichtern.
2.1 Systemtheorie Die Systemtheorie ist die wohl umfassendste und komplexeste Theorie, die die Sozial- und Geisteswissenschaften derzeit zu bieten haben. 1 In diesem Kapitel wird auf ihre Entwicklungsgeschichte, einige Wesensmerkmale und Kritikpunkte eingegangen.
2.1.1 Entwicklungsgeschichte der Systemtheorie
Die Entwicklungsgeschichte der soziologischen Systemtheorie ist, wie sich im Folgenden zeigen wird, eng verknüpft mit der Vita des deutschen Soziologen Niklas Luhmann, der als Weiterentwickler und Vollender dieser Theorie gilt. Knapp dreißig Jahre hat Luhmann an der Entwicklung einer Systemtheorie in diesem Wissenschaftszweig gearbeitet. Seine Theorie der Gesellschaft kann deshalb wohl ohne Umschweife als sein Lebenswerk bezeichnet werden.
Luhmann wird 1927 in Lüneburg geboren und wächst in wirtschaftlich bürgerlichen Verhältnissen auf. 1944 als Luftwaffenhelfer der Wehrmacht zum Kriegsdienst herbei gezogen, gerät er ein Jahr später in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung im Jahre 1946 folgt ein Studium der Rechtswissenschaft, das er 1950 mit erstem und zweitem Staatsexamen abschließt. Luhmann nimmt Tätigkeiten in der öffentlichen Verwaltung auf, heiratet 1960 Ursula von Walter und beginnt noch im selben Jahr an der Harvard University in den USA beim amerikanischen Soziologen Talcott Parsons zu studieren. Dieser seinerseits entwickelt seine Handlungstheorie zum Strukturfunktionalismus weiter und stellt, darauf aufbauend, eine erste systemtheoretische Betrachtungsweise in der Soziologie vor. 2 Luhmann, der nach zweijährigem Studium nach Deutschland zurückkehrt, wird Referent an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften und 1965 Abteilungsleiter einer
1
Vgl. Lenzen 2002, S.151
2
Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Talcott_Parsons [Download 2005-04-24]
7
Sozialforschungsstelle der Universität Münster. Nach seiner Dissertation und Habilitation an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster, wird er 1968 Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld, an der er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 tätig ist. 1998 verstirbt Luhmann in Oerlinghausen bei Bielefeld. 3
Von der 1969 gegründeten Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld nach seinen Forschungsprojekten befragt, antwortet Luhmann: Entwicklung einer „Theorie der Gesellschaft; Laufzeit: 30 Jahre; Kosten: keine.“ 4 Und tatsächlich gibt es in den folgenden drei Jahrzehnten eine Unmenge an Schriften und Aufsätzen, in denen er schrittweise eine komplexe Theorie der Gesellschaft entwickelt.
Luhmann übernimmt die grundlegende Konzeption der Betrachtung sozialer Systeme von seinem »Lehrmeister« Talcott Parsons, richtet sich allerdings im Weiteren gegen Parsons, der Elemente von Systemen als Handlungen betrachtet 5 , während Luhmann sie als Kommunikation versteht. 6 Aus dieser marginal anmutenden Kontroverse ergeben sich weitreichende theoretische und empirische Konsequenzen. Die Luhmannsche Systemtheorie lehnt sich außerdem an Betrachtungen des chilenischen Systembiologen Humberto Maturana, der sich allerdings seinerseits gegen einen Transfer seines Ansatzes in die Soziologie wendet. 7 Die Forschungsergebnisse des in die USA emigrierten Kybernetikers Heinz von Foerster fließen ebenfalls in die Systemtheorie ein. Weiterhin schöpft Luhmann aus den Gedanken des Logikers George Spencer Brown in dessen Buch »Laws of Form« von 1969. Der Hintergrund für die »Laws of Form« ist ein technisches Anwendungsproblem, für das Spencer Brown einen mathematischen Zugang sucht. 8 Luhmann räumt ihm im Theoriedesign der Systemtheorie eine tragende Rolle ein; ist fasziniert von „der spezifischen Kombination von Einfachheit und Komplexität“ 9 der »Laws of Form« und führt Spencer Brown in die deutsche Diskussion ein.
3 Vgl. Luhmann 1997, S. 11
4
Berghaus 2002, S. 16
5
Luhmann 1992, ohne Seite
6
Genaue Erläuterungen zu den Begrifflichkeiten Soziales System, Kommunikation und Element
werden in Kapitel 3.1 gemacht.
7
Vgl. http://wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann [Download 2005-04-24]
8
Vgl. Schönwälder et al. 2004, S. 22
9
Schönwälder et al. 2004, S. 246
8
2.1.2 Typik der Systemtheorie
Das Vorhandensein von Systemen (griech. to systeme »Zusammenstellung«) ist das Grundaxiom der Systemtheorie. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Theorie immer an der Unterscheidung von Systemen in Differenz zu ihrer Umwelt. Dabei schätzt sie Paradoxien und Zirkel. 10 Luhmann hat einen eigenen, hochkomplexen Begriffsapparat geschaffen, dessen Erlernen die Voraussetzung für das korrekte Verständnis der Theorie ist. Er selbst sagt, dass seine Theorie einen „Komplexitätsgrad erreicht [hat], der sich nicht mehr linearisieren lässt“. 11 Das veranlasst ihn schon früh zum Arbeiten mit einem System von Zettelkästen, deren Notizen spinnenförmig aufeinander verweisen und so die Organisation seiner komplexen Arbeit ermöglichen. Luhmann selbst gesteht ein, dass dadurch die Reihenfolge seiner Buchkapitel nur bedingt aufeinander aufbauen. 12 Dementsprechend schwierig gestaltet sich somit jeder Versuch einer linearen Abhandlung über die Systemtheorie.
Die Systemtheorie ist als Meta-Theorie auf andere Wissenschaftszweige transferierbar. Heute wird sich ihrer nicht nur von Soziologen und Pädagogen, sondern auch von Psychologen, Biologen, Physikern, Ökonomen, Informatikern und Ingeneuren bedient. Durch die Systemtheorie werden Erscheinungen und Gesetzmäßigkeiten unterschiedlicher Systeme durch einheitliche Begrifflichkeiten und Werkzeuge verstehbar gemacht. Sie erhebt Anspruch auf Universalität 13 , ist interdisziplinär ausgerichtet und macht damit eine einheitliche Betrachtung verschiedener Wissenschaftszweige möglich. In gewisser Weise richtet sich die Systemtheorie damit gegen die zunehmende Spezialisierung der Wissenschaft in immer speziellere Teildisziplinen. Kybernetik und radikaler Konstruktivismus 14 werden oft synonym gebraucht beziehungsweise als Basis der Theorie benannt.
10
Vgl. Fuchs 1997, S. 19
11
Luhmann 1984, S. 14 f
12
Vgl. Luhmann 1997, S. 1138
13
Vgl. Berghaus 2002, S. 25
14
Der radikale Konstruktivismus ist nach Willke allerdings keine zwingende erkenntnistheoretische Voraussetzung für systemtheoretisches Denken. Angemessener erscheint ihm ein reflektierter Rekonstruktivismus. (Vgl. Willke 1989, S. 65)
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Marcel Bohnert, 2005, Anything Goes? Eine systemtheoretische Betrachtung der postmodernen Gesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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