Inhalt
Einleitung 2
1. Verfasser und Inhalt des Taugenichts 3
2. Aufbau der Novelle 4
3. Charakterisierung des Taugenichts 5
4. Romantische Motive 7
4.1 Der Taugenichts als romantischer Mensch 8
4.2 Das Gottvertrauen 10
4.3 Die Natur 11
4.4 Die Italienreise 13
4.5 Das Unheimliche 16
4.6 Optische und akustische Eindrücke 18
4.7 Märchenhafte Zufälle 20
Schlussbemerkung 22
Bibliografie 23
Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff. Die Wander- und Naturpoesie Eichendorffs hat vor allem das Ziel, den Menschen aus seinen erstarrten Gesellschaftsformen und Vorstellungen zu befreien, wie der Taugenichts ein einziger, wenn auch sehr liebenswürdiger, wandernder Protest gegen die philiströsen Arbeitsversklavungen der Welt ist. 1
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den romantischen Motiven, die in der Erzählung sehr zahlreich vertreten sind. Zum besseren Verständnis werde ich zunächst kurz (und vereinfacht) den Inhalt des „Taugenichts“ wiedergeben. Anschließend werde ich eine allgemeine Charakterisierung des Taugenichts vornehmen, um den Helden der Geschichte einzuführen. Im Hauptteil der Arbeit werden schließlich die romantischen Motive besprochen: die Natur, das Gottvertrauen, die Italienreise, das Unheimliche, optische und akustische Eindrücke, sowie die märchenhaften Zufälle. Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass ich nicht alle romantischen Motive besprochen habe, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Neben den erwähnten Motiven gibt es noch die traumhaften Elemente, die Vermischung von Traum und Wirklichkeit, auch was Zeit und Ort anbelangt. Darauf werde ich jedoch, wie bereits gesagt, nicht näher eingehen.
1 Vg l. Wilhelm Emrich: Dichtung und Gesellschaft bei Eichendorff. In: Eichendorff Heute. Stimmen der Forschung mit einer Bibliografie. Hrsg. von Paul Stöcklein. München: Bayrischer Schulbuchverlag 1960, S. 60.
2
1. Verfasser und Inhalt des „Taugenichts“
Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) wurde auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien geboren. Er studierte in Halle und Heidelberg Philosophie und Jus. In der Zeit von 1813 – 1815 nimmt er an den Befreiungskriegen teil und verdient später seinen Lebensunterhalt als Beamter in Breslau, Berlin und Königsberg. 2 Zu seinen bekanntesten W erken zählen, neben dem „Taugenichts“, unter anderem „Ahnung und Gegenwart“, „Das Marmorbild“ und „Schloss Dürande“.
Die 1826 erschienene, märchenhafte Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ schildert den mit Glück und Zufall gepflasterten, abenteuerlichen und doch verwirrenden Lebensweg eines gesellschaftlich ausgegrenzten Jünglings. Im Folgenden werde ich den Inhalt kurz schildern, wobei ich darauf hinzuweisen möchte, dass die Geschichte eigentlich wesentlich verworrener ist, als sie hier wiedergegeben wird. Der Leser wird ebenso wie der Titelheld erst am Ende der Geschichte über alle Missverständnisse und wunderlichen Begebenheiten aufgeklärt.
Der Taugenichts wird von seinem Vater in die weite Welt geschickt, damit er endlich sein eigenes Brot verdient. Bisher hat er das Geigespielen und Singen dem Arbeiten vorgezogen. Durch seine Liebe zur Natur und zu den einfachen Dingen des Lebens unterscheidet er sich stark von dem Rest der Gesellschaft und sucht nun mit seiner Geige im Gepäck ganz allein sein Glück.
Die Reise des Taugenichts ist verwunderlich und von Missverständnissen und Zufällen geprägt. Trotz seiner Faulheit bekommt die Hauptfigur gleich zu Anfang eine Stelle als Gärtner und Zolleinnehmer in einem Schloss in Wien, wo er sich sofort in eine schöne Frau namens Aurelie verliebt, die er für die Gräfin hält. Als er jedoch glaubt, dass sie schon vergeben sei, begibt er sich enttäuscht auf den Weg nach Italien.
Zusammen mit zwei vermeintlichen Malern, die er unterwegs trifft, setzt er die Reise fort. Bei den beiden handelt es sich jedoch um ein Liebespaar: eigentlich ist ein Maler ein Graf, der sich mit seiner verkleideten Geliebten auf der Flucht befindet. Der Taugenichts dient ihrem Plan, indem sie ihn in ihrer Kutsche auf ein Schloss in Italien bringen lassen, sodass er für die Gräfin gehalten wird, und das Liebespaar ungehindert weiterreisen kann. Der Taugenichts versteht jedoch nicht, was mit ihm geschieht und flüchtet nach weiteren Missverständnissen nach Rom. Auch dort ist der Protagonist in r eichliche Abenteuer verwickelt. Nachdem er
2 Vgl. Gerald Rainer u.a.: Stichwort Literatur. Geschichte der deutschsprachigen Literatur. 6. Aufl. Linz: Veritas 1998, S. 171.
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seine Angebetete zu finden geglaubt hat, und erneut enttäuscht wird, hat er genug von Italien und kehrt mit drei Musikanten, die er zufällig an der Grenze zu Österreich trifft, nach Wien zurück.
Dort stellt sich heraus, dass die „Gräfin“ Aurelie in Wahrheit die Nichte des Portiers ist. Alle Missverständnisse werden aufgedeckt und es kommt zu einem glücklichen Ende. Der Taugenichts und Aurelie heiraten und bekommen zudem noch als Dank für die Hilfe bei der verdeckten Flucht ein Schloss vom Grafen geschenkt.
2. Aufbau der Novelle 3
Die Novelle gliedert sich in 10 Kapitel, wobei ein kreisförmiger Aufbau zu erkennen ist. Jeweils 2 Kapitel gehören zusammen und Anfang und Ende sind aufeinander bezogen. Des Weiteren ist anzumerken, dass nach jedem zweiten Kapitel ein Aufbruch stattfindet und der Taugenichts einen neuen Ort aufsucht.
Der innere Aufbau der Novelle lässt sich in drei Abschnitte gliedern: der Aufenthalt in Wien, die Reise nach Rom und die Rückkehr nach Wien. Eichendorff streut in die einzelnen Kapitel auch immer wieder Lieder ein, womit die jeweilige Stimmung des Taugenichts ausgedrückt und das kommende Geschehen vorausgedeutet wird. Die Novelle ist ausschließlich in der Ich- Perspektive geschrieben, was zur Folge hat, dass man nur über jene Geschehnisse bescheid weiß, die der Taugenichts selbst erlebt oder von anderen Personen erfahren hat. Dadurch ist der Hergang der Geschichte auf die subjektive Schilderung des Erzählers eingeschränkt, was dazu führt, dass der Leser ein besonders tiefes Gefühl der Verbundenheit mit dem erzählenden Ich erfährt.
Das Leitmotiv der Novelle ist das Wandern, das Dingmotiv ist die Geige, die der Taugenichts immer mit sich trägt.
3 Vgl. http://www.re.shuttle.de/re/mcg/deutsch/taugeni.htm#Inhalt%20und%20Thema%20der%20Novelle (Stand: 15.06. 2004)
4
3. Charakterisierung des Taugenichts
Das wohl auffallendste Merkmal des Helden ist, dass während der gesamten Erzählung niemals sein Name genannt wird. Zu Beginn der Handlung wird er von seinem Vater als Taugenichts bezeichnet:
„Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde, und lässt mich alle Arbeit alleine tun.(...) Geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.“ 4
Für den Rest der Geschichte bleibt diese Bezeichnung an ihm hängen. Nur hin und wieder finden verschiedene Leute andere Namen für ihn. So wird er etwa als „ Bengel“ (S.11), „Lümmel“ (S.23), „Faulenzer“ (S.29) oder „Narr“ (S.78) betitelt Auch sich selbst nennt er einmal einen Narren. Auf seiner Italienreise wird er von einem Papagei als „furfante“ (S. 69) bezeichnet, was auf Deutsch „Spitzbube“ oder „Strolch“ bedeutet.
Auch über das Aussehen und Alter des Taugenichts erfahren wir relativ wenig, er scheint jedoch ein recht hübscher und junger Bursche zu sein, da ihm die Sympathien der jungen Mädchen, die er unterwegs trifft, sicher sind. Auf dem Schloss in Italien blickt er einmal in einen Spiegel und kommentiert sein Aussehen folgendermaßen:
„Sonst aber war ich grade noch so ein Milchbart, (...) nur auf der Oberlippe zeigten sich erst ein paar Flaumfedern.“ (S.49)
Dass er attraktiv sein dürfte, geht auch aus einer Äußerung von Guido/Flora hervor: „Come è bello.“ [Wie schön er ist.](S. 39).
Zu Beginn der Novelle gewinnt man den Eindruck, dass der Taugenichts ein fauler Nichtsnutz sei, wie ja auch sein Name impliziert.
Der Taugenichts hat jedoch einen guten Charakter, er ist zu allen freundlich und höflich, begrüßt Fremde und erfreut die Leute durch seine Musik. Er ist auch sehr ehrlich, so stiehlt er niemals etwas und will auch für sein Musizieren kein Geld a nnehmen. Durch sein sympathisches und einnehmendes Wesen hat er nie Probleme, jemanden zu finden, der ihm etwas zu essen spendiert. Auch über Quartiere für die Nacht muss er sich nie Gedanken machen, da er ohnehin meist im Freien schläft.
Dabei ist er jedoch auch ziemlich naiv, wie aus seiner Art die Geschehnisse zu schildern, hervorgeht.
4 Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts. Durchgesehene Ausgabe 2001. Stattgart: Reclam 2001 (=universalbibliothek. 2354.), S. 5. Im Folgenden werde ich bei wörtlichen Zitaten die Seitenzahl unmittelbar nach dem Zitat in Klammern angeben.
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Christine Jeremias, 2004, Romantische Motive in Josephs von Eichendorffs Novelle 'Aus dem Leben eines Taugenichts', Munich, GRIN Publishing GmbH
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