Einleitung
In den letzten fünf Jahrzehnten haben der Hörfunk und vor allem das Fernsehen an Bedeutung gegenüber den Printmedien beträchtlich zugenommen. In der Gesellschaft nimmt das Fernsehen eine so bedeutsame Rolle ein, dass es oft sogar als „Leitmedium“ bezeichnet wird. Doch wenn etwas in einer Gesellschaft eine leitende Rolle einnimmt, trägt es auch eine gewisse Verantwortung für die Vorgänge und Entwicklungen, die in einer Gesellschaft stattfinden.
„Die Monopolstellung des öffentlich - rechtlichen Rundfunks sorgte für jene anstaltsartige Empfangssituation, in der das wahllose Publikum öffentlicher Rundfunkanstalten (...) zu sehen und hören hatte, was die Anstaltsleitung ihm vorsetzte und insoweit am staatsbürgerlichen Unterricht teilnehmen musste (...). Dieses Rundfunksystem galt (...) als unverzichtbare Politikvermittlungsquelle, wenn nicht als Wesenselement der westdeutschen Demokratie überhaupt.“ (Marcinkowski, 1998, S. 168) Seit der Einführung des dualen Rundfunksystems Mitte der 80er Jahre ist das Angebot an privaten Fernsehsendern schnell gestiegen. Diese privaten Sender unterliegen jedoch in geringerem Maße der Verpflichtung politisch zu informieren und kulturell zu bilden. Sie folgen einer unbedingten Quotenorientierung und schneiden dementsprechend ihre Programmformate auf die Zuschauerinteressen zu. Das soll nicht heißen, dass die Zuschauer nicht mehr politisch informiert werden wollen. Doch der Mensch hat meist die Angewohnheit den Weg des geringsten (geistigen) Widerstandes zu gehen, was vermutlich auch auf die Informationsaufnahme zutrifft. So machte sich schon zu Beginn des dualen Rundfunksystems die Befürchtung breit, aus den bisher sachlich und neutralen Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen
1
Rundfunks könnten sich sogenannte „Infotainment“ -Sendungen entwickeln.
„Im Hinblick auf die bis dahin gültige Funktionszuweisung an den Rundfunk ergab sich daraus zunächst die Konsequenz, dass die gewohnten Politikvermittlungsleistungen von dem privatwirtschaftlichen Teil des Rundfunks nicht mehr ohne weiteres erwartbar waren. Außerdem stand zu vermuten, dass auch der öffentliche Rundfunk unter dem Eindruck dieser unmittelbaren und ungewohnten Konkurrenz sein Leistungsspektrum verändern könnte, auch im Hinblick auf die bisher gewohnte Art und Weise der Politikvermittlung.“ (Marcinkowski, 1998, S. 169)
In Anlehnung an mein Referat im Seminar möchte ich nun in dieser Arbeit auf Grundlage der Erkenntnisse einiger Autoren darstellen, ob und inwieweit eine qualitative Annäherung von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten im Bereich der Politikvermittlung stattgefunden hat.
1. Fernsehen und Hörfunk als Politikvermittler
Heutzutage wird das Fernsehen meist selbstverständlich als Hauptvermittler von politischen Vorgängen und Ereignissen angesehen. Doch eigentlich möchte man meinen, dass die politische Erziehung durch andere Institutionen, wie Schule, politische Parteien und
Interessensgruppen und nicht zuletzt durch die elterliche Erziehung erfolgt. Sicher haben die Eltern wie in allen Erziehungsfragen auch bei der politischen Erziehung einen prägenden Einfluss. Aber was macht den Unterschied und die besondere Rolle der elektronischen Medien im Vergleich zu den genannten Institutionen bei der Politikvermittlung aus? Frank Marcinkowski meint dazu:
2
„Nachdem Fernsehen und Hörfunk in der Bundesrepublik Deutschland flächendeckend verbreitet sind, besteht ihre besondere Qualität offenbar in ihrer einzigartigen Reichweite. Während Eltern, Lehrer und sonstige Ausbilder die Bürger immer nur ein recht kleines Stück ihres Lebensweges begleiten, sind die elektronischen Medien praktisch ein Dauergast, sie verfolgen den Menschen fast sein ganzes Leben lang. (...) Die soziale Reichweite von Fernsehen und Hörfunk kommt darin zum Ausdruck, dass sie unvergleichlich viele Menschen mit der Politik in Kontakt bringen können, und zwar auch solche, die ansonsten nicht erreichbar wären. (..) Obwohl alle genannten Institutionen wichtige Beiträge zur
Politikvermittlung leisten, bieten folglich nur die elektronischen Medien eine Gewähr für permanente Ansprache und eine hohe Zahl von Angesprochenen.“ (Marcinkowski, 1998, S. 167-168) Auch Klaus-Dieter Altmeppen und Martin Löffelholz bestätigen diese Annahmen mit ihren Aussagen:
„Das Fernsehen gilt ‚als wichtigstes politisches Massenmedium und Vermittlungsinstanz zwischen dem politischen System und den Bürgern’ .(Barbara Pfetsch, 1996, S. 479) Hohe Reichweiten fördern seine Stellung als zentrales Darstellungsinstrument für Politik. Damit, so die Annahme, trägt das Fernsehen erheblich zur Legitimierung des politischen Systems bei.“ (Altmeppen und Löffelholz, 1998, S. 118) Die genannten Autoren räumen dem Fernsehen also einen enormen Stellenwert als Politikvermittler ein und begründen dies vor allem mit der großen Reichweite des Mediums. Marcinkowski nennt jedoch noch weitere Voraussetzungen, die notwendig sind, damit die elektronischen Medien eine Berechtigung als Politikvermittler besitzen können: - Politische Informationen müssen einen namhaften Stellenwert im Programm besitzen.
3
- Die Qualität der Information und ihrer Vermittlung muss dazu angetan sein, Politik besser durchschaubar zu machen, als sie im Alltagsleben zu durchschauen ist.
- Es muss eine gewisse Gleichgewichtigkeit und Vielfalt politischer Meinungen und Interessen in den Rundfunkprogrammen vertreten sein.
- Die Politikvermittlungsangebote in den elektronischen Medien müssen auf ein großes Interesse und eine dementsprechend breite Nutzung in der Bevölkerung treffen. (vgl. Markinkowski, 1998, S. 168)
Bis zur Entstehung des dualen Rundfunksystems gab es an der Erfüllung dieser Voraussetzungen kaum Zweifel, da diese weitestgehend durch den öffentlichen Rundfunkauftrag gewährleistet wurden. Grundlegende gesetzliche Vorgaben gelten zwar auch für den privaten Rundfunk, doch bis heute besteht eine häufige Kritik darin, dass besonders Nachrichten-und andere Politikinformationssendungen Qualitätsverluste seit der „Dualisierung“ aufweisen.
2. Hat sich die Politikvermittlung im dualen
Rundfunksystem verändert?
2.1 Die Konvergenzhypothese
Die Befürchtungen eines Qualitätsverlustes begründen sich vor allem darin, dass zwei Teilsysteme mit unterschiedlicher Funktionsweise bzw. mit unterschiedlichen Interessen aufeinandertreffen. Auf der einen Seite stehen die privaten Rundfunkanbieter mit einem Gewinnerzielungsinteresse und einer damit verbundenen
4
Arbeit zitieren:
Gavin Benedikt, 2002, Die Situation der Politikvermittlung im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Uses and Gratifications Approach
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 34 Seiten
"gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) - "für ...
Vorpaulinische und paulinische...
Hausarbeit (Hauptseminar), 61 Seiten
Qualitätsmanagement an Schulen
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 32 Seiten
Qualitätsmanagement als Beitrag zur Schulentwicklung - Was kann das EF...
Eine empirische Untersuchung i...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Masterarbeit, 156 Seiten
Migrationstheorien - ein Überblick
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Organisationsentwicklung - Schulentwicklung
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 18 Seiten
Eine Untersuchung zu Jugend und Politik – empirische Befunde
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 40 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Solidarität - eine Rechtspflicht?
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Planspiel - Aufgaben und Funktion der Spielleitung
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 17 Seiten
Projekt- und Prozessmanagement
Darstellung der praktischen An...
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Hausarbeit, 27 Seiten
Die Hartz IV-Bestimmungen - Reformversuche für den Sozialstaat
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Die neue Steuerung im Bereich der allgemeinbildenden Schulen
Maßnahmen, Management, Sicheru...
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Politikvermittlung in den Medien
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Vordiplomarbeit, 27 Seiten
Das Modellprojekt 'Selbstständige Schule' in NRW vor dem Hinte...
Hausarbeit, 18 Seiten
Auswirkungen der internationalen Migration auf die Arbeitsmärkte von Z...
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Verhaltenswissenschaftliche Aspekte des Projektmanagements
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Studienarbeit, 21 Seiten
Gavin Benedikt hat den Text Die Situation der Politikvermittlung im deutschen Fernsehen veröffentlicht
Gavin Benedikt hat einen neuen Text hochgeladen
History of the Great and Mighty Kingdome of China and the Situation Th...
Juan Gonzalez de Mendoza, Juan Gonzalez De Mendoza, Juan Gonz Lez De Mendoza
Honours and Awards of the German States.(Die Ehrenzeichen Des Deutsche...
Von Hessenthal Schreiber
Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizeri...
Supplement 3, Band 30
M. F. Fey
Hitler's Day of German Art 1939 / First Published as 'Tag Der Deutsche...
Joachim Von Halasz
Heidenfrage Und Slawenfrage Im Deutschen Mittelalter: Ausgewahlte Stud...
Hans-Dietrich Kahl
0 Kommentare