1. Einleitung 2
2. Beschreibung des Videos „Express yourself“ 3 3. Der Siegeszug der weiblichen Sexualität und die Abneigung gegenüber körperlichen Festlegungen 5 3.1. Madonnas Verhältnis zur Sexualität 5
3.2. Rollensprünge als Widerstand gegen geschlechtliche Rollenzuweisungen 7 3.3. Madonnas Spiel mit der Ambivalenz 8
4. Untersuchung der Beziehungen zwischen Text-, Bild- und Musikebene 10 4.1. Filmtechnische Aspekte 10 4.2. Beziehung zwischen Text- und Bildebene 11 4.3. Musikalische Ebene 14
5. Fazit 14
6. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Der Musikvideoclip „Express yourself“ aus dem Album „Like a prayer“ wurde im Mai 1989 erstmals über MTV ausgestrahlt. Es war der erste Clip nach der skandalösen Veröffentlichung von „Like a prayer“. Der Song erreichte den zweiten Platz der amerikanischen „Billboards“, jedoch waren die Verkaufszahlen des Albums nicht so hoch wie die der Vorgänger. Dennoch wurde es von der Presse als das bisher künstlerisch hochwertigste Werk von Madonna angesehen. Da Ma- donna großen Wert auf das Einbringen eigener Ideen in dieses Video gelegt hat,
beteiligte sie sich mit einer Million Dollar an den Produktionskosten. In der folgenden Analyse soll Madonnas sexuelles und ökonomisches Machtstreben aufgezeigt werden. Anhand der Untersuchung ihres sprunghaften Rollenverhaltens, ihrer aggressiven Einstellung zur eigenen weiblichen Sexualität und dem Spiel mit der Ambivalenz in „Express yourself“ soll veranschaulicht werden, dass Madonna für sich jede Art von Kategorisierung ablehnt und letztlich möglichst viel Raum für Spekulationen bieten möchte. Madonnas Demonstration aggressiver
Dominanz weiblicher Sexualität gegenüber dem Patriarchat versucht auch die Untersuchung von Text-, Bild- und Musikebene und die Analyse der Beziehung der Ebenen zueinander zu vermitteln. 2. Beschreibung des Videos „Express yourself“
Das Musikvideo „Express yourself“ wird eingeleitet durch den Blick auf eine verregnete Großstadt bei Nacht. Die sehr dunkle und kalte Atmosphäre wird unterstützt durch eine blaue bis schwarze Farbgebung. Es folgt eine Szene, in der Madonna auf dem Rücken eines riesigen, steinernen Vogels vor hellem Hintergrund das Publikum fragt, ob es noch an die Liebe glaube. Sie ruft weiter, dass sie im folgenden Clip ihre Vorstellungen von Liebe mitteilen möchte. Nach diesen einleitenden Worten wird die erste von zwei Ebenen eingeblendet. In dieser ersten Ebene sieht man eine unterirdische Fabrik, in der Männer mit nackten Oberkörpern schwer arbeiten. Die Kamera konzentriert sich dabei auf einen bestimmten Arbeiter, der im Folgenden eine wichtige Rolle spielen wird. Unmittelbar darauf erscheint Madonna in der zweiten Ebene. Sie wendet sich dabei an ein weibliches Publikum und singt, dass die Frauen ihr Selbstvertrauen steigern und ihre Männer dazu bringen sollen, sie so sehr zu lieben, bis sie von ihnen wie eine Königin verehrt werden. Diese Worte erklingen durch einen Lautsprecher hindurch in die untere Ebene, wo sie ein Verhandlungsgespräch zwischen dem Fa- brikchef und einem Verhandlungspartner unterbrechen. Der Chef wendet seinen Blick besorgt in Richtung des Lautsprechers und anschließend hinunter in die Fa- brikhalle, da er bemerkt hat, dass auch der erwähnte Arbeiter aufmerksam
auf die Geräusche geworden ist.
In der folgenden Szene liegt der Arbeiter auf seinem eisernen Bettgestell, woraufhin Madonnas Gesicht wie eine Fata Morgana in seinem Blickfeld erscheint und ihn zum Aufspringen veranlässt. Nun erscheint Madonna in der Fabrikhalle und vollzieht einen obszönen Tanz auf einer Treppe direkt vor den Augen der überraschten Arbeiter. Dabei fordert sie die Frauen auf, ihre Liebe zu überprüfen, indem sie die Männer dazu bringen, ihr Innerstes zu enthüllen. In der nächsten Szene erscheint Madonna gefesselt auf ihrem Bett liegend. Die Kamera blendet dabei Szenen des Fabrikchefs ein, der mit einer Fernbedienung eine männliche Band in einem Glaskasten wie Marionetten ein- und ausschalten kann und beim Anblick der Musiker einen lüsternen Gesichtsausdruck annimmt. Kurz wird Madonnas schwarze Katze eingefangen, die sich nun auf dem Weg in die Fabrikhalle befindet und in den Armen des Arbeiters landet. In der nächsten Szene bewegt sich Madonna wie ihre Katze auf allen Vieren auf dem Fußboden. Dies scheint der Arbeiter verstanden zu haben und steht aus seinem Bett auf, um sich auf den Weg in Madonnas Tempel zu machen. Als er in einen Fahrstuhl steigt, ergießt sich eine Welle von Milch, die Madonna gerade in ihrem Tempel über ihre Schultern fließen lässt, über sein Gesicht. Schließlich landet er in ihrem Schlafgemach. In diesen Teil werden kurze Szenen aus der Fabrikhalle eingestreut, wo die Arbeiter untereinander schwere Ringkämpfe austragen. Als sich eine erotische Begegnung der beiden andeutet, schließen sich große Stahltüren, so dass weitere Blicke verwehrt werden. Der Clip endet mit der geschriebenen Zeile „Without the heart there can be no understanding between the hand and the mind“. Damit fasst Madonna ihre Textaussagen zusammen, indem sie für emotionale Verständigung statt materiellen Reichtum in einer Beziehung plädiert.
3. Der Siegeszug der weiblichen Sexualität und Madonnas Abneigung gegenüber körperlichen Festlegungen 3.1. Madonnas Verhältnis zur Sexualität
In der „Penthouse-Szene“ am Anfang des Videos hält Madonna eine schwarze Katze in ihrem Arm. Im Hintergrund erkennt man deutlich, wie durch das Fenster die Silhouette eines Schornsteins hindurchschimmert. Diese phallische Konstruktion, neben der Katze, die umgangssprachlich auch „Pussy“ genannt wird, legt die Vermutung nahe, dass hier der sexuelle Machtkampf zwischen Mann und Frau symbolisiert werden soll. 1 In diesem Machtkampf behält Madonna die Ober-hand, da ihre Stellung aufgrund der Einteilung des Videos in Ober- und Unterwelt eindeutig dominant ist.
In dem Video sind klare Anspielungen auf den Film Metropolis auszumachen. Das Grundmotiv dieses Films ist die Bedrohung eines bestehenden Herrschaftssysystems durch weibliche Sexualität. 2 Bezüge zum Film sind beispielsweise die Aufteilung in Ober- und Unterwelt, die Verbindung beider Welten durch einen Fahrstuhl, Aufnahmen von drehenden Maschinenrädern sowie die Schrifttafel am Ende des Clips. In „Express yourself“ wurde der ursprüngliche Satz aus Metropolis „The heart mediates between hand and brain“ 3 abgeändert zu „Without the heart there can be no understanding between hand and the mind“. In der Moloch-Szene von Metropolis folgt ein Mann nach einem Spiel in den „ewigen Gärten“ 4 einer Frau in eine unterirdische Fabrik, wo eine Explosion stattfindet und der Mann schließlich in Ohnmacht fällt. Später verarbeitet er den Alptraum in der Halluzination des menschenverschlingenden Molochs. Die Funktion dieser Szene ist neben der Gefährdung des Menschen durch unkontrollierbare Technik auch die Bedrohung durch weibliche Sexualität, welche auf die Technik
1 Vgl. Grigat, Nicoläa: Madonnabilder. Dekonstruktive Ästhetik in den Videobildern Madonnas. Frankfurt a.M. 1995, S. 62.
2 Vgl. Ebd., S. 63.
3 Ebd., S.62.
4 Ebd., S. 63.
Arbeit zitieren:
Marco Antonic, 2000, Madonnas "Express yourself": Die Dominanz der weiblichen Sexualität einer postmodernen Femme fatale, München, GRIN Verlag GmbH
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