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I. Teil
Buddhismus - Die drei bedeutendsten Jünger und Vorbilder:
Sariputra , Kasyapa und Ananda 3
1. Einleitung 3-4
2. Philosophie: Sariputra, Vorläufer des Abhidharma-Pitaka (Korb der
Metaphysik , oder: Korb der scholastischen Texte) 4-5
2.1 Der Abhidharma-Pitaka 5-7
2.2 Sariputra auf Seite der Mahayanins? 7-8
3. Disziplin: Kasyapa, Patriarch des Zen-Buddhismus (Vinaya-Pitaka:
Korb der Mönchsdisziplin) 8
3.1 Kasyapa vs. Ananda 9
3.2 Das erste Konzil 9-10
3.3 Die Patriarchen 10-11
3.4 Bodhidharma 11-12
3.5 Definition des Zen 12-13
4. Lehre: Ananda und der Sutra-Pitaka (Korb der Lehrreden) 13
4.1 Das Buddha-Dharma 13-14
4.2 Die drei Konzile 14-15
5. Zusammenfassung 15-16
II. Teil:
Das Christentum: Die vier Evangelien 16
1. Einleitung Christentum 16-17
2. Das Markus-Evangelium 17
-1-
3. Das Matthäus-Evangelium 17-18 4. Das Lukas-Evangelium 18-19 5. Das Johannes-Evangelium 19-20 6. Der Apostel Paulus 20-22
7. Die Entstehung der verschiedenen christlichen Kirchen 22 7.1 Martin Luther 23
7.2 Katholiken vs. Evangelen 23-25
8. Fazit 26
Quellen 27-29 Anhang 29
-2-
I. Teil
Buddhismus - Die drei bedeutendsten Jünger und Vorbilder: Sariputra, Kasyapa und Ananda 1
1. Einleitung
Alles, was man vom Buddha und seiner Lehre weiß, weiß man von seinen Jüngern. Er schrieb nicht, er redete. Auch seine ersten Jünger schrieben noch nichts auf. Die mündliche Überlieferung schien zuverlässiger und lebendiger. 2 Erst viel später wurde das mündlich Tradierte schriftlich fixiert. Auch Jesu Christi Taten und Worte wurde nur sehr indirekt überliefert, wiederum durch einige treue Anhänger, und “Berichterstatter“, die ihre Informationen aus zweiter, oder dritter Hand erhielten. Es sind die sog. Evangelisten.
Durch genauere Untersuchung werden charakteristische Unterschiede der ersten buddhistischen und der christlichen Jünger deutlich. Es waren jeweils sehr verschiedenartige Persönlichkeiten, mit eigener Meinung, Stil und Redewendungen und infolgedessen auch verschiedener Grund- oder Hauptaussagen.
Die Zen-Meister Japans berufen sich z.B. auf den Jünger Kasyapa, Martin Luther gewann viele seiner Eingebungen aus den Schriften des Apostels Paulus. Einige Jünger kann man “Patriarchen“ einer bestimmten Glaubensgemeinde nennen, manche waren Inspiration, manche verehrtes Vorbild.
Man kann die unterschiedlichen Jünger und Evangelisten als Prototypen der späteren Richtungen des Buddhismus, bzw. des Christentums ansehen. Sie stehen für die unterschiedlichen Aspekte, welche den buddhistischen und
1 Anm.d.Verf.: Ich werde zur Vereinfachung nur die (moderneren) Sanskritbegriffe und Namen statt Pali
verwenden.
2 Vgl. Schmidt, Kurt: Buddha und seine Jünger. Konstanz: Verlag Christiani, 1955. S. 9-13.
-3-
den christlichen Glauben so faszinierend und vielschichtig machen. Ein Aspekt alleine kann kaum bestehen, erst in allen Facetten ergibt sich das komplette Bild.
In meiner Arbeit habe ich versucht, eben dieses Bild, und seine Ursprünge, nachzuzeichnen. Den Schwerpunkt werde ich dabei auf den Buddhismus legen, mit den Evangelien der Christenheit befasse ich mich dann im zweiten Teil der Arbeit.
2. Philosophie: Sariputra, Vorläufer des Abhidharma-Pitaka
(Korb der Metaphysik, oder: Korb der scholastischen Texte)
Von den fünf ersten Jüngern des Buddha hat nur Assaji für den Sangha 3 und seine weitere Geschichte eine Rolle gespielt. Assaji traf in Rajagaha auf Sariputra, welcher kurz darauf (zusammen mit seinem Freund Moggallana) von seinem bisherigen Lehrmeister Sanjaya zum Buddha übertrat. 4 (Auf die allerersten fünf Jünger gehe ich hier nicht näher ein, da außer über Assaji wenig überliefert ist). Sariputra war nun immer in der Nähe Buddhas, und erlangte bald das Nirvana (während einer Diskussion des Buddha mit einem Samanen (Art Atheist) und Vertreter des Pessimismus): “Mühelos und mit schneller Durchschauung“. 5
Sariputra verzichtete aber bewußt auf die übernatürlichen Fähigkeiten, die Buddha angeblich erlangt hatte, und die auch einige seiner Jünger besessen haben sollen: die Fähigkeit sich seiner früheren Existenzen zu erinnern, Hellsehen, Telepathie, Gedankenlesen, und Kommunikation mit übermenschlichen Wesen.
So charakterisierte sich Sariputra als nüchternen Denker, bei dem Gefühl und Phantasie zurücktreten. Er war also ein Philosoph.
3 Sangha, oder Samgha: Buddhistischer Mönchsorden.
4 Schmidt, S. 14-16.
5 Ebd., S. 18.
-4-
Sariputra und Moggallana wurden von Buddha gelobt, und erhielten schließlich eine Stellung, die ihnen damals auch schon Sanjaya in seiner Gruppe angeboten hatte. Bei Nachfragen sollten sich die anderen Bhikkhus 6 nun an die beiden wenden. Daher sind im Pali-Kanon viele Lehrreden überliefert, die Sariputra anstelle von Buddha (vor dem Sangha) gehalten hat.
Sariputra bevorzugte bei seinen Lehrreden abstrakte und philosophische Begriffe, im Unterschied zum Buddha, der mit Gleichnissen und Bildern arbeitete.
Z.B. Beschreibung des Nirvana beim Buddha: „Dort glänzt kein Stern, die Sonne strahlt dort nicht, dort scheint kein Mond und auch kein andres Licht, und doch ist keine Finsternis zu sehen“. 7 Sariputra bediente sich dagegen eher einer nüchternen Sprache: „Das Verschwinden von Begierde, das Verschwinden von Haß, das Verschwinden von Verblendung, dies wird Nirvana genannt“. 8
Sariputra wurde etwa 80 Jahre alt. Er starb wahrscheinlich kurz vor dem Buddha; dass er im Mahaparinirvana-Sutra noch als lebend beschrieben wird, ist wahrscheinlich ein Irrtum. Hans Wolfgang Schumann ist der Meinung, Buddha hätte den Sariputra andernfalls womöglich als Nachfolger einsetzen wollen. 9
2.1 Abhidharma-Pitaka
Sariputra ist laut Schmidt ein Vorläufer und das Vorbild der philosophischen Scholastiker, die erst später den Abhidharma, den Korb der Metaphysik, verfassten. 10 Es sind aber keine einzelnen Personen überliefert, die daran geschrieben haben.
6 Bhikkhu: (Männlicher) Buddhistischer Mönch.
7 Schmidt, S. 19.
8 Ebd.
9 Schumann, Hans Wolfgang: Handbuch Buddhismus. Kreuzlingen; München: Diederichs, 2000. S. 37.
10 Schmidt, S. 20.
-5-
Schumann wiederum kann außerdem den Tübinger Indologen H. von Glasenapp nennen, der in seiner “Dharma-Theorie“ davon ausgeht, dass Dharma in manchen Texten nicht nur “Lehre“, und “Denkinhalt“ bedeutet, sondern die substanzlosen Daseinsfaktoren bezeichnet. Und eben die Theorie der leeren Dharmas in seiner ausgestalteten Form ist vermutlich das Werk früher Scholastiker. Nämlich Philosophen, die (wahrscheinlich mit frühen Jüngern wie Sariputra als Vorbild) erst nach Buddhas Tod das Abhidharma-Pitaka schufen. Laut Schumann wurde dieser Korb erst im Mahayana-Buddhismus bedeutend. 11
Die Interpretation der Person als Produkt kurzlebiger, unpersönlicher Daseinsfaktoren (Dharmas), ist geeignet, dem Menschen die Ichsucht und den Glauben an eine unzerstörbare Seele auszutreiben. Man selbst, das Subjekt, ist nur eine momentane Verbindung von Dharmas, die ständig im Fluss sind, und nichts Wesenhaftes an sich haben. 12
Der Scholastiker Buddhaghosa (5. Jrh.) beschreibt dies in seinem Buch “Der Weg zur Läuterung“ (Visuddhimagga) so:
Nur Leid gibt’s, doch keinen Leider,
keinen Täter gibt’s, doch die Tat,
Verlöschen gibt’s, keinen Verloschnen,
keinen Geher gibt’s, doch den Pfad. (Vism 16,90) Nicht gibt’s einen Täter des Kamma
Und keinen, an dem es reift:
Es bewegen sich reine Dhammas -So (weiß, wer es) richtig begreift. (Vism 19,20) 13
Dennis Lingwood ist außerdem der Meinung, dass für die Theravadins 14 der Abhidharma vom Buddha selbst gelehrt worden ist. Der Meister habe demnach die Lehre dem Sariputra dargelegt, welcher dann den Abhidharma den anderen Mönchen erklärte.
Die Sarvastivadins, Anhänger einer anderen Schule des Hinayana, allerdings seien der Meinung, Buddha hätte den Abhidharma zwar
11 Vgl. Schumann, S. 150-152.
12 Ebd.
13 Ebd., S. 152.
14 Theravada: “Lehre der Älteren“. Älteste Schule des Buddhismus.
-6-
dargelegt, die Bücher des Abhidharma-Pitaka, -also die Ausformulierung-, seien aber das Werk seiner engeren Schüler. 15
2.2 Sariputra auf Seite der Mahayanins?
Ungefähr im 1. Jahrhundert v. Chr. kam eine neue Denkrichtung auf, die auch Transzendenz-Ideen und Glaubenssehnsüchte der Volksfrömmigkeit beinhaltete. Das Mahayana, das “große Fahrzeug“ über den Leidensozean, sollte auch die ethisch Schwachen zur Erlösung führen. Bodhisattvas, Erleuchtete Wesen, die im Samsara 16 verbleiben, um andere auf dem Weg zum Nirvana zu helfen, viele Götter, Buddhas und Zwischenparadiese bevölkern diese neue Vorstellungswelt. 17
Der Theravadin, der Anhänger der alten Schule, will die Welt und ihr Leiden überwinden, der Mahayanin an erster Stelle den Wesen helfen. Der Kühle des Frühbuddhismus begegnete das Mahayana mit Gefühlswärme und Buddhaverehrung. Auch wurden nun Steinplastiken und Bilder von Buddha zugelassen. 18
Die Theravadins argumentierten vermutlich so: Dass das Mahayana die Lehre Buddhas verfremde; dass die Erlösung aller Wesen ein unerreichbares Ziel darstelle; und dass alle Heilswege, die auf Hilfe von außen hoffen, ins samsarische Dickicht führen. Die Gegenargumente sind in alten Mahayana-Sutras zu finden: Die Theravadins seien “Erlösungs-Egoisten“, die nur sich selbst zum Nirvana führen wollen. Die Aussage, sie würden Buddhas Lehre verzerren, konterten die Mahayanins, indem sie behaupteten, Sariputra hätte gesagt, der Buddha habe seine Lehre von Anfang an in voller Ausführlichkeit (nämlich in Form des Mahayana) dargelegt. Die frühen Mönche, und Sariputra selbst, seien aber in ihrer Eile nur imstande gewesen, den Anfangsteil, nämlich das “Kleine Fahrzeug“ (Hinayana) zu verstehen. Erst
15 Lingwood, Dennis: Das Buddha-Wort. Essen: Magnus Verlag, 1985. S. 101f.
16 Samsara: Bedingte Welt, Illusion, Wiedergeburtenkreislauf.
17 Anm.d.Verf.: Der historische Buddha hätte vermutlich eher nicht zugestimmt.
18 Schumann, S. 162f.
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Arbeit zitieren:
Ralf Klossek, 2005, Botschafter der Weisheit - Weitergabe der Lehren Buddhas und Jesu Christi durch die ersten Anhänger und Veränderung durch die Jahrhunderte, München, GRIN Verlag GmbH
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