Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffserklärungen
2.1 Dissozialität 4
2.2 Delinquenz 4
2.3 Verwahrlosung 5
2.4 Verhaltensstörungen 6
3. Klassifikation gemäss ICD-10 6
4. Störungen des Sozialverhaltens im Kindesalter
4.1 Klinik: Differentialdiagnose und Komorbidität 7
4.2 Diagnostik 8
4.3 Ätiologie und Epidemiologie 9
5. Störungen des Sozialverhaltens im Jugendalter
5.1 Klinik 11
5.2 Diagnostik 12
6. Therapie 13
7. Schlusswort 15
8. Bibliographie 16
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1. Einleitung
Der Ablauf dieser Hausarbeit stützt sich hauptsächlich auf das Vorlesungsskript von Professor H.-C. Steinhausen. Ich versuche einen Überblick über Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalters zu geben. Es ist jedoch nicht möglich, in diesem Umfang der Arbeit auf einzelne Themen näher einzugehen und es erfordert eine Auswahl von Schwerpunkten.
Mein Interesse richtet sich schwerpunktmässig auf die Störungen im Kindesalter. Im ersten Teil und als einer der wichtigsten Punkte dieser Arbeit möchte ich die Begriffsbestimmungen von Dissozialität, Delinquenz und Verwahrlosung näher erläutern. Mit exakten Umschreibungen und Fallbeispielen sollen diese Begriffe klar gegeneinander abgegrenzt werden. Anschliessend werden die Begriffe „Verhaltensauffälligkeit“ und „Verhaltensstörungen“ definiert und diskutiert. Danach wird kurz auf die Klassifikation nach ICD-10 sowie auf die Differenzialdiagnose eingegangen. Der letzte Punkt der Störungen des Sozialverhaltens im Kindesalter bildet die Ätiologie und Epidemiologie.
Im zweiten Teil dieser Hausarbeit sollen die Störungen im Jugendalter zusammenfassend erläutert werden. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf dem klinischen Teil und den Therapie - und Behandlungsmethoden. Ich versuche einen Einblick in die verschiedenen Interventionskonzepte zu geben. Dabei soll eine kombinierte Behandlung an einem Fallbeispiel genauer aufgezeigt werden.
Zum Thema Störungen des Sozialverhaltens wird in einer Fülle von Büchern beschrieben. Diese Hausarbeit beschränkt sich auf eine Auswahl dieses grossen Themakomplexes.
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2. Begriffserklärungen
Im folgenden Kapitel werden die Begriffe „Dissozialtiät“, „Delinquenz“ sowie auch „Verwahrlosung“ definiert. Diese Begriffe bezeichnen verschiedene Störungen des Sozialverhaltens. In der Regel geht dem delinquenten Verhalten und insbesondere der Verwahrlosung dissoziales Verhalten voraus. Es ist aber nicht zwingend, dass diese Verhaltensarten nach einer bestimmten Reihenfolge oder bestimmten zeitlichem Muster erfolgen müssen.
2.1 Dissozialtität
Dissozialität ist ein sehr weitgefasster Begriff. Darunter versteht man im Allgemeinen Konflikte mit der sozialen Umwelt durch Missachtung der sozialen Regeln im Zusammenleben. Entsprechend wird es auch „antisoziale s Verhalten“ genannt. Dissoziales Verhalten entsteht meist in der Kindheit, schliesst aber Gewaltverbrechen bzw. jegliche kriminelle Delikte aus. Beispiele für antisoziales Verhalten sind: ständiges Lügen, streiten, Schulschwänzen und Weglaufen.
Ursachen für ein antisoziales Verhalten sind meistens multifaktoriell und implizieren biologische, psychologische und soziale Ursachen. Meistens entsteht dissoziales Verhalten in der Kindheit, deshalb liegt oftmals der Grund für dissoziales Verhalten im nächsten sozialen Umfeld des Kindes. Bei Eltern von dissozialen Kindern kann man feststellen, dass psychopathologische Auffälligkeiten, wie Alkoholabasus, kriminelles Verhalten, lange Abwesenheiten eines Elternteils, Ehestreitigkeiten und Gewalt, vorhanden sind (Remschmidt, 1997).
Anhand des folgenden Fallbeispiels soll dissoziales Verhalten aufgezeigt werden:
Der neunjährige Paul lebt bei seiner alleinerziehenden Mutter, die durch ihn überfordert ist. Der Lehrer beschreibt Pauls Verhalten folgendermassen: „begabt, unsauber, beschuldigt sofort andere für die Unsauberkeit seines Platzes: ist im Unterricht absichtlich unbeteiligt, starrt vor sich hin, geht vom Platz, isst mitten in der Schulstunde, tritt und schlägt seine Mitschüler. Gegenüber dem Lehrer ist er frech, lügt, er hat immer recht und hat keinen Anschluss in der Klasse.“ Paul zeigte jedoch nie kriminelles Verhalten oder gewalttätige Handlungen gegen Schüler oder andere Personen (aus Myschker, 1999).
2.2 Delinquenz
„Ursprünglich ist der Begriff „Delinquenz“ juristischer bzw. kriminologischer Herkunft und bezieht sich auf dissoziale Handlungen, die von Kontrollinstanzen verfolgt werden“ (Zitat aus Steinhausen, 2000). Beispiele für delinquentes Verhalten sind Eigentumsdelikte, Diebstähle, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Drogenmissbrauch, Übertretung von Schulgesetzen usw. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Delinquenz nicht notwendigerweise eine psychiatrische Diagnose ist. Sie wird dies erst durch das Auffinden von psychopathologischen oder psychosoziale n Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung des Delinquenten (Steinhausen, 2000).
Die „neurotische Delinquenz“ ist in der modernen Klassifikation noch nicht enthalten. Es ist ein Versuch delinquentes Verhalten als Ausdruck eines Bedürfnisses zu verstehen. Das Delikt wird zum Ausdruck für
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verdeckte Probleme z.B. der Suche nach Anerkennung und Bewunderung (vgl. Remschmidt, 1997). Merkmale des delinquenten Verhaltens bei Kindern und vor allem bei Jugendlichen sind oft schon in der Kindheit erkennbar. Die Delinquenz steht häufig am Ende einer jahrelangen dissozialen Entwicklung. Der Begriff „Delinquenz“ darf aber keinesfalls mit „Kriminalität“ gleichgesetzt werden. Das folgende Fallbeispiel aus Nissen (1995) skizziert delinquentes Verhalten bei einem 11 jährigen Jungen: Die Mutter des Jungen war eine Prostituierte. Er wuchs deshalb bis zu seinem vierten Lebensjahr bei seiner Grossmutter auf. Danach kam er zu Pflegeeltern. Trotz seines Wunsches durfte er seine Mutter nie sehen und kennenlernen. Mit neun Jahren begann er seiner Grossmutter und einer Nachbarin zunächst kleinere, dann grössere Geldbeträge zu entwenden. Als er älter wurde, kam er wegen anhaltender Warenhausdiebstählen und wegen Entwendung von Mädchenunterwäsche vor ein Jugendgericht.
Auf den Begriff „Bandendelinquenz“ bzw. „deviante Gleichaltrigengruppen“ wird im speziellen im Kapitel „Störungen des Sozia lverhaltens im Jugendalter“ eingegangen.
2.3 Verwahrlosung
Der Begriff „Verwahrlosung“ beinhaltet eine anhaltende und allgemeine Abweichung von sozialen Normen im Sinne einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung (Remschmidt, 1997). Unter Verwahrlosung ist der psychische wie auch der physische Zustand von Kindern und Jugendlichen gemeint, die sozialadäquate Normen und Verhaltensweisen nicht lernen konnten. Die daraus entstehenden Sozialisationsdefizite können sich auf mangelnde Körperpflege, auf strukturelle Unzuverlässigkeit und Undiszipliniertheit etc. beziehen. Ursachen für Verwahrlosungserscheinungen liegen v.a. im sozialen Umfeld (z.B. „broken home“). Studien haben einerseits ergeben, dass der Verwahrlosung oftmals, aber nicht zwingend, dissoziales Verhalten vorausgeht. Andererseits besteht ein Zusammenhang zwischen einem „broken home“ und einer schlechten schulischen Leistung sowie Verwahrlosung. Eine schlechte schulische Leistung ist zwar nicht der ausschla ggebende Faktor, jedoch kovariiert geringer Schulerfolg mit Verwahrlosung. Schulschwänzen, sozial unangepasstes Verhalten und Herumstreunen als Verwahrslosungssymptome, haben für Straffälligkeit prognostische Bedeutung. Diese verweisen also darauf, dass die Gefahr einer kriminellen Entwicklung bestehen kann (vgl. Myschker, 1999). Beim Vorliegen einer Verwahrlosung kann mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer chronischen Frustration in der frühen Kindheit geschlossen werden. Schwierigkeiten bei der Verwendung des Begriffes „Verwahrlosung“ ergeben sich, weil im umgangssprachlichen Gebrauch der Begriff in direktem Zusammenhang mit den Vorurteilen desjenigen steht, der andere Menschen der Verwahrlosung bezichtigt. Bei einer wissenschaftlichen Verwendung dieses Begriffes stellt sich die Frage, woran Verwahrlosung zu messen sei, und was die allgemeine, gesellschaftliche Verhaltensan-forderung sein könnte. Normales und, wie die Psychologen sagen, gesundes Verhalten sind auch innerhalb der Wissenschaft umstrittene Kriterien. Davon abgesehen bleibt auch ungeklärt, welche und wie viele Persönlichkeitsmerkmale von der Normalität abweichen müssen, um von einem Menschen behaupten zu können, er befinde sich in einem verwahrlosten Zustand (vgl. Habermeyer, 1996).
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Arbeit zitieren:
Lic phil I Fränzi Meili, 2002, Störungen des Sozialverhaltens im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag GmbH
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