Das Problem Jugendarbeitslosigkeit’ in Deutschland - was hat der Staat diesem Phänomen entgegenzusetzen?
Inhalt
1. Problemstellung 1
2. Begriffbestimmung, Zahlen und Fakten zum thematischen Einstieg
2.1. Zum Begriff der Jugendarbeitslosigkeit 2
2.2. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und
Europa 3
3. Das (Berufs-) Bildungssystem in Deutschland
3.1. Die Bedeutung der schulischen (Vor-) Bildung 5
3.2. Das Duale System der Berufsausbildung - Auslaufmodell oder
unverzichtbarer Bestandteil der beruflichen Erstausbildung? 6
4. Ursachen und Folgen von Jugendarbeitslosigkeit
4.1. Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit 7
4.2. Mögliche Folgen von Arbeitslosigkeit Jugendlicher und jungen
Erwachsenen 9
4.3. Mögliche Gesellschaftliche Auswirkungen der Jugendarbeitslosigkeit 10
5. Instrumente zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit
5.1. Überblick 11
5.2. Staatliche Sonderprogramme
5.2.1. JUMP - Das Sofortprogramm der Bundesregierung zum Abbau
der Jugendarbeitslosigkeit 12
5.2.2. Kritik an JUMP 13
5.2.3. Der nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs
in Deutschland 14
6. Aus blick 16
Literaturverzeichnis I-VI
Das Problem ‚Jugendarbeitslosigkeit’ in Deutschland - was hat der Staat diesem Phänomen entgegenzusetzen? __________________________________________________________________________________________
„Ich hasse Arbeit, weil ich keine kriegen kann“ 1
1. Problemstellung
Neben dem höchst akuten Problem der allgemeinen Beschäftigungskrise und der daraus resultierenden Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa, stellt insbesondere das immer stärker werdende Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit sowohl Politik als auch Wir tschaft und Gesellschaft vor große Herausforderungen. Das Bewusstsein um den in dieser Richtung bestehenden massiven Handlungsbedarf existiert seit vielen Jahren. Bereits im Jahr 1997 wurde die Altersgruppe der Jugendlichen von der Bundesanstalt für Arbeit „als ihre Zielgruppe des Jahres“ 2 erklärt. Dennoch ist anscheinend erst in den letzten Jahren die Dringlichkeit zur Entwicklung einer Lösung zu diesem Problem deutlich geworden, obwohl allen gesellschaftlichen Funktionsbereichen klar sein sollte, dass gerade in der Jugend die Zukunft unserer Gesellschaft liegt. Ein ‚Allheilmittel’ für das Phänomen Jugendarbeitslosigkeit ist bisher noch nicht gefunden worden, was schnell beim Blick auf die Fülle der vorhandenen Programme und Maßnahmen deutlich wird, welche seit Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen wurden, um arbeitslosen Jugendlichen eine Perspektive zu bieten.
Im Rahmen dieser Arbeit werden - neben einer kurzen Darstellung der seit Jahrzehnten europaweit anwachsenden Jugendarbeitslosigkeit und einem Blick auf Ursachen und Folgen dieses Phänomens für die Individuen und die Gesellschaft - einzelne Programme vorgestellt, welche zur Zeit die maßgeblichen Hoffnungsträger der Politik im Kampf gegen die stetig ansteige nde Jugendarbeitslosigkeit darstellen. Hierbei sei gleich vorangestellt, dass diese Arbeit bei Weitem nicht in der Lage ist, das Problemfeld Jugendarbeitslosigkeit mit all seinen Facetten darzustellen oder die existierenden Lösungsansätze erschöpfend zu diskutieren. Vielmehr wird im Rahmen dieser Arbeit zunächst ein Einblick in diesen Themenbereich gegeben anschließend werden die seit Jahren stattfindenden Versuche von Politik und Wirtschaft, diesem Problem angemessen zu begegnen und entgegenzuwirken kurz erläutert und kritisiert.
Da die hierzulande existierende Vielfalt an Lösungsansätzen bereits stark verkürzt vorgestellt werden muss, wird der Fokus rein auf innerdeutsche Programme gerichtet und der vergle ichende Blick hin zu Programmen der übrigen Länder der Europäischen Union bewusst unterlassen. Es werden zwar Vergleichszahlen aufgezeigt, jedoch sollen keine programmatischen
1 Servicestelle Politische Bildung 2004
2 Krone, S. u.a. 2004, S. 13
1
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Vergleiche mit den Ländern Europas gezogen werden. Ein Blick nach „draußen“ sprengt zum einen den Rahmen dieser Arbeit und zum anderen dürfte jedem Leser bekannt sein, dass Jugendarbeitslosigkeit sich nicht auf unsere Nation beschränkt, sondern die Gemüter aller europäischen Staaten beschäftigt.
In Kapitel 2 wird einleitend der Begriff der Jugendarbeitslosigkeit, der dieser Arbeit zugrundegelegt wird, vorgestellt. Anschließend erfolgt eine kurze Darstellung der Entwicklung von Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa in den letzten 30 Jahren, um somit den seit Jahren wachsenden Handlungsbedarf im Hinblick auf dieses Thema deutlich zu machen. Kapitel 3 beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Darstellung des deutschen Berufs-Bildungs-Systems, wobei die besondere Stellung des Dualen Systems der Berufsausbildung näher beleuchtet und herausgearbeitet wird - insbesondere wird der Frage nachgega ngen, ob dieses System heute noch die gleiche herausragende Stellung in der deutschen Erstausbildung einnimmt wie in den letzten Jahrzehnten. In Kapitel 4 werden wesentliche Ursachen und Folgen der Jugendarbeitslosigkeit herausgearbeitet, sowo hl im Hinblick auf individuelle als auch auf gesellschaftliche Auswirkungen. Im 5. Kapitel wird unter Abschnitt 5.1 aufgezeigt, welche Vielzahl an Möglichkeiten zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bereits geschaffen wurde. Anschließend wird unter 5.2 kritisch auf zwei ausgewählte staatliche Programme näher eingegangen, sodass im abschließenden Ausblick unter Berücksichtigung der vorangegangenen Ergebnisse eine Einschätzung auf zukünftige Handlungserfordernisse gegeben werden kann.
2. Begriffbestimmung, Zahlen und Fakten zum thematischen Einstieg
2.1. Zum Begriff der Jugendarbeitslosigkeit
Für den Begriff der Jugendarbeitslosigkeit gibt es weder in der einschlägigen Literatur, noch in den verschiedenen Arbeitslosenstatistiken eine allgemeingültige Definition. Vor allem die Festlegung der Altersgrenzen für die Begriffe Jugend bzw. junge Erwachsene scheint schwierig, da diese Lebensabschnitte weder an festen Schulzeiten orientiert werden können, noch das Alter des Berufseintritts als Maßstab herangezogen werden kann, da die Jugendlichen höchst unterschiedliche schulische Werdegänge durchlaufen. Zwar gibt es innerhalb Deutsch-lands die Festlegung der Pflichtschulzeit, dennoch variiert diese wiederum im europäischen Vergleich, d.h. wer in der einen Statistik noch als Jugendlicher gilt, scheidet in einer anderen bereits als Erwachsener aus. Des Weiteren sind weder die Studienzeiten, noch die Wehrpflicht
2
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oder sonstige Aktivitäten junger Erwachsener vor Eintritt in das Erwerbsleben einheitlich erfassbar. 3
Um dieser Arbeit dennoch ein einheitliches Verständnis dieses Begriffes zugrunde zu legen, wird ‚Jugendarbeitslosigkeit’ hier in Anlehnung an die von Gütinger überno mmene Definition nach EUROSTAT mit folgendem Verständnis ve rwendet.
Als jugendarbeitslos gilt demnach, wer
- ohne Arbeit ist, d.h. weder in entlohnter Beschäftigung steht, noch selbständig ist
- gegenwärtig bzw. innerhalb von zwei Wochen für eine (entlohnte oder selbständ ige) Beschäftigung verfügbar ist
- in der jüngsten Vergangenheit (mind. vier Wochen) auf der Suche nach einer Beschäft igung war
- im Alter zwischen 15 und 25 Jahren ist. 4
2.2. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa
Arbeitslosigkeit im Allgemeinen und Jugendarbeitslosigkeit im Besonderen sind seit den 70er Jahren sowohl in Deutschland als auch in den übrigen europäischen Ländern ein zentrales Problem. Parallel zur Entwicklung der Gesamtarbeitslosigkeit, unterlag auch die Jugendarbeitslosigkeit in der europäischen Union starken Schwankungen, was größtenteils auf konjunkturelle und strukturelle Faktoren zurückzuführen ist. Bereits im Jahre 1975 erreichte die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland einen Stand von über 280 Tausend Personen. Dieser derzeitige Höchststand unterschritt nur aufgrund des kurzfristigen konjunkturellen Aufschwungs der Jahre 1979 und 1980 wieder die Zweihunderttausendendermarke. Anschließend war allerdings ein rasanter Anstieg zu verzeichnen, wobei 1994 die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen auf ein Rekordhoch von 530 Tausend Personen anstieg. 5 Zwar erfolgte daraufhin aufgrund arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen eine Senkung der Arbeitslosenquote, jedoch war in den folgenden Perioden wieder ein starker Anstieg zu verzeichnen, wobei sich die Arbeitslosenzahlen Jugendlicher aufgrund des „weitreichenden Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt“ 6 auf diesem hohen Niveau weitestgehend verfestigt haben. Ende Juni 2003 waren
3 vgl. Gütinger, Chr. 1998, S. 11
4 vgl. Gütinger, Chr. 1998, S. 10-11
5 vgl. Strikker, F. 1990, S. 6/ vgl. Dietrich, H. 2001, S. 419
6 Krone, S. u.a. 2004, S. 13
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hingegen ‚nur’ 475 Tausend junge Menschen arbeitslos gemeldet. Allerdings fällt die Zahl der tatsächlichen Unterbeschäftigung dieser Altersgruppe noch um einiges größer aus, da im Jahr 2003 ca. 544 Tausend junge Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen involviert waren und somit ebenfalls keine dauerhafte Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle gefunden hatten. 7
Aktuell liegt die Quote der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei 12,7%, d.h. „etwa 635.000 Jugendliche unter 25 Jahren sind in Deutschland derzeit arbeitslos“ 8 , Zahlen, die nicht nur die Politik, sondern auch die deutsche Wirtschaft in höchste Alarmbereitschaft ve rsetzen sollten.
Auch in der EU ist Jugendarbeitslosigkeit seit Mitte der 70er Jahre zunehmend zum politisch relevanten Thema geworden, 9 denn auch hier sieht die Lage der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nicht besser aus. Der EU-Durchschnitt der Jugendarbeitslosigkeit lag im Jahr 2003 zwischen 18,4 und 15,9%. 10
Diese Zahlen sind alarmierend, weshalb die ehrgeizigen Ziele des Luxemburger Beschäftigungsgipfels im Jahre 1997, allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Ausbildung und Beschäftigung zu ermöglichen 11 , nicht verwundern, sondern umgehend die Schaffung von Beschäftigungsprogrammen und Integrationsmaßnahmen für Jugendliche und junge Erwachsene verlangen. Hierbei sind langfristige Maßnahmen gefordert, welche den Jugendlichen tatsächliche Zukunftsperspektiven eröffnen, auf denen sich eine materielle Existenzsicherung und eine individuelle Lebensplanung aufbauen lassen.
Um den Jugendlichen positive Zukunftsaussichten zu ermöglichen, obliegt in Deutschland vor allem den Arbeitgebern in der dualen Ausbildung eine besondere Verantwortung, wieder Ausbildungsplätze in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen 12 - überdies wird im Folgenden gezeigt, dass aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte der Staat ein hohes Maß an Verantwortung zu tragen hat, den Jugendlichen adäquate alternative Möglichkeiten zur dualen Ausbildung aufzuzeigen.
7 vgl. DGB 2003, S. 1
8 BMWA 2005
9 vgl. Richter, I. u.a. 2000, S. 22/ vgl. Schierholz, H. 2001, S. 55
10 vgl. Abb. zur Jugendarbeitslosigkeit in der EU der Servicestelle Politische Bildung 2004
11 vgl. Richter, I. u.a. 2000, S. 26
12 vgl. DGB 2003, S. 2
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Arbeit zitieren:
Tanja Lorenz, 2005, Das Problem 'Jugendarbeitslosigkeit' in Deutschland - was hat der Staat diesem Phänomen entgegenzusetzen?, München, GRIN Verlag GmbH
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