Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Hauptteil 6
1. Der „deutsche November“, 6
seine Vorgeschichte, Theorie und Scheitern
6
1. Arbeiterbewegung vor 1914 und im Krieg
8
2. Die Revolutionsereignisse und die Tätigkeit der Arbeiter- und Soldatenräte
10
3. Die Theorie der Räte
2. Die Rätebewegung im Ruhrgebiet - anhand der Stadt Essen 14
III. Zusammenfassung 20
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis 22
1
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt d ie Ereignisse der deutschen „Novemberrevolution“ 1918 bis zum Frühjahr 1919, sowie deren Ursachen und Gründe ihres Scheiterns - mit besonderer Berücksichtigung der Situation im Ruhrgebiet, anhand der Vorgänge in Essen.
Mein Interesse an diesem Thema entstammt ursprünglich aus dem Interesse am Nationalsozialismus, aufgrund schulischer
Leistungskurse, durch Fernsehberichterstattungen und persönliche Lektüre. Mein Vater, kurz nach Ende des 2. Weltkrieges geboren, hatte in seiner Schulzeit und Jugend wenig über den NS-Staat erfahren; wohl deshalb fragte er seinen Vater, Jahrgang 1925, Kriegsteilnehmer, wie das eigentlich alles entstehen konnte. Meine Urgroßmutter, geboren Anfang des 20. Jahrhunderts und gestorben 1994, konnte ihrem Enkel, meinem Vater, schon etwas mehr erzählen, was ich wiederum von ihm sinngemäß so erfuhr: In der Kaiserzeit war alles wohlgeordnet. Dann aber entstand ein großer Tumult. Wären sich die Parteien, insbesondere die Sozialdemokraten damals einig gewesen, dann hätte die schlimme Zeit mit den Nazis und dem 2. Weltkrieg nicht kommen müssen. Ist, bei aller Vereinfachung dieser Einschätzung einer Arbeiterfrau, ein Kern von Wahrheit in diesem Urteil, fragte ich mich; und waren die Verhältnisse im Kaiserreich wir klich so wohlgeordnet, wie Urgroßmutter Maria meinte? Was bedeutet „danach gab es nur noch Tumult und Uneinigkeit“ und welche Rolle spielte die SPD? Diese sehr persönlichen Erfahrungen haben mein Interesse an den Ereignissen der Novemberrevolution und der Bedeutung der Arbeiter-und Soldatenräte in meiner Geburtsstadt Essen geweckt.
2
Reinhard Rürup weist in seiner Studie von 1975 zum Thema 1 in seiner Einleitung darauf hin, dass „auch heute, über ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen“ die Revolution „noch immer ein Politikum“ 2 sei; und er charakterisiert es als „bemerkenswert, daß selbst ein so engagierter Anwalt der Pflege freiheitlich-demokratischer Traditionen in Deutschland wie der sozialdemokratische Bundespräsident Gustav Heinemann 1974 bei der Eröffnung der „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“ in Rastatt neben dem Bauernkrieg von 1524/25 und der Revolution von 1848/49 zwar die Stedinger Bauern des 13. Jahrhunderts oder die Salpeterer des frühen 18. Jahrhunderts erwähnte und auf das studentische Wartburgfest von 1817 ebenso wie auf die demokratisch-liberale Massendemonstaration des Hambacher Festes von 1832 hinwies, mit den Jahren 1918 und 1919 aber lediglich den ‚Zusammenbruch‘ des Kaiserreiches und die Entstehung der Weimarer Verfassung verband.“ 3
Es mag sein, dass das Scheitern der Revolution von 1918/19 und die unmittelbare historische Nähe während der Weimarer Republik einer distanziert-kritischen Betrachtung noch keinen Raum ließen; und es ist sicher, dass die offizielle Geschichtsschreibung des NS-Staates auf Traditionspflege sozialistischer Freiheitsbewegungen keinen Wert legte. Möglicherweise stand auch nach dem Ende des 2. Weltkrieges, nach Westorientierung der BRD und dem Eindruck des „kalten Kriegs“ der SPD wiederum der alte Vorwurf der „vaterlandslosen Gesellen“ im Wege, der Bismarck gewissermaßen mit Adenauer verband und der ihre „Ängstlichkeit“ und Vorsicht hervorrief?
1 Reinhard Rürup (Hg), Arbeiter- und Soldatenräte im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Studien zur Geschichte der Revolution 1918/19, Wuppertal 1975
2 Ebd., 11
3 Ebd., 11f, vgl. Gustav W. Heinemann, Die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (GWU), Bd.25, 1974, 601-606
3
War diese „Vorsicht“ das Ergebnis eines politischen Lernprozesses, der 1959 mit dem „Godesberger Programm“ und der Verabschiedung des Marxismus in der SPD vorläufig endete
oder zieht sich diese „Ängstlichkeit“ wie ein roter Faden durch die Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland? Seit den frühen 60er Jahren hat sich die Forschungslage und die Anzahl der Arbeiten über die Revolution von 1918/19 rapide entwickelt. Neben zahlreichen anderen Arbeiten seien hier nur die Studien von E. Kolb ( 1962 und 1972), P. v. Oertzen (1963), R. Rürup (1968 und 1975), D. Schneider / R. Kuda (1968), U. Kluge (1975), J. Kocka (1973), S. Lipski (1978), W. Abelshauser (1990), W. Buschak (1990), K. Tenfelde (1990) genannt. 4
Die hier angeführte Literatur konnte von mir herangezogen werden. Darüber hinaus bot das Stadtarchiv Essen, insbesondere mit dem Repertorium 102, eine Anzahl bewertbarer Archivalien zu den politischen Geschehnissen der Jahre 1918/19. Seit diesen bahnbrechenden Arbeiten ist die Literatur zu diesem Thema nahezu unübersehbar geworden - mit dem erfreulichem Ergebnis, dass die lange versäumte oder gar verdrängte Bedeutung der
Novemberrevolution nun den ihr zukommenden Stellenwert in der Geschichtsschreibung erhalten hat. Dies betrifft nicht nur die totale Entlarvung der „Dolchstoßlegende“, sondern insbesondere auch das
4 Eberhard Kolb, Die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik 1918-1919, Düsseldorf 1962; ders., Rätewirklichkeit und Räte-Ideologie in der deutschen Revolution von 1918/19, in: Vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, hg. v. E. Kolb, Köln 1972, 165-184; Peter von Oertzen, Betriebsräte in der Novemberrevolution, Düsseldorf 1963; Reinhard Rürup, Probleme der Revolution in Deutschland 1918/19, Wiesbaden 1968; ders.,(Hg), Arbeiter- und Soldatenräte im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, Wuppertal 1975; Dieter Schneider/ Rudolf Kuda, Arbeiterräte in der Novemberrevolution.Ideen, Wirkungen, Dokumente, Frankfurt/M. 1968; Ulrich Kluge, Soldatenräte und Revolution, Göttingen 1975; Jürgen Kocka, Klassengesellschaft im Krieg. Deutsche Sozialgeschichte 1914-1918, Göttingen 1973; Angelika Brimmer, Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung in Essen 1914-1919, Berlin 1976; Stephan Lipski, Der Arbeiter- und Soldatenrat in Düsseldorf, Düsseldorf 1978; sowie die Arbeiten von Werner Abelshauser, Willy Buschak und Klaus Tenfelde, in: Wolfgang Köllmann u.a. (Hg), Das Ruhrgebiet im Industriezeitalter, 2 Bände, Düsseldorf 1990
4
Fortwirken alter kaiserlicher Ordnungsstrukturen und die Rolle der traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung.
Meine hypothetischen Fragen an dieses Thema lassen sich wie folgt formulieren:
1. Stellen die spontanen Erhebungen im November 1918 nur eine momentane und somit relativ unbedeutende
Enttäuschungsreaktion der Bevölkerung dar oder kündigten sie sich bereits seit längerem an und beleuchten somit die tiefgreifende Krise des Kaiserreichs und die Strukturschwächen der entstehenden Weimarer Republik?
2. Welche Chancen hatten die Arbeiter- und Soldatenräte angesichts des Fortbestehens alter Strukturen der kaiserlichen Bürokratie, des Heeres und der Wirtschaftsordnung; gab es Fehleinschätzungen der innenpolitischen Situation durch die Arbeiter- und Soldatenräte oder war ihr Auftreten quasi von vornherein nur als Episode in der Übergangsphase zur Republik denkbar? 3. Welche Rolle spielten die traditionellen Vertreter der Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie und Gewerkschaften im Zusammenhang der Beurteilung der Räte und wie geschlossen oder uneinig war ihr Vorge hen? 4. Welche Bedürfnisse und Motive standen für die Essener Bevölkerung in der Übergangszeit im Vordergrund und welche Maßnahmen wurden vom Arbeiter- und Soldatenrat in Verbindung mit der Stadtverwaltung 1918/19 im einzelnen getroffen? 5. Was waren die Gründe für das Scheitern der Rätebewegung?
5
Arbeit zitieren:
Laura Anna Friedrichs, 2004, Arbeiter- und Soldatenräte in Essen, München, GRIN Verlag GmbH
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