INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS........................................................................................ 2
1. EINLEITUNG. 3
2. DER KRIEG UM DIE KRAJINA (1991-1995) 6
2.1. Vorgeschichte. Die Ursachen des Konfliktes. 6
2.1.1. Die Erosion Jugoslawiens 6
2.1.2. Die serbische Minderheit in Kroatien. 7
2.1.3. Die Positionen der Regierungen zu Beginn des Konflikts. 9
2.2. Krieg in drei Phasen 11
2.2.1. Phase 1: "Heißer" Krieg (Juli 1991-Januar 1992) 11
2.2.2. Phase 2: Weder Krieg noch Frieden (1992-1995) 12
2.2.3. Phase 3: Die kroatischen "Rückeroberungen" (Mai/August 1995) 13
2.3. Der spezifische Charakter des Krieges: Chaos und "ethnische Säuberungen" 14
2.4. Der Krieg in Kroatien - ein "ethnischer Konflikt"? 15
3. DIE EINMISCHUNG DER "INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT" 17
3.1. Die Interessen der Interventionsmächte 18
3.2. Die voreilige Anerkennung Kroatiens 19
4. UNPROFOR - DER BLAUHELMEINSATZ IN KROATIEN. 20
4.1. Exkurs: Geschichte und Wesen von UNO-Friedensmissionen 20
4.2. Die UNO-Mission in der Krajina (1992-1995) 22
4.3. Das Scheitern von UNPROFOR. 23
4.4. Scheiterte UNPROFOR am Defensiv-Grundsatz? 24
4.5. Die wahren Gründe für das Scheitern von UNPROFOR 25
4.6. Westliche Militärhilfe für Kroatien. 27
4.7. Fazit: Die UNO-Mission in der Krajina - Einseitige Unterstützung großkroatischer
Ambitionen. 28
4.8. Was ist von "humanitären Motiven" zu halten? 30
SCHLUSSBEMERKUNG : DER KONFLIKT IN DER KRAJINA UND DIE
DURCHSETZUNG EINER NEUEN WELTORDNUNG. 31
LITERATURVERZEICHNIS 37
Anmerkung: Diese Arbeit wurde nach den Regeln der alten Rechtschreibung verfaßt.
1. EINLEITUNG
In der Mitte des Jahres 1991 kam es in der früheren jugoslawischen Republik Kroatien zu bewaffneten Konflikten, die schließlich zum Krieg führten. Dieser Krieg war eine der Etappen auf dem Weg zum endgültigen Zerfall der "Föderativen Volksrepublik Jugoslawien". Den Anlaß zum Krieg bildete die ungelöste Frage des Krajina-Gebiets, einer mehrheitlich von Serben bewohnten Region, die insgesamt ungefähr ein Drittel Kroatiens einnimmt. Der in dieser Arbeit verwendete "Krajina"-Begriff bedarf einer kurzen Erläuterung. Grundsätzlich ist dabei mit "Krajina" nicht nur die geographische Region Krajina im Süden Kroatiens gemeint, sondern ebenso die Regionen West- und Ostslawonien. Die Verwendung eines erweiterten Krajina-Begriffs ist deshalb sinnvoll, weil die Entwicklung aller drei Regionen im beobachteten Zeitraum parallel verlief: Krajina, West- und Ostslawonien befanden sich ursprünglich auf kroatischem Territorium, wiesen aber eine mehrheitlich serbische Bevölkerung (bzw. starke serbische Minderheiten) auf. Infolge dessen wurden alle drei Gebiete nach 1990 sowohl von serbischer als auch von kroatischer Seite für sich beansprucht. Nach Kriegsbeginn wurde die Krajina ebenso wie West- und Ostslawonien von serbischen Einheiten erobert. Wenig später schlossen sich alle drei Gebiete zur "Republika Srbska Krajina" und damit zu einem einheitlichen politischen Gebilde zusammen. Etwa zur selben Zeit wurden in diesem Gebiet drei UNO-Schutzzonen implementiert - der Beginn eines UNO-Blauhelmeinsatzes, der bis 1995 dauern sollte. All diese Gemeinsamkeiten zusammengenommen legen die Verwendung des Begriffs "Krajina" als Sammelbegriff nahe. Das Thema dieser Arbeit "Der Konflikt in der Krajina 1991-1995" bezieht sich dementsprechend auf den Konflikt in allen drei Regionen.
Um den Konflikt in der Krajina verstehen zu können, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden: Hier ist zum ersten die extreme "Gemengelage" zu nennen, die prägend für das gesamte frühere Jugoslawien ist. Denn bis 1991 siedelten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Sprachen und Konfessionen verstreut auf einem relativ kleinen Territorium. Dieser Umstand führte nach dem Zerfall des Bundesstaats zu einer Vielzahl von Minderheitenproblemen, von denen eines das der serbischen Minderheit in Kroatien ist.
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Zum zweiten ist für das Verständnis des Konflikts in der Krajina eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Jugoslawiens unabdingbarinsbesondere deswegen, weil alle Konfliktparteien die Geschichte (und hier vornehmlich Mythen) für ihre Zwecke instrumentalisiert haben. Schließlich erschwert auch die breite Fächerung von Akteuren das Verständnis dieses Konfliktes. Denn neben den zahlreichen Interessengruppen aus der Region selbst, engagierten sich noch eine ganze Reihe auswärtiger Mächte und die mit ihnen verknüpften internationalen Organisationen im Krieg auf dem Balkan.
Da eine ausführliche Diskussion all dieser Aspekte den Rahmen einer Hauptseminararbeit sprengen würde, können viele von ihnen hier nur gestreift werden. Ein klarer Schwerpunkt wurde mit der Untersuchung des internationalen Engagements in der Krajina gesetzt, dessen wichtigstes Instrument die Entsendung der Blauhelmtruppe UNPROFOR war. Diesbezüglich mußten auch die Motive der internationalen Akteure geklärt werden, wobei versucht wurde, hinter den offiziellen Verlautbarungen die wahren Interessen deutlich zu machen.
Ein weiterer Aspekt des Themas ist der Zusammenhang mit dem Ende des Kalten Krieges (1989/91). Denn erstens wäre es ohne den Zerfall des "Ostblocks" kaum so rasch zum Zerfall Jugoslawiens gekommen. 1 Darüber hinaus wurde auch das internationale Engagement in Jugoslawien - welches vor allem ein Engagement des Westens war - erst durch die Erosion des Warschauer Paktes ermöglicht. 2 So wurde das "Krisenmanagement" in der Krajina in Relation zur Entstehung einer neuen Weltordnung betrachtet, die die Ordnung des Kalten Krieges inzwischen endgültig abgelöst hat.
Noch eine Bemerkung zu den verwendeten Quellen: Der Konflikt in der Krajina hat ebenso wie die anderen jugoslawischen "Erbfolgekriege" in der westlichen Öffentlichkeit ein breites Echo gefunden. Im Zusammenhang damit ist eine Fülle von Publikationen erschienen. Leider ist der Großteil dieser Publikationen für wissenschaftliches Arbeiten nur s ehr bedingt brauchbar. Manche Veröffentlichungen kranken unter anderem daran, daß ihre Verfasser
1 Vergl. Abschnitt 2.2.1. "Die Erosion Jugoslawiens".
2 Während des Kalten Krieges wäre ein Engagement der Supermächte im "blockfreien" Jugoslawien undenkbar gewesen, da es damals zu keiner Einflußsphäre gehörte.
4
fanatische Anhänger einer Konfliktpartei und ihre Darstellungen dementsprechend stark subjektiv gefärbt sind. 3 Andere Veröffentlichungen weisen methodische Mängel auf und wirken - offensichtlich motiviert durch die seinerzeit guten Möglichkeiten für kommerzielle Ausschlachtung - mehr oder weniger hastig zusammengeschrieben. 4 Wenig brauchbar sind auch die meisten Darstellungen von journalistischer Seite, wie etwa das im Stil eines Abenteuerromans verfaßte Somebody else's War von Paul Harris. 5 Eine löbliche Ausnahme bildet hier Misha Glennys The Fall of Yugoslavia, auf das sich weite Passagen im ersten Teil der Arbeit stützen. Ferner war für den Abschnitt über die UNO-Mission in der Krajina die Untersuchung Managing Arms in Peace Processes von Barbara Ekwall-Uebelhart und Andrei Raevsky 6 sehr hilfreich - wobei man mitunter erstaunt ist, daß in einer offiziellen UNO-Publikation derart harsche Kritik an der "Weltorganisation" laut werden kann. In diesem Zusammenhang soll außerdem auf die Gesamtdarstellung Land ohne Wiederkehr von Svein Mønnesland hingewiesen werden. Diese
Veröffentlichung bietet - trotz des populärwissenschaftlichen Grundtenorseinen sehr guten Überblick über das Thema, reicht von der jugoslawischen Frühgeschichte bis zum Dayton-Abkommen 1995 und glänzt zudem durch eine Fülle nützlichen Datenmaterials.
3 So etwa der Artikel Republik Kroatien: Ethnische Zusammensetzung der UNPROFOR-Gebiete (Südosteuropa Mitteilungen 1994, 120-130) von Ivan Crkvencic, den der Autor mit einem Hinweis auf "tausend Jahre kroatische Staatstradition" beginnt (Crkvencic 1994, 120).
4 Ein Beispiel hierfür ist das Buch Der Zerfall Jugoslawiens von Rajko Djuric und Bertolt Bensch, das auch durch ein, vor allem durch banale Fragen auffallendes "Exklusiv-Interview mit Milovan Djilas" nicht gerettet wird (s. Djuric, Rajko/ Bensch, Bertolt Der Zerfall Jugoslawiens. Mit einem Exklusiv-Interview mit Milovan Djilas, Berlin 1992).
5 Paul Harris Somebody else's war - Frontline Reports from the Balkan Wars, Stevenage 1992.
6 Ekwall-Uebelhart, Barbara/ Raevsky, Andrei Managing Arms in Peace Processes: Croatia and Bosnia-Herzegovina, New York und Genf 1996.
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2. DER KRIEG UM DIE KRAJINA (1991-1995)
2.1. Vorgeschichte. Die Ursachen des Konfliktes
Im folgenden Abschnitt sollen die Ursachen des Konflikts in der Krajina betrachtet werden. Gezeigt wird, wie es zum Zusammenbruch Jugoslawiens kam, wie die Frage der Krajina-Serben durch diesen Zusammenbruch akut wurde und schließlich, welche Rolle nationale Eliten bei der Zuspitzung des Konfliktes spielten.
2.1.1. Die Erosion Jugoslawiens
Das von Tito 1945 geschaffene zweite Jugoslawien war Zeit seines Bestehens von räumlichen Disparitäten und daraus resultierenden Verteilungskämpfen geprägt. Dabei führte das jugoslawische Umverteilungsmodell allerorten zu einem Gefühl der Benachteiligung: Während man in den prosperierenden Teilrepubliken Kroatien und Slowenien das Gefühl hatte, einen zu großen Teil des erwirtschafteten Sozialprodukts an die Zentrale abführen zu müssen, bemängelten strukturschwache Regionen wie das Kosovo oder die Vojvodina, zuwenig aus dem gemeinsamen Topf zu erhalten. Dennoch blieb Jugoslawien, nicht zuletzt dank seiner geopolitischen Lage und der integrativen Kraft seines Staatspräsidenten Tito, bis zu Beginn der 80er Jahre stabil. Doch spätestens mit dem Tod Titos (1980) begann der Zerfall des von ihm gegründeten Staates. Durch die Wirtschaftskrise, die schon Ende der 70er Jahre eingesetzt hatte, war der Lebensstandard rapide gesunken. Die Wirtschaftskrise verschärfte die Verteilungskämpfe und begünstigte so das Wachstum nationalistischer Tendenzen in den Teilrepubliken. Während die Bundespolitik zunehmend paralysiert war, wirtschafteten die Teilrepubliken auf eigene Faust und verfolgten teilweise bereits eine eigene Außenpolitik. Doch den entscheidenden Anstoß zum Zerfall Jugoslawiens bot der ab 1989 einsetzende Zusammenbruch des gesamten "real-existierenden Sozialismus". Der damit verbundene Epochenwechsel untergrub beide Grundpfeiler des jugoslawischen Selbstverständnisses - das Prinzip der Blockfreiheit und den Selbstverwaltungssozialismus. Denn war einerseits der Sozialismus weltweit diskreditiert, so war andererseits die Blockfreiheit nach dem Wegfall der Blöcke überflüssig geworden.
Wie alle osteuropäischen Länder erlebte auch Jugoslawien nach 1989 eine Renaissance des Nationalismus - komplizierend wirkte hier jedoch, daß es sich in Jugoslawien um eine Vielzahl von Nationalismen innerhalb eines einzigen
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multi-ethnischen 7 Staates handelte. Die n ationale Dynamik ließ die Teilrepubliken zunehmend auseinanderdriften. Hinzu kam, daß durch die Verfassungsreform von 1974 überall neue nationale Eliten entstanden waren, die im eigenen Interesse auf eine Neuordnung des Bundesstaates drängten. Auch die galoppierende Wirtschaftskrise 8 ließ eine Reform des "Selbstverwaltungs-sozialismus" ratsam erscheinen. Über die Frage einer Neustrukturierung Jugoslawiens gingen die Meinungen der konkurrierenden Eliten jedoch weit auseinander: Während einzelne Republiken (Kroatien und Slowenien) den Weg eines einseitigen Austritts aus dem Bundesstaat gehen wollten, propagierten andere (allen voran Serbien) eine Re-Zentralisierung Jugoslawiens.
1990 wurden in den Teilrepubliken Parlamentswahlen durchgeführt, aus denen in allen Fällen nationalistische Gruppierungen als Sieger hervorgingen. Dadurch wurde die jugoslawische Bundespolitik noch stärker gelähmt als zuvor: Insbesondere war das höchste Gremium im Staat, das paritätisch besetzte Präsidium, durch das ständige Veto einzelner Mitglieder praktisch handlungsunfähig. Als Verhandlungen über eine Reform des Bundesstaats zu keinem Ergebnis führten, erklärten Kroatien und Slowenien am 25.6.1991 ihren Austritt aus der Föderation. Dieser Schritt bedeutete das Ende des zweiten Jugoslawien und den Beginn des Bürgerkriegs.
2.1.2. Die serbische Minderheit in Kroatien
Im Jahre 1991 betrug der Anteil der Serben an der kroatischen Gesamtbevölkerung 12,2% oder 580 700 Einwohner. 9 Dabei siedelte die
7 Der Terminus "Ethnie" muß wegen seiner großen Unklarheit mit einiger Skepsis betrachtet werden. Denn welches Kriterium soll das entscheidende sein für die Zugehörigkeit zur einen oder andern "Ethnie"? Die Sprache? Die Religionszugehörigkeit? Der Geburtsort? Die Abstammung? Die Traditionen des Alltagslebens? Wessen Alltagslebens (das der Eltern- oder der Kindergeneration, das der Stadt-oder der Landbevölkerung)? - Zu welcher "Ethnie" gehört ein in Mazedonien aufgewachsenes Kind einer kroatischen Mutter und eines slowenischen Vaters? Zu welcher "Ethnie" jemand mit slowenischem Paß, der islamischen Glaubens ist und einen ungarischen Großvater hat? Noch polemischer: Zu welcher "Ethnie" gehörte Tito?! - Zwar gibt es eine Vielzahl von Definitionen des Begriffs "Ethnie". Doch sind diese Definitionen größtenteils uneindeutig, zudem widersprechen sie einander so stark, daß man beim besten Willen nicht von einem wissenschaftlichen Terminus sprechen kann.
Auf der anderen Seite besteht ein prinzipieller Bedarf an der Kategorisierung von Bevölkerungen -nicht zuletzt ordnen sich die meisten Menschen von sich aus der einen oder anderen "Nation", "Ethnie" etc. zu. Daher kann auf eine solche Zuordnung auch in dieser Arbeit nicht immer verzichtet werden. In all diesen Fällen wird unter "Ethnie" (oder "Volksgruppe") immer eine Bevölkerungsgruppe verstanden, der sich ein Mensch selbst zuordnet. Das heißt, wer sich bei einer Volkszählung z.B. als "Serbe" bezeichnet hat, wird von mir der serbischen "Ethnie" zugerechnet (zur Instrumentalisierung von "Ethnien" s.a. Abschnitt 2.4.).
8 Beispielsweise betrug die Inflationsrate 1989 bis zu 2700%. Vergl. Mønnesland, Svein Land ohne Wiederkehr - Ex-Jugoslawien: Die Wurzeln des Krieges, Klagenfurt/Celovec 1997, 304.
9 Vergl. Mønnesland 1997, 491.
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ländliche serbische Bevölkerung schwerpunktmäßig in drei Regionen: In der Krajina sowie in West- und Ostslawonien. 10 Doch während Serben in West- und Ostslawonien (mit 28,8 bzw. 22,5 %) 11 lediglich eine - wenn auch große -Minderheit darstellten, waren sie in der Krajina mit 66,7 % 12 in der absoluten Mehrheit. Dieses serbische Übergewicht erklärt sich aus der Geschichte der Krajina. Denn in dieser Region hatte der Habsburger Staat 1578 eine sogenannte "Militärgrenze" ( Vojna Krajina) eingerichtet, die eine Pufferzone gegen das expandierende Osmanische Reich bilden sollte. In der Krajina erhielten Bauern die Möglichkeit, sich als Wehrbauern anzusiedeln, wofür sie bestimmte Privilegien wie Religionsfreiheit, begrenzte Selbstverwaltung und eine eigene Gerichtsbarkeit genossen - eine Möglichkeit, die vor allem von den im Osmanischen Reich lebenden Serben genutzt wurde. Auch nach der offiziellen Aufhebung der Militärgrenze im Jahre 1881 blieb in dieser Region eine serbische Dominanz bestehen.
Doch mit dem Erstarken des kroatischen Nationalismus Ende der 80er Jahre verschlechterte sich die Situation der Serben in Kroatien zunehmendinsbesondere, nachdem im April 1990 mit Franjo Tudmans "Kroatischer Demokratischer Union" (HDZ) eine extrem nationalistische Gruppierung an die Macht gekommen war. Immer öfter kam es nun zur offenen Diskriminierung von Serben. In Zagreb und anderen Städten wurden serbische Behausungen mit der diffamierenden Bezeichnung " „etnik" gekennzeichnet. 13 In allen Wirtschafts-zweigen begann man Serben aufgrund ihrer ethnischen entlassen. 14 Zugehörigkeit z u Angesichts kroatischer
Unabhängigkeitsbestrebungen mußten die Krajina-Serben befürchten, binnen kurzem in einem serbenfeindlichen Staat Kroatien zu leben. Beunruhigend war auch, daß die regierende HDZ keine Anstalten unternahm, sich vom faschistischen Ustaša-Regime (1941-45) abzugrenzen. Statt dessen übernahm
10 Ungefähr die Hälfte der kroatischen Serben lebten allerdings in den Städten (allein in Zagreb etwa 100 000). Die Gruppe der städtischen Serben erwies sich als deutlich weniger militant als ihre "Mitserben" auf dem Lande (Vergl. Ivanov, Andrey The Balkans divided Frankfurt a. Main/ New York/ Berlin/ Bern/ Paris/ Wien 1995, 91).
11 Crkvencic 1994, 128 ff.
12 Mønnesland 1997, 441. Diese Zahl bezieht sich bereits auf die 1991 ausgerufene "Serbischen Autonome Republik Krajina" (die sich damals noch nicht mit West- und Ostslawonien vereinigt hatte). Der gegenüber 1981 (61,3%, vergl. Calic, Marie-Janine Der serbisch-kroatische Konflikt in Kroatien in: Weithmann, Michael W. Der ruhelose Balkan - Die Konfliktregionen Südosteuropas, München 1993, 132) gestiegene serbische Bevölkerungsanteil ist vermutlich auf Vertreibungen während des ersten Kriegsjahres zurückzuführen (s.a. Karte II "Former Yugoslavia: Ethnic Majorities" im Anhang).
13 Glenny, Misha The Fall of Yugoslavia London, New York, Toronto, Victoria, Auckland 1993, 77.
14 Ebd. Zwar waren die kroatischen Serben bis 1990 in manchen Bereichen überrepräsentiert gewesen (z.B. stellten sie 40% der Kommunistischen Partei und 60% der Polizeikräfte Kroatiens, vergl. Ivanov
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Arne Friedemann, 1999, Der Konflikt in der Krajina 1991-1995, München, GRIN Verlag GmbH
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