Inhaltsverzeichnis
1. Voraussetzungen für das Praktikum Seite 3
2. Beschreibung der Einrichtung
2.1. Die AFNORTH International School
und ihre Abteilungen Seite 4
2.2. Die Klassen, in denen ich eingesetzt war Seite 7
3. Counseling, Selbstbewusstseinstraining und
Sozialverhaltenstraining
3.1. Was heißt Counseling? Warum habe ich
dieses Thema gewählt? Seite 8
3.2. Das erste Treffen mit Mr. Wirsich und
seine Folgen für mein Praktikum Seite 9
3.3. Ein Selbstbewusstseinstraining von Mr.
Wirsich in der 2. internationalen Klasse (IY4)
und meine Umsetzung in deutschsprachigen
3. Klasse (GS3) Seite 11
3.4. Sozialverhaltenstraining durch Rollenspiele
von Mr. Wirsich in der 2. und 5.
internationalen Klasse (IY4 und M1)
und meine Umsetzung in der 2. Klasse der
deutschen Abteilung (GS2) Seite 14
4. Reflexion Seite 19
5. Literaturliste Seite 23
- 3 - 1.Voraussetzungen für das Praktikum
Mit der Pisa-Studie ist deutlich geworden, dass das deutsche Bildungswesen Mängel aufweist. Es fehlt, so meine Erfahrungen, in vielen pädagogischen Institutionen an Geldern und damit an Investitionen. Arbeitsstellen werden abgebaut und oft sinkt durch Frustration das Engagement vieler deutscher ErzieherInnen und LehrerInnen. Viele Kinder in deutschen Schulen erreichen im europäischen Vergleich nicht einmal den Notendurchschnitt. Sie gelten in pädagogischen Institutionen weiterhin als gereizt, aggressiv oder zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Neue Ideen, Erfahrungen und Konzepte, die Lage zu verbessern sind gefragt. Meine Motivation, ins Ausland zu gehen lag daher darin, über die Grenzen zu schauen und in verschiedenen Ländern Erziehungs- und Bildungseinrichtungen sich anzusehen, dort vielfältige Ideen und Erfahrungen für eine zukünftige Arbeit als Erzieher zu sammeln. Ich hatte mich dazu entschieden, in einer Schule zu arbeiten, da die Ganztagsschule durch die geplante Reformierung des Schulwesens durch die Politik ein zwar ungewöhnlicher, aber zukünftig doch interessanter Arbeitsplatz für Erzieher werden könnte. Ich habe bisher in vielen unterschiedlichen pädagogischen Einrichtungen gearbeitet, bin seit 1998 in Ferienlagern bzw. Freizeiten als Betreuer für unterschiedliche Vereine tätig gewesen, z.B. für den Verein „Kinderland Jerichower Land e.V.“ wodurch ich motiviert wurde, Erzieher zu werden. Ich war weiterhin in meinem Zivildienst im Jahr 2000 in einem Kinder- und Jugendhaus in Paderborn für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen von 8 bis 16 Jahren verantwortlich. Mein Fachschulpraktikum in Rahmen meiner Ausbildung zum Erzieher, die ich im Jahr 2001 daraufhin begonnen habe, habe ich im Hort des Vereins „John F. Kennedy Friendship Center e.V.“ abgeleistet, der mit der angrenzen deutsch-amerikanischen John F. Kennedy Schule zusammenarbeit, die ich in einer Hospitationswoche ebenfalls besuchen durfte. In dieser Zeit habe ich bereits einen Einblick in das internationale Schulwesen bekommen.
Ich schrieb einige internationale, englisch- und deutschsprachige Schulen in Großbritannien und in den Niederlanden an. Die deutsche Abteilung der AFNORTH International School war bereit, mich aufzunehmen.
- 4 - 2.Beschreibung der Einrichtung
2.1. Die AFNORTH International School und ihre Abteilungen Das Oberste Alliierte Streitkräftekommando der NATO in Europa (SHAPE) gliedert sich in Regionalkommandanturen für Nord- und Südeuropa. Die Zentrale für Nordeuropa bis zu den Alpen heißt AFNORTH („Alied Forces North Europe“). In der Provinz Süd-Limburg der Niederlande, in der Gemeinde Brunssum, befindet sich das „Alied Forces North Europe Regional Headquarter“ (AFNORTH RHQ). Sämtliche Kinder und Jugendliche können in der angrenzenden AFNORTH International School nur dann aufgenommen werden, wenn ihre Eltern im AFNORTH RHQ oder in einer vergleichbaren Einrichtung angestellt sind. Solche vergleichbaren Einrichtungen sind z.B. Militärbasen in den Niederlanden, z.B. das Luftwaffenausbildungsregiment in der Kleinstadt Budel aber auch Militärbasen in Belgien und Deutschland.
Die AFNORTH International School wurde im Jahr 1967, die zu diesem Zeitpunkt noch AFCENT International School genannt wurde, als eine Stiftung nach niederländischem Recht gegründet und umfasst neben der deutschen, eine amerikanische, britische und kanadische Abteilung. Mit dem Schuljahr 2000/2001 ist der Schulname in AFNORTH International School geändert worden.
Die Schule wird vom AFNORTH RHQ unterstützt. Finanziert und getragen werden die einzelnen Abteilungen der Schule daher von den zuständigen Ministerien für Verteidigung der NATO-Staaten USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland.
Die deutsche Abteilung der Schule umfasst neben der Grundschule von der 1. bis zur 4. Klasse die Orientierungsstufe (5. und 6 Klasse) sowie eine Realschule und ein Gymnasium. Der Unterricht orientiert sich am Rahmenplan für den Unterricht in Nordrhein-Westfalen.
Die US-amerikanische, britische und kanadische Abteilung fasst ihren Unterricht international in englischer Sprache zusammen. Somit sitzen im Unterricht britische,
- 5 - US-amerikanischeund kanadische Kinder bzw. Jugendliche zusammen in einer Klasse und werden entweder von einem britischen, kanadischen oder US-amerikanischen Lehrer unterrichtet, wobei die US-amerikanischen Kinder und Lehrer dabei in der Mehrheit sind. Es ergeben sich dabei die folgenden internationalen Bereiche:
• Primary School
o Kindergarten („Pre-Kindergarten“) und Vorschule („Kindergarten“)
o Im Kindergarten sind die Kinder 4, in der Vorschule 5 Jahre alt.
o Klassen IY1 und IY2 (IY = Abkürzung für „International Year“)
• Elementary School
o Grundschule
o Klassen IY3 - IY6 (1. - 4. Klasse) sowie Klassen M1 - M2 (5.-6. Klasse)
• Middle School
o 7. und 8. Klasse ( 7th & 8th Grade )
• US/ Candadian High School
o Ab der 9. Klasse bietet die Schule eine High School für US-amerikanische
o Britische Kinder bzw. Jugendliche verlassen in der Middle School die Internationale Schule und gehen daraufhin in der Regel in ein Internat. Über 1500 Kinder und Jugendliche und über 210 Mitarbeiter besuchen die Schule täglich. Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen wird mit dem Schulbus zur Schule gebracht und, mit der Hilfe eines „Bus Coordinators“, der sämtliche Schüler in die richtigen Busse lenkt, auch wieder nach hause gefahren, wobei einige dabei lange Strecken zurücklegen. Einige Kinder kommen aus Belgien, andere aus Deutschland, u.a. aus der Stadt Aachen. Ein großer Teil von ihnen kommt aus den Niederlanden, z.B. von angrenzenden katholischen Kleinstädten, wie z.B. Heerlen, Schinveld oder Sittard. Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen sind wohl behütet und leben im Wohlstand.
Die Eltern der Kinder, Soldaten und Offiziere sind oft nur wenige Jahre an einer Basis stationiert und werden nicht selten nach drei Jahren in die nächste Basis versetzt, die
- 6 - ineinem anderen Land liegen kann. Diese Tatsache führt dazu, dass diese Familien und Kinder als „mobil“ gelten, d.h. sie reisen oft durch verschiedene Länder, lernen dabei viele Sprachen kennen, aber auch unterschiedliche Freundeskreise und Schulsysteme, müssen sich ständig umgewöhnen. Mobilität ist ein Faktor, der eine Identität des Kindes stark beeinflussen kann. Es fehlt diesen Kindern durch diese Umstellungen oft an Orientierung. So haben z.B. einige Kinder Schwierigkeiten, ihre Nationalität auszudrücken bzw. sie wissen nicht, was sie unter dem Begriff „zuhause“ verstehen sollen. Einigen Kindern fällt es schwer, Freunde zu finden, weil sie wissen, diese nach wenigen Jahren wieder verlassen zu müssen, während a ndere Kinder emotional betroffen sind, wenn sie Freunde immer wieder gehen sehen. Das Gebäude besitzt über dem Erdgeschoss zwei Stockwerke und dehnt sich von der Mitte, vom Haupteingang ausgehend, nach rechts 100 Meter, nach links etwa 50 Meter weit aus. Innerhalb des Gebäudes existiert ein Kreisverkehr, durch den man in die unterschiedlichen Bereiche der Schule gelangt.
Die Schule besitzt weiterhin eine kleine Sporthalle innerhalb des Gebäudes, eine große Sporthalle mit drei Hallen außerhalb des Gebäudes sowie ein Fußballplatz vor und einen großen Pausenhof hinter der Schule und eine Bibliothek für alle Kinder und Jugendlichen mit Büchern, Medien in deutscher, englischer und französischer Sprache. Die Schule besitzt weiterhin Computerarbeitsplätze durch mehrere Computerräume, sowohl in der Grundschule, als auch in allen sonstigen Abteilungen sowie in der Bibliothek und in den Klassenräumen.
Die Schule ist seit dem 11.September 2001 militärisch abgesichert. Es ist nötig, sich jederzeit ausweisen zu können, einen Personalausweis am Eingang als Besucher vorzuzeigen bzw. einen Mitarbeiterausweis („Staff Pass“) mit sich zu tragen.
Arbeit zitieren:
Udo Lihs, 2004, Counseling an einer internationalen Schule in den Niederlanden, München, GRIN Verlag GmbH
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