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Vorwort
Die negativen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen übertragen sich seit Jahren auf die Wohnungsmärkte. Die Auswirkungen sind u.a. anhaltende Leerstände im Wohnungsbestand, Vermarktungsschwierigkeiten von Neubauprojekten und eine steigende Zahl von Zwangsversteigerungen.
Die Voraussetzungen für den Wohnungsmarkt, der von wachsenden Einkommen der Verbraucher und Anleger abhängig ist, sind denkbar schlecht. Als Reaktion darauf sank z.B. die Zahl der Wohnungsbaufertigstellungen mit 236.000 auf das niedrigste
1 Die lange vorausgesagte konjunkturelle Erholung in Deutschland Niveau seit 1949.
scheint sich jedoch langsam einzustellen. Dennoch lässt ein spürbarer Aufschwung, der zu einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsmarktlage führt, we iter auf sich warten.
In jeder Krise liegen aber auch Chancen. Um in der Zukunft erfolgreich agieren zu können, ist es jedoch erforderlich neue Marktstrukturen und Herausforderungen rechtzeitig zu identifizieren. Wie sich diesbezügliche Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven für das Marktsegment der Doppel- und Reihenhäuser darstellen können, will diese Arbeit untersuchen. Den äußeren Anlass dazu gab der Forschungsauftrag der XY GmbH.
Die Basis dieser Arbeit bildet hierzu die Identifikation relevanter Einflussfaktoren von Marktangebot und Marktnachfrage sowie die Beurteilung deren wahrscheinlicher Veränderungen bzw. Verläufe. Darauf aufbauend erfolgt anschließend die Bestimmung von Entwicklungsperspektiven ausgewählter deutscher Ballungsgebiete, um gleichzeitig eine Orientierungshilfe zur Ausrichtung künftiger Marktaktivitäten zu geben.
1 Vgl. Statistisches Bundesamt, Baufertigstellungen, 2004, o.S. und Landesbausparkassen, Wohnimmobilien, 2004, S. 14.
II
Inhaltsverzeichnis
Vorwort......................................................................................................... I
Inhaltsverzeichnis. II
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Anhangverzeichnis VIII
Abk ürzungsverzeichnis X
Index XI
1. Abschnitt: Ansatzpunkte für die Marktprognose 1
A. Besonderheiten des Gutes Wohnen 1
B. Einordnung der Untersuchungsgegenstände am Wohnungsmarkt 2
I. Wesensmerkmale 2
II. Nutzwertunterschiede zu anderen Haustypen. 3
C. Systematik der Untersuchung 3
I. Auswahl des Untersuchungsansatzes 4
II. Angewandtes Verfahren. 5
III. Eingrenzung des Prognoseumfangs 6
IV. Annahmegerüst fundamentaler Prognosebedingungen. 6
2. Abschnitt: Identifikation geeigneter Indikatoren im untersuchten
Teilmarkt. 8
A. Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 8
I. Auswirkungen konjunktureller Veränderungen. 8
a) Gesamtwirtschaftliche Konjunktur 8
b) Wohnungswirtschaftskonjunktur 9
II. Relevanz wohnungswirtschaftspolitischer Veränderungen. 10
a) Wirksamkeit wohnungswirtschaftspolitischer Eingriffe 10
III
b) Auswirkungen einer möglichen Absetzung der Eigenheimzulage 12
B. Ausgewählte Indikatoren der Angebotsseite 14
I. Teilsystem Wohnbauland 14
a) Einflüsse der Baulandpolitik. 14
b) Preise. 16
1. Einflussfaktoren. 16
2. Räumliche Struktur 17
3. Auswirkungen von Preisdifferenzen. 18
i) Soziale Verteilungseffekte 18
ii) Räumliche Verteilung von Gebäudetypen 19
c) Umsatzstruktur 21
d) Baulandentwicklung 21
1. Baulandgewinnung durch Flächenmanagement 22
2. Zunahme verdichteter Bauweise bei Preissteigerungstendenzen. 22
II. Teilsystem Finanzierungsbedingungen. 24
III. Teilsystem Wohnungsbau. 25
a) Neubauvolumen im Verhältnis zum Wohnungsbestand 25
b) Neubaustruktur nach Haustypen 25
c) Marktstruktur von Wohnobjektveräußerungen. 26
d) Einfluss zunehmender Nachfrage nach Bestandserhaltungsmaßnahmen26
C. Ausgewählte Indikatoren der Nachfrageseite. 27
I. Teilsystem demografischer Bestimmungsfaktoren 27
a) Tendenzen der Bevölkerungsdynamik. 28
b) Strukturveränderung der Privathaushalte. 29
II. Teilsystem ökonomischer Bestimmungsfaktoren. 31
a) Tendenzen am Arbeitsmarkt 32
1. Aktuelle Arbeitsmarktlage 32
2. Räumlich-zeitliche Arbeitsmarktentwicklung 33
b) Veränderung der verfügbaren Einkommen. 33
1. Einflussfaktoren. 33
2. Vermögenszuflüsse aus Erbschaftsfällen 34
III. Teilsystem sozialer Bestimmungsfaktoren. 35
a) Bedeutung des Wohnstatus Eigentum 35
1. Gedämpfte Ausweitung der Wo hnflächeninanspruchnahme 37
2. Zunehmende individuelle Mobilitätserfordernis 38
IV
3. Abschnitt: Marktperspektiven ausgewählter Regione n 39
A. Zielgebiete der XY GmbH 39
I. Köln-Bonn-Aachen. 39
II. Rhein-Main. 44
III. Stuttgart 49
IV. München. 53
V. Berlin-Brandenburg. 58
B. Regionen mit analogen Umsatzproportionen 63
I. Hamburg. 63
II. Hannover. 67
III. Bielefeld-Münster 70
IV. Mittlerer Oberrhein-Neckar 73
V. Mittelfranken 77
Schlussbemerkung. 81
Anhang XIII
Abstract. XXXV
Quellenverzeichnis XXXVI
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: EIGENHEIMZULAGE - BUNDESWEITE NEUBAUFÖRDERUNG JE 1000
EINWOHNER 1996 BIS 2000.......................................................................13 ABBILDUNG 2: BAUREIFE GRUNDSTÜCKE FÜR EIGENHEIME MITTLERER BIS GUTER
WOHNLAGE 2004 .......................................................................................20 ABBILDUNG 3: PROGNOSE DER RELATIVEN VERÄNDERUNGEN DER BEVÖLKERUNG
1999 BIS 2020.............................................................................................29 ABBILDUNG 4: PROGNOSE DER RELATIVEN VERÄNDERUNGEN DER HAUSHALTE 1999
BIS 2020.......................................................................................................31
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION KÖLN-BONN-AACHEN..................................43 TABELLE 2: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER UNTERSUCHUNGSREGION
KÖLN-BONN-AACHEN...............................................................................43 TABELLE 3: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION KÖLN-BONN-AACHEN.......................................................................................................44 TABELLE 4: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION RHEIN-MAIN ..................................................48 TABELLE 5: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER UNTERSUCHUNGSREGION
RHEIN-MAIN ...............................................................................................48 TABELLE 6:
TABELLE 7: UNTERSUCHUNGSREGION STUTTGART ....................................................52 TABELLE 8: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER UNTERSUCHUNGSREGION
STUTTGART .................................................................................................53 TABELLE 9: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION STUTTGART .53 TABELLE 10: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MÜNCHEN ......................................................57 TABELLE 11: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MÜNCHEN ......................................................57 TABELLE 12:
TABELLE 13: UNTERSUCHUNGSREGION BERLIN-BRANDENBURG ...............................62 TABELLE 14: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION BERLIN-BRANDENBURG ...............................62 TABELLE 15: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION BERLIN-BRANDENBURG...........................................................................................62 TABELLE 16: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION HAMBURG ......................................................66 TABELLE 17: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION HAMBURG ......................................................66 TABELLE 18:
TABELLE 19: UNTERSUCHUNGSREGION HANNOVER ....................................................69 TABELLE 20: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
TABELLE 21:
TABELLE 22:
UNTERSUCHUNGSREGION BIELEFELD-MÜNSTER ..................................72 TABELLE 23: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION BIELEFELD-MÜNSTER ..................................73 TABELLE 24: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION BIELEFELD-MÜNSTER ....................................................................................................73 TABELLE 25: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MITTLERER OBERRHEIN-NECKAR ..............76
TABELLE 26: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MITTLERER OBERRHEIN-NECKAR ..............77 TABELLE 27: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION MITTLERER
OBERRHEIN-NECKAR .................................................................................77 TABELLE 28: NACHFRAGEBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MITTELFRANKEN...........................................80 TABELLE 29: ANGEBOTSBESTIMMENDE INDIKATOREN DER
UNTERSUCHUNGSREGION MITTELFRANKEN...........................................80 TABELLE 30: ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN DER UNTERSUCHUNGSREGION
MITTELFRANKEN ........................................................................................80
Anhangverzeichnis
ANHANG 2:
UND 2002.................................................................................................. XIV ANHANG 3: INANSPRUCHNAHME DER GRUNDFÖRDERUNG - RELATIVE BEDEUTUNG DER BEGÜNSTIGTEN WOHNUNGEN 1996 BIS 2002.............................. XIV ANHANG 4: KAUFWERTE FÜR BAUREIFES LAND IN DER BUNDESREPUBLIK
DEUTSCHLAND 1992 BIS 2001.................................................................XV ANHANG 5: VERGLEICH DER KAUFWERTE FÜR BAUREIFES LAND IN AUSGEWÄHLTEN
BUNDESLÄNDERN 2000 UND 2001..........................................................XV ANHANG 6: GRAFISCHE AUSWERTUNG DER KAUFWERTE FÜR BAUREIFES LAND AUSGEWÄHLTER BUNDESLÄNDER 2000 UND 2001...............................XV ANHANG 7: PREISSPIEGEL FÜR BAUREIFE GRUNDSTÜCKE ORTSÜBLICHER
GRUNDSTÜCKSGRÖßE 2004.................................................................... XVI ANHANG 8: UMSÄTZE UND KAUFWERTE VON BAULAND IN DER BUNDESREPUBLIK
2001.......................................................................................................... XIX ANHANG 9: UMSATZANTEILE UND PREISE VON WOHNBAULAND IM STADT-
UMLAND-GEFÜGE 2001.......................................................................... XIX ANHANG 10: DURCHSCHNITTLICHE GRUNDSTÜCKSGRÖßEN VON EIN- UND ZWEIFAMILIENHÄUSERN IM STADT-UMLAND-GEFÜGE 2001............ XIX ANHANG 11: ANZAHL WOHNEINHEITEN FREIFINANZIERTER WOHNUNGSBAU UND
ANHANG 12:
2002.......................................................................................................... XXI ANHANG 13: BAUFERTIGSTELLUNGEN VON WOHNGEBÄUDEN MIT 1 WOHNUNG IN
DEUTSCHLAND VON 1995 BIS 2002 .....................................................XXII ANHANG 14: RELATIVE UMSATZVERTEILUNG VON BEBAUTEN WOHNIMMOBILIEN IM STADT-UMLAND-GEFÜGE IN DEUTSCHLAND 2001 ..........................XXIII ANHANG 15: ENTWICKLUNG DER KAUFVERTRÄGE BEZUGSFERTIGER WOHNIMMOBILIEN IM STADT-UMLAND-GEFÜGE 2001 ...................XXIII ANHANG 16: VERTEILUNG DER AUßENZUZÜGE 2000 BIS 2020 NACH
RAUMKATEGORIEN .............................................................................. XXIV ANHANG 17: BEVÖLKERUNGSDYNAMIK 1990-1999 UND 2000-2020 IN
ANHANG 18:
ANHANG 19:
ANHANG 23: ANHANG 24: ANHANG 25: IM BALLUNGSRAUM RHEIN-RUHR ....................................................XXXII
ANHANG 26: BAUFERTIGSTELLUNGEN VON DOPPEL- UND REIHENHÄUSERN MIT EINER WOHNUNG IM ZEITRAUM 1995 BIS 2002.............................XXXIII
Abkürzungsverzeichnis
a.M. am Main BBR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung BfLR
BIP BMF eff. effektiv Einw. Einwohner ggü. gegenüber i.d.R.
ies ifo
IHK IRÖ LK Landkreis o.S.
o.V. ROR
SK WE Wohneinheit Whng. Wohnung
XI
Index
A K
Altersvorsorge. 34, 35 Kapitalmarkt 24
Annahmen. 4, 6, 28, 30, 33, 81 Kaufkraft 32, 34
Arbeitskr äfteangebot. 33 Konjunktur
Arbeitskr äftenachfrage. 33 gesamtwirtschaftliche 8
Arbeitslosenquote. 32 Sondereinflüsse. 9
Arbeitslosigkeit 32 wohnungswirtschaftliche. 9
Konsumquote. 37
B
Konsumzur ückhaltung. 34
Baulandpolitik 14
L
Baul ücken. 22, 42, 52
Bestandsobjekt 26 Langlebigkeit 1, 9, 25
Bestandssituation. 25 Lebensphase. 37
Bev ölkerungsdynamik Siehe
M
Bev ölkerungsentwicklung
Bev ölkerungsentwicklung. 17, 27, 28, 29, 30, 50, 74 Marktindikatoren
Billigangebote. 34 Angebotsseite. 14
Nachfrageseite. 27
D
Mobilit ät 37, 38
Demografie 27
N
Doppelhaus
Definition 2 Neubaustruktur. 25, 46
Nachteile 3
P
Vorteile 3
Privathaushalte. Siehe Haushalte
E
Prognose
Eigenheimzulage. 11, 12, 15, 18, 59 regionale 39
Eigentum. 35 Wohnungsbedarfs 4
Eigentumsbildung. 2, 12, 18, 36, 37 Wohnungsnachfrage 4
Eigentumsquote. Siehe Wohneigentumsquote
Q
Einkommen. 33
Entwicklungstendenzen. 6, 9, 21
Qualifikationsstruktur. 32
Erbschaftsf älle 34
R
Erwerbskosten 36
Erwerbspersonen. 33
Reihenhaus
Definition 2
F
Nachteile 3
Familiengr ündung. 30, 36 Vorteile 3
Fertighaushersteller 27
S
Finanzierungsbedingungen. 24
Finanzierungskosten. 24
Siedlungsfl äche 15
Fl ächenknappheit 14, 23, 55
staatliche Förderung 35
Fl ächenkonversion. 22
Staatst ätigkeit 34
Fl ächenverbrauch. 21
Stadtflucht. 22
Stadtregionen. 14, 18, 19
G
Standortbedingungen. 16
Gestaltungsfreiheit 35, 38 Steuerreform. 34
Grundst ücksgröße. 2, 19 Steuerungsinstrumente. 11
Subventionen 10, 15, 18
H
T
Haushaltsbildungsverhalten. 30
Haushaltsentwicklung. 27, 30, 69 Transaktionskosten. 2, 38
Haushaltsverkleinerung 30
Transportkosten. 2, 16
Hypothekenzins. 24
U
I
Untersuchungsregion
Informationskosten....................................................... 2
Berlin -Brandenburg 58
Bielefeld-Münster................................................... 70
Hamburg................................................................... 63
Hannover.................................................................. 67
Köln-Bonn-Aachen................................................ 39
Mittelfranken........................................................... 77
Mittlerer Oberrhein-Neckar.................................. 73
München................................................................... 53
Rhein-Main .............................................................. 44
Rhein-Ruhr .............................................................. 39
Stuttgart.................................................................... 49 V
Vermögensaufbau....................................................... 35 W
Wachstumsregionen............................................. 28, 33
Wanderungsverluste................................................... 28
Wirtschaftkonjunktur....Siehe gesamtwirtschaftliche
Konjunktur
Wohnbauland............................................................... 14
Besonderheiten des Gutes ‚Wohnen‘ 1
1. Abschnitt: Ansatzpunkte für die Marktprognose
Der auf das Gut ‚Wohnen‘ bezogene Markt, lässt sich von anderen Immobilienteilmärkten abgrenzen und gliedert sich in eine Vielzahl zeitlich, räumlich und sach-
2 D.h.‚der‘ Wohnungsmarkt im Sinne eines einzigen abs-lich heterogener Teilmärkte. trakten Marktes ist nicht existent.
Neben einer begrifflichen Abgrenzung erfolgt eine sachliche Abgrenzung der Haustypen Doppel- und Reihenhaus. Da eine sachliche Unterscheidung der Wohnungsteilmärkte u.a. hinsichtlich Lage, Größe, Qualität, Aufteilung, Alter und Gebäudeart besteht, soll eine Nutzwertbestimmung der Haustypen Doppel- und Reihenhaus
3 vorgenommen werden.
A. Besonderheiten des Gutes ‚Wohnen‘
Die Natur des Gutes ‚Wohnen‘ ist ein komplexes Gefüge nicht isolierbarer Größen und kann als „...Organisationsprozeß der individuellen Lebensvollzüge, in dessen
4 bezeichnet we r-Ablauf spezifische Bedürfnisse der Handelnden befriedigt werden...“ 5 . den. Den physischen Bezugsrahmen bildet die Wohnung In ihrer Funktion als Marktobjekt wird die Wohnung, verglichen mit anderen
6 determiniert. Diese bewirken, dass Konsumgütern, von besonderen Eigenschaften
sich auf verschiedenen Teilmärkten unterschiedliche Engpässe und Preisschwankungen herausbilden. Gleichzeitig bildet der Preis die jeweils herrschende Wohnungs(teil)marktsituation ab. Häufig lassen sich Angebotsdefizite und Angebotsüberhänge in unmittelbarer Nähe voneinander finden, aber aufgrund der Immobilität von 7 Nicht selten we ichen individuelle Markt(preis)-Wohnungen nicht ausgleichen.
bewertungen erheblich von publizierten Marktbewertungen ab. Derartige Abweichungen sind mit individuell abweichender Bewertung von Wohnwertkomponenten zu begründen, z.B. der Beschaffenheit von Wohnung und Wohnumfeld oder regionalen La-
8 gefaktoren und einer Vielzahl subjektiver Einflussfaktoren. Die Ursache der Marktschwankungen liegt in der Anpassung der Wohnsituation von privaten Haushalten als Reaktion auf ihre nicht gleichgewichtige Wohnungsnach- 2 Vgl.Falk, Immobilienlexikon, 2004, S. 940.
3 Vgl. Heuer / Nordalm, Wohnungsmärkte, 2001, S. 26. 4 Heuer / Nordalm, Wohnungsmärkte, 2001, S. 23.
5 Detailliert erfolgt eine Abgrenzung im Steuerrecht, bautechnischem Bereich und der Statistik. Im Folgenden soll darunter vereinfachend die Zusammenfassung von Räumen und Nebengelass die mit Kochgelegenheit so-
wie Toilette und eigenem Zugang versehen ist und zu Wohnzwecken eines Haushalts dient, verstanden wer-
den. Vgl. Liebe, Wohnung, 1997, S. 943.
6 U.a. einen langen Herstellungs- bzw. Produktionsprozess, Langlebigkeit und damit verbundene lange ökonomische Marktwirksamkeit, Immobilität, hohe Kapitalintensität, einen hohen Komplexitätsgrad und fehlende
Teilbarkeit des Konsums. Vgl. Heuer/Nordalm, Wohnungsmärkte, 2001, S. 23f.
7 Vgl. Niefert, Mobilität, 2003, S. 47. 8 Vgl. Eekhoff, Bodemarkt, 1987, S. 260f.
Einordnung der Untersuchungsgegenstände am Wohnungsmarkt 2
9 Den Impuls zur Veränderung durch Wohnungswechsel liefern - bei gegebenem frage.
Einkommen und Preisen - erzielbare individuelle Nutzenzuwächse. Jeder Wohnungswechsel verursacht jedoch infolge weitgehend mangelhafter Markttransparenz hohe Informations- und Transaktionskosten für Nachfrager. Diese setzen sich aus individuellen Such- und Transportkosten sowie ‚psychologischen Kosten‘ des Umzugs zusammen. Zusätzlich wird der Anpassungs- und Veränderungsprozess durch vielschichtige personelle, zeitliche, räumliche und sachliche Präferenzen geprägt, die nicht nur 10 das Gut ‚Wohnen‘ betreffen.
Der Entschluss zum Wohnungswechsel, als Reaktion auf eine ungleichgewichtige Wohnsituation, wird vom Haushalt als Ergebnis eines Abwägungsprozesses erst dann getroffen, wenn die erwartete Gesamtnutzensteigerung die Gesamttransaktionskosten übersteigt. Der Schritt zu einer Anpassung festgestellter Ungleichgewichte erstreckt sich über einen Zeitraum mehrerer Jahre und erschwert insofern eine Beurtei- 11 lung künftiger Marktentwicklungen.
B. Einordnung der Untersuchungsgegenstände am Wohnungsmarkt
I. Wesensmerkmale
Als Doppelhaus wird ein aus „...zwei aneinandergefügte[n] Einzelhäuser[n] auf jeweils eigenem Grundstück...“ definiert, „...von denen jedes Haus eine oder mehrere 12 . Werden hingegen mehr als zwei Einfamilienhäu-selbständige Wohnungen enthält.“
ser “...zu einem Baukörper zusammengefaßt...“ und „...parallel zu einer Straße oder 13 errichtet, spricht man von Reihenhäusern. Bei derart in verdichteter einem Platz...“
Bauweise errichten Einfamilienhäusern, überwiegt bautechnisch absolut der Haustyp eines von der Nord- bis zur Ost-Seite her erschlossenen Reihenhauses, welches einsei- 14 tig an einem Wohnweg oder einer Wohnstraße liegt.
Die Grundstücksgröße bemisst sich auf ca. 200-250 m² für Reihenmittelhäuser, was bei Wohnflächen von ca. 100-125 m² den hohen Grad der Grundstücksnutzung erkennen lässt. Doppelhaushälften weisen meist größere Grundstücke von im Mittel 350-500 m² auf. Im Größenvergleich werden ähnlich große freistehende Eigenheime auf Grundstücken von 500-750 m² errichtet. Die angegebenen Größen sind lediglich als Richtwerte zu verstehen, die sich regional und zeitlich dynamisch verändern. Sowohl bei der genutzten Grundstücksgröße als auch in der Dimensionierung der Wohn-
15 flächen ist in den letzten Jahren eine Verringerung festzustellen (s. Anhang 2).
9 Vgl. Kühne-Büning, Sättigung, 1997, S. 704.
10 Vgl. Niefert, Mobilität, 2003 S. 48. 11 Vgl. Heuer / Nordalm, Wohnungsmärkte, 2001, S. 26ff. 12 Kadatz, Wörterbuch Architektur, 1980, S. 77. 13 ebenda, S. 224.
14 Vgl. Weeber / Weeber / Wölfle, Eigenheime, 2002, S. 10. 15 Vgl. o.V., Eigentumsbildung, 2004, o.S. und Schaber, Reihenhaus, 1997, S. 691f.
Systematik der Untersuchung 3
II. Nutzwertunterschiede zu anderen Haustypen
Die Gebäudeform Doppel- oder Reihenhaus birgt gegenüber dem freistehenden Eigenheim oder einer Etagenwohnung im Mehrfamilienhaus weitere, oft individuell wahrgenommenen Vor- und Nachteile. Von hervorgehobener Bedeutung im Vergleich mit freistehenden Eigenheimen sind letztlich ökonomische Vorteile geringerer Grundstücks- und Baukosten sowie niedrigere Grundstücksfolge- und Objektnutzungskosten. Erst diese Kostenvorteile ermöglichen es vielen Erwerbern bzw. Nutzern, ihren Wohnwunsch ‚Eigenheim‘ auch an guten und preisintensiven Standorten zu realisieren. Obwohl der langfristigste Aspekt geringerer Nutzungskosten am nachhaltigsten ist, wird dieser Tatsache seitens der Erwerber (bzw. Nutzer) meist nur untergeordnete 16 Bedeutung beigemessen.
Neben ökonomischen Gründen führten in den letzten Jahren immer stärker strukturelle, ökologische und soziale Notwendigkeiten zur Errichtung von Reihenhaussiedlungen bzw. zu verdichteter Bauweise bei Eigenheimen in Form von Doppelhäusern. Einen wichtigen Beitrag dazu, dass Reihenhäuser auch eine zukunftsweisende Bau-form darstellen werden, leisten immer verschiedenartigere architektonische Konzeptionen der Baukörper, noch stärker an Nutzerinteressen und -bedürfnissen ausgerichtete Siedlungsgestaltungen sowie eine zunehmende Akzeptanz des Reihenhauses als Aus- 17 druck individuellen Wohnens.
Eine Besonderheit der Errichtung neuer Doppelhäuser im Vergleich mit freistehenden Einfamilienhäusern ist die vom Haustyp diktierte, enge Abstimmung zweier bauwilliger Parteien vor und während der Bauplanung und -ausführung. Dieser notwendige Planungs- und Koordinationsaufwand kann bei Reihenhausbebauung in aller Regel nicht durch die Bauherren geleistet werden. Die Ausführung von Reihenhäusern resultiert daher fast ausschließlich aus Bauträger- oder Generalunternehmer- 18 Nebender Grundstücksbeschaffung wird vom Bauträger die gesamte Ob-Projekten.
jektprojektierung übernommen. Aus Bauherrensicht stehen dem Vorteil der Übertragung von Planungs- und Koordinierungsaufgaben Nachteile einer fehlenden freien Wahl des Grundstücks und des Objektes gegenüber. Als weitere Nachteile lassen sich die räumliche Enge zum Nachbargrundstück, die meist fehlende Möglichkeit zur Erweiterung des Hauses sowie die oft fehlende Garage anführen.
C. Systematik der Untersuchung
Zweck jeder Prognose ist die Voraussage des zukünftigen Zustandes des Unter-suchungsgegenstandes bzw. bedingte Behauptungen zu künftigen Ereignissen. Damit
16 Vgl. Philipp, Rationelles Bauen, 2001, S.651f. und Haas, Verdichtung, 2000, S. 38.
17 Vgl. Franger-Huhle, Siedlungskulturen, 2004, o.S. 18 Vgl. Sailer / Grabner, Immobilien-Fachwissen, 2004, S. 316.
Systematik der Untersuchung 4
verbunden sind alle Schwierigkeiten der Komplexität, Transparenz, Nachvollziehbar- 19 keit sowie Fehlinterpretation von Ergebnissen.
Der nachfolgende Abschnitt ist ein Überblick über den gewählten Ansatz, die Methode und den Umfang der Prognose. Zusätzlich werden die wichtigsten Annahmen, die der Prognose zu Grunde liegen, dokumentiert.
I. Auswahl des Untersuchungsansatzes
Wohnungsmarktprognosen lassen sich je nach Zielsetzung in Wohnungsbe- 20 Wohnungsbedarfsprogno-darfs- bzw. Wohnungsnachfrageprognosen unterscheiden.
sen werden auf den Wohnungsbedarf, d.h. den streng normativen Begriff einer gesellschaftspolitischen Soll-Größe, abgestellt. Dieses Vorgehen bedingt die Festlegung einer Norm bzw. des sozial Wünschenswe rten, ohne zu berücksichtigen, ob und inwi e- 21 DerartigePrognosen weit es (staatspolitische) Aufgabe ist, diese Norm zu erfüllen. erweisen sich als Grundlage unternehmerischer Investitionsentscheidungen als untaug- 22 lich, denn erst die Wohnungsnachfrage drückt eine marktwirksame Ist-Größe aus. Wohnungsnachfrage stellt auf “...individuelle[n] Pläne oder Handlungen der Wirtschaftssubjekte...“ ab, „...die je nach dem Realgehalt von subjektiven Wünschen über die potenzielle bis hin zur faktisch marktwirksam werdenden Nachfrage reichen kön- 23 AusreichendesAngebot vorausgesetzt, entscheidet letztlich die individuelle nen.“
finanzielle Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, in welchem zeitlichen Rahmen und ökonomischen Umfang subjektive Wohnwünsche in tatsächliche Marktnachfrage umgesetzt werden. In eine Wohnungsnachfrageprognose gehen normative Zielvorstellungen nicht ein d.h. das Prognoseresultat unterliegt keiner Prüfung auf Sozialverträglich- 24 Dieraschen Bedarfsverschiebungen, häufigen Änderungen im Konsumverhal-keit.
ten und kurzfristigen Modeströmungen lassen daher seit Jahren Wohnungsnachfrageaspekte in den Vordergrund prognostischen Interesses treten. Insofern stellen Wohnungsnachfrageprognosen eine zielgerichtetere Grundlage für geschäftspolitische Ent- 25 scheidungen dar.
Angebotsseitig wird der Umfang jährlicher Wohnungsneubautätigkeit seit langer Zeit nicht mehr von verfügbaren Kapazitäten der Bauwirtschaft eingegrenzt. Auch 26 werden voraus-veränderte Eigenkapitalvorschriften im Rahmen des Basel II-Akkord
19 Vgl. Bucher, Raumordnungsprognose, 2004, S.II und Striens, Geographieprognostik, 1996, S. 23. 20 Vgl. Striens, Methoden, 1997, S. 11.
21 Vgl. Baldermann, Wohnflächennachfrage, 1980, S. 49f. und Duwendag, Wohnungsbedarf, 1970, S. 17f. 22 Vgl. Kornemann, Wohnungsprognosen, 1990, S. 18f. 23 Duwendag, Wohnungsbedarf, 1970, S. 18. 24 Vgl. Baldermann, Wohnflächennachfrage, 1980, S. 49. 25 Vgl. Kornemann, Wohnungsprognosen, 1990, S. 18.
26 Detaillierte Angaben und Auswirkungen zu den getroffenen neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen sind in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank April 2001 und September 2004 aufgeführt. Vgl. Deut-
sche Bundesbank, Basel II, 2004, o.S.
Systematik der Untersuchung 5
sichtlich keinen Angebotsengpass an Bauleistungen erwarten lassen. Das bedeutet, dass nicht die Angebotsseite marktbestimmend wirkt, sondern das Marktgeschehen 27 Einflüsse des An-vom Nachfrager-Verhalten geprägt und zunehmend limitiert wird. gebots dürfen in der Untersuchung allerdings nicht ausgeschlossen werden. So lassen sich am Markt für Wohnbauland in regional unterschiedlicher Ausprägung Angebotsmärkte erkennen. Der besonderen Bedeutung des Einflussfaktors Wohnbauland wird im 2. Abschnitt nachgegangen.
Die isolierte Betrachtung nur einer Marktseite erscheint daher als nicht sinnvoll, Ideales Vorgehen wird in einer Verknüpfung von Angebots- und Nachfrageseite gese-
28 DasFehlen sowohl quantitativer als auch qualitativ zielführender D aten hen.
schränkt die Prognosemöglichkeiten des untersuchten Wohnungsteilmarktes erheblich ein. Hilfsweise lassen sich Prognosen für Indikatoren erstellen, die für die Abbildung
29 Diesem Ansatz wird in Abschnitt 2 mit der Analyse und der Prognose wichtig sind.
Identifikation relevanter demografischer, ökonomischer und sozialer Faktoren gefolgt.
II. Angewandtes Verfahren
Verschiedene Grundansätze und Techniken zur Zukunftsforschung wurden im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mit unterschiedlicher Intensität in Abhängigkeit des Untersuchungsgegenstandes, der zugrundeliegenden Daten, dem Einsatzbereich
30 In und der Zielsetzung der Prognose angewandt und fanden variierendes Interesse. der Literatur fällt, bedingt durch die Komplexität des Wirtschaftssektors speziell bei Wohnungsmarktprognosen, eine weitreichende methodische und inhaltliche Vielfalt
31 auf.
Die im Rahmen dieser Arbeit untersuchten Indikatoren werden zum Großteil durch originäre Prognosen abgedeckt. Diesen Prognosen liegen verschiedene wissenschaftliche Prognosemethoden zu Grunde, deren jeweilige detaillierte Darstellung in den jeweiligen Prognosedokumentationen zu finden ist. Der Bereich der demografischen Indikatoren wird über die Untersuchungen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung einbezogen. Die räumliche Differenzierung der Prognoseergebnisse 32 Auch liefert aussagekräftige, relativ untereinander abgestimmte Regionalergebnisse. bei der Darstellung der Perspektiven ökonomischen Indikatoren und der Perspektiven am Immobilienmarkt wird größtenteils auf Ergebnisse aktueller Langfriststudien ve r- 27 Vgl.Gerfin, Wirtschaftsprognosen, 1964, S. 177.
28 Vgl. Duwendag, Wohnungsbedarf, 1970, S. 6f. 29 Vgl. Kornemann, Wohnungsprognosen, 1990, S. 20f. 30 Vgl. Striens, Geographieprognostik, 1996, S. 9.
31 Vgl. Striens, Methoden, 1997, S.11 und Hüttner, Prognoseverfahren, 1986, S. 20f. 32 Vgl. Bucher, Raumordnungsprognose, 2004, S. II.
Systematik der Untersuchung 6
33 Die Ergebnisse dieser Arbeit stellen insofern schiedener Anbieter zurückgegriffen. eine Kombination von Prognosen dar, d.h. eine Metaprognose.
III. Eingrenzung des Prognoseumfangs
Eine sachliche Eingrenzung der Untersuchung erfolgt sowohl bei Indikatoren der Angebots- als auch der Nachfrageseite. Die Entwicklungstendenzen der ausgewählten 34 vorausgeschätzt. Indikatoren werden unter Status-quo-Bedingungen Im Rahmen der Arbeit wird räumlich auf die Zielregionen der XY GmbH fokussiert. Dazu gehören die Ballungsräume Berlin-Brandenburg, Rhein/Ruhr, Frankfurt a.M., Stuttgart und München. Daneben werden zusätzlich Regionen herausgefiltert, die in der Vergangenheit ein vergleichbares absolutes Absatzpotenzial aufwiesen. Als Abgrenzungskriterium wird eine Gesamtfertigstellungszahl von ca. 750 Doppel- und Reihenhäusern (mit einer Wohnung) p.a. je Raumordnungsregion zu Grunde gelegt. Auf
35 erfolgt in Abschnitt 3 die Analyse Basis der Systematik der Raumordnungsregionen
bzw. Vorausschätzung der Indikatoren. Teilweise wird eine über diese räumlichen Grenzen hinausgehende Untersuchung vorgenommen, bzw. werden detailliertere Entwicklungstendenzen aufgezeigt. Die Auswahlregionen sind in Anhang 1 dargestellt. Es sei darauf hingewiesen, dass ein grundsätzliches Problem des Vergleichs der Prognoseergebnisse mit uneinheitlichem räumlichem Bezug besteht. Die siedlungsstrukturelle Entwicklung ist stark von historischen Zufallseinflüssen und einer Vielzahl von Faktoren verschiedener Herkunft geprägt. Bei vergleichenden Betrachtungen 36 sind vor diesem Hintergrund verzerrte Einschätzungen denkbar. Der zeitliche Umfang der demografischen Teilprognosen erstreckt sich bis ins Jahr 2020. Innerhalb eines solchen Zeitrahmens kann die Zahl und Struktur der Bevö lkerung durch zeitreihen-analytische Methoden relativ verlässlich vorhergesagt werden. Kurzfristige, eher zufällige Entwicklungen werden dabei außer acht gelassen und Er- 37 gebnisse geglättet.
IV. Annahmegerüst fundamentaler Prognosebedingungen
Prognoseergebnisse basieren auf bestimmten Annahmen über die Entwicklung der sie beeinflussenden Variablen. Ändern sich die Annahmen oder treten im Betrachtungsverlauf andere tatsächliche Ergebnisse ein, hat dies erheblichen Einfluss auf die Prognoseergebnisse. Bei der Ve rwendung der Prognose ist es deshalb angebracht, die einschränkende Wirkung der getroffenen Annahmen zu berücksichtigen.
33 U.a. der ‚Zukunftsatlas 2004‘ der Prognos AG und die ‚Immobilienmarktübersicht‘ der HVB Expertise GmbH.
34 Diese Annahme bezieht sich „...insbesondere auf die staatlichen Eingriffe in den Ablauf der regionalen und gesamträumlichen Entwicklung...“. Birg, Raumanalyse, 1982, S. 164.
35 „Raumordnungsregionen sind großräumige, funktional abgegrenzte Analyseeinheiten für die Raumordnungsberichterstattung der Bundesregierung.“ BfLR, Raumordnungsprognose, 1996, S. 65.
36 Vgl. Siedentop, Agglomerationsräume, 2003, S. 27f. 37 Vgl. Bucher, Raumordnungsprognose, 2004, S. II.
Systematik der Untersuchung 7
Als notwendig Rahmenbedingungen dieser Prognose zählen global gesehen, dass
• keine Naturkatastrophen eintreten oder Kriege von globaler Bedeutung bzw. gefährliche Epidemien ausbrechen,
• die größten Volkswirtschaften trendmäßig angemessene Wachstumspfaden einschlagen bzw. beibehalten werden.
Auf nationaler Seite soll zusätzlich davon ausgegangen werden, dass
• eine konjunkturelle Erholung aufgrund der allgemeinen Belebung der Weltkonjunktur, relativ stabile Preise in Verbindung mit niedrigen Nominalzinsen und stabilen Lohnstückkosten eintreten,
• das gesamtwirtschaftliche Wachstum kurz- und mittelfristig den positiven Entwicklungspfad beibehält,
• weitere konsequente Reformprozesse und Einschnitte im Gesundheitswesen und den anderen Systemen der sozialen Sicherung - insbesondere der Altersversorgung - Impulse zur Überwindung der anhaltenden Wirtschaftsschwäche geben,
• die wichtigsten gesellschaftlichen Konstellationen stabil bleiben,
• umfassende Reformen der Steuersysteme, eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und umfassende Bildungsreformen zur Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der kommunalen Finanzierung beitragen,
• die hohe Arbeitslosigkeit nicht nachhaltig sinkt und erst durch demografische Effekte Entspannung eintritt,
• nur eine geringe Erhöhung der verfügbaren Einkommen zur erwarten ist, was gleichzeitig anhaltende negative Impulse auf die Binnennachfrage
38 nach sich zieht,
• insbesondere die großen Verdichtungsräume von internationaler Wande- 39 rung stärker geprägt werden als andere Regionen.
38 Vgl. Gluch, Bauvorausschätzung, 2003, S. 11f.
39 Vgl. BBR, Szenarien, 2003, S. 10.
Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 8
2. Abschnitt: Identifikation geeigneter Indikatoren im untersuchten Teilmarkt
Die Entwicklung des Marktsegmentes ‚Doppel- und Reihenhaus‘ ist in einen Immobilienkonjunkturzyklus eingebunden, der wiederum in Abhängigkeit zur allgemeinen Wirtschaftskonjunktur steht. Da eine Sektor- bzw. Partialprognose nicht vollkommen losgelöst von der sie umgebenden Umwelt getroffen werden kann, ist es er-forderlich, einen Rahmen makroökonomischer Tendenzen sowie politisch-rechtlicher, 40 Einflussfaktoren aufzuzeigen und eine Einordnung vorzunehmen. Die Vielzahl der Faktoren mit Einfluss auf die Marktentwicklung im Untersuchungssegment und ihr komplexes Zusammenwirken erschweren eine Prognose erheblich. Nachfolgend soll eine Identifikation aussagekräftiger Indikatoren der Angebots-und Nachfrageseite am Markt für Doppel- und Reihenhäuser erfolgen. Deren Analyse bildet die Grundlage für die im 3. Abschnitt zu führende regionalisierte Marktprognose.
A. Rahmenbedingungen der Marktentwicklung
I. Auswirkungen konjunktureller Veränderungen
a) Gesamtwirtschaftliche Konjunktur
Konjunkturveränderungen als „...zyklische Schwankungen im Auslastungsgrad 41 werden vor allem in der Höhe des des Produktionspotentials einer Volkswirtschaft...“
Sozialprodukts deutlich. Daneben kommen sie auch in der Veränderung der Beschäftigungszahlen sowie in Lohn-, Gewinn-, Zins- oder Preisreihen zum Ausdruck. Geht man noch weiter, sind selbst außerwirtschaftliche Auswirkungen wie z.B. veränderte Bevölkerungsentwicklungen und Einflüsse auf das politisch-kulturelle Leben einer
42 Volkswirtschaft beobachtbar.
Die deutschen Wirtschaftkonjunktur zeichnet sich in den letzten Jahren durch sehr geringe Steigerungsraten des realen Bruttoinlandsprodukts aus. Im Vergleich zum jewe iligen Vorjahr wuchs das reale BIP um 0,8 % im Jahr 2001 bzw. 0,2 % in 2002 43 Der Wert im Jahr 2003 und 2003 war sogar ein Rückgang um 0,1 % festzustellen.
scheint nach Auffassung führender Wirtschaftsinstitute den Tiefpunkt aktueller konjunkturellen Entwicklung darzustellen. Die Meldungen über eine „robuste Erholung 44 oder ein freundlicheres Euro-Konjunkturbild sowie die Erwartun-der Konjunktur“
gen nachhaltigen Aufschwungs mehren sich. Bereits für 2004 wird mit Zuwachsraten von 1,5-1,8 % gerechnet. Für 2005 werden Wachstumswerte zwischen 1,4-2,1 %
40 Vgl. Knepel / Schilling, Immobilienprognosen, 2004, S. 30f.
41 Hewel / Neubäumer, Konjunktur, 1998, S. 363. 42 Vgl. Gumpert, Konjunkturpolitik, 1997, S. 500. 43 Vgl. Dullien / Schieritz, Aufschwung, 2004, S. 14. 44 Vgl. o.V., Konjunkturerholung, 2004, S. 6.
Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 9
prognostiziert. Grundlage der Prognoseergebnisse sind positive Exportaussichten bei 45 Zu berück-voraussichtlich gleichbleibend niedrigem Niveau der Binnennachfrage. sichtigen ist zusätzlich, dass es sich um räumlich aggregierte Prognosewerte handelt. So wird z.B. die ostdeutsche Konjunktur voraussichtlich hinter diesen Werten zurück- 46 bleiben und erst von einer sich belebenden Binnennachfrage profitieren. Nachhaltige Auswirkungen auf die prognostizierte gesamtwirtschaftliche Entwicklung werden u.a. jedoch Veränderungen des Rohölpreises, mögliche Lohnforderungen in Folge des Preisanstiegs und mögliche Zinserhöhen haben. Zusätzliche negative Impulse gehen kurz- bis mittelfristig von den Reformen der Arbeitsmarkt- und
47 Gesundheitspolitik sowie den rückläufigen Investitionen des Staates aus. Aus der Vielzahl der Einflussfaktoren und deren komplexen Zusammenhängen lassen sich nur kurzfristig Rückschlüsse der Entwicklungstendenzen ziehen. Insbesondere denkbare, aber nicht prognostizierbare Sondereinflüsse, wie z.B. die Hochwasserkatastrophe 2002 oder ungewisse statistische Auswirkungen, z.B. der Arbeitsmarkt- 48 Eine reformen, we rden in den Gutachten der Wirtschaftsinstitute ausgeklammert. Prognose über Verlaufspfade der konjunkturellen Entwicklung ist allerdings, wenn 49 überhaupt, nur kurzfristig möglich.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bildet damit den Bezugsrahmen für den Immobilienmarkt allgemein und speziell für den Markt der Doppel- und Reihenhäuser. Auf das Untersuchungsziel bezogen, findet die aktuelle Wirtschaftsschwäche u.a. in einer Zurückhaltung beim Immobilienerwerb bzw. in einem allgemeinen Rückgang der Bautätigkeit ihren Ausdruck.
b) Wohnungswirtschaftskonjunktur
Der Wohnungsbau setzt sich aus Neubau- und Wohnungsbestandsmaßnahmen zusammen und stellt insgesamt den höchsten Anteil der Gesamtbautätigkeit dar. Zur Beurteilung bzw. Erklärung konjunktureller Veränderungen sind beide Teilsektoren in 50 engem Zusammenhang zu sehen.
Durch die Langlebigkeit der Wohnung (aus physischer und ökonomischer Sicht) und eine damit verbundene lange Marktwirksamkeit, haben Bestandsveränderungen im Verhältnis zum Bestand ein geringes Volumen. Unterschiedliche Veränderungen im Bestand ziehen daher unterschiedliche Veränderungen von Wohnungsbaunachfrage und Wohnungsbaukonjunktur nach sich und wirken über vor- und nachgelagerte Märkte auch auf den gesamtwirtschaftlichen Konjunkturve rlauf.
45 Vgl. o.V., Wirtschaftswachstum, 2004, S. 8 und o.V., Konjunkturbild, 2004, S. 7.
46 Vgl. o.V., Ostdeutschland, 2004, S. 8.
47 Vgl. Dullien / Schieritz, Aufschwung, 2004, S. 14 und Frank, Wirtschaftsentwicklung, 2004, o.S. 48 Vgl. o.V., Wachstumsmotor, 2004, S. 10. 49 Vgl. Gluch, Bauvorausschätzung, 2003, S. 23. 50 Vgl. ebenda S. 21.
Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 10
Die Vielzahl der theoretischen Erklärungsansätze von Wohnungsbauzyklen macht für derartige Phänomene exogene Einflüsse verantwortlich, „... wobei monetäre und psychologische Einflüsse einen festen, manchmal sogar den vorherrschenden Er-
51 .Differierende Ansichten werden jedoch bei der Beantwo r-klärungsansatz bilden...“
tung der Frage, ob der Wohnungsbau vor-, nach- oder gleichläufig zur gesamtwirtschaftlichen Konjunktur ist, vertreten. In Mikro- bzw. makroökonomische Erklärungsansätzen stützen sich die Aussagen auf Investitionsdeterminanten. Aus Partialuntersuchungen stellten sich Rückschlüsse auf eine Zinsabhängigkeit von Wohnungsinvestitionen heraus. Diese Zinsabhängigkeit wird allerdings vom öffentlich begünstigten Wohnungsbau verzerrt und bei selbstgenutztem Wohneigentum geringer ausgeprägt. In gesamtwirtschaftlichen Modellen wird das Einkommen der privaten Haushalte bzw. die Einkommensentwicklung als erklärende Größe herangezogen. Es wurde herausgearbeitet, dass mit steigendem Einkommen der Wohnflächenkonsum zunimmt und in gleicher Weise Reaktionen der Mietausgaben festzustellen sind. Relevante Indikatoren der Wohnungsbaunachfrage sehen makroökonomische Modelle in Baupreisen, Kapitalmarktzinsen und ve rfügbaren Einkommen privater Haushalte. Bedeutenden Einfluss 52 haben zudem staatliche Subventionen.
Als langfristige Determinanten wirken Mietpreisentwicklungen als Rentabilitätsimpuls im Mietwohnungsbau und Veränderungen der real verfügbaren Einkommen im Eigentümerwohnungsbau. Prägender Einfluss auf diesbezüglich zu erwartende, lang- 53 fristige Entwicklungen wird den Strukturdaten zugeschrieben. Das Wechselwirkungen zwischen konjunktureller Entwicklung von Wohnungs-und Gesamtwirtschaft bestehen, wurde in einer Untersuchung des RWI ausgearbeitet. Im Ergebnis konnte nachvollzogen werden, dass dem Wohnungsbau überdies die Rolle eines Wachstumsmotors zuzuschreiben ist. Davon ausgehende Multiplikator- und Akzeleratoreffekte wirken sowohl mit positivem, als auch mit negativem Vorzeichen. Nachweislich sind die prozyklischen Schwankungen der Wohnungsbauinvestitionen deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Wirtschaftsbereichen und gelten als Vorläu- 54 fer einer gesamtwirtschaftlichen Konjunkturentwicklung.
II. Relevanz wohnungswirtschaftspolitischer Veränderungen
a) Wirksamkeit wohnungswirtschaftspolitischer Eingriffe
Dem staatliche Einfluss mittels ordnungs- , prozess- und verteilungspolitischer Maßnahmen in den Konjunkturprozess regulierend einzugreifen, wird große Bedeutung beigemessen. Obwohl im Rahmen der Gesamtkonjunktur begrenzt wirksam, zei- 51 Kühne-Büding,Wohnungswirtschaft, 2001, S. 259.
52 Vgl. Kühne-Büding, Wohnungswirtschaft, 2001, S. 254f. 53 Vgl. ebanda S. 262.
54 Vgl. Löbbe / Siebe, Konjunkturlokomotive, 2001, S. 268.
Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 11
55 So gen sich bezüglich der Immobilienkonjunktur deutliche Einflussmöglichkeiten. werden ca. 15 % der gesamtwirtschaftlichen Bruttobauinvestitionen durch unmittelba- 56 re staatliche Baunachfrage entfaltet.
Bei der Untersuchung der Perspektiven für Wohnungsteilmärkte lassen sich eine Vielzahl wechselseitiger Einflüsse mit staatlicher Strukturpolitik finden. So wird bspw. die Wirtschaftsentwicklung im Rahmen nationaler, regionaler und lokaler Wirtschaftspolitik gelenkt und gleichzeitig über den Arbeitsmarkt Einfluss auf die Kauf- 57 kraft bzw. indirekt auf den Wohnungsmarkt genommen.
59 eingesetzt werden. Der Stellenwert der Instrumente und der Steuerungsinstrumente
jeweilige Interventionsbedarf sind von der Situation auf den Wohnungsmärkten sowie den demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen abhängig. Auch wenn die gegenwärtige Situation von relativ entspannten Wohnungsmärkten geprägt ist, bleiben 60 Einen Beitrag in bestimmten benachteiligten Standorten soziale Probleme ungelöst. dazu haben u.a. veränderte Investitionsbedingungen im Wohnungsbau in Folge der Einkommensteuer- und Rentenreform geleistet. Diese Veränderungen äußern sich in stark rückläufigem Geschosswohnungsbau und der Konzentration der Neubautätigkeit im Eigenheimbereich. Bei Beurteilung der gegenwärtigen Neubausituation ist davon auszugehen, dass bei anhaltender niedriger Gesamtbautätigkeit der Bedarf langfristig nicht gedeckt werden kann. In wirtschaftlich dynamischen Zentren ist künftig mit neuen Knappheiten bzw. Preis- und Mietenanstiegen zu rechnen. Bereits heute wi rtschafts- und strukturschwache Regionen werden durch weiterhin verschlechterten Marktbedingungen und höheren Risiken durch Marktsättigungen benachteiligt. 61 Die anhaltende Reformierung im deutschen Subventions- und Steuerrecht sowie die weitgehend angespannte Lage der öffentlichen Haushalte werden, aller Voraussicht nach, zu weiteren Einschränkungen der Wohnungsbauförderung führen.
55 Vgl. Hewel / Neubäumer, Konjunktur, 1998, S. 405f. und Mändle, Immobilienpolitik, 1997, S. 944ff. 56 Vgl. Ottnad / Hefele, Bauwirtschaft, 2002, S. 82. 57 Vgl. Falk, Immobilienlexikon, 2004, S. 942.
58 U.a. die Sicherstellung quantitativer und qualitativer Wohnraumversorgung, Steigerung der Eigentümerquote und Sicherung tragbarer Wohnkosten.
59 Den finanzwirksamen Instrumenten sind die Eigenheimzulage, die steuerliche Förderung des Mietwohnungsbaus, das Wohngeld und der soziale Wohnungsbau zuzurechnen. Die ordnungspolitischen Instrumenten der
Wohnungswirtschaftspolitik sind im Wesentlichen das Wohneigentumsrecht, das Mietrecht, das Genossen-schaftsrecht, Teile des Planungsrechts, aber auch das Grundbuch-, Hypotheken- und Grundschuldrecht. Vgl.
Jenkis, Wohnungswirtschaftspolitik, 2004, S. 269f.
60 Vgl. Pachowsky, Immobilientrends, 1997, S. 66 und Jenkis, Wohnungswirtschaftspolitik, 2004, S. 268.
61 Vgl. Landesbausparkassen, Wohnimmobilien, 2004, S. 18.
Rahmenbedingungen der Marktentwicklung 12
b) Auswirkungen einer möglichen Absetzung der Eigenheimzulage
Seit 2002 sorgt eine anhaltende Niedrigzinsphase für die günstigsten Finanzie- 62 aberu.a. auch für die anhaltenden Diskussionen rungsbedingungen seit 20 Jahren,
um die Abschaffung der Eigenheimzulage. Daraus resultierten kurzfristige Vorzieheffekte bei der Erteilung von Baugenehmigungen Ende 2002 und Anfang 2003. Aktuell 63 wird von der Bundesregierung geplant, die Eigenheimzulage ersatzlos zu streichen. Das die Eigenheimzulage eine wichtige Rolle im Rahmen staatlicher Wohneigentumsförderung spielt, verdeutlicht eine Untersuchung des BBR. Danach haben zwischen 1996 und 2000 etwa 80 % aller Erwerber selbstgenutzten Wohneigentums die Eigenheimzulage erhalten, was ca. 2,6 Mio. Grundförderungen für Neubau- und Be-standimmobilien entspricht. Besonders im ‚klassischen‘ Segment der Ein- und Zwe ifamilienhäuser wurden knapp die Hälfte aller 2,3 Mio. neu errichteten Wohnungen im Untersuchungszeitraum gefördert. Allerdings wurden nur 44 % der Förderanträge für Neubauten gestellt. Bestandsimmobilien spielen demnach die wichtigere Rolle für die Eigentumsbildung. Ein zunehmend wachsendes Angebot, begünstigt durch den Generationenwechsel der Hauseigentümer älterer Bestände, könnten diese Präferenz künftig weiter verstärken und eine anhaltende Verringerung der Neubauquote bewi rken. Die regionale Aufteilung der Förderung zeigt deutliche Unterschiede. Während in den westdeutschen Flächenländern Bayern (mit 51 %) und Niedersachsen (mit 49 %) Neubauförderung dominiert, ist es in Baden-Württemberg (mit 56 %) und Rhein-land-Pfalz (mit 55 %) die B estandsförderung. In den ostdeutschen Bundesländern wurden in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit 53-57 % überwiegend Neubaumaßnahmen gefördert (s. Anhang 3). Bei kleinräumiger Betrachtung zeigt sich, dass die Neubauförderung in den Kernstädten der westdeutschen Länder mit 13 % der Förderfälle gering ist. Gleichfalls unterdurchschnittlich ist die Zahl in den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Ruhr. Die ostdeutschen Bundesländer lassen besonders im Umfeld größerer Kernstädte (Berlin, Leipzig, Halle, Rostock) eine hohe Zahl an Förderfällen erkennen, was den anhaltenden Suburbanisierungsprozess im Zu- 64 sammenhang mit der Wohneigentumsbildung verdeutlicht. (s. Abbildung 1). Die Beurteilung, welche Auswirkungen eine möglichen Streichung der bisher gewährten Eigenheimzulage auf künftige Neubauzahlen im Doppel- und Reihenhausbau nach sich ziehen, ist aufgrund fehlender Zahlen speziell zu diesen Haustypen nicht möglich. Fachverbände gehen davon aus, dass bei einer Streichung mittel- und lang-
65 Einähnliches Szenario fristig mit einem Einbruch der Baunachfrage zu rechnen ist. wie Ende 2002 wäre denkbar. Nach zunächst kurzfristigen Vorzieheffekten wäre nach einer Übergangszeit von rückläufigen Neubauzahlen auszugehen.
62 Siehe 2.Abschnitt B. II.
63 Vgl. o.V., Eigenheimzulage, 2004, o.S. und BMF, Haushalt 2005, 2004, S. 12. 64 Vgl. Rohrbach / Sigismund, Wohneigentumsbildung, 2003, S. 49. 65 Vgl. o.V., Eigenheimzulage, 2004, o.S. und o.V., Förderland, 2003, S. 11.
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Toralf Lindner, 2004, Marktprognose im Doppel- und Reihenhausbau, München, GRIN Verlag GmbH
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