Inhaltsverzeichnis:
1. Jugend: Was ist das? 2
2. Die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck
2.1 kurze Biographie 3
2.2 zentrale Aspekte seiner Theorie
2.2.1. Gesellschaftsanalyse nach Tenbruck 4
2.2.2. Merkmale der modernen Jugend 5
2.2.3. Ursachen und Auswirkungen der Ausprägung dieser Merkmale 8
3. Die funktionalistische Jugendtheorie Eisenstadts
3.1. kurze Biographie S.9
3.2. zentrale Aspekte seiner Theorie
3.2.1. Voraussetzungen für das Fortbestehen des sozialen Systems S.9
3.2.2. Funktionen von altersheterogenen Gruppen 10
3.2.3. Funktionen von altershomogenen Gruppen 11
4. Vergleich der Theorien
4.1 Gemeinsamkeiten 12
4.2. Unterschiede 13
5. Einordnung der beiden Theoriemodelle 14
6. Ist eine der Theorien auch heute noch überzeugend? 15
7. Literaturverzeichnis 17
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1. Jugend: Was ist das?
„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. ( Sokrates, 470 - 399 v. Chr., griechischer Philosoph)“ (Meurer, 26.10.2004)
Dieses Zitat von Sokrates könnte genauso gut der Feder oder dem Mund eines heute lebenden Erwachsenen entsprungen sein. Hieran merkt man, dass sich an der spontanen, alltäglichen Einschätzung der jungen Leute durch die Erwachsenen über die Jahrtausende nicht viel geändert hat. Doch befand sich natürlich die Jugend zu Lebzeiten des Sokrates in einer völlig anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umgebung, als dies für die heutige Jugend der Fall ist. Bevor man jedoch über Jugend sprechen kann, muss man zunächst die Bedeutung dieses Begriffes, der weder „(...)in der Alltagssprache noch in der Fachsprache der Soziologie, der Psychologie oder der Pädagogik(...)“ (Schäfers, 2001, S.17) aus einem Inhalt besteht, klären. Man kann den Begriff anhand von einigen Tatsachen für den Bereich der Soziologie definieren. Zunächst einmal ist Jugend eine Altersphase die jeder Mensch auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen durchlaufen muss. Diese Phase ist durch die Pubertät biologisch vorgegeben, wird aber durch die Gesellschaft „(...)sozial und kulturell ‚überformt’(...)“ (Schäfers, 2001, S.17), da in ihr der junge Mensch die Fähigkeiten zum Handeln als Erwachsener erwirbt. Des Weiteren ist Jugend eine, wie ich später noch erläutern werde, gesellschaftliche Teil- beziehungsweise Subkultur, die bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen besitzt (vgl. Schäfers, 2001, S.17). Diese kurze Definition erläutert aber lediglich Grundlagen. Welche Funktion hat der Lebensabschnitt der Jugend? Wie nimmt die Gesellschaft industrialisierter Staaten, also beispielsweise unsere eigene, Einfluss auf diesen Lebensabschnitt und welche Folgen hat dies? Wie ist diese Gesellschaft überhaupt aufgebaut und was für Auswirkungen bringt dies für die Heranwachsenden mit sich? Dies sind einige der Fragen die ich in dieser Arbeit anhand der Betrachtung zweier der bedeutendsten soziologischen Theoriemodelle zum Thema Jugend klären will. Dies wird zunächst die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck sein. Anschließend werde
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ich mich mit der funktionalistischen Jugendtheorie Eisenstadts
auseinandersetzen. Die Betrachtungen dieser Theorien können im Umfang einer Seminararbeit natürlich nicht den Anspruch erheben, vollständig oder erschöpfend zu sein, deshalb werde ich lediglich einige Aspekte behandeln können. Nach den Erläuterungen zu den theoretischen Modellen wird ein kurzer Vergleich, bezüglich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der grundlegenden Annahmen, folgen. Dann möchte ich mich der Frage zuwenden, inwieweit die getroffene Einordnung in die übergeordneten Theoriemodelle zutreffend ist. Beginnen werde ich die Arbeit mit Tenbrucks Ansatz, dessen Betrachtung auch ausführlicher sein wird, da er meiner Meinung nach der Überzeugendere ist, diese Einschätzung werde ich im Schlussabschnitt näher erläutern.
2. Die handlungstheoretische Jugendtheorie nach Tenbruck 2.1 kurze Biographie
Hier möchte ich einen sehr verkürzten Abriss der Biographie von Friedrich H. Tenbruck wiedergeben, da ich denke, dass es trotz aller gebotenen Kürze wichtig ist wesentliche Punkt der Biographie zu kennen, um seine Arbeit besser verstehen und einordnen zu können.
Geboren am 22.9.1919 in Essen, studiert Tenbruck zunächst Geschichte, Philosophie, Germanistik und promoviert 1944 in Marburg, bevor er nach kurzem Dienst in der Wehrmacht als wissenschaftliche Hilfskraft, ebenfalls in Marburg am philosophischen Seminar, von 1946 - 1949 arbeitet. Erst jetzt widmet er sein Augenmerk den Sozialwissenschaften, die er zwischen 1949 und 1951 an der University of Virginia studiert. Wieder in Deutschland ist er zunächst als Assistent in Frankfurt, dann ab 1953 in Stuttgart am Institut für vergleichende Sozialwissenschaften als Studienleiter und Assistent, tätig. Hiernach übernimmt er 1957 eine Assistenzprofessur erneut in den USA, bevor er 1963 kommissarisch den 2. Lehrstuhl für Soziologie in Frankfurt vertritt. Im gleichen Jahr habilitiert er in Freiburg mit seinem Werk „Geschichte und Gesellschaft“ und nimmt einen Lehrstuhl in Frankfurt an. Er wechselt 1967 zur Universität Tübingen und ist seither als Professor für Soziologie tätig. Er stirbt am 9.2.1994 (vgl. Griese, 1982, S. 124 f.; vgl. Friedrich-H.-Tenbruck-Archiv, 22.10.2004.).
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2.2 Zentrale Aspekte seiner Theorie
2.2.1. Gesellschaftsanalyse nach Tenbruck
Die zwei grundlegenden Fragen mit denen sich Tenbruck im ersten Kapitel seines Werkes „Jugend und Gesellschaft“ beschäftigt sind: erstens die Frage wie die Gesellschaft die Übergabe des kulturellen Erbes an die Jugend bewerkstelligt (vgl. Tenbruck, 1962, S. 13) und zweitens, wie die Gesellschaft strukturiert ist, die diese Aufgabe zu bewältigen hat (vgl. Tenbruck, 1962, S. 14).
Nachdem er kurz darauf eingeht wie wichtig die Funktion der Jugend als „(...)Filter, durch den die Kultur einer Gesellschaft ständig passieren muß(...)“ (Tenbruck, 1962, S. 12) ist, erläutert er den zentralen Unterschied zwischen einfachen und komplexen Gesellschaften. In der einfachen Gesellschaft ist der/die Heranwachsende aufgrund der sozialen Einbindung in die Familie und der fehlenden Kommunikationsmittel dem direkten Zugriff der Gesellschaft entzogen (vgl. Tenbruck, 1962, S. 17). Gesellschaften mit einem hohen Grad an Differenzierung hingegen müssen auf die Heranwachsenden zugreifen können um die Sozialisierung dieser überhaupt bewerkstelligen zu können, da diese Aufgabe nicht mehr durch die Familie allein lösbar ist (vgl. Tenbruck, 1962, S. 18). Nun gibt er eine erste kurze Antwort auf die eingangs gestellte Frage, wie die Übergabe des kulturellen Erbes an die Jugend gestaltet wird. Tenbruck erkennt ein allgemeines Gesetz: „der Anteil der gesellschaftlichen Organisation an dem Transport der Kinder und Jugendlichen in die Gesellschaft, also in die auf sie wartenden erwachsenen Rollen, steigt mit dem Grade der sozialen Differenzierung.“ (Tenbruck, 1962, S. 21). Dies ist notwendig, denn „der in die Offenheit der Gesellschaft versetzte Jugendliche“ (Tenbruck, 1962, S.20) könnte nach der Einschätzung Tenbrucks nicht aus eigenen Mitteln heraus in die Gesellschaft hineinfinden. Solche gesellschaftlichen Organisationen sind zum Beispiel das Schulwesen in all seinen Formen, Fürsorgeeinrichtungen aller Art, das Kommunikations - und Informationsnetz in das Jugendliche eingebunden sind und nicht zuletzt der Staat mit Gesetzen und Verordnungen (vgl. Tenbruck, 1962, S. 22/23). All dies seien lediglich „(...)Stücke faktischer Sozialisierung(...)“ (Tenbruck, 1962, S. 25). Hinzu kommen nämlich „alle freien Zugriffe auf die Jugend“ (Tenbruck, 1962, S. 31) durch vor allem die oben genannten Medien, sowie die Einflüsse der
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Arbeit zitieren:
Florian Rößle, 2004, Der handlungstheoretische Ansatz in der Jugendsoziologie, am Beispiel F. H. Tenbrucks 'Jugend und Gesellschaft' im Vergleich mit dem strukturell-funktionalistischen Ansatz von S. N. Eisenstadt (Von Generation zu Generation), München, GRIN Verlag GmbH
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