Gliederung:
1. Einleitung
2. Entstehung von Homosexualität
2.1. Psychoanalytischer Erklärungsansatz
2.1.1. Die phallische Phase
2.1.2. Kastrationsangst
2.2. Familiendynamik
2.3. Soziale Faktoren
3. Die homosexuelle Identitätsbildung
3.1 Coming Out
4. Die homosexuelle Subkultur
4.1. Begriffsbestimmung
4.2. Funktione n der Subkultur
4.3. Orte homosexueller Subkultur
4.4. Subkulturelle Sozialisation
4.5. Sexualität und Subkultur
5. Schlussbetrachtung
6. Literatur
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1. Einleitung
Die allgemeine Meinung legt gegenüber Homosexuellen 1 oftmals eine äußerst negative Haltung zu tage. Immer wieder finden in Hinsicht auf Homosexualität Fehlverurteilungen statt. Geprägt von einem Unwissen über mögliche Entstehungsursachen macht man sich leicht ein Bild von Homosexuellen und assoziiert zudem eine psychische Krankheit, eine gestörte Persönlichkeit, Perversität und ähnliches. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, wie sich ein Individuum, welches sich seiner homosexuellen Neigung bewusst wird, fühlen mag, dem dieses Bild vermittelt wurde. In der heutigen Gesellschaft gelten Homosexuelle bei der überwiegenden Mehrheit, insbesondere bei den „älteren Generationen“ als „unnormal“, und sie stellen - wie jede andere Minderheit auch - eine Randgruppe dar. Aufgrund der gesellschaftlichen Ablehnung bis hin zur Verachtung in Bezug auf Homosexualität, die aus einer Vielzahl von Vorurteilen resultiert, und die damit verbundenen sozialen und psychischen Folgen, die eine homosexuelle Lebensweise enorm erschweren, ist die homosexuelle Subkultur für viele nicht wegzudenken. Insbesondere früher, das heißt mehr als heute, dürfte der homosexuellen Subkultur vor allem die Funktion erfüllen, dass sie Schutz bietet und Raum schafft, um die eigene sexuelle Orientierung ausleben zu können, ohne dabei diskriminiert zu werden. Die Hausarbeit betrachtet unter besonderer Berücksichtigung der homosexuellen Subkultur und ihrer Struktur und Funktion die Entstehungsbedingungen von Homosexualität sowie die homosexuelle Identitätsbildung. Anzumerken an dieser Stelle ist noch, dass die dargelegten Ausführungen zur homosexuellen Subkultur vorwiegend aus früherer Sicht erfolgen, wobei viele der angeführten Aspekte auch heute noch relevant sind, allerdings auch starke Verschiebungen bezüglich der Subkultur als „Sozialisationsinstanz“ stattgefunden haben. Nähere Erläuterungen zu manchen Textstellen sind, sofern sie den Lesefluss behindern würden, in Form von Fußnoten gefasst.
2. Entstehung von Homosexualität
Der folgende Text befasst sich mit den Entstehungsbedingungen der Homosexualität. Dies soll aus zunächst aus psychoanalytischer Sicht erfolgen.
2.1. Psychoanalytischer Erklärungsansatz
Sigmund Freud war einer der ersten, der über die psychosexuelle Entwicklung von Kindern gesprochen hat. Er entwickelte die
1 In dieser Arbeit beschränken sich die Ausführungen, sofern von Homosexuellen gesprochen wird, immer auf männliche Homosexuelle.
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„psychoanalytische Trieblehre“, die die Bedeutung der frühkindlichen Erfahrungen für die gesamte spätere Persönlichkeitsentwicklung herausstellt.
So führt Freud (1972) psychische Störungen und abweichendes Verhalten auf in der Kindheit nicht überwundene Phasen, bzw. auf Phasen, in denen das Kind keine angemessene Triebbefriedigung erfahren hat, zurück. In der Psychoanalyse wird angenommen, daß die Triebe dem Menschen angeboren seien, und daß der Mensch von Natur aus danach strebe, diese zu befriedigen. In der frühen Kindheit geschieht dies über bestimmte Körperteile. In jeder Phase dominiert jeweils ein Trieb, der über den entsprechenden Körperteil befriedigt werden will. Freud (1972) unterteilt sein Modell der psychosexuellen Entwicklung in folgende fünf Phasen: 1) Orale Phase (1.Lebensjahr) 2) Anale Phase (2./3.Lebensjahr) 3) Phallische Phase (4./5.Lebensjahr) 4) Latenzperiode (6.-12.Lebensjahr) 5) Genitale Phase (ab 12.Lebensjahr) 2
2.1.1. Die phallische Phase
Freud (1972) macht das Durchleben der phallischen Phase für den Erwerb oder Nicht - Erwerb der Geschlechtsidentität geltend. Die Lustbefriedigung erfolgt in dieser Phase durch das Spielen und Herzeigen der Genitalien, sowie das Betrachten anderer.
Den Prozess der Geschlechtsidentitätsbildung fasst Freud unter Ödipus -Konflikt zusammen. Dabei entwickelt das Kind unbewusst Liebe zum gegengeschlechtlichen und gleichzeitig Hass gegenüber dem
gleichgeschlechtlichen Elternteil, da es als Konkurrent angesehen wird. Es entwickelt den Wunsch, den gegengeschlechtliche n Elternpart zu ersetzen. Es will ihm gleich sein und fängt an, es zu imitieren. Das Kind identifiziert sich schließlich mit dem gleichen Geschlecht. Die Identifikation bedeutetso Freud - gleichzeitig die Bejahung der eigenen Geschlechterrolle. Unzureichende Triebbefriedigung führt weiterhin nach Freud zu „Triebfrustration“, die u.a. eine Fixierung (Festhalten an entsprechende Verhaltensweisen einer Phase) zur Folge haben kann. Eine durch Frustration hervorgerufene Fixierung an die phallische Phase - die entstehen kann, wenn bspw. die Eltern in ihrer Aufgabe als Vorbildfunktion zu wirken, versagen oder sie sehr schambesetzt und voller Hemmungen mit dem Thema der Sexualität umgehen und möglicherweise sogar das Spielen mit den Geschlechtsteilen verbieten und bestrafen - kann ein Ablehnen der eigenen Geschlechterrolle bewirken. So erklärt Freud (1972) sich u.a. Homosexualität.
2 Auf ein intensiveres Eingeheh auf die einzelnen Phasen soll hier verzichtet werden, da in Bezug auf das Thema lediglich die phallische Phase interessant ist. Für ausführlichere Erklärungen zu den einzelnen Phasen siehe z.B. Freud (1972): Abriss der Psychoanalyse.
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2.1.2. Kastrationsangst
In der phallischen Phase leidet das Individuum zusätzlich an der so genannten „Kastrationsangst“. Diese Angst bildet sich nach Freud beim Erblicken des weiblichen Geschlechts heraus. Der Junge denkt, daß das Mädchen „ihren Penis“ verloren habe. Er bekommt Angst, daß sein eigener Penis auch abhanden kommen könnte, und zwar durch den Vater, weil er von der kindlichen Liebe des Jungen zu seiner Mutter weiß und sie nic ht duldet. So kann ein „Kastrations-Komplex“ entstehen. Das Kind gibt also die Liebe zur Mutter und damit auch zu allen anderen Frauen auf. Das weibliche Geschlecht wird allgemein abgelehnt. Hierbei handelt es sich um Homosexualität als Folge übermäßiger K astrationsdrohung (vgl. Freud, 1972).
Hoffmann (1971, S.108) spricht in Verbindung mit der Kastrationsangst des Jungen von einer weiteren Angst, nämlich der Angst vor dem weiblichen Geschlecht, welches dem Jungen als eine geeignete Vorrichtung scheint, den Penis abzuschneiden.
2.2. Familiendynamik
Doucet (1967, S.163,167) weist auf die Beziehung der Eltern untereinander und auf vorgelebte Verhaltensmuster der Eltern als wesentliche Faktoren für das Entstehen einer homosexuellen Identität hin. So könne Disharmonie zwischen den Elternteilen einen negativen Einfluss auf das Kind hinsichtlich der Ausbildung der eigenen Liebesfähigkeit sowie der Beziehung zum anderen Geschlecht zur Folge haben.
Doucet (1967, S.165f) fasst typische Verhaltensmuster der Eltern Homosexueller, die sich förderlich und ausschlaggebend für die Entwicklung einer homosexuellen Orientierung auswirken und die in Familien Homosexueller oftmals auftreten, folgendermaßen zusammen: Die unterwürfige Mutter
Die unterwürfige Mutter lässt sich von ihrem Mann beherrschen. Durch ihr Verhalten provoziert sie die Ausbildung gleicher Verhaltensweisen bei ihrem Sohn gegenüber männlicher Autorität. Die zarte und kränkliche Mutter
Die zarte und kränkliche Mutter klammert an ihrem Mann. Sie empfindet ihre Kinder als große Last und hält sie von ihrem Mann fern, womit sie eine gelungene und als positiv empfundene Vater-Sohn-Bindung, die für eine Identifikation des Sohnes mit seinem Vater und somit auch mit dem männlichen Geschlecht bedeutend wäre, verhindert. Die überzärtliche und verwöhnende Mutter
Meist besteht bei diesen Müttern schon vor der Geburt des Kindes eine unbewusste Ablehnung gegenüber dem Vater vor. Ursache hierfür kann die so genannte „Muss-Ehe“ sein oder zu schnell aufeinander folgende
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Arbeit zitieren:
Tamara Di Quattro, 1999, Die Struktur und Funktion die Entstehungsbedingungen von Homosexualität unter besonderer Berücksichtigung der homosexuellen Subkultur, München, GRIN Verlag GmbH
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