Inhalt
1. Einleitung 1
2. Armutsbegriffe 2
2.1 Absolute Armut 3
2.2 Relative Armut 3
2.3. Subjektive Armut 4
2.4 Weitere Begriffe zur Betrachtung von Armut 4
2.5 Probleme bei der Beschreibung und Messung von Armut 6
3. Die Rolle der Ernährung Betrachtung im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas 6
3.1 Übergewicht und Adipositas 7
3.2 Zur pysiologischen Rolle der Ernährung 7
3.3 Soziologische Funktion der Ernährung im Hinblick auf Übergewichtigkeit 8
3.4 Sozioökonomische Aspekte der Ernährung 9
4. Lebensstil und Ernährungsverhalten 10
5. Übergewichtigkeit begünstigende Faktoren Erklärungsansätze 12
5.1 Genetische Prädisposition 12
5.2 Sozialisation 13
5.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede 14
5.4 Freizeitverhalten 14
5.5 Ernährungs- und Gesundheitsverhalten Bildung 14
5.6 Bewegung und Sport 15
5.7 Fast Food und Werbung 15
5.8 Diätmarkt 15
6. Zusammenfassung 16
Quellenverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis ......................................................................................................... 19
0
1. Einleitung
Arme Menschen ernähren sich anders als reiche. Armut und Reichtum sind Ausprägungen der Ungleichverteilung von Ressourcen. „Die Verfügung über Nahrung ist .. nie nur ein natürlich bestimmtes Verhältnis, sondern immer auch ein soziales, und zwar nicht erst seit dem Übergang von der Jäger-Sammler-Fischer- zur Agrargesellschaft. Das ... Teilen .. ist gerade- zu das Sinnbild dafür, daß die Verfügung über Nahrung einem sozialen Verhältnis entspricht“ (Barlösius 1999, 13). Armut und Reichtum hatten ursprünglich einen sehr engen Bezug zur Verteilung der Ressource Nahrung.
In meiner praktischen Tätigkeit als Krankenpfleger auf einer kardiologischen Intensivstation werde ich mit den Folgen von Fehlernährung und „ungesunder“ Lebensweise konfrontiert. Der Zusammenhang zwischen Gesundheitsstatus und praktziertem Ernährungs- und Gesund- heitsverhalten ist in der Wissenschaft schon lange bekannt. Im Ernährungsverhalten aller sozialen Schichten ist eine Diskrepanz zwischen dem vorherrschenden Bild einer „gesunden“ Ernährung und praktiziertem Ernährungsverhalten erkennbar.
Mit zunehmender Armut steigt die Morbidität und die Mortalität (Rosenbrock; Gerlinger 2004, 41ff). Arme Menschen sind öfter krank (Lehmkühler 2002, 82ff).
Abb. 1 (Robert-Koch-Institut 2003, 11)
Als Beispiel einer Erkrankung durch Fehlernährung habe ich die Überernährung, bzw. deren gesteigerte Form, die Adipositas gewählt. Das Paradoxe ist, dass Armut früher, und in armen Regionen der Welt heute, eher Unterernährung zur Folge hatte oder hat. Heute ist es die
1
soziale Unterschicht, die von Übergewicht und Adipositas Betroffene eher vorweisen kann (vgl. Abb.1).
Die Anzahl derer, die von Übergewicht und Adipositas betroffen sind, nimmt weiterhin zu. „So sind nach der Erhebung im Rahmen des Bundesgesundheitssurveys von 1998 beispielsweise 67% der westdeutschen und 66% der ostdeutschen Männer sowie 52% der westdeutschen und 57% der ostdeutschen Frauen übergewichtig. Die Verbreitung von Adipositas ist in Westdeutschland bei Männern von 17,4% auf 19,4%, in Ostdeutschland von 20,6% auf 21,8% angestiegen...“ (Gerhards; Rössel 2003, 17).
In dieser Arbeit werde ich mich zunächst mit den verschiedenen Definitionen von Armut auseinandersetzen. Was ist Armut, was ist soziale Ungleichheit? Im zweiten Schritt wird auf die vielen Dimensionen der Betrachtungsmöglichkeiten von Ernährung eingegangen werden. Was symbolisiert das „Essen“? Welche Funktion hat Ernährung in der menschlichen Gesell- schaft? Diese Fragen werde ich auf die Situation armer Menschen beziehen. Was kennzeich- net das Ernährungsverhalten armer Menschen? Welche Faktoren begünstigen Überernährung und wodurch sind arme Menschen besonders gefährdet? Im Anschluss soll am Beispiel des Übergewichts dargestellt werden, wie eng materielle, Bildungs-, Ernährungs- und Gesund- heitsarmut miteinander verknüpft sind.
Während zum Thema Armut reichhaltig Literatur zur Verfügung steht, lassen sich nur wenige Publikationen in der Ernährungssoziologie finden.
Als Quellen dienten mir neben der dünnen Auswahl von Fachliteratur die von Lehmkühler 2002 durchgeführte „Gießener Ernährungsstudie über das Ernährungsverhalten von Armuts- haushalten (GESA)“ und die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) herausgegebene Studie „Das Ernährungsverhalten Jugendlicher im Kontext ihrer Lebensstile“ (2003).
2. Armutsbegriffe
Das Wort „Armut“ kennzeichnet einen Zustand des Fehlens und der Not. Der Duden (1989, 142) bezeichnet Armut als „Armsein, Mittellosigkeit, Bedürftigkeit...“. Armut setzt aber auch das Vorhandensein des Gegensatzes, des Reichtums voraus.
In der heutigen Wohlstandsgesellschaft Deutschlands wird Armut nicht mehr mit Hunger assoziiert. Was heute im „Sozialstaat“ fehlt, sind gleiche Möglichkeiten des Zugangs zu den Früchten der gesellschaftlichen Produktion. „Sozialstaat“ meint einen „demokratischen Staat, der bestrebt ist, die wirtschaftliche Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten und soziale Gegensätze innerhalb der Gesellschaft auszugleichen“ (Duden 1989, 1423).
2
Armut wurde in der Geschichte der Bundesrepublik bis ca. 1980 kaum thematisiert und unter- sucht. Die Ursache dafür könnte der wirtschaftliche Aufschwung in der Bundesrepublik mit relativer Vollbeschäftigung sein. (Vollbeschäftigung herrschte auch in der DDR.) Erst mit der Vertiefung der Einkommensgegensätze und der Zunahme der Arbeitslosigkeit in den achtziger Jahren in der westdeutschen Bundesrepublik und in den neunziger Jahren in Gesamtdeutschland und dem dazu parallel verlaufenden massiven Anstieg der Anzahl der Sozialhilfeempfänger ist dieses Thema wieder in den Blick soziologischer Untersuchungen geraten (Habich; Krause in: Barlösius; Feichtinger; Köhler (Hg) 1995, 64 ff).
Es folgt eine Einführung in einige in der Soziologie gebräuchliche Begriffe der Armut.
2.1 Absolute Armut
Unter absoluter Armut verstehen wir das Leben unterhalb des physischen Existenzminimums für Kleidung, Nahrung, Wohnung und Gesundheit. Absolute Armut bedeutet Hunger, Unterernährung, unzureichende hygienische Bedingungen, Verwehrung des Zugangs zu Bildung und Kultur, soziale Ausgrenzung. Man kann davon ausgehen, dass absolute Armut in Deutschland heute kaum mehr vorkommt.
Der Begriff der absoluten Armut lässt sich zur Beschreibung der Situation von Obdachlosen verwenden. „In den Debatten über relative und absolute Armut besteht Einigkeit darüber, daß ungenügende Ernährung einen Aspekt absoluter Armut darstellt. Auf der Basis einer solchen Definition sehen wir daher durchaus ein Argument dafür, daß Dimensionen absoluter Armut auch in Wohlstandsgesellschaften gegeben sein können“ (Kutsch in: Barlösius; Feichtinger; Köhler (Hg) 1995, 256). Im Gegensatz dazu wird bei der Armutsbeschreibung breiterer Schichten heute oft von der relativen Armut ausgegangen.
2.2 Relative Armut
„Als arm wird derjenige bezeichnet, dem weniger als den anderen in einer Gesellschaft zum Leben zur Verfügung steht“ (Feichtinger 1996, 4). „Relative Armut beschreibt ein gesellschaftlich definiertes soziokulturelles Existenzminimum. In der aktuellen Armutsforschung finden .. zwei unterschiedliche Ansätze Anwendung. Dies sind der Ressourcenansatz und der Lebenslagenansatz“ (Lehmkühler 2002, 23).
Der Ressourcenansatz beschreibt die Armutsgrenze in Abhängigkeit von den ökonomischen Ressourcen (z.B. Vermögen, Einkommen, staatliche Unterstützungsleistungen). In bezug auf das durchschnittliche Bevölkerungseinkommen betragen diese Armutsgrenzen 60% für armutsnahes Einkommen, 50% für Armut und 40% für strenge Armut. Eine vierte Grenze, die 75% Grenze wird als „prekärer Wohlstand“ bezeichnet (Feichtinger 1996, 4; Lehmkühler 2002, 23). Sie dient der Beschreibung von Einkommenslagen, die durch nicht vorhersehbare
3
Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder Trennung von Armut bedroht sind. Die zur Bestimmung der relativen Armut benutzte Definition der Armutsgrenze wird in Untersuchungen verschieden hoch angesetzt. Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht, heraus- gegeben von der Bundesregierung 2005, nimmt die 60%-Grenze, die Sozialhilfeschwelle lag zwischen 40 und 50%. Erhalten die Betroffenen staatliche Unterstütung, beispielsweise in Form von Sozialhilfe oder dem heutigem Arbeitslosengeld II, so wird von bekämpfter Armut gesprochen. Wenn das Einkommen von Personen unterhalb der Sozialhilfeschwelle liegt, aber keine staatlichen Hilfen bezogen werden, wird dieser Zustand als verdeckte Armut bezeichnet (Hauser 1981 in Lehmkühler 2002, 27).
Der Lebenslagenansatz „berücksichtigt ... neben dem Einkommen weitere Faktoren, wie z.B. Bildung, Erwerbstätigkeit, Gesundheit, Ernährung, persönliches Wohlbefinden, Wohnung, soziale Netzwerke, gesellschaftliche Teilhabe, Mobilität. Soziale Benachteiligung äußert sich ... durch verminderte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen, mangelhafte Wohnsituation“ (Lehmkühler 2002, 25). Die Betrachtung der Ernährung in Armutshaushalten nach diesem Ansatz wird der Forderung gerechter, Ernährungs- und Gesundheitsverhalten im Zusammenhang zu sehen.
Übergewichtige und adipöse Arme sind nach dem Lebenslagenansatz eingeschränkt in vielerlei Hinsicht (Mobilität, persönliches Wohlbefinden, Gesundheit...). „...fettleibige Personen (sind - d.V.) wegen ihres Übergewichts in bestimmten Berufen nicht eingestellt oder nicht verbeamtet worden“ (Gniech 2002, 202). Übergewichtige stellen durch eine schlankheitsidealgeführte soziale Ausgrenzung eine stärker von relativer Armut bedrohte Gruppe dar. Weiterhin von relativer Armut gefährdet sind Arbeitslose, Migranten, Kinder und Alleinerziehende.
„Das Konzept der Teilhabe- und Verwirklichungschancen bildet daher in Verbindung mit dem Lebenslagenansatz die Grundlage für die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung“ (2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2005, 10).
2.3. Subjektive Armut
Sie stellt sich als erlebte und gefühlte Armut dar. Die Betroffenen haben das Gefühl, niemals genug zu haben, um im täglichen Leben zurechtzukommen (Feichtinger 1996, 4). Diese Armutsdefinition findet in der wissenschaftlichen Diskussion Verwendung.
2.4 Weitere Begriffe zur Betrachtung von Armut
Ergänzend soll noch auf einige in der neueren Forschung stärker in das Licht der Aufmerk- samkeit gerückte Aspekte hingewiesen werden, die auch für die Betrachtung des Zusammen- hangs von Armut und Übergewicht bzw. Adipositas von Bedeutung sind.
4
Quote paper:
Mario Albrecht, 2005, Das Ernährungsverhalten armer Menschen in der Wohlstandsgesellschaft und dessen Auswirkung auf die Gesundheit am Beispiel des Übergewichts/der Adipositas, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und Jugendliche...
Sociology - Children and Youth
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen - Therapeutische Ansätze und ...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 42 Pages
Praktikumsbericht im motorisch-funktionellen Bereich
Physical Therapy / Occupational Therapy
Internship Report (Pre-University), 18 Pages
Klassenmusizieren und Musizieren in Arbeitsgemeinschaften an der allge...
Examination Thesis, 152 Pages
Handlungsorientierter Unterricht als didaktisches Konzept zur Anleitun...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Fehlernährung bei Kindern aus den unteren sozialen Schichten
Termpaper, 17 Pages
Sportpädagogische Maßnahmen in der Resozialisierung straffällig geword...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Intermediate Examination Paper, 25 Pages
Identität - Grundlage menschlichen Lebensgefühls - Erik H. Erikson
Scholary Paper (Seminar), 31 Pages
Erlebnispädagogik und ihr präventiver Beitrag zur Gesundheit von Kinde...
Bachelor Thesis, 96 Pages
Kompensation primärer Herkunftseffekte in Schulen
Sociology - Individual, Groups, Society
Presentation (Elaboration), 20 Pages
Das projizierte Selbstbild gesunder und diabetischer Jugendliche - ein...
Psychology - Developmental Psychology
Diploma Thesis, 119 Pages
Armut und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen und geeignete Präve...
Pedagogy - Pedagogic Sociology
Diploma Thesis, 117 Pages
„E-Learning – Blended-Learning“ in der sozialen Arbeit – Welche Anford...
Termpaper, 19 Pages
Mario Albrecht has published the text Das Ernährungsverhalten armer Menschen in der Wohlstandsgesellschaft und dessen Auswirkung auf die Gesundheit am Beispiel des Übergewichts/der Adipositas
Mario Albrecht has uploaded a new text
Gesunde Menschen in einer gesunden Umwelt
Umwelteinflüsse auf die Gesund...
Europäische Kommission
Auswirkungen verschiedener Arbeitszeitmodelle im ärztlichen Dienst auf...
Kirstin von Trotha
0 comments