Thema 1: Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge
Inhaltsverzeichnis
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Abk ürzungsverzeichnis
1. Thematik und Aufbau der Arbeit 1
2. Der Begriff des Vertrauens 2
2.1. Entstehung von Vertrauen. 2
2.1.1. Komplexität der Umwelt. 2
2.1.2. Vertrauen bei Risiken 3
2.2. Definition von Vertrauen 5
3. Die Prinzipal-Agenten-Theorie im Zusammenhang mit Vertrauen 5
3.1. Die Prinzipal- Agenten-Problematik 6
3.2. Der Vertrauensgeber. 8
3.3. Der Vertrauensnehmer 9
4. Reputation als Beitrag zum Vertrauen. 9
5. Funktionen von Vertrauen 11
5.1. Abbau von Informationsdefiziten. 11
5.2. Einsparung von Transaktionskosten. 11
5.3. Aufrechterhaltung der Märkte. 12
6. Objekte des Vertrauens 13
6.1. Vertrauen in Institutionen. 13
6.2. Vertrauen in den Staat. 14
7. Schlussbemerkung 17
Literaturverzeichnis 19
Abbildungsverzeichnis 22
II
BDI Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. QJE Quarterly Journal of Economics ZgS Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft
III
Thema 1: Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge
1. Thematik und Aufbau der Arbeit
Grundlage der Welt ist das Vertrauen. Das stellte schon Hans-Günther Sohl, Ehrenpräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI) fest, als er sagte: „In einer solchen Welt kann man nur zusammenleben, wenn man nicht Misstrauen zur Grundlage seiner menschlichen Handlung macht. Was wir brauchen, ist Mut zum Vertrauen.“ 1 Diesen Mut bringen viele Bürger im täglichen Leben immer wieder auf, auch gegenüber staatlichen Institutionen. Doch dieses Vertrauen wird immer wieder enttäuscht, immer häufiger kommen Skandale der Politiker ans Tageslicht, die das Vertrauen in den Staat schwächen. Dies geschah zuletzt bei der Entlassung von Florian Gerster, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, dessen Verwaltungsrat ihm aufgrund von Ungereimtheiten bei der Auftrags vergabe von Beraterverträgen das Vertrauen entzogen hatte. 2
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, den Begriff des Vertrauens zu definieren und ihn in Zusammenhang zu bringen mit Situationen, in den Vertrauen entsteht. Die Voraussetzungen für Vertrauen werden hierbei erläutert.
Im Anschluss daran wird mit Hilfe der Prinzipal- Agenten- Theorie dargestellt, wie sich der Vertrauensgeber und der Vertrauensnehmer verhalten und welche besonderen Probleme mit den Rollen verknüpft sind. Das vierte Kapitel erklärt den Be griff der Reputation und wie dieser im Zusammenhang mit Vertrauen steht. Danach wird auf die Funktionen von Vertrauen eingegangen und ihre Auswirkungen auf den Markt. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit Objekten des Vertrauens, hier wird besonders das Vertrauen in Institutionen und in den Staat dargestellt. Die Ergebnisse aus einer Befragung verdeutlichen hierbei die dargelegten Theorien. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und einem Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
1 Zitate.de: Suchbegriff Vertrauen, http://www.zitate.de, Stand 29.01.2004.
2 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Das Kabinett entlässt Florian Gerster, Nr. 24, Seite 15, http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc~E619412EE4E5342389B3 1ABAB729E8A57~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Stand 29.01.2004.
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Thema 1: Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge
2. Der Begriff des Vertrauens
Vertrauen ist ein Begriff, der jedem geläufig ist. Verschiedene Disziplinen wie die Psychologie, die Soziologie oder die Ökonomie beschäftigen sich mit dem Be griff. Im Weiteren soll eine Definition den ökonomischen Vertrauensbegriff erläutern und die Voraussetzungen für Vertrauen darstellen.
2.1. Entstehung von Vertrauen
„In der Theorie des vollkommenen Marktes bei Sicherheit braucht man kein Vertrauen“ 3 . Der wirtschaftlich denkende und sich rational verhaltende homo oeconomicus behandelt alle Marktakteure gleich und ist in der Lage, den gesamten Markt zu überblicken. Vertrauen ist also nicht notwenig, da er das Verhalten der Teilnehmer kennt und der Markt transparent ist. 4
Da der homo oeconomicus aber nur in der Theorie existiert und sich die realen Marktteilnehmer auf einem unvollkommenem Markt bewegen der von Intransparenz g eprägt ist, bedarf es einer Reduktion dieser Unsicherheiten am Markt. Daher grenzen wir selbst unsere Umwelt ein, indem wir vertrauen oder misstrauen. 56
2.1.1. Komplexität der Umwelt
Dem Marktteilnehmer stehen am Markt unendlich viele Handlungsalternativen offen. Schon bei einem Einkauf von Äpfeln kann man z.B. unter verschiedenen Sorten wählen und diverse Einkaufsmöglichkeiten wie den Supermarkt oder den Wochenmarkt nutzen. Dabei kann man unter so vielen Handlungsalternativen wählen, dass nicht alle Alternativen optimal gestalten werden können. So ist es schier unmöglich, den gesündesten, billigsten und bestschmeckendsten Apfel unter den Möglichkeiten heraus
3 Albach, Horst: Vertrauen in der ökonomischen Theorie, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft (ZgS), 136 (1980), S. 3.
4 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon Lexikon, MDI-Media Dynamics Ingenieurgesellschaft mbH, Wiesbaden 1997, Stichwort homo oeconomicus.
5 Vgl. Offermanns, Matthias: Bürokratie und Vertrauen: die Institution Vertrauen in der Ökonomischen Theorie der Bürokratie, 1. Auflage, Baden-Baden 1990, S. 176f.
6 Ein Beispiel h ierfür ist das Vertrauen in die Polizei, alleine die Uniform lässt uns vertrauen ohne zu hinterfragen, welche Person in der Uniform steckt.
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Thema 1: Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge
zufinden, da der Marktteilnehmer nur eine begrenzte Rationalität besitzt, die durch diese Komplexität überschritten wird. Der Mensch ist also faktisch nicht in der Lage, alle erdenklichen Handlungsalternativen miteinander zu vergleichen. 7 Als Folge reduziert er die Komplexität indem er z.B. nur auf dem Wochenmarkt einkauft und dort den günstigsten Apfel auswählt. Der Mensch grenzt so seine Möglichkeiten bewusst auf die Handlungsalternativen ein, die ihm am sinnvollsten und am wahrscheinlichsten sind. Er kauft daher auf dem Wochenmarkt ein, da die Äpfel seiner Erwartung nach hier am gesündesten und am wenigsten mit Pestiziden belastet sind. 8
Mittels dieser Reduktion der Handlungsalternativen wird die Umwelt eingeschränkt und gewisse Dinge als selbstverständlich vorausgesetzt. Dass der Bauer tatsächlich die besten Äpfel anbietet bestätigt sich nach mehreren Käufen und führt so zu Vertrauen in die Person des Bauern, die positiven Erfahrungen der Vergangenheit führen also zu Vertrauen in der Zukunft, obwohl Unsicherheit über die zukünftige Qualität der Äpfel besteht. 9
2.1.2. Vertrauen bei Risiken
Bei Interaktionen am unvollkommenen Markt bestehen für die Akteure Risiken. Sie besitzen keine vollständigen Informationen über den Markt und die anderen Akteure und sind so Risiken durch deren Handlungsalternativen ausgesetzt. Diese Risiken lassen sich unterscheiden in Risiken exogener und endogener Art. 10 Mit exogenen Risiken werden Risiken bezeichnet, die die Umwelt der Akteure am Markt umgibt. 11 So kann z.B. beim Autokauf ein exogenes Risiko ein Streik des Automobilzulieferers darstellen, der zu einer verspäteten Auslieferung des Autos führt. Diese Situation ist für beide Marktteilnehmer unvorhersehbar und nicht auf eine Handlung des jeweils anderen Transaktionspartners zurückzuführen. So ist keine der
7 Vgl. Vogt, Jörg: Vertrauen und Kontrolle in Transaktionen: eine institutionenökonomische Analyse, Wiesbaden 1997, S. 26.
8 Vgl. Luhmann, Niklas: Vertrauen: ein Mechanismus der Reduktion sozialer Ko mplexität, 4. Auflage, Stuttgart 2000, S. 35ff.
9 Vgl. Horst Albach: a.a.o., S. 5.
10 Vgl. Nuissl, Henning: Dimensionen des Vertrauens: Kategorale Bausteine einer Ressource ökonomischen Handelns (im Transformationskontext), Herausgeber Joerden, J.C., Schultz, H., Wagener, H.-J., No. 10/00, Frankfurter Institut für Transformationsstudien, Frankfurt (Oder) 2000 , S. 12.
11 Vgl. Ripperger, Tanja: Ökonomik des Vertrauens: Analyse eines Organisationsprinzips, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Band 101, Tübingen 1998, S. 37f.
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Thema 1: Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge
beiden Vertragsparteien dafür verantwortlich, dass es zu einer Verzögerung der Auslieferung kommt.
Endogene Risiken beschreiben die Unsicherheiten über das Verhalten eines Dritten. Die Marktteilnehmer wissen nicht, wie sich ihr Gegenüber verhalten wird, ob er die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen wird oder nicht. 12 Der Akteur hat die Möglichkeit, sich opportunistisch zu verhalten. Das bedeutet, dass Akteure am unvollkommenen Markt dazu neigen, Informationsasymmetrien auszunutzen. 13 Wenn also ein Ba uer seine Äpfel verkaufen will, so wird er unter Umständen nicht sagen, dass eine gewisse Sorte Äpfel nicht schmeckt. So nutzt der Bauer seinen Informationsvorsprung gegenüber dem Käufer aus, um auch diese Äpfel gewinnbringend zu verkaufen. Der Käufer besitzt diese Informationen nicht, er weiß allerdings auch nicht um den Infor-mationsvorsprung des Bauern. Er kann nur spekulieren, ob der Bauer eine gute oder bewusst eine schlechte Ernte verkauft.
Solche Opportunismusspielräume bestehen bei allen Transaktionen, allerdings werden diesen nicht immer ausgenutzt. Bei jeder Transaktion kann eine Informationsasymmetrie herrschen, der besser informierte Transaktionspartner wird dieses Informationsgefälle aber nicht immer in seinem Sinne nutzen. Dennoch sollte sich jeder Akteur dieses Handlungsspielraums bewusst sein und ihn in seine Entscheidung mit einfließen lassen. 14
Verringern kann man solche Handlungskomplexitäten, indem Verträge abgeschlossen werden. Mittels eines Vertrages sind beide Transaktionspartner an ihre vertraglich festgelegten Handlungen gebunden, wodurch die Handlungsalternativen der beiden Akteure eingeschränkt werden. Verträge erfüllen darüber hinaus aber auch eine Ris ikominimierungsfunktion. Das Risiko wird geschmälert, indem Sanktionen vereinbart werden, wenn bestimmte Handlungen nicht erwartungs- und absprachegemäß erfüllt werden. 15
12 Vgl. Ripperger, Tanja: a.a.o., S. 38ff.
13 Vgl. Vogt, Jörg: a.a.o., S. 27.
14 Vgl. ebenda.
15 Vgl. Ripperger, Tanja: a.a.o., S. 29ff.
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Arbeit zitieren:
Beate Breitbach, 2004, Vertrauen - Begriff und Wirkungszusammenhänge, München, GRIN Verlag GmbH
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