Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Theoretische Grundlagen. 7
2.1 Anatomie des Ohres. 7
2.1.1 Äußeres Ohr (Auris externa ) 7
2.1.2 Mittelohr (Auris media ) 8
2.1.3 Innenohr (Auris interna) 9
2.2 Schallwellen und Hörvorgang. 11
2.3 Auseinandersetzung mit dem strittigen Begriff der Gleichgewichtsfähigkeit 14
2.4 Bedeutung der Hörfähigkeit für die Gleichgewichtsregulation. 16
2.5 Hörstörungen und ihre Ursachen. 18
2.3.1 Schalleitungsschwerhörigkeit 19
2.3.2 Schallempfindungsschwerhörigkeit 20
2.3.3 Kombinierte Hörstörung 22
2.6 Das Cochlea Implantat. 22
2.6.1 Überblick über die medizinisch-technische Entwicklung des Cochlea
Implantats 22
2.6.2 Bestandteile des Cochlea Implantats. 27
2.6.3 Funktionsweise des CI - Systems 28
2.6.4 Nutzen und Grenzen des CIs. 29
2.6.5 Zur Indikationslage bei Cochlea Implantat 33
2.6.6 Versorgung mit einem Cochlea Implantat 35
3 Zielstellung und Arbeitshypothesen. 42
4 Untersuchungsmethodik 44
4.1 Untersuchungsstichprobe 44
4.2 Untersuchungsablauf. 44
4.3 Mess- und Untersuchungsmethoden. 45
4.3.1 Posturographie 45
4.3.2 Balancier-Gleichgewichts-Test nach Hirtz (BGT) 49
4.4 Statistik - Methode der Datenauswertung 50
2
Inhaltsverzeichnis
5 Untersuchungsergebnisse 52
5.1 Posturographie 52
5.2 Balancier-Gleichgewichts-Test (BGT) 56
6 Diskussion. 58
6.1 Diskussion der Untersuchungsergebnisse 58
6.2 Methodendiskussion 60
7 Zusammenfassung und Ausblick 63
8 Literaturverzeichnis. 65
Anhang 70
3
1 Einleitung
„Taubheit ist für uns nicht fassbar. Blinden Mitgefühl entgegenzubringen, fällt uns leichter, denn Blindheit können wir uns vorstellen. Wir brauchen nur die Augen zu schließen. Doch auch wenn wir die Ohren noch so fest verstopfen, sind wir noch längst nicht taub“ (Lehnhardt, 1996, S.67).
Über 2 Millionen Menschen sind in Europa von Taubheit betroffen. Auch in Deutschland ertauben Jahr für Jahr mehrere hundert Erwachsene, mehr als 500 Kinder kommen gehörlos zur Welt, und etwa 100 ertauben in den ersten Lebensjahren als Folge einer Meningitis (Lehnhardt, 1996, S.68). Insgesamt leben in der Bundesrepublik Deutschland etwa 120 000 gehörlose Menschen (Leonhardt, 2002, S.63). Nicht hören zu können, schränkt die persönliche Entfaltung eines Menschen in vielen Bereichen des Lebens besonders stark ein. Als Folge dieser Behinderung sind Beeinträchtigungen wie retardierte Sprachentwicklung, Lernschwäche sowie soziale Ausgrenzungen durch Kommunikationsstörungen allgemein bekannt. Darüber hinaus wird durch eine Hörschädigung auch das synchrone Wirken der Sinnesorgane, die sich einander in ihrer Funktion ergänzen, gestört. Dadurch können Probleme im komplexen System der Gleichgewichts- und Haltungsregulation entstehen. Bereits in einer Vielzahl von Untersuchungen konnte ein signifikant niedrigeres Niveau in der Gleichgewichtskompetenz bei hörgeschädigten Personen im Vergleich zu
Normalsinnigen nachgewiesen werden (Althoff & Eggert, 1980; Beger, 1983; Kotonski-Immig, 1994; Schnuch, 1987).
Für das Auftreten einer Ertaubung sind unterschiedliche Faktoren verantwortlich. So wirken sich Schädigungen während der 7. bis 12. Schwangerschaftswoche in der Embryogenese verstärkt auf die Anlage des Ohres aus. Es kommt zu Störungen in der Entwicklung des Innenohres und damit zu Missbildungen. Infolgedessen werden die Innenohrstrukturen entweder gar nicht, nur partiell oder fehlerhaft ausgebildet, so dass in der Regel keine Sinneszellfunktion vorhanden ist. Die kongenitale Taubheit ist somit die häufigste Taubheitsursache und für rund ein drittel aller Fälle von Gehörlosigkeit verantwortlich. Etwa 16 % ertauben in Folge einer Meningitisinfektion. Weitere Ursachen für eine Ertaubung entstehen durch Viruserkrankungen (3%), perinatale Asphyxie (4%), Hörsturz, degenerative bzw. chronisch progrediente
Innenohrschwerhörigkeit oder ototoxische Medikamente. Bei gut einem Drittel aller
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Gehörlosen bleibt jedoch die Ursache für die Ertaubung unbekannt (Lenarz, 1998, S.12).
Da bei 90 % aller Gehörlosen der Grund der Ertaubung auf einem Funktionsausfall der Cochlea beruht und die Hörnervenfasern meist voll funktionsfähig sind, bemühten sich Wissenschaftler aus aller Welt den Gehörlosen durch elektrische Stimulation des Gehörnerven wieder eine akustische Wahrnehmung zu ermöglichen. Vor fast zwei Jahrzehnten gelang schließlich der Medizintechnik mit der Entwicklung einer elektronischen Innenohrprothese - dem Cochlea Implantat (CI) - ein bedeutender Schritt zur auditiven Rehabilitation gehörloser Menschen. Mit der Erfindung des Cochlea Implantats konnte das Spektrum technischer Hörhilfen vor allem für solche Patienten erweitert werden, denen mit konventionellen Hörgeräten keine ausreichende Hörinformation vermittelt werden kann. Das gleiche gilt für Patienten, die sich erfolglos einer Mittelohroperation wegen Hörverlust unterzogen. Da sich die CI-Versorgung in jüngster Zeit immer mehr durchsetzen konnte und der operative Eingriff mittlerweile zum Routineverfahren für die Betroffenen geworden ist, steigt die Zahl der Implantierten schnell an. So wurden bis Mitte des Jahres 2002 weltweit etwa 50000 Patienten mit einem CI versorgt, davon allein in D eutschland über 5000 (Kempf et al., 2003, S.592). Laszig (1997, S.45) gibt den jährlichen Zuwachs an Implantierten in Deutschland mit schätzungsweise 400 Patienten an.
Obwohl man die Bedeutung der Therapie und Rehabilitation von Patienten mit Cochlea Implantat mittlerweile erkannte und spezielle Nachsorgeeinrichtungen geschaffen wurden, existieren bisher keine evidenz - basierten Konzepte zur Rehabilitation dieser Patienten. Dabei ergeben sich mit dem CI als Innenohrprothese völlig neue Perspektiven für die Förderung hochgradig hörgeschädigter Kinder und Erwachsener. Dies betrifft nicht nur die Herausbildung des Hörens und der Lautsprache, sondern umfasst die gesamte Persönlichkeitsentwicklung. Dennoch wird in der Therapie bei CI versorgten Kindern und Jugendlichen fast ausschließlich auf die Schulung des Hörens und Sprechens eingegangen, was ja auch ohne Zweifel von essentieller Bedeutung für diese Patienten ist. Auf eine Anbahnung des Hörvermögens zur Steuerung und Regelung von Gleichgewichtsprozessen wird während der Rehabilitationszeit jedoch oftmals verzichtet. Infolgedessen existieren bisher kaum Studien zur Haltungs- und Gleichgewichtsregulation bei CI-Patienten.
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Ziel dieser Studie ist, die Gleichgewichts- und Haltungsregulation bei CI-Trägern zu untersuchen. Dabei gilt es herauszufinden, welchen Einfluss die zusätzliche auditive Information durch ein CI auf die Steuerung und Regelung von Gleichgewichtsprozessen hat. Darüber hinaus sollen durch die Ergebnisse dieser Untersuchung wesentliche Erkenntnisse für die Konzipierung eines speziellen Rehabilitationsprogramms bzw. für die Erarbeitung von neuen Lehrplänen für den Sportunterricht in den Bildungseinrichtungen gewonnen werden.
Für das Cochlea Implantat existieren in der Literatur verschiedene Schreibweisen. Ich entschied mich in der vorliegenden Arbeit für die deutsche Variante, werde aber bei Eigennamen die Schreibweise nicht verändern.
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2 Theoretische Grundlagen
2.1 Anatomie des Ohres
Das Ohr (Auris) ist ein paarig angelegtes Hör- und Gleichgewichtsorgan. Zweckmäßigerweise teilt man es in mehrere Abschnitte ein, wobei nur ein geringer Teil sichtbar ist. Der größere Teil liegt geschützt im Felsenbein des Schläfenbeines eingebettet. Klinisch-anatomisch unterscheidet man Außen-, Mittel- und Innenohr als Teile des Ohres.
2.1.1 Äußeres Ohr (Auris externa)
Das äußere Ohr besteht aus der knorpeligen, mit Haut überzogenen Ohrmuschel, dem etwa 3 cm langen, s-förmig gebogenen äußeren Gehörgang und dem Trommelfell. Die Ohrmuschel ( Auricula) besitzt mit Ausnahme des Ohrläppchens ein Gerüst aus elastischem Knorpel. Um den Schall bestmöglich aufzufangen, ist sie wie ein abgeflachter Trichter geformt. Die innere konkave Fläche der Ohrmuschel enthält dabei zahlreiche Höcker und Vertiefungen.
Der sich anschließende äußere Gehörgang ( Meatus acusticus externus) besteht aus einem lateralen, knorpelig begrenzten und einem medialen, knöchern umrahmten Teil. Der knorpelige Abschnitt ist mit Haut ausgekleidet und enthält Haare sowie Zeruminaldrüsen, die das Ohrenschmalz ( Zerumen) produzieren. Das Ohrenschmalz ist dafür verantwortlich Fremdkörper nach außen zu transportieren und Krankheitserreger unschädlich zu machen.
Den Abschluss bildet eine schräg in den Gehörgang eingelassene dünne, kreisförmige und sehr elastische Membran von ca. 1cm Durchmesser - das Trommelfell (Membrana tympanica). Es verjüngt sich trichterförmig nach innen und trennt den äußeren Gehörgang vom Mittelohr (Brunner & Nöldeke, 2001, S.14-17).
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2.1.2 Mittelohr (Auris media)
Das Mittelohr wird aus der Paukenhöhle (Cavum tympani) und der Ohrtrompete (Tuba audtiva) gebildet.
Die Paukenhöhle, als Hauptbestandteil des Mittelohres, ist ein ca. 5 mm breiter mit Luft gefüllter Hohlraum, in der sich die Gehörknöchelchen Hammer ( Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel ( Stapes) befinden. Diese drei winzig kleinen Knochen sind gelenkig miteinander verbunden und bilden eine Kette, die vom Trommelfell bis zum ovalen Fenster, dem Abschluss der Paukenhöhle zum Innenohr, reicht. Der Hammer ist mit seinem Handgriff in der Mitte des Trommelfells verwachsen. Der Kopf des Hammers ist wiederum mit dem Amboss verbunden. Zwischen Amboss und Steigbügel besteht ebenfalls eine Gelenkverbindung. Der Steigbügel sitzt mit seinem Fuß einer kleinen Öffnung im Knochen zum Innenohr auf, die m it einer bindegewebigen Membran überzogen ist und ovales Fenster genannt wird. Die Aufhängung der G ehörknöchelchen ist so zweckmäßig, dass Erschütterungen durch das Gehen usw. nicht zum Mitschwingen und dadurch zu Geräuschempfindung führen. Hammer und Steigbügel werden dabei zusätzlich durch zwei Muskeln fixiert und unter Spannung gehalten. Zusammen mit dem Trommelfell bilden die Gehörknöchelchen den Schalleitungsapparat (Brunner & Nöldeke, 2001, S.20-26).
Die Paukenhöhle ist mit Luft gefüllt, damit das Trommelfell frei schwingen kann, wenn es durch Schallwellen in Schwingung versetzt wird. Darüber hinaus ist die Paukenhöhle über einen Kanal, die Ohrtrompete, mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Sie hat die Aufgabe der Ventilation, damit im äußeren Gehörgang und in der Paukenhöhle der gleiche Luftdruck herrscht. Nur so kann das Trommelfell schwingen. Infolgedessen bietet die Ohrtrompete Schutz gegen aufsteigende Infektionen und gleicht Druckdifferenzen aus. Im Normalfall ist die Ohrtrompete geschlossen. Geöffnet wird sie nur mit Hilfe eines Muskels beim Sprechen von K-Lauten, Schlucken oder Gähnen. Zum Mittelohr gehören außerdem die Hohlräume des Warzenfortsatzes, welche auch als Mastoidzellen bezeichnet werden (Becker et al., 1989, S.9).
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Abb. 1: Bestandteile des Ohres (Silbernagl & Despopoulos, 1983, S.319)
2.1.3 Innenohr (Auris interna)
Jenseits des ovalen Fensters beginnt das Innenohr. Es ist eingebettet im kompaktesten Teil des Schläfenknochens, dem Felsenbein, und wird wegen seines komplizierten Kanalsystems auch als „Labyrinth“ bezeichnet.
Das Innenohr besteht aus der Gehörschnecke (Cochlea), die das eigentliche Hörorgan, das Corti-Organ mit den Sinnesrezeptoren, beherbergt, sowie dem Gleichgewichtsorgan mit den Bogengängen und dem Vorhof, in denen sich die Sinneszellen für den Gleichgewichtssinn befinden.
Das Innenohr ist mit dem Mittelohr über zwei mit Membranen überzogene Öffnungen, das ovale und das runde Fenster, verbunden. Dabei sorgt das runde Fenster für den Druckausgleich, wenn die Schwingungen des Steigbügels auf die Flüssigkeit im Innenohr übertragen werden (Brunner & Nöldeke, 2001, S.29).
Schnecke (Cochlea)
Die Schnecke, die einem Schneckenhaus mit zweieinhalb Windungen ähnelt, besteht aus einem knöchernen und einem häutigen Teil. Der knöcherne Teil ist mit Perilymphe gefüllt, die in ihrer Zusammensetzung der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit ähnelt.
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Er bildet den Schneckengang, der in zwei Etagen, die Vorhoftreppe (Scala vestibuli) und die Paukentreppe (Scala tympani) aufgeteilt ist. Zwischen diesen beiden Etagen befindet sich die häutige Schnecke, ein Hohlraum, der durch eine Membran (Membrana Basilaris) abgetrennt und mit Endolymphe gefüllt ist. Diese Basilarmembran trägt das Corti-Organ, welches aus bis zu 30000 Haarzellen besteht. Die kleinen Härchen, die als Sinneszellen des Hörorgans fungieren, sind nach unten mit dem als Hörnerv (N. cochlearis) bezeichneten Teil des Hör- und Gleichgewichtsnervs (VIII. Hirnnerv) verbunden (Brunner & Nöldeke, 2001, S.32-35).
Gleichgewichtsapparat (Ducti vestibulares)
Wie bereits erwähnt, ist das Ohr nicht nur für das Hören zuständig, es ist gleichzeitig das Organ für den Gleichgewichtssinn, der dafür sorgt, dass wir unseren Kopf und Körper aufrecht halten und unsere Körperhaltung an Lageveränderungen anpassen können.
Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) liegt im knöchernen Labyrinth. Es unterteilt sich in den Vorhof mit dem großen Vorhofsäckchen (Utriculus) und dem kleinen Vorhofsäckchen (Sacculus) sowie die drei Bogengänge mit ihren Erweiterungen (Ampullae). Wie bei der Schnecke ist der knöcherne Abschnitt des Gleichgewichtsorgans mit Perilymphe, der häutige Abschnitt mit Endolymphe gefüllt. Utriculus und Sacculus, zwei von Membranen umgebene Säckchen, sind dafür zuständig, das Gleichgewicht bei geradliniger Bewegung zu halten. Darüber hinaus stellen sie fest, in welcher Lage der Kopf sich zur Schwerkraft der Erde befindet. In der Wand von Utriculus und Sacculus ist jeweils ein Sinnesfeld, die Macula, zu finden. Diese besteht aus einer gallertartigen Schicht, in deren Oberfläche kleine Kalksteinchen, die Statolithen, eingelagert sind. Die Statolithen beschweren die Membran und sorgen somit dafür, dass bei jeder Kopfbewegung die Schwerkraft auf die Schicht einwirken kann, sodass sie sich bewegt. Kleine Sinneshärchen ragen von unten in die gallertartige Membran hinein. Bei jeder Bewegung schwingen die Härchen der Gallertmembran mit. Aufgrund der Trägheit bewirkt jede Linearbeschleunigung eine zusätzliche Verbiegung, welche dann Erregung auslöst und über den Gleichgewichtsnerv (N.vestibularis) dem zentralen Nervensystem gemeldet wird. Durch die Art der Befestigung wird die Macula utriculi besonders durch Horizontalbeschleunigungen, die Macula sacculi durch Vertikalbeschleunigungen stimuliert.
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Die Bogengänge, a ls zweite Komponente des Vestibularapparates, sorgen dafür, dass das Gleichgewicht auch bei Drehbewegungen des Kopfes gehalten werden kann. Sie sind so angeordnet, dass jeder in eine andere Ebene des Raums - in die Höhe, die Breite und die Tiefe - ragt. Somit ist jeder Bogengang für eine andere Drehbewegung des Kopfes zuständig. Die häutigen Bogengänge innerhalb der knöchernen Bogengänge sind mit Endolymphe gefüllt. Am Ende jedes Bogenganges befindet sich die Ampulle, die feinste Härchen als Rezeptoren beherbergt. Diese Sinneszellen ragen ebenfalls in eine gallertartige Masse, Cupula genannt, hinein. Wird der Kopf gedreht, bewegt sich die Endolymphe in den Bogengängen. Dadurch wird die Cupula angestoßen und die Sinneszellen der Härchen werden angeregt. Es kommt zu einer Erregung und Auslösung von Aktionspotentialen, die ebenfalls über den Gleichgewichtsnerv (N. vestibularis), bzw. später dem VIII. Hirnnerv, dem zentralen Nervensystem übermittelt werden (Faller, 1995, S.462-465).
Abb. 2: Cochlea und Vestibularorgan (Faller 1995, S.463)
2.2 Schallwellen und Hörvorgang
Beim Schall handelt es sich um die Ausbreitung mechanischer Schwingungen. Dabei werden Luft oder Flüssigkeit durch Geräusche in Schwingungen versetzt, die sich wellenförmig ausbreiten und schließlich als Schallwellen auslaufen. Die Tonhöhe wird dabei von der Häufigkeit der Schwingungen pro Sekunde (Frequenz) bestimmt. Je höher die Schallwellenfrequenz ist, desto höher wird der Ton empfunden (vgl. Abb. 3).
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Im menschlichen Ohr können Schallwellen mit Frequenzen zwischen 20 und 16000 Hertz wahrgenommen werden, wobei die obere Hörgrenze im Alter auf Werte bis 5000 Hertz absinken kann.
Die Lautstärke ist abhängig von der Amplitudengröße der jeweiligen Schwingungen. Schallereignisse müssen eine bestimmte Intensität überschreiten, um gehört zu werden. Am empfindlichsten ist das Ohr in einem Bereich zwischen 2000 und 5000 Hertz, wo bereits sehr niedrige Schalldrücke genügen, um die Hörschwelle zu überschreiten. Als objektives Maß für den Schalldruck hat man den Schalldruckpegel eingeführt, der in Dezibel (dB) angegeben wird. Ein Schalldruck, der gerade noch eine Empfindung auslöst, ist mit einem Wert von 0 dB festgelegt. Die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs beträgt etwa 130 dB. In der subjektiven Wahrnehmung des Menschen werden Schallwellen mit gleichem Schalldruck bei unterschiedlicher Frequenz jedoch nicht als gleich laut empfunden (Boenninghaus, 1990, S.30).
Abb. 3: Veränderungen der Tonhöhe und der Lautstärke bei Schallwellen (Silbernagl & Despopoulos, 1983, S.317)
Die Schallwellen erreichen das Hörorgan maßgeblich über die Ohrmuschel und den Gehörgang. Die Aufgabe der Ohrmuschel ist es, den Schall aufzufangen und zu bündeln. Sie dient somit als Schalltrichter und ermöglicht das Richtungshören. Über den äußeren Gehörgang gelangen die Schallwellen ans Trommelfell, welches in Schwingungen versetzt wird. Das Trommelfell überträgt nun die Schwingungen auf die Gehörknöchelchen in der Paukenhöhle, die sie wiederum über das ovale Fenster ans Innenohr w eitergeben. Hierbei wird die Luftschwingung in eine Knochenschwingung
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umgewandelt. Aufgrund der unterschiedlichen Längen der einzelnen
Gehörknöchelchen und des Flächenunterschieds vom Trommelfell zum ovalen Fenster erhält der Schall eine Gesamtverstärkung um das 22 fache, was einer Schalldruckerhöhung von 27 dB entspricht. Dies ist unbedingt notwendig, denn die Flüssigkeit im Innenohr leitet die Schwingungen nicht so gut wie Luft (Silbernagl & Despopoulos, 1983, S.316).
Wird nun die Endolymphe in der Schnecke in Bewegung versetzt, entstehen fortlaufende Wellen, die auch als Wanderwellen bezeichnet werden. Diese laufen zunächst durch die obere Etage der Schnecke bis zur Schneckenspitze (Helicotrema), um dann in der unteren Etage am runden Fenster auszulaufen. Die Wahrnehmung von unterschiedlichen Tonhöhen ist auf die besondere Form der Basilarmembran zurückzuführen. Da die Membran an der Schneckenbasis schmal und an der Schneckenspitze breiter ist, nimmt die Frequenz der Druckwellen gegen die Schneckenspitze zu. Auf diese Weise werden die hohen Töne an der Schneckenbasis, die tiefen Töne an der Schneckenspitze gehört. Daher gibt es für jede Frequenz des Schalls eine Stelle auf der Basilarmembran, auf der die Schwingung das Maximum erreicht (Becker et al., 1989, S.24).
Dabei führt die wellenförmige Bewegung der Endolymphe durch Abknickung der Haarzellen zur Reizung der Sinneszellen des Corti-Organs. Überschreitet die Stimulation der Sinneshärchen eine gewisse Stärke, entstehen in den Zellen Generatorpotenziale, welche in den Fasern des Hörnervs (N. Cochlearis) ein Aktionspotential auslösen. Die Aufgabe der Haarzellen besteht also in der Umwandlung hydromechanischer Schwingungsenergie in elektrische Impulse, welche über die Nervenfasern des VIII. Hirnnervs an das Hörzentrum im Großhirn geleitet werden. Die Nervenimpulse können dort in Geräusche, Töne oder Sprache rückübersetzt werden (vgl. Abb. 4).
Zusammenfassend möchte ich konstatieren, dass zu den Leistungen des Gehörsinns vor allem die Unterscheidung von Tonhöhen und Schallintensitäten sowie die Feststellung der Schallrichtung und Entfernung der Schallquelle zählen (Silbernagl & Despopoulos, 1983, S.318).
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Abb. 4: Schallaufnahme und -weiterleitung (Silbernagl & Despopoulos, 1983, S. 319)
2.3 Auseinandersetzung mit dem strittigen Begriff der Gleichgewichtsfähigkeit
In der Sportmotorik geht man davon aus, dass Fähigkeiten relativ verfestigte, generalisierbare, individuelle Leistungsvoraussetzungen für bestimmte Tätigkeiten sind (Meinel & Schnabel, 1998, S. 207). Somit wird in der Sportwissenschaft die menschliche Kapazität zur Gleichgewichtsregulation oftmals als koordinative Fähigkeit verstanden.
Als Vertreter des alten Konzepts sind Blume und Hirtz (1993, S.345) der Meinung, dass der Mensch durch die Gleichgewichtsfähigkeit über „relativ verfestigte und generalisierte Leistungsvoraussetzungen für das Halten bzw. Wiederherstellen des Körpergleichgewichts bei wechselnden Umweltbedingungen, besonders zur
zweckmäßigen und schnellen Lösung motorischer Aufgaben auf k leinen Unterstützungsflächen oder bei sehr labilen Gleichgewichtsverhältnissen“ verfügt. Diese Definition geht davon aus, das sich durch das wiederholte Bewältigen der unterschiedlichsten Gleichgewichtsanforderungen die Verlaufsqualitäten der
spezifischen Regulationsprozesse verfestigen und sich diese als verallgemeinerte Prozessabläufe auf andere Gleichgewichtshandlungen übertragen lassen. Jedoch wird in den letzten Jahren das Konzept der koordinativen Fähigkeiten, speziell die Gleichgewichtsfähigkeit, zunehmend kritisch diskutiert (Weinert, Schneider & Beckmann, 1991; Neumaier & Mechling, 1994; Hirtz 1995a, 1995b). Insbesondere der
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Beitrag von Weinert, Schneider und Beckmann (1991) fordert die Sportwissenschaft dazu auf, die immer noch gebräuchliche Orientierung am Fähigkeitskonzept zu überdenken oder zumindest Modifikationen dieses Konzepts in Angriff zu nehmen. Schulze (2003) konnte durch seine Arbeit die Aussagen von Olivier (1997) bestätigen, dass es sich bei der Gleichgewichtsfähigkeit um kein übertragbares und generalisierbares Konstrukt handelt. Darüber hinaus wurde in seiner Untersuchung deutlich, dass der Mensch nicht über ein feststehendes Fähigkeitsniveau des Gleichgewichts verfügt, was ihm bei unterschiedlichen Handlungen oder Tätigkeiten, immer im selben Maße gut oder weniger gut zur Verfügung steht (Schulze, 2003). Auch Hirtz (2000) kommt zu dem Schluss: „Das Gleichgewicht hat viele Gesichter“ und begründet dies durch das ausgeprägte Wechselwirkungsgefüge der
Gleichgewichtsfähigkeit mit fast allen anderen koordinativen Teilbereichen (Hirtz, Hotz & Ludwig, 2000, S. 51).
Die oben genannten wissenschaftlichen Arbeiten konnten die Vielfalt und Mehrdimensionalität der Gleichgewichtsprozesse beweisen und haben mich zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Konzept der koordinativen Fähigkeiten, speziell der Gleichgewichtsfähigkeit angeregt. Infolgedessen komme ich zu der Auffassung, dass das Gleichgewicht in hohem Maße von der Handlungssituation abhängig ist und daher eher Fertigkeits- denn Fähigkeitscharakter trägt. Um eine weitere Disputation zu dem Begriff der Gleichgewichtsfähigkeit zu vermeiden, wird in der vorliegenden Arbeit mit den Begriffen Haltungs- und Gleichgewichtsregulation gearbeitet. Der Begriff „Gleichgewichtsregulation“ soll den komplexen Anforderungen bei der Steuerung und Regelung von Gleichgewichtsprozessen gerecht werden. Jendrusch und Brach (2003, S.187) fassen die Gleichgewichtsregulation als Komponente und orthogonale Projektion der Bewegungsregulation auf, „die auf die Optimierung der resultierenden Kräfte und Momente im Systemschwerpunkt Sportler / Sportgerät gerichtet ist, in Abhängigkeit von der gestellten Aufgabe sowie individueller und äußerer Voraussetzungen“.
Während die Gleichgewichtsregulation eher auf den dynamischen Charakter bei Gleichgewichtsprozessen hinweist, soll mit dem Begriff der Haltungsregulation die statischen Ausgleichssynergien und -reaktionen bei der posturalen Steuerung hervorgehoben werden. Somit wird als Haltungsregulation jene kaum sichtbare Ausgleichsreaktion, die durch eine statische Gleichgewichtsanforderung ausgelöst wird,
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Arbeit zitieren:
Uwe Schwender, 2004, Untersuchung zur Haltungs- und Gleichgewichtsregulation bei Patienten mit Cochlea Implantat, München, GRIN Verlag GmbH
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