Einleitung 2
1. Definition Sozialpädagogik. 2
2. Was ist „sozialpädagogisches Handeln“ 3
3. Didaktische Modelle 3
3.2 Das Bildungstheoretische Modell 5
3.2.1 Die Didaktische Analyse. 6
3.2.2 Die Kategoriale Bildung. 6
3.2.3 Das Elementare, Fundamentale und Exemplarische 7
3.2.4 Weiterentwicklung zur „Kritisch-konstruktiven“ Didaktik 8
3.3 Das Lern- bzw. Lehrtheoretische Modell. 10
3.3.1 Die Strukturanalyse 10
3.3.2 Die Faktorenanalyse. 14
3.3.3 Kritik am „Berliner Modell“ 15
3.3.4 Weiterentwicklung zum „Hamburger Modell“ 16
3.4 Kritisch-kommunikatives Didaktikmodell. 16
3.4.1 Der kritische Aspekt. 17
3.4.2 Der kommunikative Aspekt 17
3.4.3 Die vier Aspekte des Unterrichts 18
3.5 Fazit. 19
4. Was verstehe ich unter „ästhetischer Bildung“? 20
5. Was ist Wahrnehmung? 20
5.1 Die Bedeutung der Sinneswahrnehmung 21
5.2 Der Wahrnehmungsablauf. 23
5.3 Die Wahrnehmungsentwicklung 25
Intermodale Stufe 25
Seriale Stufe 26
5.4 Aufbau und Funktion der Sinnessysteme. 26
5.4.1 Das visuelle System 29
5.4.2 Das auditive System 31
5.4.3 Das taktile System. 34
5.4.4 Das kinästhetische System 38
5.4.5 Das vestibuläre System 40
5.4.6 Das olfaktorische System 41
5.4.7 Das gustatorische System. 42
5.5 Integrative Sinneswahrnehmung 43
5.6 Wahrnehmungsstörung. 44
5.7 Fazit. 47
6. Didaktische Aspekte eines freizeitpädagogischen Angebot zur Wahrnehmungsförderung 48
Waldrallye 49
Literaturverzeichnis. 52
1
Einleitung
Gemäß dem Thema dieser Arbeit möchte ich mich hier mit Modellen der Didaktik und Methodik der Sozialpädagogik einerseits und dem Thema Sinneswahrnehmung und deren Förderung bei Kindern andererseits beschäftigen. Nach der theoretischen Herangehensweise an diese beiden Themenkomplexe werde ich im dritten Teil versuchen diese an einem Beispiel aus dem freizeitpädagogischen Bereich praktisch zu erläutern.
Um einen Einstieg in das komplexe Thema der Didaktik / Methodik der Sozialpädagogik zu finden, werde ich nun zunächst versuchen eine Definition von Sozialpädagogik zu geben, sowie den Begriff des „sozialpädagogischen Handelns“ mit Inhalt zu füllen.
1. Definition Sozialpädagogik
Geschichtlich lassen sich Sozialpädagogik und -arbeit, heute vielfach unter dem Begriff „soziale Arbeit“ zusammengefasst, bis in die Armenfürsorge des 18. und 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Dabei konzentrierte sich die Sozialpädagogik speziell auf die drohende Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen, hier liegen also ihre geschichtlichen Wurzeln. Dieser damals noch recht überschaubare Tätigkeitsbereich hat sich allerdings im Zuge der Industrialisierung des 20. Jahrhunderts zu einer derartigen Vielfalt an Handlungsfeldern ausgeweitet, dass es unmöglich erscheint , das Feld der Sozialpädagogik heute präzise zu definieren.
Neben der Industrialisierung wirkte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die aufkommende Sozialgesetzgebung entwicklungsfördernd auf die Sozialpädagogik und -arbeit aus. Bestand diese früher in der Reichsfürsorgepflichtverordnung und dem Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, finden diese heute ihre Entsprechung im BSHG, sowie im KJHG, worin die Sozialgesetzgebung bis dato ihren bedeutsamsten Ausdruck gefunden hat.
Was meiner Meinung nach die heutige soziale Arbeit von der ursprünglichen Sozialpädagogik und -arbeit grundlegend unterscheidet, ist, dass das Klientel, an das sie sich richtet, heute gewissermaßen keine gesellschaftliche Ausnahme mehr darstellt. Zuzuschreiben ist diese Entwicklung einer zunehmenden Pluralisierung der Lebenslagen, sowie der Individualisierung der Lebensführung, die ernstzunehmende Risikofaktoren darstellen. Soziale Arbeit muss also zu einem Großteil auf die Hilfe zur alltäglichen Lebensbewältigung abzielen, bei der sie zunehmend den Charakter einer Dienstleistung gewinnt. Einen wichtigen Faktor dieser Hilfe stellt die Integration des Hilfeempfängers in diesen Prozess dar.
Bezüglich der Methoden, derer sich die soziale Arbeit heute bedient, lässt sich am ehesten nach direkt und indirekt interventionsbezogenen, sowie struktur- und organisationsbezogenen
2
Methoden differenzieren. Unter direkt interventionsbezogenen Methoden wird bspw. die Einzelfallhilfe und das Streetwork verstanden, indirekt interventionsbezogene Methoden beziehen sich z. B. auf Supervision und struktur-, sowie organisationsbezogene Methoden zielen u.a. auf das Sozialmanagement und die Jugendhilfeplanung ab.
2. Was ist „sozialpädagogisches Handeln“
Meiner persönlichen Meinung nach lässt sich unter den Begriff des sozialpädagogischen Handelns jedes professionelle, intentionale Handeln fassen, das darauf ausgerichtet, ist den Menschen, mit denen wir arbeiten, zu einer selbständigen und selbstverantwortlichen Lebensführung zu verhelfen. Sozialpädagogisches Handeln beinhaltet demnach sowohl Elemente des Helfens, als auch des Erziehens.
Nach Giesecke beinhaltet sozialpädagogisches Handeln vier weitere Handlungsrichtungen, denen er folgende Aufgaben zuschreibt;
Sozialpolitisches Handeln, dessen Ziel es ist, ein geordnetes Zusammenleben der Menschen zu organisieren, bzw. diese Organisation aufrecht zu erhalten, Sozialadministratives Handeln, mit dem Ziel, allgemeine Normen auf Einzelfälle anzuwenden, um dadurch das Individuum mit jeweils anderen Individuen gleich zu definieren und dementsprechend zu behandeln,
Sozialökonomisches Handeln, um durch einen geringst möglichen Aufwand, Kosten betreffend, die bestmögliche Lösung sozialer Probleme zu erreichen, Sozialmedizinisches Handeln, um Krankheit, im sozialen Kontext, zu erkennen und Maßnahmen zu deren Heilung einleiten zu können.
Giesecke weist an dieser Stelle darauf hin, dass die Leistung des Sozialpädagogen darin bestehen soll, bemüht zu sein, die eben erwähnten nicht-pädagogischen Handlungsrichtungen so zu realisieren, dass die pädagogische Dimension des Handelns zu jeder Zeit dominant bleibt. (vgl. Badry/Buchka/Knapp, 1999, 227)
3. Didaktische Modelle
Nach anfänglicher Literaturrecherche bin ich schnell zu der Auffassung gelangt, dass es zwar eine ganze Reihe didaktischer Modelle gibt, sich in der fachlichen Diskussion aber hauptsächlich zwei grundlegende Richtungen befinden. Sie unterscheiden sich maßgeblich in den Leitbegriffen auf denen die Überlegungen gründen. Zum einen soll es im Folgenden um das lerntheoretische Modell ( nach Heimann ), zum anderen um das bildungstheoretische Modell ( nach Klafki ) gehen. Neben diesen beiden Modellen werde ich noch ein drittes erläutern, dessen Überlegungen
3
dem Leitbegriff der Interaktion geschuldet sind; das sog. Kritisch-Kommunikative Didaktikmodell nach Winkel.
Ich habe mich für eben diese Auswahl an Modellen entschieden, da ich der Auffassung bin, dass es sich bei dem lerntheoretischen und dem bildungstheoretischen Modell um zwei gegensätzliche didaktische Überlegungen handelt, was den Ausgangspunkt für diese Überlegungen betrifft und die Perspektiven, aus welchen heraus sie entwickelt worden sind. Des Weiteren habe ich mich für die Darstellung des Winkelschen Modells entschieden, da es, wie ich denke, thematisch zwischen den genannten und miteinander konkurrierenden Hauptrichtungen angesiedelt werden kann. Zudem halte ich den dort implementierten Leitbegriff der Interaktion für sehr bedeutungsvoll und richtungsweisend in der sozialpädagogischen Praxis, um die es letztlich in dieser Arbeit gehen soll.
Des Weiteren habe ich mich nach eingehender Beschäftigung mit den ausgewählten Modellen dazu entschieden, diese nicht in ihrem vollen Umfang zu erläutern, da sie, aus der Schuldidaktik kommend, nicht wenige Aspekte aufweisen, die sich auf das konkrete Geschehen im Schulunterricht beziehen. Vielmehr werde ich mich bei der Darstellung auf solche Aspekte konzentrieren, die sich auch auf die sozialpädagogische Praxis übertragen lassen. Um deutlich zu machen, dass es sich hierbei lediglich um eine von mir getroffene Auswahl an didaktischen Modellen handelt, möchte ich weitere Modelle zumindest namentlich erwähnen, ohne jedoch näher auf diese einzugehen;
Die Kybernetisch-informationstheoretische Didaktik, nach von Cube Die Curriculare Didaktik, nach Möller Die Schülerorientierte Didaktik, nach Meyer
Die Marxistisch-leninistisch bildungsorientierte Didaktik, u.a. nach Klingberg ( vgl. Schilling, 1995, 20 )
3.1 Der Modellbegriff
Da ich mich im Folgenden mit didaktischen Modellen beschäftigen werde, erscheint es mir an dieser Stelle sinnvoll vorher den Begriff des Modells etwas mit Inhalt zu füllen. Popp beschreibt ein Modell als „ein widerspruchsfreies System von Hypothesen (Axiomen, Deduktionen, Prognosen), die als prinzipiell verifikationsbedürftig begriffen werden - es ist ein Konstrukt auf Widerruf“ ( zit. n. Badry/Buchka/Knapp, 1999, 244 ). Mit einem Modell in der Praxis zu arbeiten bedeutet also, dieses fortwährend zu erproben und es kontinuierlich auf seine Tauglichkeit hin zu überprüfen. Es sollte nicht der Fehler gemacht werden, ein Modell und dessen Überlegungen als unumstößlich und endgültig zu verstehen.
4
Nach Popp haben Modelle didaktischer Theorien fünf Merkmale zwischen denen es zu unterscheiden gilt:
Reduktion; um die Überlegungen realitätsnah und praktikabel, also für den Einzelfall anwendbar zu gestalten,
Akzentuierung; es werden lediglich solche Merkmale behandelt, die der Theorie des Modells entsprechen und ihr förderlich sind,
Transparenz; um nicht den Kontext zu verschleiern, in dem das Modell steht. Es wird herausgestellt, dass jedes Modell seine Bedeutung und Funktion aus einem jeweils übergeordneten systemischen Ansatz heraus ableitet, Perspektivität; um zu verdeutlichen, dass jedes Modell auf jeweils bestimmte Fragestellung ausgerichtet ist und ihm jeweils bestimmte Leitgedanken zugrunde liegen (vgl. die unter Punkt 3 genannten Leitbegriffe),
Produktivität; da Modelle immer nur einen Ausschnitt der Realität zeigen können, sollte sich der Betrachter dazu aufgefordert fühlen, die im Modell angestellten Überlegungen zu reflektieren, zwischen Modellen zu vergleichen und dadurch gegebenenfalls die einzelnen Überlegungen fortzuführen.
Nach Ruprecht haben Modelle zwei grundlegende Funktionen;
Zum einen dienen sie als eine Art vorläufige Annahme und sollen damit ein besseres Verständnis komplexerer Sachverhalte ermöglichen, darüber hinaus sollen sie als Anhaltspunkt dienen, um ausgehend von diesem weiterführend zu forschen, Zum anderen bieten sie Gelegenheit zur selbstkritischen Überprüfung und ermöglichen durch den Vergleich zu anderen Modellen, diese zu überdenken.
In der Sozialpädagogik wird der Begriff des Modells analog zu dem der Schulpädagogik gebraucht und bezieht sich somit auf den Bereich des Lehrens und Lernens. Dadurch grenzt er sich von dem Begriff des Konzepts ab, der für sozialarbeiterische Bereiche verwendet wird, die deutlich über das Lehren und Lernen hinausgehen. ( vgl. Schilling, 1995, 244f )
3.2 Das Bildungstheoretische Modell
Das Modell der bildungstheoretischen Didaktik wurde in den 50er Jahren von dem Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki entwickelt. Dieses Modell sollte zu einer
5
Unterrichtsplanung verhelfen, bei der nicht Unterrichtsmethoden, sondern -inhalte im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Klafki wollte die Bildungsinhalte, die durch den Lehrplan bereits vorgegeben waren, im Hinblick auf ihren Bildungsgehalt untersuchen. Zu diesem Zweck entwarf Klafki seine sog. „Didaktische Analyse“. Analyse soll in diesem Zusammenhang als „... die didaktische Interpretation und Strukturierung im Hinblick auf die
Unterrichtsplanung.“(Jank/Meyer, 1996, S. 133), verstanden werden. Dieser Entwurf soll im Folgenden erläutert werden.
3.2.1 Die Didaktische Analyse
Die didaktische Analyse beschäftigt sich mit fünf Grundfragen, anhand derer ein Lehrer die Inhalte seines Unterrichts kritisch zu hinterfragen hat;
Die Gegenwartsbedeutung beschäftigt sich mit der Frage welche aktuelle Bedeutung der Inhalt im Leben der Schüler hat und welche Bedeutung er haben sollte, Die Zukunftsbedeutung zielt darauf ab, worin die Bedeutung des Inhalts für die Zukunft der Schüler liegt,
Die Sachstruktur fragt nach der Struktur des zu untersuchenden Inhalts, Die Exemplarische Bedeutung soll klären ob der Inhalt ein allgemeines Phänomen, oder ein allgemeines Problem erschließt und ob Erkenntnisse die diesen Inhalt betreffen, auch auf andere Sachverhalte übertragbar sind,
Die Zugänglichkeit; hier wird schließlich die Frage gestellt, wie der Lehrer den Inhalt möglichst anschaulich und damit den Schülern verständlich vermitteln kann, mittels welcher Beispiele dieser Inhalt besonders „frag-würdig“ und damit interessant erscheint.
Dieser Entwurf beansprucht für sich nicht die Verbindlichkeit einer Handlungsanweisung, sie ist vielmehr als eine Art Reflexions- und Problematisierungshilfe für den Lehrkörper zu verstehen. Als solche soll sie ihm die Unterrichtsplanung mit solchen Inhalten ermöglichen, beziehungsweise erleichtern, die einem Bildungsbegriff, wie Klafki ihn für sich definiert hat, gerecht werden. Diesen Bildungsbegriff bezeichnet er als „Kategoriale Bildung“.
3.2.2 Die Kategoriale Bildung
Bei der Definition eines für Klafki angemessenen Bildungsbegriffs orientiert er sich an klassischen Bildungstheorien, deren Hauptanliegen es ist, dem Menschen Allgemeinbildung zu vermitteln, und zwar eine solche, die sie zu Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und vor allem zu selbstverantwortlichem Handeln befähigt. Solche Bildungstheorien finden sich bspw. bei J.F.
6
Herbart und W. von Humboldt. Darüber hinaus ist es Klafki ein Anliegen, einen Bildungsbegriff zu entwickeln, der materiale und formale Bildungstheorien miteinander verknüpft. Material meint in diesem Zusammenhang, dass man, ausgehend von den Inhalten, danach schaut, welche für den Schüler interessant und wertvoll sind, welche ihm also nähergebracht werden sollten. Diese Vorgehensweise ist also als objektbezogen zu bezeichnen, während formale Bildungstheorien zunächst den Schüler und seine Bedürfnisse im Blick haben und ausgehend davon, in Frage kommende Inhalte auf ihre Angemessenheit prüfen. Diese Herangehensweise ist demnach als subjektbezogen zu verstehen. Durch die Verknüpfung der beiden Theoriekomplexe miteinander entstand bei Klafki der Begriff der kategorialen Bildung. Klafki drückt es so aus; „Bildung ist kategoriale Bildung in dem Doppelsinn, dass sich dem Menschen eine Wirklichkeit ‚kategorial’ erschlossen hat und dass eben damit er selbst - dank der selbstvollzogenen ‚kategorialen’ Einsichten, Erfahrungen, Erlebnisse - für diese Wirklichkeit erschlossen worden ist.“(zit. n. Jank/Meyer, 1996, S. 143). Klafki will damit sagen, dass es ihm wichtig ist, die Einseitigkeiten von materialer und formaler Bildung zu überwinden, um gewährleisten zu können, vorgegebene Lerninhalte zu vermitteln ohne die Individualität und Bedürfnisse der Schüler aus den Augen zu verlieren.
3.2.3 Das Elementare, Fundamentale und Exemplarische
Wie bereits erläutert, besteht das Ziel didaktischer Analyse darin, vorgegebene Bildungsinhalte im Hinblick auf ihren wirklichen Bildungsgehalt zu untersuchen. Mittels Klafkis Entwurf lässt sich nun feststellen, inwiefern der vorgegebene Unterrichtsinhalt im Sinne kategorialer Bildung dem Schüler einerseits diese Inhalte erschließt, ihn aber gleichzeitig für diese Inhalte öffnet. Um nun das Besondere und das Allgemeine, welches der Bildungsinhalt inne hat, auf ihr Verhältnis zueinander zu untersuchen, wurden die folgenden drei Prinzipien entworfen; Das Elementare; am konkreten Beispiel wird ein dahinterstehendes, allgemeingültiges Prinzip sichtbar gemacht, d.h., wenn das Besondere ein Allgemeines aufdeckt, ist es elementar,
Das Fundamentale; dem Schüler werden Grunderfahrungen vermittelt, befähigen sie den Schüler zu grundlegenden Einsichten, sind sie fundamental, Das Exemplarische; sowohl Elementares als auch Fundamentales muss an einem prägnanten Beispiel gewonnen werden können.
Die bildungstheoretische Didaktik ist also der Auffassung, dass Unterrichtsinhalte erst dann bildend zu nennen sind, wenn sie das Allgemeine im Besonderen zeigen können, also elementar
7
sind und grundlegende Einsichten durch Grunderfahrungen zu vermitteln verstehen, demnach also fundamental sind. Andernfalls stellen Unterrichtsinhalte lediglich eine Anhäufung von Faktenwissen dar.
Ziel des ganzen ist es, mit Hilfe dieser Prinzipien eine sinnvolle Eingrenzung der Unterrichtsinhalte vorzunehmen Des Weiteren befähigen sie dazu, zu begründen, warum die Vermittlung bestimmter Inhalte nicht zwingend notwendig ist.
3.2.4 Weiterentwicklung zur „Kritisch-konstruktiven“ Didaktik
Da zunehmend Kritik an Klafkis bildungspolitischem Didaktikmodell aufkam, entschloss er sich dieses weiterzuentwickeln und bezeichnete es als „Kritisch-konstruktives“ Didaktikmodell. Die Kritik bestand beispielsweise darin, seine Didaktik sei inhaltlich konservativ und orientiere sich ausschließlich an der bildungsbürgerlichen Mittelschicht. Des Weiteren ignoriere sie die real vorherrschenden Lebens- und Lernbedingungen und argumentiere so an den Adressaten vorbei. Der Grund dafür läge darin, dass sie nicht über angemessene Forschungsmethoden verfüge und sich der empirischen Forschung verschließe. Darüber hinaus wurde der bildungstheoretischen Didaktik vorgeworfen, sie hebe auf eine bildungsphilosophische Ebene ab und sei somit nicht in der Lage, klare Lernziele zu formulieren. Außerdem vernachlässige sie Prinzipien der Unterrichtsmethodik und sei somit unbrauchbar für die alltägliche Schulpraxis. Klafki nahm sich dieser Kritikpunkte an und seine Modifizierung beinhaltet, unter Beibehaltung der Kernpunkte, im Wesentlichen vier Merkmale, auf die ich im Folgenden eingehen werde. Das nach wie vor geltende Ziel der Allgemeinbildung im Sinne von kategorialer Bildung wurde dahingehend ergänzt, dass Klafki forderte, folgende Fähigkeiten der Schüler seien im Unterricht herauszuarbeiten: Selbstbestimmung Mitbestimmung Solidarität
Der erste zentrale Begriff des ‚kritischen’ gewinnt seine Bedeutung aus der Tatsache, dass Klafki mit seiner Didaktik auf die gesellschaftliche Wirklichkeit einwirken will und muss, da diese die Entwicklung von Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidaritätsbewusstsein behindert. ‚Konstruktiv’ ist Klafkis neue Position, da er Möglichkeiten, um der schulischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit entgegenzuwirken, jenseits der institutionellen und curricularen Rahmenbedingungen suchen und finden will. Er möchte sog. ‚konkrete Utopien’ entwerfen, die über bloße Konzepte der Unterrichtsgestaltung hinausgehen und somit konstruktive Anstöße geben. Klafki bezeichnet diese als „Vorgriffe der Theorie, Modellentwürfe für mögliche Praxis,
8
begründete Konzepte für veränderte Praxis, für eine humanere und demokratischere Schule.“ (zit.n. Jank/Meyer, 1996, S. 167).
Des Weiteren fordert Klafki in seinem weiterentwickelten Modell eine Integration der historischhermeneutischen, empirischen und gesellschaftskritisch-ideologischen Forschungsmethoden, wobei er betont, dass es ihm nicht um eine bloße Addition dieser Methoden geht, sondern er sie miteinander verknüpft und sich wechselseitig bedingend zum Einsatz bringen will. Nutzen und Notwendigkeit dieser integrativen Vorgehensweise stellen sich bei ihm wie folgt dar. Durch den historisch-hermeneutischen Zugang lassen sich Sinn und Bedeutung des pädagogischen Handelns in angemessener Art und Weise erfassen, wobei ihnen die Empirie einen überprüfbaren Rahmen verleiht. Schließlich verhilft dann der gesellschaftskritischideologische Ansatz dazu, die gesellschaftlichen Voraussetzungen zu klären, vor deren Hintergrund hermeneutische und empirische Methoden zur Anwendung gebracht werden können. Mit dieser Umsetzung der Integration nimmt Klafki die Kritik an seiner Ablehnung der empirischen Forschungsmethoden konstruktiv auf.
Ein drittes Merkmal von Klafkis Weiterentwicklung besteht in der Erweiterung seines Didaktikbegriffs. Dieser bezieht neben der Reflexion der Ziel- und Inhaltsentscheidungen nun auch die Reflexion der Methoden-, Medien- und Beurteilungsentscheidungen mit ein. Die ursprünglich getroffene Unterscheidung zwischen Didaktik i.w.S. und Didaktik i.e.S. fällt nun weg. Diese Unterscheidung besagte, dass Didaktik i.w.S. alles umfasst, was mit der konkreten Gestaltung von Unterrichtprozessen zu tun hat, wohingegen Didaktik i.e.S. laut Klafki als ein Teilgebiet der Didaktik i.w.S. zu verstehen ist. Weitere Teilgebiete sind nach Klafki die Unterrichtsforschung, die Schultheorie sowie die Unterrichtsmethodik. Schließlich betont Klafki in seinem weiterentwickelten Modell noch den Zusammenhang der grundlegenden didaktischen Strukturelemente in jeweils qualitativ unterschiedlicher Beziehung zueinander. Eine hervorgehobene Rolle spielen dabei jedoch nach wie vor die Zielentscheidungen, von denen unabhängig keine anderen Entscheidungen getroffen werden können. Der alte diesbezügliche Standpunkt Klafkis bleibt also erhalten, lediglich die Formulierung ist nun eine andere.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass Klafki zwar einige Modifizierungen vorgenommen, sich sein Standpunkt jedoch im Wesentlichen nicht verändert hat. Zentraler Ausgangs- und Bezugspunkt ist nach wie vor der Bildungsbegriff, erklärtes Ziel die Allgemeinbildung im Sinne einer kategorialen Bildung sowie die Überwindung der Einseitigkeiten formaler und materialer Bildung.
An dieser Stelle schließe ich die Darstellung des ersten ausgewählten Didaktikmodells ab.
9
3.3 Das Lern- bzw. Lehrtheoretische Modell
Dieses Didaktikmodell entstand Anfang der 60er Jahre unter anderem aus der Kritik an der bildungstheoretischen Didaktik Klafkis (vgl. Punkt 3.2.4).Begründet wurde das lern- bzw. lehrtheoretische Modell von P. Heimann mit Unterstützung von G. Otto und W. Schulz. Das Hauptanliegen der Autoren bestand darin, ein unterrichtsbezogenes, praxisnahes Modell zu entwickeln, worin sich auch der Hauptkritikpunkt an Klafkis Modell ausdrückt, nämlich auf eine bildungsphilosophische Ebene abgehoben zu sein. Diese Kritik schlägt sich auch in der Tatsache nieder, dass die Heimannsche Didaktik in ihren Überlegungen weitestgehend auf einen Bildungsbegriff verzichtet. Im Folgenden werde ich mich dem Vorschlag des Mitbegründers Schulz anschließen und dieses Modell als lehrtheoretisch bezeichnen. Die Abkehr vom ursprünglichen Begriff des lerntheoretischen liegt darin begründet, dass dieses Modell letztendlich primär auf die Gestaltung des Lehrprozesses abzielt und den sich daraus entwickelnden Prozess des Lernens als sekundär betrachtet.
Ausgangspunkt für Heimanns Überlegungen ist seine Überzeugung, dass man Unterricht nur lange genug beobachten muss, um zu erkennen, dass er zwar inhaltliche und situationsabhängige Variationen aufweist, die aber einer konstanten formalen Struktur unterliegen. Um diese Struktur herauszufiltern und zu verstehen, hat Heimann die sog. „Strukturanalyse des Unterrichts“ entwickelt.
3.3.1 Die Strukturanalyse
Den Kern von Heimanns Strukturanalyse bildet ein relativ einfach strukturiertes Begriffsraster. In diesem Raster wird zunächst unterschieden zwischen vier sog. Entscheidungs- und zwei Bedingungsfeldern, die, wie in der folgenden Abbildung zu sehen, einander auf bestimmte Weise zuzuordnen sind.
10
Arbeit zitieren:
Sebastian Spatz, 2004, Didaktische Aspekte eines freizeitpädagogischen Angebotes zur Wahrnehmungsförderung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Was ist eine sozial gerechte Gesundheitspolitik?
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 16 Seiten
Die lehr- und lerntheoretische Didaktik - Das Berliner Modell
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 21 Seiten
Soziale Ungleichheiten im Gesundheitswesen im Bezug auf den sozialen S...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Gesundheitliche Ungleichheiten – Fragen der sozialen Gerechtigkeit und...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Erfüllt die moderne Sozialdemokratie ihren Anspruch der sozialen Gerec...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 19 Seiten
Frida Kahlo im Zeichen der Postmoderne
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 26 Seiten
"Praxis der Familienhilfe - Familientherapie als notwendige Metho...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 71 Seiten
Grundlagen des systemischen Ansatzes in der Sozialpädagogischen Famili...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 30 Seiten
Die Sensorische Integration und ihre Auswirkung auf Lernen und Verhalt...
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Hausarbeit, 16 Seiten
Lernen mit allen Sinnen - Die Montessori-Pädagogik als Beispiel der Si...
Hausarbeit, 27 Seiten
Sebastian Spatz hat den Text Didaktische Aspekte eines freizeitpädagogischen Angebotes zur Wahrnehmungsförderung veröffentlicht
Sebastian Spatz hat einen neuen Text hochgeladen
Didaktische Handreichungen Englisch
A Ambuhl
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
Ethische Aspekte der Forschung und Verwendung menschlicher Stammzellen
Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Wahrnehmung, Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung im Grunds...
Tassilo Knauf, Petra Kormann, Sandra Umbach
Wahrnehmungsförderung für Kleinkinder
Ideen für Krippe, Kita und Tag...
Brigitte Wilmes-Mielenhausen, Anja Wrede
Visuelle Wahrnehmungsförderung 1. Arbeitsheft. Für die Grundschule
Marianne Frostig, David Horne
0 Kommentare