Gliederung
1. Einleitung 3
2. Zum Ursprung des Fastnachtspiels 5
2.1. Die Fastnacht 5
2 2. Vorläufer des Fastnachtspiels 6
3. Die Quellen des Fastnachtspiels 8
3.1. Spruchdichtung 8
3.2. Nachklassische höfische Minnedichtung 9
3.3. Neidhartdichtung 10
3.4. Geistliche Stoffe 11
3.5. Volksbücher 12
3.6. Schwankdichtung 13
3.7. Politische und zeitgeschichtliche Ereignisse 14
3.8. Sonstige Quellen 15
4. Die Quellen der Fastnachtspiele von Hans Folz 17
4.1. Nachklassische höfische Minnedichtung - Das Urteil
der Frau Venus 17
4.2. Geistliche Stoffe - Hans Folz’ Antisemitismus 18
4.3. Volksbücher - Salomon und Markolf 21
4.4. Schwankdichtung - Derbe Zoten 22
5. Schlussbetrachtung 24
6. Literaturverzeichnis 25
6.1. Selbständig erschienene Literatur 25
6.2. Unselbständig erschienene Literatur 27
6.3. Quellen 27
2
1. Einleitung
Unabhängig von dem Gegenstand, der in der Literaturwissenschaft betrachtet wird - sei es ein Autor, ein Werk oder eine Gattung - muss man stets davon ausgehen, dass Literatur nicht im luftleeren Raum entsteht. Verschiedene Faktoren sozialer, politischer und auch literarischer Natur übten ihren Einfluss aus und haben dazu beigetragen, dass die Dichtungen, die uns überliefert wurden, so sind wie sie sind. Gleiches gilt auch für das Genre des Fastnachtspiels. Um jene Stücke zu verstehen, gilt es sie „in das Beziehungsfeld, in das Ensemble der literarischen Gestaltungen ihrer Zeit zu setzen“ 1 . Aufgabe dieser Arbeit soll es daher sein die (literar-)historischen Quellen der Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts näher zu analysieren und anschließend beispielhaft an einigen Stücken des Autors Hans Folz aufzuzeigen.
In Kapitel zwei werde ich daher zunächst einen kurzen Überblick über den Anlass und die Entwicklung des Fastnachtspiels geben. Im Mittelpunkt des dritten Kapitels stehen die literarischen und historischen Quellen, aus denen die Fastnachtspiele ihre Themen und Motive bezogen. Kapitel vier beschäftigt sich schließlich mit ausgewählten Fastnachtspielen von Hans Folz, wobei die zuvor ermittelten dichterischen und gesellschaftlichen Einflüsse exemplarisch an seinen Werken nachgewiesen werden sollen. Abschließend werde ich die Ergebnisse dieser Arbeit in einer Schlussbetrachtung noch einmal kurz zusammenfassen.
Die Literaturlage zu diesem Thema gestaltet sich nicht sehr umfangreich. Dies liegt zum einen an der Tatsache, dass die Derbheit der Fastnachtspiele in Kombination mit den überzogenen „Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts“ 2 die Forschung erst spät einsetzen lässt. Dabei waren diese sehr beliebten Stücke nicht einfach auf das Niveau der Bürger herabgesetztes Kulturgut mit primitiven Possen, sondern Darstellungen des menschlichen Fehlverhaltens in
1 Lenk, Werner: Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Theorie
und zur Interpretation des Fastnachtspiels als Dichtung, Akademie Verlag, Berlin 1966, S. 61.
2 Catholy, Eckehard: Fastnachtspiel, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1966,
S. 1-2.
3
all seinen Facetten, stets mit der Absicht zur moralischen Belehrung 3 . Dies wurde jedoch erst spät in der Wissenschaft entsprechend gewürdigt. Zum anderen lenkten die (methodisch unkorrekten) Untersuchungsansätze von Rudwin und Stumpfl, wonach die Fastnachtspieltradition volkskundlich zu erklären sei und auf heidnisch-germanischen Ritualen beruhe, in eine falsche Richtung 4 . Erst in den 1960er kam es vermehrt zu wissenschaftlich fundierten Aufarbeitungen der Fastnachtspiele, von denen sich Eckehard Catholys Band „Fastnachtspiel“ 5 als am besten geeignetes Überblickswerk herausstellte. Die für diese Arbeit wichtigste Untersuchung zur dichterischen und motivgeschichtlichen Herkunft jener Gattung war Werner Lenks „ Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Theorie und zur Interpretation des Fastnachtspiels als Dichtung“ 6 .
3
Vgl.: Frey, Winfried / u.a.: Einführung in die deutsche Literatur des 12. bis 16. Jahrhunderts.
Band 3. Bürgertum und Fürstenstaat - 15./16. Jahrhundert, Westdeutscher Verlag, Opladen 1981, S. 115.
4 Lenk, Werner: Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Theorie
und zur Interpretation des Fastnachtspiels als Dichtung, Akademie Verlag, Berlin 1966, S. 3-4.
5 Vgl.: Catholy, Eckehard: Fastnachtspiel, J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart
1966.
6 Vgl.: Lenk, Werner: Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur
Theorie und zur Interpretation des Fastnachtspiels als Dichtung, Akademie Verlag, Berlin 1966.
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2. Zum Ursprung des Fastnachtspiels
2.1. Die Fastnachtzeit
Im Mittelalter begann nach dem Aschermittwoch eine vierzigtägige Zeit „des kirchlich verordneten Fastens“ 7 . In den vorangehenden Tagen wurde den Menschen die Möglichkeit zum ausgelassenen Feiern geboten. Unterdrückten Trieben sollte freien Lauf gelassen werden und ein letztes Mal vor der Zeit der Entbehrungen genoss man die weltliche Lebenslust, bevor die vollständige Hinwendung zu Gott erfolgte.
Die Bürger trafen sich in geselliger Runde zu Tanz, Trank und Speis und gaben Witze, Rätsel oder Possen zum Besten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts fand die Aufführung von Stegreifspielen Einzug in die Festlichkeiten. Deren Darsteller waren maskiert und verkleidet und zogen von einem Wirtshaus oder Versammlungssaal zum nächsten, um ihre derbkomischen Stücke zu präsentieren. Anschließend bedankte sich das Pub likum mit Geschenken oder lud die Schauspieler zum Essen und Trinken ein. Diese Spiele waren vermutlich zunächst reine Pantomime, bevor sich allmählich Reime (mit denen die Darsteller ihre verkörperten Rollen näher erläuterten) und schließlich auch Dialogsequenzen herausbildeten. Die genaue Entwicklung dieser Aufführungen lässt sich nur schwer zurückverfolgen, da sie aufgrund ihrer trivialen Inhalte nicht in schriftlicher Form festgehalten wurden. Dennoch können sie als eindeutige Vorgänger, der uns überlieferten Fastnachtspiele verstanden werden 8 .
7 Spiewok, Wolfgang: Das deutsche Fastnachtspiel. Ursprung, Funktionen, Aufführungspraxis,
2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Reineke-Verlag, Greifswald 1997, S. 17.
8 Vgl.: Brett-Evans, David: Von Hrotsvit bis Folz und Gengenbach. Eine Geschichte des
mittelalterlichen deutschen Dramas. Zweiter Teil: Religiöse und weltliche Spiele des Spätmittelalters, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1975, S. 139-140.
5
2.2. Vorläufer des Fastnachtspiels
Neben jenen Stegreifaufführungen, die bereits in die Fastnachtgeselligkeit integriert waren, machte Wolfgang Spiewok vier weitere Vorläufer des Fastnachtspiels aus. Am bedeutendsten und weitesten verbreitet sind hierbei die Geistlichen Spiele, die die theatralische Darstellung biblischer Geschehnisse zum Inhalt haben und auf die im Kapitel 3.4. noch näher einzugehen sein wird 9 .
Als weiterer Vorgänger des Fastnachtspiels gilt auch das Weltliche Spiel des Mittelalters. Anlass zur Aufführung waren meist weltliche Feiertage, wodurch die Funktion der Spiele deutlich wird: Es ging nicht um die Abbildung der Realität auf der Bühne, sondern um Publikumsunterhaltung bei den Festlichkeiten. Allerdings existieren für den Zeitraum vor 1400 kaum schriftliche Überlieferungen, obwohl jene Spiele stets an ein Textgrundlage gebunden waren. Wie die Bezeichnung schon andeutet, beschäftigen sich jene Aufführungen mit weltlichen (also moralisch belehrenden oder auch politischen) Themen 10 .
Das Weltliche Spiel wiederum basiert auf dem Jahreszeitenspiel, das in der Tradition germanischer Riten steht. Hierbei traten die Jahreszeiten als miteinander konkurrierende Personifikationen auf (oftmals in Form von Dämonen). Die Menschen hofften durch solche Darstellungen die Dämonen und somit den Winter schneller zu vertreiben, um die Fruchtbarkeit, die der Sommer mit sich bringt, zu erhöhen. Die rituellen Tänze und Maskenumzüge wurden unter anderem in den Schembartlauf übernommen und flossen so in die Fastnachttradition mit ein (wobei bei den Fastnachtspielen Maskierung verboten waren 11 ). Auch motivgeschichtlich lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen Jahreszeiten- und Fastnachtspielen feststellen, als da w ären das
9 Vgl.: Spiewok, Wolfgang: Das deutsche Fastnachtspiel. Ursprung, Funktionen,
Aufführungspraxis, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Reineke-Verlag, Greifswald 1997, S. 2.
10 Vgl.: Ebd., S. 3-4.
11 Vgl.: Michael, Wolfgang F.: Frühformen der deutschen Bühne, Selbstverlag der Gesellschaft
für Theatergeschichte, Berlin 1963, S. 59-60.
6
Streitgespräch zweier Parteien, die Parodie auf den Minnedienst (siehe Kapitel 3.2.) oder auch das Liebesvergnügen 12 .
Ebenfalls in der Tradition der Jahreszeitenspiele stehen die Neidhartspiele, welche die Ankunft des Frühlings (in Form des ersten aufblühenden Veilchens) zum Inhalt haben. Allerdings geht die Handlung mit dem Streich des Bauern ins Schwankhafte über 13 , so dass sich eine Verwandtschaft zu den späteren Fastnachtspielen sehr deutlich zeigt. In Kapitel 3.3. wird die Neidhartdichtung und ihre Bedeutung als literarhistorische Quelle des Fastnachtspiels näher beleuchtet.
12 Vgl.: Vgl.: Spiewok, Wolfgang: Das deutsche Fastnachtspiel. Ursprung, Funktionen,
Aufführungspraxis, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Reineke-Verlag, Greifswald 1997, S. 6-10.
13 Vgl.: Ebd., S. 10-11.
7
Arbeit zitieren:
Michael Münch, 2004, Das Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts - Ursprung, Entwicklung und Quellen., München, GRIN Verlag GmbH
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