Inhaltsangabe
1. Die Besonderheit von Stieffamilien----------------------------------------------- 3
1.1. Begriffserklärung --------------------------------------------------------------- 4
1.2. Die Unterschiede zwischen Kern- und Stieffamilien --------------- 4
2. Formen von Stieffamilien ------------------------------------------------------------- 5
2.1. Stiefmutterfamilien ----------------------------------------------------------- 6
2.2. Stiefvaterfamilien ------------------------------------------------------------- 7
2.3. Zusammengesetzte Stieffamilien --------------------------------------- 8
2.4. Stieffa milien mit einem gemeinsamen Kind ------------------------- 9
2.5. Teilzeit-Stieffamilien ------------------------------------------------------- 10
3. Probleme von Stieffamilien -------------------------------------------------------- 10
3.1. Situation der Kinder --------------------------------------------------------11
3.2. Situation der Erwachsenen---------------------------------------------- 12
4. Die Beziehung
4.1. zum außenstehenden Elternteil------------------------------------- 14
4.2. zum früheren Partner --------------------------------------------------- 15
5. Schluss ------------------------------------------------------------------------------------ 16
6. Quellenangaben------------------------------------------------------------------------- 18
2
1. Die Besonderheit von Stieffamilien
Weltweit nimmt die Zahl der Ehescheidungen langsam aber stetig zu. Allein in der Bundesrepublik wird statistisch gesehen jede dritte Ehe wieder geschieden, wobei sich mehr als die Hälfte der geschiedenen Ehepartner wieder neu verheiraten. 1
Etwa 50% aller geschiedenen Ehen haben minderjährige Kinder. Die Hälfte aller Scheidungskinder werden durch eine Wiederheirat des Elternteils, bei dem sie leben, zu Stiefkindern. Von den übrigen Scheidungskindern leben zusätzlich etwa 65% mit ihrem leiblichen Elternteil und dessen Partner, die eine nichteheliche Lebensform praktizieren, zusammen. 2
Stieffamilien gab es schon immer und waren früher sogar verbreiteter als he ute. Aufgrund von Geburtskomplikationen, Kindbettfiber u. a. m. hatten Frauen in den vorigen Jahrhunderten nur eine geringe Lebenserwartung, so dass es damals mehr Stiefmutterfamilien gab als Familien mit einem Stiefvater. Heute ist die Verteilung genau umgekehrt. 3 Während Verwitwung und Nichtehelichkeit damals überwiegend der Ursprung einer Stieffamilie war, ist es heute Trennung und Scheidung. 4 In der Regel wird nämlich bei einer elterlichen Trennung das Sorgerecht für die Kinder auf die Mutter übertragen, es sei denn das Wohl des Kindes wird bei ihr als gefährdet angesehen. So bekamen beispielsweise 1995 nach einer Scheidung 73,8% der Mütter das alleinige Sorgerecht und nur 8,3% die Väter. 5 Auf diese Weise bilden sich mehr Stiefvaterfamilien als Familien mit einer Stiefmutter.
Von allen Familien in Deutschland sind schätzungsweise knapp 10% davon Stieffamilien - also mehr als zwei Mi llionen. Die große Zahl der Stieffamilien, die keine eheliche Grundlage haben, ist hier noch nicht mal inbegriffen. 6
1 KRÄHENBÜHL, V., et al.: Stieffamilien. Struktur - Entwicklung - Therapie, 5., veränderte Auflage,
Freiburg im Breisgau 2001, S. 23.
2 WALPER, S./ SCHWARZ, B. (Hrsg.): Was wird aus den Kindern? Chancen und Risiken für die Ent-
wicklung von Kindern aus Trennungs- und Stieffamilien, 2. Auflage, Weinheim und München 2002, S.
7 ff.
3 NAVE-HERZ, R.: Familie heute. Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung, 2.,
überarbeitete und ergänzte Auflage, Darmstadt 2002, S. 111.
4 a. a. O., S. 23.
5 WALPER, S./ SCHWARZ, B. (Hrsg.): Was wird aus den Kindern? Chancen und Risiken für die Ent-
wicklung von Kindern aus Trennungs- und Stieffamilien, 2. Auflage, Weinheim und München 2002, S.
9.
6 KRÄHENBÜHL, V., et al.: Stieffamilien. Struktur - Entwicklung - Therapie, 5., veränderte Auflage,
Freiburg im Breisgau 2001, S. 23.
3
1.1. Begriffserklärung
Eine Stieffamilie, die auch Patchwork-, Zweit- oder Fortsetzungsfamilie genannt werden kann, stellt ein Familiensystem dar. Sie ist eine eigenständige Familienform, in die zumindest einer der Partner mi ndestens ein Kind in die neue Partnerschaft mitbringt. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Partne rschaft eine eheliche Basis hat oder nicht. 7 Da so eine Fortsetzungsfamilie also aus zwei Erwachsenen und einem oder mehreren Kindern besteht, wirkt sie nach a ußen hin wie eine ganz normale und vollständige Kernfamilie. 8 Allerdings unterscheiden sich Stieffamilien in vieler Hinsicht von Erstfamilien. Da ihr Dasein dem „veralteten“ traditionellen Verständnis von ‚Familie’ widerspricht, in der alle Familienmitglieder miteinander verwandt sind , unter einem Dach in einem Haushalt wohnen und aufgrund der Eheschließung alle eine n gemeinsamen Namen haben, stoßen sie heute noch auf gesellschaftliche Probleme. So versuchen viele Stieffamilien den Schein einer „normalen“ Kernfamilie zu wahren, was aber - wie diese Arbeit noch zeigen wird - der falsche Weg ist. 9
1.2. Die Unterschiede zwischen Kern- und Stieffamilien
Einen wesentlichen Unte rschied stellen wohl die offenen Systemgrenzen von Fortsetzungsfamilien dar. Während in „Normal“-Familien grundsätzlich Klarheit darüber herrscht wer zur Familie gehört und wer nicht, herrscht diesbezüglich bei den Mitgliedern einer Stieffamilie (und Außenstehenden) oft kein Konsens; „… die einen mögen den außenstehenden Elternteil oder die in seinem Haushalt lebenden Geschwister zur eigenen Familie rechnen, die anderen nicht.“ 10 Sind beide Partner geschieden, ergeben sich sogar weitere Haushalte, Stiefeltern, Stiefgroßeltern, Stieftanten usw. Signifikant ist auch die Tatsache, dass ein Elternteil immer räumlich getrennt von der ursprünglichen Familie lebt (außer im Todesfall), in der Regel vermisst wird und allein deswegen immer Einfluss auf die neue Familie hat, weil eine Verschiebung der Paar- und Elternebene stattfindet. Sie beziehen
7 WILK, L., et al.: Die Patchwork-Familie oder Der Die Das Stief… Ein Ratgeber für Familien und sol-
che die es noch werden wollen, Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (Hrsg. und
Verlag), Wien 2001, S. 23.
8 KRÄHENBÜHL, V., et al.: Stieffamilien. Struktur - Entwicklung - Therapie, 5., veränderte Auflage,
Freiburg im Breisgau 2001, S. 25.
9 URL: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Teilfamilien/s_286.html .
10 Ebenda.
4
sich nicht mehr auf die gleichen Personen: durch eine Heirat wird der Stiefelternteil kein Elternteil bzw. trotz einer Scheidung bleiben beide Elternteile die leiblichen Eltern. 11 Der außenstehende Elternteil bleibt also weiterhin für die Kinder mitverantwortlich und der Stiefelternteil hat juristisch gesehen immer noch keine elterlichen Rechte gegenüber den Kindern. Da einer Stieffamilie immer eine elterliche Trennung vorausgeht, bedeutet das auch, dass sich alle Familienmitglieder schon mal mit Trennung und Verlust auseinandersetzen mussten, was ebenfalls die neue Beziehung beeinflussen bzw. belasten kann, da mit Verlustängsten oder Angst erneut zu scheitern gerechnet werden darf.
Außerdem gibt es immer mindestens einen Erwachsen im neuen Familiensystem, der die Entwicklung von geringstenfalls einem Kind nicht miterlebt hat. So besteht keine gemeinsame Geschichte oder Vergangenheit, was bedeutet, dass das Wir-Gefühl weniger ausgeprägt ist. Zwischen einer Kern- und Fortsetzungsfamilie ist auch die Frage nach (weiteren) Kindern ungleich wichtig. In Kernfamilien ist dieses Thema oft von zentraler Bedeutung, während in Stieffamilien darüber kaum noch nachgedacht wird, da schon mindestens ein Kind im System vorhanden ist. 12 Natürlich lässt sich die Liste der Unterschiede zwischen Kern- und Stieffamilien weiter fortführen. Besonders die strukturellen Besonderheiten von Stieffamilien sind kennzeichnend und sollen in den nächsten Kapiteln dargestellt werden.
2. Formen von Stieffamilien
Wie kompliziert der strukturelle Aufbau und die Gestaltung einer genauen Definition von Stieffamilien sind, lässt sich allein an der Vielzahl ihrer Formen erkennen.
Die verschiedenen Typen von Stieffamilien ließen sich theoretisch auch nach ihrer Vorgeschichte, wie Scheidung, Verwitwung oder ledige Mutterschaft unterscheiden. Oder man kategorisiert sie je nach Zusammensetzung der Partner: tut sich ein lediger Mann mit einer Alleinerziehenden zu-
11 KRÄHENBÜHL,V., et al.: Stieffamilien. Struktur - Entwicklung - Therapie, 5., veränderte Auf-
lage, Freiburg im Breisgau 2001, S. 21 f.
12 a. a. O., S. 25 ff.
5
Arbeit zitieren:
Charisma Capuno, 2005, Die Besonderheit von Stieffamilien, München, GRIN Verlag GmbH
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