TU-Dresden
Philosophische Fakultät, Institut für Geschichte
Lehrstuhl für Neueste und Neuere Geschichte
HS: Nationale Bewegung und „weiße Revolution“: Bedingungen
und Etappen der Gründung des Deutschen Reiches 1870/71
7. Semester
Die "deutsche Frage" 1815-1862
von: Marian Brys
Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Feindbild Frankreich als Gründungsakt der deutschen Nationalbewegung Seite 3
3. 1815 – 1848: Die deutsche Frage im föderativen Gewandt zur europäischen Friedenssicherung Seite 6
4. 1848 – 1862: wirtschaftlicher Aufstieg Preußens vs. machtpolitischer Abstieg Österreichs: Vorentscheidung der kleindeutschen Lösung? Seite 10
5. Zusammenfassung Seite 13
6. Literatur Seite 15
7. Quellen Seite 16
1. Einleitung
Das Anliegen dieser Arbeit soll sein, die deutsche Frage im 19. Jahrhundert, genauer im Vorfeld der Reichsgründung von 1870/71, erneut zu diskutieren. Da sich der chronologische Rahmen auf nahezu ein halbes Jahrhundert erstreckt, verstehen sich nachfolgende Überlegungen natürlich nicht als enzyklopädischer Überblick über geschichtliche Ereignisse, sondern sollen vielmehr Lösungsversuche der deutschen Frage in dieser Zeit skizziert werden, um so aufzuzeigen, dass der Weg der Reichsgründung nun eben kein Vorgezeichneter war, sondern hier auch Alternativen möglich gewesen wären. Damit die nationale Frage als solche nicht „in der Luft hängt“, halte ich es für nötig „etwas weiter auszuholen“ und somit die Begründung einer deutschen nationalen Bewegung zur Zeit der Befreiungskriege in einem ersten Kapitel zu thematisieren. Nur so wird meines Erachtens die antifranzösische Artikulation des deutschen Nationalismus im weiteren historischen Verlauf verständlich.
2. Feindbild Frankreich als Gründungsakt der deutschen Nationalbewegung
„Ins Feld! ins Feld! Die Rachegeister mahnen.
Auf, deutsches Volk, zum Krieg!
Ins Feld, ins Feld! Hoch flattern unsre Fahnen;
Sie führen uns zum Sieg.
[…]
Gebt kein Pardon! Könnt ihr das Schwert nicht heben,
So würgt sie ohne Scheu
Und hoch verkauft den letzten Tropfen Leben!
Der Tod macht alle frei.
Noch trauern wir im schwarzen Rächerkleide
Um den gestorbnen Mut.
Doch fragt man euch, was dieses Rot bedeute:
Das deutet Frankenblut.
[…]“1
Körners poetischer Aufruf zum Kampf gegen die französische Armee zeigt den sich im beginnenden 19. Jahrhundert entwickelnden, durch Napoleons Expansionspolitik initiierten, deutschen Nationalismus. Und eben aus diesem Kampf gegen Napoleon erfolgt die eigene Abgrenzung gegen Frankreich; dieses Feindbild stellt die Grundlage für den neuen deutschen Patriotismus dar, denn schließlich „liegt jeder nationalen Selbstbestimmung implizit immer eine Vorstellung vom anderen, vom Nicht-Identischen zugrunde.“2 Aus der deutschen Kulturgesellschaft des 18. Jahrhunderts erwächst eine nationale Bewegung, deren Charakteristikum in dieser frühen Phase sich durch Aggression auszeichnet, welche sich wiederum in der Okkupationspolitik Napoleons begründet. Mit Blick auf die Auflösung des „Heiligen Deutschen Reiches Deutscher Nationen“ im Jahre 1806, stellt sich die Frage nach zeitgenössischen Vorstellungen einer deutschen Nation. Welche politischen, geographischen Rahmenbedingungen wurden für ein zukünftiges Deutschland zur Zeit der Befreiungskriege diskutiert? Nach Abtritt Franz II. als deutscher Kaiser, schien, laut Dann, die Zukunft einer Nationsbildung den deutschen Einzelstaaten zu gehören, stellte doch der politische Überbau durch die Kaiserkrone schon lange kein Machtzentrum mehr dar.3
Bis dahin kamen aus Frankreich Impulse zu Reformen, die von der deutschen Intelligenz sehr wohl positiv aufgenommen wurden, doch erfolgte der Meinungsumschwung recht bald; als nämlich deutlich wurde, dass Napoleon „die republikanischen Grundsätze verlassen und nach seinen militärischen Erfolgen von Austerlitz und Jena sich zum Herren über ganz Deutschland gemacht [hatte].“4 Doch zurück zur Frage, wie ein erneut vereintes Deutschland in den zeitgenössischen Vorstellungen geographisch aussehen sollte: „So weit die deutsche Zunge klingt Und Gott im Himmel Lieder singt Das soll es sein! Das, wackrer Deutscher, nenne dein!“5 Die letzte Strophe von Arndts Gedicht „Des Deutschen Vaterland“ bildet die Klimax eines liedhaften Gedichtes, in dem Land für Land (auch die Schweiz und Tirol) als Bestandteil des Vaterlandes eingefordert wird.
[...]
1 Theodor Körner, Lied der schwarzen Jäger. Online in Internet: http://www.gutenberg.spiegel.de/koerner/leier/leier19.htm
2 Michael Jeismann, „Feind“ und „Vaterland“ in der frühen deutschen Nationalbewegung 1806-1815. In: Ulrich Herrmann (Hg.), Volk – Nation – Vaterland. Hamburg 1996. S. 281.
3 Otto Dann, Deutsche Nationsbildung im Zeichen französischer Herausforderung. In: Otto Dann (Hg.), Die deutsche Nation. Geschichte – Probleme – Perspektiven. Vierow bei Greifswald 1994. S. 15.
4 Ebd., S. 15.
5 Ernst Moritz Arndt, Des Deutschen Vaterland. online in Internet: http://www.gutenberg.spiegel.de/arndt/gedichte/vaterln32.htm
Arbeit zitieren:
Marian Brys, 2005, Die "deutsche Frage" 1815-1862, München, GRIN Verlag GmbH
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Honours and Awards of the German States.(Die Ehrenzeichen Des Deutsche...
Von Hessenthal Schreiber
Borengässer
Rückfrage.
Wer ist denn der genannte "namhafte Komponist Robert Schubert"? Schumann ist wohl gemeint.
am Tuesday, March 14, 2006-