Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 2
2. Geschichte der Seychellen 3
2.1. Bevölkerung 4
2.2. Sprachgeschichte 5
3. Sprachsituation auf den Seychellen 6
3.1. Kreolisch 7
3.2. Englisch. 8
3.3 Französisch. 9
4. Merkmale und Beispiele von Kreolsprachen unter besonderer
Ber ücksichtigung des Seselwa. 13
4.1. Phonetik und Phonologie 12
4.1.1. Vokale 12
4.1.2. Konsonanten 12
4.2. Morphologie und Syntax 13
4.2.1. Artikel / Genus. 0
4.2.2. Negation / Pronomen. 1
4.3. Wortschatz/Lexik 1
5. Vergleich des Seselwa mit anderen französischen
Kreolsprachen. 19
6. Schlusswort 3
7. Literaturverzeichnis 0
1
1. Einleitung
Die französische Sprache gehört zwar nicht zu den größten muttersprachlich gesprochenen Sprachen der Welt, dennoch ist sie mit ihrer Verbreitung über fünf Kontinente und Ozeane als Muttersprache, offizielle Sprache und Kultur- bzw. Verkehrssprache eine der führenden Sprachen der Welt. Gesprochen wird Französisch in Europa, Nordamerika, Afrika, im karibischen Raum und Südamerika, in Ozeanien, in Indien und auf den Inseln im Indischen Ozean. Der Grund für den Status einer Weltsprache liegt in der früheren Kolonialherrschaft Frankreichs außerhalb Europa. So kam es, dass sich die Frankophonie in den verschiedensten Gegenden der Welt ausbreitete.
Mit der Kolonialherrschaft entstanden auch die sogenannten ‚französischen Kreolsprachen’ im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean. Kreolsprachen wurden lange Zeit als eine primitive, vereinfachte Ableitung der Sprache der sozial höheren Schicht gesehen, gelten auch heute noch in einigen Territorien als die Sprache der “low variety“ bzw. «variété basse» 1 . Dies rührt noch von der Tatsache, dass Englisch oder Französisch zu Kolonialzeiten die Kultursprachen der „weißen Elite“ 2 waren und somit als vorbildliche Sprachen galten. Den schwarzen Sklaven, die seit Ende des 15. Jahrhunderts aus Afrika in alle neu kolonialisierten Länder und Inseln importiert wurden, fehlte ein gemeinsames Kommunikationsmittel, da sie von den weißen Kolonialherren ohne Rücksicht auf Gemeinsamkeiten (wie eine gemeinsame Sprache) getrennt wurden. So konnte garantiert werden, dass weder Unterhaltungen noch Verschwörungen unter den Sklaven stattfinden konnten. Hier liegt der Ursprung für die Entstehung von Kreolsprachen : Die schwarzen Sklaven versuchten wahrscheinlich die ‚Sprache’ bzw. Wörter oder Laute ihrer weißen Herren zu imitieren („baby-talk“ Theorie 3 ) indem sie ‚Wortfetzen’ auffingen und so versuchten, sich eine eigene Verständigung zu verschaffen. Es gibt verschiedene Theorien, wie die Entstehung von Kreolsprachen genau abgelaufen sein könnten. Andere besagen z.B., dass es die weißen Herren waren, die ihre Sprache bewusst vereinfachten, um den Sklaven ihre Befehle verständlich zu vermitteln.
So entstand zunächst eine sehr primitive, vereinfachte Art der Kommunikation, die auch ‚Pidgin’ genannt wird. Dies ist wohl die verbreitetste Theorie. Aus dem Pidgin entwickelte sich schließlich eine neue Art von Sprache heraus, die wir heute als ‚Kreolsprache’ kennen,
1 Stein (1984), S. 105.
2 Stein (1984), S. 104.
3 Stein (1984), zitiert nach Bloomfield 1933, 472 f.
2
also eine sehr vereinfachte und veränderte Form der damaligen Hochsprache. Diese wurde deswegen auch nie als eine eigenständige und vollwertige Sprache angesehen. Während der Zeit der Diglossie, als Hochsprachen wie Englisch oder Französisch noch Elite-Sprachen repräsentierten und Kreolisch nur im privatem Gebrauch gängig war, schämte man sich, öffentlich Kreolisch zu sprechen. Kinder wurden sogar für den Gebrauch dieser Sprache in der Schule bestraft, obwohl es derzeit schon ihre Muttersprache war. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hat sich das Kreolische dennoch soweit durchgesetzt, dass in vielen franko-kreolophonen Gebieten mindestens zwei offizielle Sprachen existieren, nämlich Kreolisch und Französisch. Es gibt auch noch Territorien, in denen sich das Englische statt des Französischen durchgesetzt hat, (z.B. Dominica) oder in denen sogar Englisch und Französisch neben dem Kreolischen existieren, wie z.B. auf Mauritius, in Louisiana oder auf den Seychellen.
Die Inseln im Indischen Ozean auf denen Französisch als offizielle Amts-, Mutter-, oder Bildungssprache gilt, stellen die Gruppe der Maskarenen (Réunion, Mauritius, Rodrigues), die Seychellen, die Komoren und Madagaskar dar. Französisch basierende Kreolsprachen werden auf den Maskarenen und auf den Seychellen gesprochen.
In dieser Arbeit möchte ich mich mit der linguistischen Situation und dessen Geschichte auf den Seychellen bzw. im Indischen Ozean beschäftigen und die Rolle der französischen Sprache auf diesen Inseln untersuchen. Außerdem möchte ich auf einige Besonderheiten der französischen Kreolsprache auf den Seychellen eingehen und die Frage beantworten, welchen Status die einzelnen offiziellen Sprachen auf den Seychellen haben. Hauptsächlich beziehe ich mich auf Literatur von Annegret-Alsdorf Bollée, Peter Stein und Robert Chaudenson, die alle wichtige Beiträge zu französischen Kreolsprachen und den Seychellen geleistet haben.
2. Geschichte der Seychellen
Die Seychellen sind im Nordosten von Madagaskar gelegen und bestehen aus 115 Inseln, verteilt auf einer Meeresfläche von mehr als 400.000 km². Entdeckt wurden sie erstmals offiziell von den Portugiesen, blieben jedoch bis 1742 eine Art ‚Rastplatz’ für Seefahrer und
3
Piraten, da sie als «Ile d’Abondance» 4 - eine Insel reich an Früchten und Pflanzen- bekannt war.
Die Besiedlung der Franzosen im Indischen Ozean begann Mitte des 17.Jahrhundert auf der Insel Bourbon (ab 1848 «La Réunion») und im Jahre 1721 auf Mauritius, welche von den Franzosen «Ile de France» getauft wurde. Von dort aus siedelten sie 1736 über zu Rodrigues und schließlich eroberten sie auch unter Leitung des damaligen französischen Gouverneurs der «Ile de France» und der «Ile de Bourbon» die Seychellen. Sein Name war Mahé de Labourdonnais. Zu seinen Ehren wurde die Hauptinsel der Seychellen Mahé genannt, auf der auch die Hauptstadt Victoria und dessen einziger Flughafen gelegen ist. Auf Mahé leben heute ca. 90 % der Bevölkerung.
Ab 1770 wurden die Seychellen zunächst nur langsam besiedelt, doch erst rund 18 Jahre später konnte man von einer richtigen ‚Kolonisierung’ sprechen. Da die Inseln zuvor unbewohnt gewesen waren, gab es am Anfang durch andere Nationen nur wenig Konkurrenz. Zwischen 1794 und 1806 änderte sich jedoch die Situation: Während des Krieges zwischen Frankreich und England übernahmen die Engländer mehr und mehr die Vorherrschaft. Im Jahre 1810 wurden die Seychellen unter englischer Herrschaft Teil der «Ile de France», die von nun an wieder Mauritius heißen sollte, und somit endgültig englische Kolonie. 5 Die Engländer interessierten sich jedoch zu Beginn nicht für das Aufblühen und die positive Entwicklung der Inseln was der Seychellois und Schriftsteller Lionnet als «l’impérialisme passif» 6 bezeichnete. Erst in 1903 wurde das Archipel britische Kronkolonie und erreichte schließlich im Jahre 1976 die Unabhängigkeit.
2.1. Bevölkerung
Die ersten Menschen, die die Seychellen besiedelten, kamen von den Maskarenen, überwiegend von Bourbon. Mit ihnen kamen zwischen 1791 und 1810 eine große Zahl an meist afrikanischen, aber auch indischen und madagassischen Sklaven. Im 19. Jahrhundert siedelten viele Afrikaner auf die Maskarenen über, da der Sklavenhandel von nun an verboten wurde. Viele der Afrikaner waren freigelassene Sklaven, die sich vor allem auf den Seychellen niederließen.
4 Lionnet (1972), S. 61.
5 Die Insel wurde früher schon von den Holländern zu Ehren von Prinz «Maurice de Nassau» Mauritius genannt, erst nach der Eroberung durch die Franzosen bekam sie den Namen «Ile de France». vgl. Bollée 1977a, 3.
6 Bollée (1993), S. 19.
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Heutzutage besteht die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung aus Afrikanern, Europäern und Madagassen sowie eine Minderheit aus Asiaten, vor allem Chinesen:
Les Seychellois sont considérés comme «de sang mêlé», mais la quasi - totalité des Seychellois sont d’origine africaine (noire), mais plusieurs ont des origines indopakistanaises, europénnes ou chinoises. 7
Man findet also auch heute noch, im Vergleich zu den Maskarenen, einen bedeutend hohen Anteil an Afrikanern : “The Seychelles group differ from the Mascarenes in having a population of a more pronounced African phenotype [...]“. 8
2.2. Sprachgeschichte
Was die französischen Kreolsprachen betrifft, so hat Robert Chaudenson herausgefunden, dass allen Inseln im Indischen Ozean eine gemeinsame Ursprache zugrunde liegt:
Réunionnais, mauricien, seychellois et rodriguais sont [...] tous quatre issus d’une souche unique: le créole bourbonnais parlé à Bourbon au début du XVIII siècle. 9
Somit brachten die Einwohner von Bourbon und der Maskarenen ihre kreolische Sprache («bourbonnais») zunächst auf Mauritius, die zweite Insel im Ind ischen Ozean, die von den Franzosen eingenommen wurde.
Im 18. Jahrhundert kam es dann zu einer großen Immigration auf die Seychellen:
Le surpeuplement des Mascareignes, les troubles de la période révolutionnaire provoquent une forte émigration[...]. Les parlers de Bourbon et de l’île de France sont donc à l’origine du créole seychellois[...]. 10
Somit wurde das «bourbonnais» oder das schon vielmehr maurizische Kreol auf die Seychellen gebracht, wo es von befreiten Sklaven, Afrikanern und anderen Zuwanderern im 19. Jahrhundert erlernt wurde und sich im Laufe der Zeit veränderte und
7 http://www.tlfq.ulaval.ca/axl/afrique/seychel.htm, 1.
8 Chaudenson 2001, 32.
9 Bollée ( 1977a), S.5. ; zit. n. Chaudenson (1974),S. 446.
10 Chaudenson (1979a), S. 543.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Weber, 2004, Französisch im Indischen Ozean: Schwerpunkt Seychellen, München, GRIN Verlag GmbH
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