Inhaltsverzeichnis
I. Chronologie der Ereignisse 3
1. Problemstellung 4
2. Historische Grundlagen 5
2.1 Der europäische Gedanke bis zum Ende der Weltkriege 5
2.2 Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schumann-Plan 7
3. Organe und Vertragsabschluss 10
3.1 Inhaltliche Grundlagen des EGKS Vertrages 11
3.2 Die Organe der Gemeinschaft 13
4. Politik der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 14
4.1 Wirtschaftliche Bilanz der ersten Jahre 14
4.2 Politische Entwicklung 16
5. Schlussbetrachtung 18
6. Literaturverzeichnis 20
2
I. Chronologie der Ereignisse
08.05.1945 Kapitulation des Deutschen Reiches, Ende des Zweiten Weltkrieges
19.09.1946 Züricher Rede Winston Churchills, Parole: „Vereinigte Staaten von
Europa “
05.06.1947 Marshallplan - Angebot durch US Außenminister G.C.Marshall
17.03.1948 „Brüsseler Pakt“: Frankreich, Großbritannien, Benelux-Staaten
20.06.1948 Währungsreform in den drei Westzonen der Bundesrepublik
07.-10.05.1948 Haager Kongress oder „Europakongress“, Vorsitz Winston Churchill
16.04.1948 Gründung der OEEC
05.05.1949 Gründung des Europarates
09.05.1950 Deklaration des Schumann-Plans
18.04.1951 Unterzeichnung des Vertrages zur Europäischen Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (Pariser Vertrag) durch Belgien, Deutschland, Frank-
reich , Italien, Luxemburg und die Ni ederlande
23.07.1952 Inkrafttreten des EGKS-Vertrages
01.01.1973 Beitritt Dänemark, Großbritannien und Irland
01.01.1981 Beitritt Griechenlands
01.01.1986 Beitritt Portugal und Spanien
01.01.1995 Beitritt Finnland, Österreich und Schweden
23.07.2002 Ende der Gültigkeit des EGKS-Vertrages, Einbeziehung in den EG-
Vertrag
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1. Problemstellung
Als die Vertreter der militärischen Führung Deutschlands im Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation unterzeichneten, waren große Teile der urbanen Regionen des zentraleuropäischen Festlandes zerstört, viele Millionen Menschen aus ihrer Heimat ve rtrieben und abermals tiefe Vertrauensbarrieren zwischen den Völkern E uropas entstanden. Deutschlands Zukunft sollte nun von den vier Siegermächten: USA, Russland, Großbritannien und Frankreich bestimmt werden, welche sich darüber bereits in den Konferenzen von Casablanca (1943), Jalta und Potsdam (1945) verständigt hatten. Lange Zeit bestanden unter den Alliierten durchaus unterschiedliche Meinungen, wie mit Deutsch-land als mächtigem Staat im Zentrum Europas zu verfahren sei und es bedurfte langwieriger Konsultationen um den Grundstein für das heutige friedliche Zusammenleben der europäischen Völker zu legen.
Nachdem National- und Territorialstaaten viele Jahrhunderte die Weltpolitik bestimmt hatten und oftmals zu kriegerischen Auseinandersetzungen um Gebiete und Einflussbereiche beitrugen, bot sich nun wieder verstärkt die Chance die „europäische Idee“ aufzugreifen und durch regionale Integration dem gesteigerten Friedensdurst der europäischen Bevölkerung zu entsprechen. Der zweite Weltkrieg kann dabei als Initialzündung des europäischen Einigungsprozesses verstanden werden, da verschieden Pläne zuvor zwar diskutiert wurden, in der breiten Öffentlichkeit jedoch keine Resonanz fanden. Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wurde eine supranationale Organisation geschaffen, welche neben der Europäischen Wir tschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) als Vorstufe und Basis der heutigen Europäischen Union betrachtet werden kann. Gegens-tand der vorliegenden Arbeit soll daher eine genauere Analyse der EGKS als Institution sowie deren Bedeutung für den europäischen Einigungsprozess sein. Zunächst werden dazu die historischen Rahmenbedingungen dargelegt, um anschließend die institutione llen Bestandteile beleuchten zu können. Schwerpunkt der Arbeit sind die politischen Zusammenhänge, welche sowohl die Gründungsjahre betreffend, als auch im Bezug auf die aktuellen europäischen Strukturen analysiert werden sollen. Grundlage der inhaltlichen Auseinandersetzung sind vor allem das Vertragswerk der EGKS, als auch ve rschiedene Publikationen zum europäischen Integrationsprozess selbst.
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2. Historische Grundlagen
Bevor sich der Fokus der Betrachtung auf das eigentliche Thema dieser Arbeit richtet, ist es erforderlich in groben Zügen die historischen Grundlagen für die Entstehung europäischer Institutionen im heutigen Sinne zu skizzieren. Zunächst stellt sich jedoch die Frage nach dem tatsächlichen zeitlichen Rahmen oder einer „Stunde Null“, mit der his-torische Betrachtungen im Regelfall beginnen. Bezieht man die fundamentalen Errungenschaften Jerusalems, Athens und Roms, die zweifellos eine enorme Bedeutung für die Entstehung eines „europäischen Geistes“ haben, in die Betrachtung ein, so kann man das Alter des heutigen Europas mit gut dreitausend Jahren beziffern. 1 Je nach Interpretationsweise und Wissenschaftsdisziplin fällt diese zeitliche Umrahmung natürlich durchaus unterschiedlich aus, was in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht weiter thematisiert werden soll. Ebenso muss im Sinne der Übersichtlichkeit auf eine umfangreiche Darstellung der Entwicklung eines europäischen Kerngedankens von der Antike bis in die Gegenwart verzichtet werden. Im folgenden Abschnitt werden daher die wesentlichen Schlaglichter und für den politischen Einigungsprozess bedeutsame Ereignisse vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit beleuchtet, um eine historische Basis für die Entstehung der Gemeinschaft für Kohle und Stahl zu scha ffen.
2.1 Der europäische Gedanke bis zum Ende der Weltkriege
Unter dem Vorsitz des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich versammelten sich 1815 die Staatsmänner und Fürsten Europas in Wien, um über die Neuordnung Europas in territorialer und politischer Hinsicht zu entscheiden. Die vier Vertragsparteien - Preußen, Österreich, Großbritannien und Russland - vereinbarten damals ihre auswärtige Politik auf der Basis der Gleichrangigkeit multilateral zu verknüpfen und die Handlungsfreiheit jedes einzelnen Staates an den stillschweigenden Konsens der übrigen Vertragsparteien zu binden. 2 Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die räumliche Ordnung Europas im Wesentlichen durch dieses Gleichgewicht bestimmt, welches wiederum auf einer großräumigen wirtschaftlichen Integration beruhte. An dieser Stelle sei auf die Bildung von Zollvereinen oder die wachsende Bedeutung grenzübergreifender Eisenbahnstrecken verwiesen. Die innereuropäischen Spannungen, die
1 Vgl.: Fuhrmann, Manfred (2002): Bildung. Europas kulturelle Identität. Stuttgart: Philipp Reclam jun.
GmbH & Co. S.9.
2 Vgl.: Doering-Manteuffel, Anselm (1991): Vom Wiener Kongress zur Pariser Konferenz. England, die
deutsche Frage und das Mächtesystem 1815 - 1856.Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht. S. 7.
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im Zeitalter des Imperialismus auf andere Kontinente abgeleitet wurden, schlugen nach Vollendung der Kolonialisierung umso heftiger nach Europa zurück. Der Erste Weltkrieg zerstörte vormals einheitliche Wirtschaftregionen und hinterließ tausende Kilometer innereuropäische Grenzen, die ökonomisch unüberwindliche Mauern bildeten und somit einen weiteren europäischen Einigungsprozess unmöglich erscheinen ließen. Europa büßte seine Vormachtstellung in der Welt gegenüber den sich konsolidierenden Großmächten Russland und Amerika ein, nicht zuletzt auch durch die Unvernunft der Friedensverträge und der Nachkriegspolitik. Dennoch gab es in der Zeit zwischen den Weltkriegen Bestrebungen, den Gedanken einer europäischen Wir tschafts- und Währungsunion aufzugreifen, um den Kontinent wieder erstarken zu lassen. Die Vorboten der Weltwirtschaftskrise erstickten jedoch weitere Überlegungen bereits im Keim, da alle Länder zum Schutze eigener Interessen Wirtschaftsbarrieren erhoben und ihre Handelspolitik auf den nationalen Einflussbereich beschränkten. Parallel zu den wirtschaftlichen Einigungsbestrebungen gab es auch politische Initiative n, welche Europa zu seiner Wiedergeburt verhelfen sollten. Untrennbar mit dieser Bewegung verbunden waren Aristide Briand und Gustav Stresemann, „…die ersten führenden Staatsmänner Europas, die den Zusammenschluss des Kontinents als eine notwendige Forderung der politischen Vernunft erkannten, sich aber auch bewusst waren, dass diese allein über eine Verständ igung der beiden rivalisierenden Mächte erzielt werden konnte.“ 3 Beide verfolgten das Ziel, eine politische Einigung Europas über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit der europäischen Staaten zu erreichen, welche wiederum durch Aufhebung der Zollschranken und den Abschluss einer Währungskonvention gewährleistet werden sollte. Beide Politiker, damals Außenminister der ehemaligen Kriegsparteien Frankreich und Deutschland, scheiterten am Widerstand des unaufhaltsam wachsenden Nationalismus in ihren Heimatländern. In Deutschland konnte sich Stresemann nicht gegen den emporsteigenden Nationalsozialismus durchsetzen und wurde für seine Versöhnungspolitik als „Erfüllungspolitiker“ beschimpft. 4 Der Franzose Briand musste mit seiner Regierung im Oktober 1930 zurücktreten und erlitt seine letzte Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen zwei Jahre später. Europa verlor damit zwei wichtige Staatsmänner, die mit großem Einsatz für eine friedliche Zukunft des Kont inents gearbeitet hatten.
3 Haesele, Kurt Werner (1958): Europas letzter Weg. Montan-Union und EWG. Frankfurt a.M.: Fritz
Knapp Verlag. S.123.
4 Vgl.: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie: http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Stresemann.
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Arbeit zitieren:
Christian Dube, 2005, Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl - Geburtshelfer der Europäischen Union, München, GRIN Verlag GmbH
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