Gliederung
A Einleitung 1
B Arbeit und Beruf - begriffsgeschichtlicher Überblick (n. Rudolph Walther) S. 2 - 4
C Strukturwandel der Erwerbstätigkeit - Makrobetrachtung (n. G. Wilke) S. 5 - 8
a) Grundlinie des sektoralen Wandels: die 4-Sektoren-Hypothese S. 5 - 6
b) Entwicklung und Ist-Zustand - Deskripitive Betrachtung 6
(i) Primärer Sektor 6
(ii) Sekundärer Sektor 7
(iii) Tertiärer Sektor 8
D Arbeit und Beruf in der Soziologie - Mikrobetrachtung S. 9 - 13
a) Ausgangspunkt: „Arbeit“ / „Beruf“ im Kapitalismus (n. Breckenbach) 9
b) Arbeit als Zentralmoment des modernen Menschen (n. Marie Jahoda) S. 9 - 11
c) Das Ende der Arbeit? 10
d) Wiederkehr der Arbeit 11
e) Synthese: subjektbezogene Ansprüche an Arbeit (n. Martin Baetghe) 12
E Wandel der Arbeitsauffassung (nach Peter Pawlowsky) 13
F Ausblick: Neubestimmung des Verhältnisses von Arbeit und Leben S. 14 - 15
G Literaturverzeichnis
II
A Einleitung
Arbeit, Wirtschafts- und Berufsstruktur sind untrennbar miteinander verwoben und bedingen einander. Der Mensch definiert durch die ausgeübte Tätigkeit seinen Platz in der Gesellschaft. 1 Diese nur auf den ersten Blick sehr eingängige Formulierung ist in der soziologischen Diskussion seit etwa 20 Jahren einer tiefgehenden Differenzierung und Diskussion unterworfen und trifft auch auf Widerstand. 2
„Was machen Sie beruflich?“ Diese vo m Autor in oftmals durchaus harmloser Absicht gestellte Frage führt zu unterschiedlichen Reaktionen: Vom stolzen „ich bin Prokurist bei einer Bank“ hin zu einem verschämten „ich bin zur Zeit arbeitslos“; von „ich lehne Arbeit als Ausbeutung durch das kapitalistische System ab“ bis zum frechen „ich bin von Beruf Sohn“. Bei genauerer Betrachtung der Antworten wird deutlich, dass die Begriffe „Arbeit“ und „Beruf“ von verschiedenen Personen offenbar unterschiedlich und zunehmend subjektiv interpretiert werden. Bezieht man nun die in Mode gekommenen Differenzierungen wie „Beziehungsarbeit“ oder „Unterscheidungsarbeit“ in die Betrachtung ein, wird offensichtlich, dass oben angeführte Alltagsformulierung der heutigen Realität nicht mehr gerecht wird. Es scheint vielmehr einen Trend zu geben, der von dem Blickwinkel „Erwerb“ immer weiter weg führt, und Arbeit mehr aus der Perspektive der „Selbstverwirklichung“ betrachtet wissen will. Ich werde, ausgehend von einer historischen Betrachtung der Begriffe „Arbeit“ und „Beruf“ und einer - problematischen - modernen Definition dieser Begriffe (Punkt B) vor dem Hintergrund dieses Trends
• zunächst die aktuelle Arbeits-, Wirtschafts- und Berufsstruktur der Bundesrepublik Deutschland in ihrer Entwicklung makroökonomisch beschreiben (Punkt C),
• sodann die soziologische Diskussion zwischen „Weiterbestehen der Arbeit“ und „Ende der Arbeit“ darstellen (Punkt D),
• diese Diskussion dann anhand der These der „subjektbezogenen Ansprüche an Arbeit“ einer Synthese zuführen (Punkt D), diese empirisch unterfüttern und Erklärungsmöglichkeiten für diesen Wertewandel aufzeigen (Punkt E),
• und zuletzt einen Ausblick auf die Neubestimmung des Verhältnisses von Arbeit und Leben in der Zukunft geben (Punkt F)
1 eigene Formulierung
2 vgl. Jäger, Wieland (1997). Arbeits- und Berufssoziologie. In: Korte, He., Schäfers, B. (Hg.), Einführung in
Praxisfelder der Soziologie, Opladen: Leske + Budrich, S. 112.
1
B Arbeit und Beruf - begriffsgeschichtlicher Überblick
(nach Rudolph Walther) 3
Schon eine etymologische Betrachtung zunächst des Begriffes „Arbeit“ („Beruf“ kam erst mit der Reformation auf, siehe unten) ist äußerst aufschlussreich: Der Wortstamm, das indogermanische „orbho“, bedeutet soviel wie „Mühsal, Plage, Not, Beschwerde“. Hieraus entwickelte sich das lateinische „labora“ mit den weiteren Nebenbedeutungen „Armut, Krankheit, Kriegsanstrengungen“ und das ebenfalls lateinische „arva“ (= „gepflügte Äcker“). Auch das französische „travail“ (=Arbeit), welches sich aus dem lateinischen „trepalium“ herleitet (unter anderem eine Bezeichnung für ein Werkzeug zum Beschlagen wilder Pferde oder auch ein Folterwerkzeug), hat sich nicht weit von dieser düsteren Wortwurzel entfernt. „Positiv akze ntuierte“ 4 Konotationen fehlen. Etymologisch, und wie im folgenden gezeigt bis weit in die Neuzeit hinein auch sozialphilosophisch, ist der Begriff „Arbeit“ ausgesprochen negativ behaftet.
In der Antike galt vor allem der Landbau als Arbeit. Jedoch wurde Arbeit als etwas in höchstem Maße sozial diskriminierend angesehen. Sie galt als vollkommen unvereinbar mit Freiheit und Stellung des Vollbürgers. Für Arbeiten waren Sklaven, Knechte, Barbaren und Kriegsgefangene vorgesehen, wobei Aristoteles die Lohnempfänger als noch unter der Stufe der Sklaven ansiedelte, mit der Begründung, dass Lohnarbeit sich „tendenziell der Prostitution annäher(t)e“. 5
Diese sehr negative Bewertung von Arbeit ist auch durch den biblischen Sprachgebrauch nicht verbessert worden (nach Max Weber) und wurde beibehalten. Jedoch gab es durchaus neue Akzente: So wurde Arbeit nun als notwendiges Übel zur Selbsterhaltung im engeren Sinne akzeptiert, gleichwohl ihr „keinerlei ethische Überhöhung“ 6 zuteil wurde.
In der mittelalterlichen Scholastik setzte nun eine Differenzierung des Arbeitsbegriffes durch Thomas von Aquin ein. Durch die Synthese des aristotelischen Gedankengutes mit biblischen Arbeitsvorstellungen und gesellschaftlicher Realität entwickelte er eine vierstufige Hierarchie
3 vgl. Walther, R. (1990). Arbeit - Ein begriffsgeschichtlicher Überblick von Aristoteles bis Ricardo. In: König,
H. / Greiff, B. v. / Schauer, H. (Hg.), Sozialphilosophie der industriellen Arbeit (Sonderheft des Leviathan),
Opladen: Westdeutscher Verlag.
4 Walther, R.: Arbeit, S. 5
5 Ebd., S. 6
6 Ebd., S. 8
2
der Arbeit: auf der ersten Stufe stehe die „Kontemplation“ (als rein geistige Arbeit am höchststehenden), danach die „gottgefällige Askese“, hernach alle ehrliche Arbeit und zuunterst Arbeit zum Lebensunterhalt (als rein innerweltlicher Zweck).
Sehr bedeutend für die weitere Entwicklung war der Arbeitsbegriffs Luthers : Er bestritt, dass man sich mit Kontemplation und sonstigen „guten Werken“ einen Kredit für das Jenseits schaffen könne und erkannte damit indirekt jede Art von Arbeit als gleichwertig und vor Gott gut an. In Luthers Übersetzungen taucht erstmals der Begriff „Beruf“ im Sinne von „göttlicher Berufung“ auf. Jedoch schwingt hier neben der erstmaligen Überhöhung von Arbeit auch der Aspekt mit, dass der Beruf ein „gottgegebenes Faktum“ 7 sei, dass der Mensch nicht ändern dürfe (sehr konservative Geisteshaltung). Luther legte hier die Grundlage für die heute noch nachwirkende sogenannte „protestantische Arbeitsethik“, die noch immer zu signifikant höherer Wirtschaftleistung führt.
Im Zuge der Aufklärung bildeten Montaigne (1588), Descartes (1637) und Pascal (1670) einen einheitlichen Diskurs, auch die Arbeit betreffend. Alle drei führten einen „Modus menschlicher Selbsterhaltung“ 8 in unterschiedlicher Ausprägung ein. Hier ist Selbsterhaltung im Sinne von erkenntnistheoretisch motiviertem Sieg der Vernunft gemeint. Diese Selbsterhaltung nun speise sich (vor allem) aus geistiger Arbeit.
Diese positive Aufwertung der Arbeit wird durch den liberalen Staatstheoretiker John Locke auf die Spitze getrieben. Seine Einschätzung, dass Arbeit die „ursprünglichste menschliche Fähigkeit“ 9 und Rechtfertigung des Eigentumsbegriffes sei, wirkte richtungsweisend auf alle künftigen modernen Staatstheorien.
In der Folge jedoch wird der Begriff „Arbeit“ nicht mehr als normative r Wert an sich gesehen, sondern ökonomisch verallgemeinert. So ist nach Adam Smith (1776) Arbeit die Grundlage für den Tauschwert aller Güter.
Die Arbeitsdefinition Ricardos (1817), wonach Arbeit in totaler Ökonomisierung als ein Produktionsfaktor neben N atur und Kapital gesehen wird, wurde für die moderne Volkswirtschaft richtungsweisend.
7 Ebd., S. 14
8 Ebd., S. 17
9 Ebd., S. 21
3
Arbeit zitieren:
Alexander Pillris, 2005, Arbeitd-, Wirtschafts- und Berufstruktur der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Europa zwischen Demokratie und Diktatur - Die politische Entwicklung...
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Die Kreuzzüge - ein historischer Abriss
Eine Darstellung von Gründen, ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Athene des Paulus - Eine Untersuchung zum Ursprung des paulinische...
Theologie - Biblische Theologie
Wissenschaftlicher Aufsatz, 37 Seiten
Die Ereignisse des Herbsts 1923 - Widerspiegelung der Probleme der Wei...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Blockade von Berlin 1948/49 und ihr Einfluss auf die politischen E...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Katholisches Milieu und katholisches Bürgertum im späten Kaiserreich
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Seminararbeit, 22 Seiten
Der Gegensatz von Keynsianismus und Neoliberalismus
VWL - Makroökonomie, allgemein
Studienarbeit, 17 Seiten
DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutsch...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Seneca: "De Tranquillitate Animi" - Was ist das Problem des ...
Philosophie - Philosophie der Antike
Seminararbeit, 21 Seiten
Psychologische Wirkungen von Arbeitslosigkeit
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Hilfe für Byzanz? Von Clermont (1095) nach Jerusalem (1099)
Strukturelle Ursachen und Verl...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Studienarbeit, 23 Seiten
Die sog. Neue Paulus-Perspektive - Darstellung und kritische Würdigung...
Theologie - Biblische Theologie
Examensarbeit, 41 Seiten
Die Deutsche Inflation 1914-1923: Ursachen und Verlauf
Ursachen und der Verlauf der I...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 23 Seiten
Migrationstheorien - ein Überblick
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Die Ursachen der Deutschen Inflation - Vom Ende des Ersten Weltkriegs ...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Alexander Pillris hat den Text Arbeitd-, Wirtschafts- und Berufstruktur der BRD veröffentlicht
Alexander Pillris hat einen neuen Text hochgeladen
Ideen und Konzepte der großen ...
Robert L. Heilbroner, Matthias Sommer
Wirtschaftliches Grundwissen für Naturwissenschaftler und Ingenieure
Hergen Scheck, Birgitt Scheck
0 Kommentare