Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Mode am Ende des 19. Jahrhunderts 4
2.1 Geschichte der Mode 4
3. Entwicklung des Kleidungsstils von Edna Pontellier 12
3.2 Gründe für den Suizid 19
4. Zusammenfassung und Fazit 21
5. Literatur 24
2
1. Einleitung
Jahrhunderte lang bekleideten sich die Menschen zum Schutz vor Kälte, Hitze oder ähnlichen Umwelteinflüssen. Als man aber nicht mehr länger Bärenfelle trug und man mehrere verschiedene Garderoben zum Wechseln besaß, bemerkte man recht schnell, dass die Kleidung weitaus mehr zu bieten hatte als den rein funktionalen Schutzaspekt. Man konnte nun auch Gefühle und innere Stimmungen unausgesprochen ausdrücken und dies ist bis heute so geblieben. Nach wie vor trägt man in unserer Kultur Schwarz bei Trauerfällen, Weiß bei Hochzeiten oder elegante, luxuriöse Kleidung zu festlichen Anlässen. Heute ist es jedoch zudem möglich, offen seine Gefühle zu äußern, ohne dies subtil über die Kleidung tun zu müssen. Es gibt bei weitem keine so strengen Konventionen mehr wie im 19. Jahrhundert, die die angemessene Kleidung vorschreiben.
Im 19. Jahrhundert war es vor allem für die Frau noch schwierig, ihre Gefühle und Einstellungen auf direktem Weg zu äußern, sofern sie nicht dem traditionellen Ro llenbild entsprachen. Aus diesem Grund musste die Frau eine passende Möglichkeit finden, dies versteckt zu tun. Mit der Wahl der Farbe und der Art ihrer Garderobe konnte die Frau ihrer Umwelt mitteilen, in welcher seelischen Verfassung sie sich befand. Edna Pontellier ist eine dieser Frauen.
In Kate Chopins The Awakening findet sich neben verschiedenen anderen Bildern wie die Vögel, das Meer oder die Musik, die Kleidung als eine zentrale Metapher im Verständnis von Edna Pontelliers Erwachen. Die Kleidung und das Ablegen dergle ichen haben einen stark symbolischen Charakter, da mit der Beschreibung von Ednas Kleidung ihre Gefühle und ihre allmähliche Veränderung auf subtilem Weg übermittelt werden können. Ziel dieser Arbeit ist es, die Veränderungen in Ednas Wahl der Kleidung und die damit einhergehenden Veränderungen in ihrem Denken zu beschreiben und zu analysieren.
Zunächst werde ich die Mode gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschreiben, um anschließend die verschiedenen Garderoben von Edna Pontellier und die Kleidungsmetaphern vor und nach Ednas Metamorphose genauer betrachten zu können. Bei der Beschreibung der Mode beschränke ich mich auf die letzten ca. 20 bis 30 Jahre des Jahrhunderts, da der Roman im Jahr 1899 spielt, und Edna und die übrigen Frauen stets nach der aktuellen Mode gekleidet waren, da dies ihre soziale Stellung verlangte. Allein die Beschreibung der letzten fünf Jahre hätte nicht genügt, da auf diese
3
Weise die neuesten Veränderungen und Einflüsse früherer Mode nicht hätten berücksichtigt werden können. Zudem werde ich beschreiben, welche Garderobe zu welcher Tageszeit und zu welchem Anlass getragen werden sollte und welche zusätzlichen Punkte eine Frau zu beachten hatte, wenn sie sich ankleiden wollte.
Weiterhin werde ich Edna mit Adèle Ratignolle und Mademoiselle Reisz und deren Art sich zu kleiden vergleichen. Letztlich schließt Edna ihre Veränderung und ihr Erwachen dennoch mit dem Suizid ab. Ich werde die möglichen Gründe für diesen Selbstmord aus einigen Ansichten in der Literatur zusammentragen und daraus ein Fazit ziehen.
2. Mode am Ende des 19. Jahrhunderts
2.1 Geschichte der Mode
In den letzten 20 bis 30 Jahren des 19. Jahrhunderts fand ein deutlicher Wandel der damaligen Mode statt. Die Frau wollte nun bequemere, alltagstauglichere Kle idung tragen statt der meterweisen und kiloschweren Stoffe, die für die oberen Gesellschaftsschichten üblich waren. Bis zu dieser Zeit war es ausschließlich den Männern und den Kindern vorbehalten Kleidung zu tragen, welche nicht bei jeder auch noch so geringen Anstrengung ein Hindernis darstellte und die Bewegungsfreiheit stark einschränkte (Byrde 69). Doch trotz einer Veränderung zu praktischerer und komfortablerer Kleidung war wohl kein Abschnitt des 19. Jahrhunderts so streng und restriktiv in Bezug auf die Kleidung wie diese letzten 30 Jahre.
Etwa um 1874 wurde noch der so genannte „Brus tharnisch“ von der Frau getragen, ein Mieder, welches die Rundungen um die Hüften verschwinden ließ, so dass das Gesäßpolster noch weiter unten getragen wurde. Das Mieder war jacken- oder westenähnlich geschnitten und war mit Stehbündchen am Hals hoch geschlossen (Liegl-Raditschnigg 53). Der Rock der Kle ider wurde länger, das Gesäßpolster enger und der Stoff des Rockes endete nicht selten in einer Schleppe. Diese Gesäßpolster wurden „Turnüre“ genannt, ein Gestell aus Stahlschienen und Fischbeinstäben, welches wie ein Hufeisen um das Gesäß gelegt wurde und mit Bändern an der Taille befestigt werden konnte. Noch bis Mitte der 80er Jahre wurde es getragen. Die Turnüre betonte das Gesäß sehr stark, eine im Rücken gebundene riesige Schleife verstärkte diesen
4
Effekt noch zusätzlich. Oft konnte der Rock auch in einer Schleppe enden (Liegl-Raditschnigg 53).
Ab 1876 trugen die Frauen die so genannte „Polonaise“, ein Mieder mit angenähtem Rock, welcher nicht mit Volants besetzt war, sondern glatt geschnitten und mit drei Nähten im Rücken einen schürzenähnlichen Effekt hatte (Byrde 72). Weiterhin sollte der Rock des Kleides eng um die Beine liegen, so dass das Kleid vorn wie eine Art Mumie aussah, hinten aber eine lange Schleppe hatte (Byrde 72).
Dennoch kam der Brustharnisch noch nicht aus der Mode. Dieses Mieder war auf-grund der fünf dichten Nähte im Rücken sehr eng. Diese Nähte verliefen von der Schulter bis zur Hüfte, wobei die Abnäher auf der Vorderseite kurz und eng beiein-ander lagen. Um den Effekt einer geraden und glatten Linie in der Körperha ltung zu intensivieren, konnte der Brustharnisch optional im Rücken geschnürt werden. Der Halsausschnitt war entweder rund und hochgeschlossen oder die Frau trug einen V-Ausschnitt mit einer Art Unterhemd aufgefüllt, welches passend zum Stoff des Kle ides war. Die Ärmel des Kleides waren normalerweise auch sehr eng und gerade, am Handgelenk endete der Ärmel in einer angedeuteten Mansche tte. Etwa um 1870 wurden die Ärmel kürzer, man trug nun nur noch ¾ -Länge, auch bei normalen un-formellen Tageskleidern. Jedoch wurden nun lange Handschuhe getragen, die den Rest des Unterarmes bedeckten (Byrde 72).
Ab 1870 wurden die Kleider bereits aus zwei verschiedenen Materialien hergestellt, so dass die Ärmel eine andere Farbe haben konnten als das Mieder. Beispielsweise konnten Satin und Samt miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise sah das Mieder aus, als sei es ärmellos, womit der Effekt der geraden, engen Linie ve rstärkt wurde. In erster Linie sollte die Kleidung folglich schlank machen, doch die meisten Frauen fühlten sich in derartig enger Kleidung nicht wohl. Man musste andere Wege finden, um den schlankmachenden Effekt der Kleidung zu erzielen. Der Rock wurde nun mit Hilfe von unzähligen Bändern zurückgebunden, die an der Innenseite des Rockes befestigt waren, doch war das Laufen mit dieser Bindung möglich, wie Byrde im Folgenden ausführt:
[...] but tying back the skirt, by a series of interior tapes which pulled the front flat across the legs, was the most common means of giving a sheathlike impression. [...] In reality the skirts were not as narrow as they might
5
appear and a measurement of three or three and a half yards wide was considered correct in December 1876. (Byrde 72)
Im Gegensatz zu Byrde berichtet Liegl-Raditschnigg allerdings, dass das Laufen sehr wohl durch die Bindung erschwert wurde, da die Überröcke über den Knien zeitweise sehr eng waren (Liegl-Raditschnigg 54).
Einige Frauen wollten nicht mehr länger in ihren engen Korsetts „eingesperrt“ sein und riefen eine Bewegung ins Leben, die auf lange Sicht erreichte, dass die enge Schnürung außer Mode kam und normale Röcke und sogar Hosen akzeptiert waren. Doch zunächst hatte diese Bewegung nur mäßigen Erfolg. Laut Byrde dauerte es weitere 20 Jahre, bis die unbequeme Kleidung außer Mode kam: „It was not until the first decades of the twentieth century that tight lacing was abandoned and divided skirts or trousers were accepted.” (Byrde 71).
Die Kleidung der Frau war unpraktisch, steif und schränkte die gesamte Bewegungsfreiheit stark ein. Doch mit der Zunahme berufstätige r Frauen gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderten sich auch die Ansprüche der Frauen an ihre Kleidung, so dass die Turnüre aus der Mode kam. Gegen Ende der 90er Jahre wurden die Linien und Stoffe des Mieders weicher und geschmeidiger. Dies sollte die Kurven der Frau betonen. Einige andere Änderungen der Kleidung wurden am Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen, auch wenn nach wie vor die grundlegende Form der Fraue nkleider erha lten blieb. Das klassische Kleid bestand aus zwei Teilen, einem Mieder und einem langen Rock. Unter diesen beiden Teilen trug die Frau nach wie vor ein sehr eng geschnürtes Korsett, so dass sie jederzeit eine Wespentaille hatte. Ein neuer Einfluss in die Art der Garderobe war jedoch die Erfindung des Kostüms, ein Kleid oder Rock mit passender Jacke und wahlweise einer Weste. Das Kostüm war meist aus glatter Wolle und konnte mit einem weniger streng genähten Rock mit farblich unterschiedlicher Bluse im Alltag tagsüber getragen werden. Laut Liegl-Raditschnigg war das Kostüm eine „praktische Kombination aus zunächst knöche llangem Rock und Jacke“ (Liegl- Raditschnigg 55).
Weiterhin trugen die Frauen auf der Straße keine Capes oder Schals mehr, sondern strapazierfähigere Mäntel. Der Rock war nach wie vor sehr schmal, doch weitete er sich nach unten glockenförmig, so dass man von nun an von einer „Glockenrockkrinoline“ (Liegl-Raditschnigg 55) sprach. Die eigentliche Krinoline wurde in den 50er
6
Quote paper:
Katrin Zielina, 2005, Fashion in Kate Chopins "The Awakening", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Quartaergeologischer Aufbau und Sedimentverteilung in der Kieler Foerd...
Geography / Earth Science - Geology, Mineralogy, Soil Science
Diploma Thesis, 129 Pages
Untersuchung zum Fetischismus in der Education sentimentale
Romance Languages - French Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
Stilleübungen und Meditieren mit Kindern
Pedagogy - Miscellaneous Topics
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Die Entwicklung der Amerikanisierung in Deutschland
Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Helmut Krausser - Tagebücher: Exhibitionismus für Voyeure? Zum Anteil ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Cultural Identity in "Krik Krak" by Edwidge Danticat
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Der 'New Negro' der Harlem Renaissance in den Gedichten Claude...
Romance Languages - Other Languages
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Die Schmerzdarstellung und das Weiblichkeitsbild in Sacher-Masochs „Ve...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Der Holocaust im kollektiven Gedächtnis Amerikas - zu den Thesen von P...
Politics - International Politics - Region: USA
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Stille-Übungen mit Klangschalen
Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Termpaper, 23 Pages
Meditation im Religionsunterricht
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Scholary Paper (Seminar), 9 Pages
Zu Hugo Balls Gedanken und Ansichten während seines Aufenthalts in Zür...
Literature - Modern Literature
Termpaper, 12 Pages
Die Gründung der Solidarnosc - Beginn der Demokratisierungsbewegung in...
History Europe - Germany - Postwar Period, Cold War
Presentation (Elaboration), 8 Pages
Staat - Kirche - Solidarnosc zur Rolle der katholischen Kirche in Pole...
History Europe - Germany - Postwar Period, Cold War
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Katrin Zielina's text Fashion in Kate Chopins "The Awakening" is now available as a printed book
Katrin Zielina has published the text Fashion in Kate Chopins "The Awakening"
Katrin Zielina has uploaded a new text
Kate Chopin's the Awakening: A Routledge Study Guide and Sourcebook
Janet Beer, Elizabeth Nolan
Kate Chopin's the Awakening: A Routledge Study Guide and Sourcebook
Janet Beer, Elizabeth Nolan
Coloring Locals: Racial Formation in Kate Chopin's Youth's Companion S...
Bonnie James Shaker
0 comments