Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. Seite 3
2. Grundlegung. 3
2.1. Die Landläufige Unterscheidung der Begriffe „symbolische Kunst“
und „nicht-symbolische Kunst“ 3
2.2. Das „Bild als Kunstwerk“ in der puristischen Auffassung. 5
2.3. Die Begriffe „intrinsisch“ und „formal“ 6
3. Die puristische Auffassung in der Anwendung. 7
3.1. Hironimus Boschs Gemälde „Der Garten der Lüste“ 7
3.2. Unzulänglichkeiten in der Anwendung. 8
4. Fehler in der puristischen Theorie. 9
4.1. Das Symbol als Äußerlichkeit. 9
4.2. Darstellung und Ausdruck als einzige Arten von Symbolisierung. 9
4.3. Besitz von Eigenschaften ohne Bezugnahme. 10
5. Exemplifikatorische Bezugnahme. 11
5.1. Probe und Vorlage. 11
5.2. Exemplifikation in nicht-darstellenden und nicht-expressiven
Gem älden. 12
6. Intrinsische und extrinsische Eigenschaften von Kunstwerken. 13
6.1. Die Puristische Sichtweise. 13
6.2. Nelson Goodmans Sichtweise. 14
Im Anhang:
1. Abbildungen
2. Literaturverzeichnis
3. Nachweis der Abbildungen
2
1. Einleitung
Aus der Annahme heraus, dass „Versuche, die Frage ‚Was ist Kunst?’ 1 zu beantworten, meist mit Enttäuschung und Verwirrung enden“ 2 , untersucht Nelson Goodman in seinem Buch „Weisen der Welterzeugung“, im vierten Kapitel „Wann ist Kunst?“, die „Rolle des Symbolischen in der Kunst“ 3 . Im Hinblick auf den Kunststatus des „gefundenen Objektes“ 4 und der Konzeptkunst befragt er die Verhältnismäßigkeiten zwischen Kunstwerken und Symbolen. Gleichwohl, ob „eingesetzte“ 5 Symbole die Aussage von Kunstwerken steigern oder von ihr ablenken, besteht, laut Nelson Goodman, die landläufige Meinung, Symbole seien dem Kunstwerk selbst äußerlich. Entsprechende Anwendungen finden sich in der Unterscheidung der Begriffe „symbolische Kunst“ und „nicht-symbolische Kunst“. Auf der puristischen künstlerischen Auffassung aufbauend untersucht Nelson Goodman in welcher Art und Weise Kunstwerke symbolisieren. Mit der Einführung des Begriffs der „Exemplifikation“ muss die landläufige Meinung über die Bedeutung von intrinsischen und extrinsischen Eigenschaften von Kunstwerken kritisch hinterfragt werden.
2. Grundlegung der Problematik
2.1. Die Landläufige Unterscheidung der Begriffe „symbolische Kunst“ und „nicht-symbolische Kunst“
Was das Verhältnis von Kunstwerk und Symbol betrifft, besteht laut Nelson Goodman die landläufige Meinung, Symbole sind dem Kunstwerk selbst äußerlich. Darauf baut ein Verständnis des Begriffs „symbolische Kunst“ auf, welches vom Wortgebrauch „nicht-symbolische Kunst“ allgemein unterschieden wird. Demnach werden Kunstwerke deshalb als „symbolische Kunstwerke“ klassifiziert, weil sie „Symbole
1 In Nelson Goodmans symboltheoretischer Auffassung gibt es keinen stabilen Status von Objekten,
deshalb ist für ihn die Frage nach dem „was“ irrelevant und er formuliert später „Wann ist Kunst?“.
2 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft: Nelson Goodman - Weisen der Welterzeugung (1990), S. 76.
3 ibid.
4 Gemeint ist der Begriff „objet trouvé“.
5 Am Beispiel einer Schülerin, die eine Kurzgeschichte schreiben möchte, wird vom „Einsetzen“ von
Symbolen gesprochen. Die Vokabel „Einsetzen“ verdeutlicht ein „Hinzufügen“ der Zeichen von Außen,
was die Annahme zulässt, dass Symbole dem Kunstwerk selbst äußerlich sind.
3
zum Gegenstand haben“ 6 und nicht weil die Bilder selbst Symbole sind. Sie bilden Symbole ab. Das heißt sie zeigen „Bilder zweiter Stufe“ 7 , die ein verborgenes Gleichnis wider geben 8 .
Im Gemälde „Der Garten der Lüste“ von Hironimus Bosch, welches Nelson Goodman exemplarisch zur Diskussion stellt, treffen Himmel und Hölle metaphorisch aufeinander. Auf dem Gemälde ist das sündige Leben der Menschen dargestellt. Das bedeutet innerhalb der landläufigen Sichtweise, dass auf ihm Zeichen stehen, die das sündige Leben der Menschen veranschaulichen. Im Zentrum des Bildes benutzt Hironimus Bosch das Symbol nackter Männer, die um einen Teich mit unbekleideten Frauen reiten. Dieses Zeichen verweist in der eben beschriebenen Art und Weise auf Fruchtbarkeit. Das Reiten ist eine traditionelle Metapher für den Geschlechtsakt. Die ungezäumten Tiere sind ein Zeichen für zügellose Begierde. Fische und Früchte sind Symbole der Sinnesfreuden. Das Geschehen kreist in der bildnerischen Erzählung um sich selbst um die Nichtigkeit des Treibens zu symbolisieren. Der Eber, der Ziegenbock und der rote Blütenkelch im Kreis stehen ebenfalls für Fruchtbarkeit. Beispielhaft wird an diesem Kunstwerk deutlich, dass die verwendeten Figuren, Tiere und Gegenstände selbst als Symbole dastehen 9 . Symbolisieren heißt hier abbilden. „Nicht-symbolische Kunst“ dagegen bedeutet zunächst, dass nichts abgebildet wird. Das heißt, es werden keine Bilder zweiter Stufe gezeigt. Hier zählen zudem auch gegenständliche Kunstwerke dazu, die Porträts, Stilleben und Landschaften darstellen, weil die Sujets auf unmittelbare Art und Weise wider gegeben werden und sie nicht selbst als Zeichen dastehend fungieren. Sie sind keine verborgenen Gleichnisse oder Metaphern für eine weitere, hinter ihnen liegende Bedeutungsebene. Wenn „nicht-symbolische Kunst“ dagegen als „Kunst ohne Symbole“ 10 gruppiert wird, so räumt Nelson Goodman ein, beschränkt man sich landläufig auf Werke ohne Sujets, wie zum Beispiel auf rein abstrakte, dekorative oder formalistische Werke, die nichts darstellen. Hier können die Arbeiten von Theo van Doesburg 11 angeführt werden, bei denen der Rhythmus aus Farbe und Form thematisch im Zentrum der bildkünstlerischen Auseinandersetzung steht. Weil die Vokabel „darstellen“ auch „Bezug nehmen auf“ oder „symbolisieren“ meint, werden Kunstwerke mit Sujets wie
6 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft: Nelson Goodman - Weisen der Welterzeugung (1990), S. 77.
7 Ein „Bild zweiter Stufe“ ist gleichbedeutend mit „Abbild“.
8 Vgl. Abbildung 1 im Anhang, Hironimus Bosch, „Der Garten der Lüste“.
9 ibid.
10 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft: Nelson Goodman - Weisen der Welterzeugung (1990), S. 77.
11 Vgl. Abbildung 3 im Anhang.
4
Landschaften oder Porträts, wie beispielsweise ein Selbstportrait von Max Beckmann 12 , in diese Definition nicht mit eingeschlossen. Damit ist gemäß allgemein gebräuchlicher Auffassung jedes Werk, das dastehende Zeichen abbildet oder Sujets darstellt ein Symbol und „Kunst ohne Symbole ist beschränkt auf Kunst ohne Sujet“ 13 - also auf rein abstrakte Kunst beschränkt. Nelson Goodman zeigt am Beispiel der puristischen Auffassung über Kunst ein unter Künstlern und Kunstkritikern anerkanntes Programm auf, welches fordert, Kunst sei von allem was symbolisiert wird oder worauf Bezug genommen wird abzulösen.
2.2. Das „Bild als Kunstwerk“ in der puristischen Auffassung
Die puristische Auffassung deklariert das Vorhandensein einer äußeren und einer inneren Bildebene bei Kunstwerken. „Extrinsisch“ heißen demnach Eigenschaften, die nicht zum „Bild als einem Kunstwerk“ gehören, die dem Kunstwerk entsprechend äußerlich sind. Mit „intrinsisch“ werden Eigenschaften benannt, die den künstlerischen Charakter des Bildes ausmachen und demnach zum „Bild als einem Kunstwerk“ gehören. Die Vokabel „Bild als Kunstwerk“ kann auch in den Ausdruck „zur künstlerischen Aussage gehörig“ übersetzt werden.
Das was ein Bild nun symbolisiert oder wofür es steht oder worauf es Bezug nimmt, ist entsprechend dieser Gliederung eine äußerliche Eigenschaft die nicht zum „Bild als einem Kunstwerk“, also nicht zur künstlerischen Aussage gehört. Demnach stellt die Symbolisierung eine äußerliche Relation bzw. eine Verknüpfung dar, welche die innere Ebene des Bildes mit Äußerlichkeiten des Bildes in Wechselwirkung treten lässt 14 . Sujets wie Gegenstände, Themen oder andere Bezüge, die das Bild mittels Symbolen aus einem bekannten, oder vielmehr aus einem anerkannten, Vokabular herstellt, haben nichts mit seiner ästhetisch künstlerischen Bedeutung oder seinem künstlerischen Charakter zu tun. Dieser wird nur durch den bloßen Besitz bildimmanenter Eigenschaften wie beispielsweise durch den Rhythmus aus Farbe und Form hergestellt. Nur die intrinsischen, das meint hier die formalen Qualitäten, sind für ein Bild als einem Kunstwerk relevant. Die vom Bild ausgehenden
12 Vgl. Abbildung 2 im Anhang, Max Beckmann, „Selbstporträt“.
13 ibid.
14 Vgl. Abbildung 6 im Anhang, Schema der puristischen Auffassung.
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Arbeit zitieren:
Matthias Haase, 2005, Intrinsische und extrinsische Eigenschaften von Kunstwerken in Nelson Goodmans Frage nach der Rolle des Symbolischen in der Kunst, München, GRIN Verlag GmbH
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