Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 03
2. Hauptteil
2.1 Vorgeschichte: Herkunft und Entstehung alternativer
Jugendbewegungen in den 50er Jahren 05
2.2 Die sozialistische Pädagogik: Spagat zwischen Toleranz und
Repression 06
2.3 „Kultureller Kahlschlag“: Das vorläufige Ende einer liberalen
Jugend - und Kulturpolitik 08
2.4. Normalisierung und Anpassung unter den Vorzeichen des
„Prager Frühlings“ 10
3. Schluss 12
4. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Jugendbewegungen und subkulturelle Strömungen Heranwachsender erhalten ihre historische Relevanz als Indikatoren
gesamtgesellschaftlicher Widersprüche und Oppositionen. Auch und gerade in der DDR der 60er lassen sich die Auswüchse jugendlichen Aufbegehrens als „Motoren sozialen Wandels“ 1 werten. Dies scheint in der „durchherrschten Gesellschaft“ 2 problematischer denn je, war doch „die Jugend eine zentrale Größe gesellschaftlicher Planung“ 3 . Nach dem zweiten Weltkrieg erfährt der soziologische Begriff
„Generationenkonflikt“ durch das Aufkommen der Populärkultur und des Massenkonsums eine Zunahme an Komplexität - zunächst primär in westlichen Gesellschaften, letztendlich aber auch in den Staaten des Ostblocks und insbesondere in der DDR. Wie ging die SED mit dieser Problematik um? Welche Strategien entwickelte sie, um die Vorherrschaft westlicher Musik, Mode und Lebensentwürfe einzudämmen? Auf welchen Widerstand stieß die Parteiführung dabei unter den Jugendlichen? Kann der Siegeszug des Rock’n Roll in der DDR als allgemeine Liberalisierungs- und Modernisierung (um)gedeutet werden? Welche Bedeutung spielt die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugend in den 60er Jahren für die friedliche Revolution im Herbst 1989? In dieser Hausarbeit möchte ich aus einer kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Perspektive die Grenzen und Möglichkeiten ausgewählter Jugendbewegungen beleuchten. Besonderes
Augenmerk werde ich dabei auf öffentliche Äußerungen, Leitlinien und Prinzipien der SED-Führung in Bezug auf jugendpolitische Entscheidungen legen - sei es anhand juristischer Anordnungen, Zeitungszitate oder ähnlichem Quellenmaterial.
1 Maase, Kaspar, Körper, Konsum, Genuss - Jugendkultur und mentaler Wandel. In: Aus Politik und
Zeitgeschichte. B 45/2003. S.9.
2 Kocka, Jürgen, Eine durchherrschte Gesellschaft. In: Hartmut Kaelble/Jürgen Kocka/Hartmut Zwahr (Hg.):
Sozialgeschichte der DDR. Stuttgart 1994. S. 574.
3 Lindner, Bernd: Zwischen Integration und Distanzierung. Jugendgenerationen in der DDR in den sechziger und
siebziger Jahren. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 45/2003. S.33
3
An den Anfang stelle ich einen groben Überblick über Herkunft und Erscheinungsformen der aufkommenden kulturindustriellen
Populärkünste und ihre Auswirkung auf die sich ausdifferenzierende Jugendkultur in der DDR Ende der 50er Jahre. Daran anschließen möchte ich eine Skizzierung der jugendpolitischen Institutionen, ihrer Aufgaben und Ziele - die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die DDR-Pädagogik und das ihr zugrunde liegende sozialistische Menschenbild stehen hier im Zentrum.
Im Hauptteil konzentriere ich mich auf die jugendpolitische Wende der SED-Führung, die Mitte der 60er die kurze Phase der kulturpolitischen Liberalisierung beendet. Geklärt werden soll, welche Gefahren und Risiken die SED-Führung in der aufkeimenden Jugendbewegung sah, welche Maßnahmen zu ihrer Eindämmung getroffen wurden und wie die Heranwachsenden auf diesen „Kahlschlag“ reagierten. Mit einem kurzen Blick auf den „Prager Frühling“ 1968 soll auch ein außenpolitischer Faktor in Hinblick auf ihre mentalitätsgeschichtliche Bedeutung beleuchtet werden und den kulturpolitischen Querschnitt dieser Hausarbeit beenden.
Schlussendlich möchte ich den Versuch unternehmen, die mentalitätsgeschichtliche Relevanz opponierender Jugendströmungen herauszuheben und ihre Kernelemente in den Großzusammenhang des gescheiterten SED-Realsozialismus stellen. Die Generationenmodelle von Hartmut Zwahr und Bernd Lindner bilden hierbei den Rahmen für meine Untersuchung, da diese beiden Autoren die „friedliche Revolution“ Ende der 80er Jahre auch generationell betrachten und Generationstypologien für ihre Untersuchungen heranziehen.
4
2. Hauptteil:
2.1 Vorgeschichte: Herkunft und Entstehung alternativer
Jugendbewegungen
„Eine große Linie deutscher Kulturgeschichte im 20. Jahrhundert bildet der Aufstieg der kommerziellen Populärkünste. […] ihre Werte haben die um 1900 noch allein gültigen Maßstäbe der so genannten Hochkultur an den Rand gedrängt.“ 4 Bereits in der Mitte der 50er Jahre zeichnete sich in der DDR ab, dass angloamerikanische Musikstile, Modetrends und Lebensentwürfe vor den Grenzen des Ostblocks nicht halt machten und tradierte Erscheinungsformen der Jugend- und Massenkultur verdrängten. Wie überall auf der Welt übte die radikale Inszenierung von Körper und Genuss eine unbändige Faszination auf Jugendliche aller Schichten aus. Die propagierte Arbeitergesellschaft bot den Heranwachsenden zu wenig Reize - das Aufkommen der Erlebnis- und Freizeitgesellschaft führte zu neuen Möglichkeiten der äußeren Abgrenzung innerhalb subkultureller Nischen.
Inspirationsquellen und Vorbilder kamen aus dem westlichen Raum: Rock’n Roll war eine viel versprechende Al ternative zur als bieder empfundenen Schlager- und Tanz-Musik. Doch was im Westen zunächst allenfalls als Generationenkonflikt seinen Ausdruck fand, erlangte in der DDR rasch eine politische Dimension: „Die transatlantische Veitstanzmusik Rock ’n’ Roll gehört in das Konzept der NATO, in das Konzept des kalten Krieges und der psychologischen Kriegsführung“ 5 , war sich die SED-Jugendzeitung „Junge Welt“ Ende der 50er Jahre sicher. In ihr spiegelt sich das tiefe Misstrauen gegenüber dem westlichen „Kulturimperialismus“ wider. Und zwei Jahre später äußerte Walter Ulbricht auf der „1. Bitterfelder Konferenz“: „Es genügt nicht, die kapitalistische Dekadenz in Worten zu verurteilen, […] gegen die ‚Hotmusik’ und die ekstatischen ‚Gesänge’ eines Presley zu
4 Maase, Kaspar - Körper, Konsum, Genuss - Jugendkultur und mentaler Wandel in den beiden deutschen
Gesellschaften. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. B 45/2003 S. 9.
5 Junge Welt vom 19. November 1958. Zitiert nach: Michael Rauhut: Rock in der DDR. Bonn 2002. S.7.
Arbeit zitieren:
Michael Bee, 2004, Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Freilassungen römischer Sklaven - Vorteil für den Freilasser?
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 20 Seiten
Sklaven in der Gesellschaft des römischen Kaiserreiches
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Wissenschaftlicher Aufsatz, 29 Seiten
Zu Ulrich Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." - Edga...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Kaiser Friedrich der Zweite und die Muslime
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 15 Seiten
Konfliktregionen: Indien - Pakistan
Politik - Internationale Politik - Region: Südasien
Hausarbeit, 16 Seiten
Gruppenarbeit in Theorie und Praxis- am Beispiel einer Deutschstunde
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Venezuela unter Chávez - Immer noch eine Demokratie?
Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika
Hausarbeit, 21 Seiten
Jugend in der DDR - Alltagsleben Jugendlicher und Jugendpolitik
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Vordiplomarbeit, 24 Seiten
Interkulturelle Trainings: Der Versuch einer Darstellung und einer kri...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 28 Seiten
Die IRA - legitime Interessenvertretung oder terroristische Gruppierun...
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Seminararbeit, 25 Seiten
Das politische Denken von Wilhelm Hennis. Ein Versuch über seine Polit...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 21 Seiten
Erhebung der relevanten Kulturstandards von Argentinien als Grundlage ...
Psychologie - Sozialpsychologie
Diplomarbeit, 108 Seiten
Michael Bee's Text Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael Bee hat den Text Beat, Rock 'n' Roll und die SED - Die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Staat und Jugendbewegung in der DDR der sechziger Jahre veröffentlicht
Michael Bee hat einen neuen Text hochgeladen
Promovieren zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte
Ein Handbuch
Daniel Hechler, Jens Hüttmann, Ulrich Mählert, Peer Pasternack
0 Kommentare